Die Mobilität des Migranten

Räumliche und kulturelle Grenzüberschreitungen in Cary Fukunagas 'Sin nombre'


Masterarbeit, 2013
79 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Einwanderung in die USA: “Tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos
2.1) Hispanics in den USA
2.2) Mexikaner in den USA
2.2.1) Geschichtlicher Überblick
2.2.2) La frontera: Die mexikanisch-amerikanische Grenze
2.2.3) Illegale Einwanderung und amerikanische Gegenmaßnahmen
2.3) Auswirkungen innerhalb der USA

3.) Menschen in Bewegung: Zur Mobilität von Raum, Kultur und Individuum
3.1) Grenze: Ein Definitionsversuch
3.2) Räume erschaffen
3.2.1) Raumtypen und Raumhierarchisierungen
3.2.2) Kulturelle Räume
3.2.3) Zuschauerraum trifft Handlungsraum: Realität und Fiktion im Kino
3.3) Inklusion und Exklusion durch soziale Gemeinschaften

4.) Filmanalyse: Sin Nombre .
4.1) Der Regisseur: Cary Joji Fukunaga
4.2) Sin Nombre – Der Film
4.2.1) Zusammenfassung
4.3) Entwicklung der Charaktere
4.3.1) Willy/El Casper
4.3.1.1) Ausgangssituation
4.3.1.2) Privatleben vs. Gangleben
4.3.1.3) Finale Situation
4.3.2) Sayra
4.3.2.1) Ausgangssituation
4.3.2.2) Die Beziehung zwischen Sayra und Willy
4.3.2.3) Finale Situation
4.3.3) Benito/El Smiley
4.3.3.1) Ausgangssituation
4.3.3.2 Willy vs. Smiley – Gut gegen Böse?
4.3.3.3) Finale Situation
4.4) Andere Räume im Film
4.4.1) Destroyer
4.4.2) Friedhof
4.5) Leitmotive des Films
4.5.1) Fluss
4.5.2) Natur
4.5.3) Zug
4.6) Potentielle Lesarten des Films

5.) Fazit

6.) Literaturverzeichnis

7.) Internetressourcen

1. Einleitung

Die Geschichte von Menschen, Nationen und Kulturen ist auch immer eine Geschichte von Wanderungen. Migrationsbewegungen gestalteten dabei nicht nur den geographischen, sondern auch den privaten, den öffentlichen sowie den kulturellen und den sozialen Raum. Der Austausch von Menschen, Traditionen und Brauchtümern resultierte zunächst hauptsächlich aus der Gefährdung des eigenen Wohlergehens bspw. durch Krankheiten, religiöse oder politische Verfolgungen, Kriege oder Hungersnöte. Seit der Industriellen Revolution sind es hingegen vermehrt ökonomische Gründe die Menschen dazu bringen ihr Geburtsland zu verlassen. Die fortschreitende Globalisierung, etwa durch verbesserte Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie grenzüberschreitende Global Player, fördert die internationalen Migrationsbewegungen, die v. a. die Abwanderung aus wirtschaftlich schwachen Entwicklungsländern in stabile Industriestaaten erklärt.

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung stellen die Nachbarstaaten Mexiko und die Vereinigten Staaten von Amerika dar. Die hier verzeichneten Emigrationen von Süden nach Norden resultieren nicht allein aus dem Wirtschaftsgefälle zwischen dem Entwicklungsland und der Weltmacht, sondern basieren auch auf dem gemeinsamen historischen Kontext der Staaten, der mit dem mexikanisch-amerikanischen Krieg (1846-1848) seinen Anfang nahm. Somit sind bereits seit dem 19. Jahrhundert Überschreitungen der von Menschenhand gezogenen Grenzen im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet festzustellen. Seit mehreren Jahrzehnten sind es jedoch hauptsächlich Wirtschaftsflüchtlinge, die zumeist illegal in die USA einreisen, um dem sich ausweitenden Drogenkrieg und der schwächelnden mexikanischen Wirtschaft zu entkommen. Auf ihrem Weg gen Norden nehmen die Migranten dabei zahlreiche Gefahren auf sich. Ein kostengünstiges aber gefährliches Transportmittel, das jährlich mehrere tausend Mittel- und Südamerikaner in die Vereinigten Staaten bringt, sind Güterzüge, die die Auswanderer auf ihren Dächern transportieren.

Die Sehnsucht nach el norte und seiner scheinbar wirtschaftlichen wie sozialen Sicherheit, treibt das Gros der Migranten dazu an, die physische wie psychische Extremsituation auf sich zu nehmen und auf ihrem Weg in eine vermeintlich bessere Welt territoriale und kulturelle Grenzen zu überschreiten.

