Fluchen im Sprachvergleich

Eine empirische Untersuchung und kontrastive Analyse zum deutschen und französischen Fluchwortschatz


Bachelorarbeit, 2013

72 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Forschungsfragen
1.2 Korpus
1.3 Aufbau

2. Historischer Hintergrund und Stand der Forschung
2.1 Fluchen im Sprachwandel
2.2 Vorhandene Studien

3. Theoretische Grundlagen und Methodik
3.1 Begriffsdefinition
3.1.1 Fluchen in den Wörterbüchern und Begriffsabgrenzung
3.1.2 Fluchen in der wissenschaftlichen Literatur
3.1.3 Fluchen als Interjektion oder Exklamation
3.1.4 Probleme der Abgrenzung zu Schimpfwörtern
3.1.5 Kurzdefinition
3.2 Fluchwortvarietäten
3.2.1 Diatopische Varietäten
3.2.2 Diastratische Varietäten
3.2.3 Diaphasische Varietäten
3.3 Der Wortschatz des Fluchens
3.4 Funktionen von Fluchwörtern und -wendungen

4. Empirische Untersuchung
4.1 Informationsbedarf
4.2 Konzeption und Durchführung der Untersuchung
4.2.1 Vorgehensweise bei der Datenerhebung
4.2.2 Konzeption des Fragebogens
4.2.3 Datenerhebung
4.3 Vorbereitung der Daten
4.3.1 Beschreibung der erhobenen Datensätze
4.3.2 Aufbereitung und Bereinigung der Datensätze
4.3.3 Zusammenfassung der bereinigten Datensätze

5. Korpusanalyse
5.1 Statistische Befunde zu Wortschatzvarietäten
5.1.1 Diatopische Varietäten
5.1.2 Diastratische Varietäten
5.1.3 Diaphasische Varietäten
5.2 Analyse des klassifizierten Wortschatzes
5.2.1 Deutsches Korpus
5.2.2 Französisches Korpus
5.3 Funktionsanalyse
5.3.1 Deutsches Korpus
5.3.2 Französisches Korpus
5.3.3 Kontrastive Analyse

6. Zusammenfassung der Ergebnisse

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Adaptierte Deutschlandkarte

Abbildung 2: Adaptierte Frankreichkarte

Abbildung 3: Diatopische Varietäten 1

Abbildung 4: Diatopische Varietäten 2

Abbildung 5: Diastratische Varietäten

Abbildung 6: Diaphasische Varietäten Deutschland

Abbildung 7: Diaphasische Varietäten Frankreich

Abbildung 8: Deutscher Fluchwortschatz

1. Einleitung

Menschen fluchen und schimpfen. Das ist ein menschlicher Urtrieb und zudem Balsam für die Seele. Fluchen ist heutzutage kein Tabuthema mehr und findet in allen sozialen Schichten statt. Fluchen kann man im Dialekt und in der Landessprache. Es ist allgegenwärtig. (Vgl. Achilles / Pighin:141).

„Es begleitet den Menschen als Ausdruck des Unwillens oder der aggressiven Stimmung durch das ganze Leben, seit er Sprache benützt. Überall, wo Menschen miteinander zu tun haben und sich gegenseitig auf die Nerven gehen, wird geschimpft und beschimpft, wird geschmäht und gescholten.“ (Kiener 1983:122)

Fluchen ist zu einem geringen Teil gewiss immer noch ein verpönter Bereich. Das rührt wahrscheinlich daher, dass viele Flüche starke vulgäre Ausdrücke beinhalten und den Außenstehenden unangenehm sind. Zudem gehört es einfach nicht zum guten Ton.

Der Psychologe und Professor Dr. Timothy Jay fand jedoch heraus, dass jeder Mensch durchschnittlich 80 bis 90 Tabuwörter verwendet (vgl. 2009:155). Ein Tabuwort ist ein anderes Wort für ein Fluchwort. Aus diesem Grund erscheint eine kontrastive Analyse von Fluchwörtern und -wendungen nicht nur interessant, sondern auch aufschlussreich.