Die vorliegende Arbeit soll diese Grenzüberschreitungen in den Fokus stellen und untersuchen, welche Grenzen hispanische Migranten auf ihrer Reise in den Norden des amerikanischen Kontinents überqueren. Als Untersuchungsgegenstand dient das Migrationsdrama Sin Nombre, das 2009 als Regiedebut des amerikanischen Regisseurs Cary Fukunaga in den Kinos Premiere feierte. Als Gründe für die Auswahl dieser mexikanisch-amerikanischen Produktion können die mitreißenden und komplexen Handlungsstränge, der Einsatz von Raumkonzepten und Leitmotiven sowie die Authentizität der low-budget- Produktion angeführt werden. Darüber hinaus handelt es sich bei Fukunagas Werk nicht um ein klassisches Migrationsdrama, das sich nach den nordamerikanischen Kinokonventionen richtet und allein die Überschreitung der mexikanisch-amerikanischen Grenze thematisiert. Es geht v. a. um die mexikanischen und honduranischen Hauptcharaktere, ihre Herkunft und Migrationsmotivation sowie um die mexikanische Ganggesellschaft, die durch die real existierende Mara Salvatrucha (MS-13) repräsentiert wird.

Die Arbeit gliedert sich in drei themenübergreifende Abschnitte. Zunächst wird der (gemeinsame) historische Kontext der Vereinigten Staaten und Mexiko skizziert. Dazu werden vorab die Verteilung der hispanischen Minderheitengruppen innerhalb der USA und mögliche Ursachen für die Ansiedlung der Hispanics dargestellt. Mit Hinblick auf den Schwerpunkt der Arbeit und die “Sonderstellung“ der mexikanischen Zuwanderer rücken der historische Kontext der Nachbarstaaten, die gemeinsame Grenze und die hohe Zahl illegaler mexikanischer Einwanderer in den Vordergrund. Dieser erste Überblick dient nicht allein der Darstellung des mexikanisch-amerikanischen Verhältnisses, sondern umreißt gleichzeitig den Handlungsrahmen des zu analysierenden Films, der größtenteils auf die angeführten Themenbereiche zurückgreift. Nachfolgend werden kurz demographische, kulturelle und soziale Auswirkungen innerhalb der USA diskutiert, um das Leben der Zuwanderer zu beschreiben, das Fukunaga im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet enden lässt.

Im Folgenden wird mit der Diskussion des Raumbegriffes die Mobilität von Raum, Kultur und Individuum untersucht. Als erstes wird der Terminus der Grenze und dessen Inklusions- und Exklusionscharakter diskutiert, der bereits im historischen Kontext bzgl. der frontera angerissen wurde. Darauffolgend tritt der Raum, dessen Auffassung und Klassifizierung, in den Vordergrund. Der undurchsichtige Raumbegriff soll (unter Bezugnahme auf die nahezu allgegenwärtige Raumdebatte) erschlossen und eingegrenzt werden. Als Untersuchungsgegenstände werden beispielhaft der architektonische Raum, der Weltraum und der Zwischenraum erörtert, um die Notwendigkeit eines variablen Raumverständnisses aufzuzeigen. Dieses wird u. a. durch die unterschiedliche Auslegung des Begriffs vor einem sich wandelnden historischen Hintergrund diskutiert. Im Anschluss daran werden die Auslegungen des französischen Soziologen Pierre Bourdieu zum physischen und sozialen Raum sowie die Überlegungen des Theoretikers Homi K. Bhabha zum kulturellen Raum und dem sog. third space erläutert. Im praktischen Teil dieser Arbeit werden diese theoretischen Konzepte auf ausgewählte Aspekte des Films übertragen. Unter Berücksichtigung der cineastischen Ausrichtung der Arbeit wird anschließend das Aufeinandertreffen von Handlungsraum und Zuschauerraum aufgegriffen. Das Raumverständnis im Film wird ebenso erörtert wie die Hypothesen Michel Foucaults zur realisierten Utopie, der Heterotopie. Auch dieses Konzept soll in der Analyse zum Tragen kommen. Nach diesen Ausführungen zu Kultur und Raum soll der Fokus auf das Individuum gelegt werden, d. h. es wird untersucht, wie Menschen von sozialen Gemeinschaften eingebunden oder ausgeschlossen werden.

Der dritte Teil der vorliegenden Arbeit beginnt mit einer kurzen Vorstellung des amerikanischen Regisseurs Cary Joji Fukunaga und einer Zusammenfassung seines Kinodebuts Sin Nombre. Anschließend wird die Entwicklung der zwei Hauptcharaktere (des Mexikaners Willy und der Honduranerin Sayra) und eines Nebencharakters (des jungen Smiley) anhand ausgewählter Filmszenen dargestellt. Um ihre persönliche Weiterentwicklung kontrastiv gegenüberstellen zu können, werden jeweils die Anfangs- und Schlussszenen der genannten Charaktere analysiert. Des Weiteren wird pro Darsteller je ein Aspekt herausgegriffen, der Handlung und Hauptfigur entscheidend beeinflusst.