Diese Arbeit soll nun einen konkreten Vergleich der Fluchwortschätze des Deutschen und Französischen liefern. Dabei handelt es sich zwar um zwei „benachbarte“ Sprachen, jedoch sind sie von Grund auf unterschiedlich. Die kontrastive Analyse einer germanischen und einer romanischen Sprache, die durch ihre geografische sowie geschichtsträchtige Nähe einige Gemeinsamkeiten birgt, ist gerade im Hinblick auf die verbale Aggressionsentladung interessant.

1.1 Zielsetzung und Forschungsfragen

Diese Arbeit hat zum Ziel, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Fluchwortschatz anhand einer empirischen Untersuchung und einer kontrastiven Analyse zu ermitteln. Den Untersuchungsgegenstand bilden deutsche und französische Muttersprachler aus Deutschland und Frankreich.

Zentrale Forschungsfragen:

Gibt es markante Gemeinsamkeiten und / oder Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Fluchwortschatz, sind eindeutige Frequenzen zu ermitteln?

Gibt es innerhalb der Sprachräume und im kontrastiven Vergleich diatopische, diastratische und diaphasische Varietäten?

1.2 Korpus

Das Korpus der Untersuchung bildet sich aus den Ergebnissen einer Online-Umfrage auf Deutsch und Französisch, die insgesamt 611 Rückläufer ergab. Die Befragung wurde in dem Zeitraum 23. Juli bis 2. August 2013 durchgeführt. Dieser Fragebogen setzt sich aus drei Teilen zusammen. Der erste Teil umfasst Sachfragen, Meinungsfragen und Verhaltensfragen rund um das Themengebiet. Der zweite Teil schildert realitätsnahe Situationen. Die Umfrageteilnehmer sollen sich in diese Situationen hineinversetzen und die Frage beantworten, wie sie in so einer Situation verbal reagieren würden. Der dritte Teil befragt die Teilnehmer nach soziodemographischen Merkmalen. Aus Teil 1 und Teil 3 werden innerhalb der Auswertung der Datenerhebung statistische Rückschlüsse auf linguistische Varietäten in beiden untersuchten Sprachräumen gezogen. Anhand der Primärdaten aus Teil 2 werden Sekundärdaten ermittelt, indem alle genannten Fluchwörter und -wendungen klassifiziert werden. Diese Klassifikation ermöglicht es realitätsnahe Aussagen über die Schöpfungsquellen von Fluchwörtern und -wendungen zu treffen, weil sie auf einer großen Anzahl an Beispielen basiert. Es stellt ein geeignetes Korpus dar, um deutsche und französische Fluchwörter und -wendungen zu untersuchen, weil eine Befragung von realen Merkmalsträgern, die realistischsten sowie objektivsten Ergebnisse liefert.

1.3 Aufbau

Diese Arbeit soll die Thematik Fluchen im Sprachvergleich betrachten, und dabei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des deutschen und französischen Fluchwortschatzes aufzeigen. Um dies zu erreichen, wurde folgende Vorgehensweise gewählt.

Im ersten Kapitel erfolgt eine Einleitung in das Themengebiet, eine klare Definition der Zielsetzung und der zugrundeliegenden Forschungsfragen sowie die Beschreibung und Begründung des Untersuchungskorpus.

Das zweite Kapitel liefert zunächst eine Betrachtung der Fluchwörter und -wendungen aus diachronischer Perspektive und eine Übersicht der bereits vorhandenen Forschungen über diese Thematik.

Im dritten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit, und daraus abgeleitet die Methodik der Korpusanalyse, dargestellt. Zur Erreichung der Zielsetzung sollen der deutsche und der französische Fluchwortschatz aus lexikologischer und semantischer Perspektive betrachtet werden. Dazu erfolgt in einem ersten Schritt eine genaue Definition und Abgrenzung der zu untersuchenden Wortschatzelemente. In einem zweiten Schritt werden mögliche linguistische Varietäten aus bereits vorhandenen Studien vorgestellt, die als Grundlage für die zu untersuchenden Varietäten im Rahmen der Analyse dienen. In einem dritten Schritt erfolgt eine nähere Betrachtung des Wortschatzes des Fluchens, um daraus abgeleitet, eine Eingrenzung der Schöpfungsquellen für Fluchwörter und -wendungen vorzunehmen. In einem vierten Schritt werden verschiedene Typologien zu grammatischen Funktionen von Fluchwörtern und -wendungen dargestellt und gegenübergestellt, um die optimale Analysemethode für das vorliegende Korpus zu ermitteln.

Im vierten Kapitel wird eine empirische Untersuchung durchgeführt, die deutsche und französische Muttersprachler zu ihrem Fluchwortschatz befragt. Diese Daten werden mithilfe eines Fragebogens erhoben, für die Analyse vorbereitet und zusammengefasst.

Im fünften Kapitel erfolgt die Analyse des Korpus, das sich aus der empirischen Datenerhebung ergab. Sie gliedert sich in zwei Analysebereiche. In einem ersten Schritt werden mittels der erhobenen Primärdaten statistische Befunde zum Fluchwortschatz bezüglich linguistischer Varietäten auf Basis der bereits vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse ermittelt. In einem zweiten Schritt werden aus den Primärdaten, Sekundärdaten erhoben, indem sie klassifiziert werden. Diese klassifizierten Daten werden analysiert und daraus schließend Aussagen über Frequenzen und Produktivität von Fluchwörtern und -wendungen im Deutschen und Französischen getroffen.

Im sechsten und letzten Kapitel dieser Arbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst und unter Einbezug der Zielsetzung und den dazugehörigen Forschungsfragen interpretiert und schließlich wird ein Fazit gezogen.

2. Historischer Hintergrund und Stand der Forschung

2.1 Fluchen im Sprachwandel

Die ersten überlieferten Flüche standen an den Wänden der Pharaonengräber, die ägyptische Priester dort zum Schutz vor Grabräubern niederschrieben (vgl. Achilles / Pighin 2008:135). Zudem finden sich die Begriffe Fluch und fluchen auch häufig in der Bibel wieder, vermehrt im Alten Testament (vgl. Achilles / Pighin 2008:138). In der Bibel stehen sogenannte Fluchpsalmen, wie beispielsweise Psalm 109 Vers 6: „Setze Gottlose über ihn; und der Satan müsse stehen zu seiner Rechten!“ Ein Fluch ist in seiner ursprünglichen Bedeutung das Gegenteil von Segen (vgl. Schaible 1885:28). Demnach waren es anfangs „sehr bildhafte Flüche zum Schaden und Untergang eines Feindes“ (Achilles/Pighin 2008:141). Der zweite Ursprung liegt im Schwören. So wurde früher als signifiant für das signifié „eine gotteslästerliche Interjektion ausstoßen“ neben fluchen auch schwören [1] verwendet (vgl. Kiener 1983:225). Jedoch hat das Wort schwören im heutigen Sinne eine völlig andere Bedeutung als fluchen. [2] Interessant ist, dass im französischen Wort jurer beide Bedeutungen erhalten geblieben sind, weil es übersetzt je nach Kontext sowohl fluchen als auch schwören heißen kann. Somit hat sich die Funktion ehemaliger Schwurformeln geändert (vgl. Kiener 1983:227f). „Heilige Namen, die ehemals zur Bekräftigung eines Schwurs genannt worden waren oder die man in Bedrängnis angerufen hatte, wurden allmählich zu Begleitlauten bei Zornausbruch“ (Kiener, 1983:228). In diesem Zusammenhang lässt sich auch von einer Desemantisierung sprechen. Der emotive Bezug wurde mit der Zeit stärker als die Bedeutung des Fluchwortes (vgl. Havryliv 2009:88).

2.2 Vorhandene Studien

Die kontrastive Forschung im Bereich Fluchen und Schimpfen verfügt mittlerweile über einen relativ großen Wissensstand, der jedoch teils noch nicht fundiert genug ist, weil keine Erklärungen gegeben werden können. Die meisten und aktuellsten Publikationen deckt die englische Forschung ab.[3] Die spezifische Forschung über Fluchwörter und -wendungen stellt immer ein Randgebiet dar, d.h. sie steht eigentlich nie allein im Fokus einer wissenschaftlichen Arbeit. Diese steht in Anbetracht der linguistischen Forschung häufig im Zusammenhang mit der Untersuchung von Schimpfwörtern. In der populärwissenschaftlichen Literatur finden sich die meisten Werke, die dieses Thema behandeln[4].und innerhalb der sprachwissenschaftlichen Literatur existieren vor allem Studien, die Fluchwörter einzelsprachlich untersuchen. Zu den erwähnenswerten Sprachwissenschaftlern, die sich mit dem Bereich des Fluchens und Schimpfens im Sprachvergleich auseinander gesetzt haben, zählen Franz Kiener (1983), Hans-Martin Gauger (1986, 1996, 2012), Prof. Dr. Damaris Nübling (2001, 2004) und Magnus Ljung (2010). Ein weiterer wichtiger deutschstämmiger Professor, der sich diesen Bereich wissenschaftlich näherte, ist Reinhold Aman (1996). Er ist Psychologe und gründete 1973 einen interdisziplinären Bereich, die sogenannte Malediktologie innerhalb der Psycholinguistik, Soziolinguistik und Psychologie, die sich speziell diesem Thema widmet. Von 1977 bis 2005 publizierte er eine akademische Zeitschrift mit dem Titel Maledicta, die sich ausschließlich auf verbale Aggressionsformen fokussierte.

[...]


[1] Im schwäbischen Dialekt blieb diese Bedeutung für das Wort schwöra bis heute erhalten.

[2] Duden - das Bedeutungswörterbuch definiert schwören wie folgt: Ein Gelöbnis ablegen; mit, in einem Schwur nachdrücklich versichern oder geloben; feierlich, nachdrücklich [unter Verwendung von Beteuerungsformeln] versichern.

[3] Van Lancker/Cummings (1999), McEnery/Xiao (2003, 2004), McEnery (2005), Hughes (1998, 2006), Ljung (2011)

[4] Z. B. Perret (1994), Burgen (1998), Freud (2007), Achilles/Pighin (2008), Philippi (2010), Essig (2012)

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Fluchen im Sprachvergleich
Untertitel
Eine empirische Untersuchung und kontrastive Analyse zum deutschen und französischen Fluchwortschatz
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Übersetzen und Dolmetschen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
72
Katalognummer
V265046
ISBN (eBook)
9783656605072
ISBN (Buch)
9783656605058
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fluchen Franzosen mehr als Deutsche? Ist die Fäkalsprache wirklich die primäre Schöpfungsquelle deutscher Fluchwörter? Gibt es regionale Unterschiede in Bezug auf das Fluchvokabular? Diese und weitere Fragen werden in dieser Arbeit ausführlich beantwortet. Sie bietet eine umfassende kontrastive Analyse des deutschen und französischen Fluchwortschatzes, basierend auf theoretischen Grundlagen und empirischen Daten durch eine Befragung deutscher und französischer Muttersprachler. Der deutsche und der französische Fragebogen und beide Rohdatensätze mit Auswertungen sind angehängt.
Schlagworte
Fluchwörter, Fluchwortschatz, Kontrastive Analyse, Fäkalsprache, skatologisch, Befragung, Empirische Untersuchung
Arbeit zitieren
Luisa Kalcher (Autor), 2013, Fluchen im Sprachvergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265046

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