Im Anschluss daran wird versucht, o. g. Raumkonzepte auf Räume in Sin Nombre zu übertragen. Als Untersuchungsgegenstände werden diesbezüglich das Versammlungshaus der Mara Salvatrucha sowie deren alternativer Verhandlungsort (ein Friedhof) herangezogen. Auch die diskutierten Leitmotive des Films in Form von Flüssen, der Natur und des Zuges werden unter Berücksichtigung des Raumbegriffs analysiert. Darauffolgend werden potentielle Lesarten des Films erörtert, die sich aus der Vielfalt der genutzten Genreeinflüsse und den diskutierten Untersuchungsgegenständen ergeben.

In einem abschließenden Fazit wird versucht, zuvor aufgeworfene Fragen, die sich aus der Diskussion der einzelnen Gliederungspunkte ergeben, zu beantworten, z. B.: Was bedeutet Migration für das Individuum und warum nehmen gerade die USA und Mexiko eine Sonderstellung in der aktuellen Migrationsdebatte ein? Welche Grenzen und Räume werden bei Wanderbewegungen über- und durchquert und wodurch zeichnen sich diese aus? Welche dieser Grenzen und Räume finden sich in Sin Nombre wieder? Wie passieren die Hauptfiguren diese und wie bewegen sie sich durch die unterschiedlichen Räume?[1]

2. Einwanderung in die USA: „Tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos.“

2.1 Hispanics in den USA

Die Einwanderungsgeschichte der Vereinigten Staaten ist mit der keines anderen Landes zu vergleichen. Während die Einwanderungsgesellschaft im 17. Jahrhundert noch von europäischen Immigranten dominiert wurde, sind es seit dem 19. Jahrhundert überwiegend Einwanderer aus Mittel- und Südamerika, die die Migrationsgruppen prägen.

Als schnellst wachsende Bevölkerungsgruppe wird die Zahl der in den USA lebenden Hispanics[2] aktuell auf etwa 50 Millionen Menschen geschätzt, die mit rund 16 Prozent die größte Minderheit innerhalb der USA darstellen (Vieregge 2011). Aufgrund von Einbürgerungen, Migrationsströmen und konstanten Geburtenraten ist von einer steigenden Tendenz auszugehen.

Innerhalb der spanischsprachigen Minderheitengruppe stellen Mexikaner (etwa 32 Millionen Migranten), gefolgt von Puerto Ricanern (etwa 4,6 Millionen Migranten) und Kubanern (etwa 1,8 Millionen Migranten) die quantitativen Majoritäten dar (U.S. Census Bureau 2011).[3] Die Gründe, das Heimatland zu verlassen und in die Vereinigten Staaten abzuwandern, sind zumeist politischer und/oder ökonomischer Natur.

Während für mexikanische Einwanderer zunächst die direkte Nachbarschaft zur amerikanischen Wirtschaftsmacht als Anziehungspunkt gesehen werden kann, fußt die Abwanderung zu einem Großteil auf politischen Entschlüssen der Regierungen, die das mexikanisch-amerikanische Verhältnis prägen. Diese werden in Gliederungspunkt 2.2.1 weiter erläutert. Auch die hohe Zahl der auf dem amerikanischen Festland lebenden Puerto Ricanern ist u. a. durch militärische und politische Beschlüsse des 19. und 20. Jahrhunderts zu erklären. So gehört die ehemalige spanische Kolonie als Folge des verlorenen spanisch-amerikanischen Krieges seit 1898 zum Territorium der Vereinigten Staaten. Die Verleihung der amerikanischen Staatsbürgerschaft 1917 ermöglicht den Inselbewohnern eine legale Ein- und Ausreise und begünstigt den Pendelverkehr zwischen Inselstaat und Festland (F.A. Brockhaus 1984: 261). Die Zahl der kubanischen Immigranten ist hauptsächlich auf innerstaatliche politische Entscheidungen der Batista Diktatur und der darauffolgenden kommunistischen Regierung Fidel Castros zurückzuführen.

Die Dominanz der o. g. Ethnien spiegelt sich auch in der Ansiedlung und Verteilung innerhalb der amerikanischen Bundesstaaten wider. Laut U.S. Census Bureau verteilten sich 2010 rund 75 Prozent der Hispanics (knapp 38 Millionen Migranten) auf lediglich 8 der insgesamt 50 US-amerikanischen Bundesstaaten. Zu diesen Staaten zählen Kalifornien, Texas, Arizona sowie Florida, New York, Illinois, New Jersey und Colorado (U.S. Census Bureau 2011). Auffällig ist die geographische Verteilung dieser Staaten, die hauptsächlich in direkter Nachbarschaft zu Mexiko oder an der amerikanischen Ostküste liegen. Bundesstaaten in direkter Nähe zur mexikanisch-amerikanischen Landesgrenze (wie Kalifornien, Arizona oder Texas) weisen einen besonders hohen Anteil mexikanischer Einwohner auf. In New York und New Jersey ließen sich vermehrt Puerto Ricaner nieder, während in Florida kubanische Einwanderer überwiegen (ebd. 2011).

Die Konzentration auf einzelne Regionen lässt die Vermutung zu, dass die Bildung hispanischer Communities eine Annäherung an die US-amerikanische Gesellschaft und Kultur erschwert. Leinen sieht in diesem Zusammenhang eine drohende „innere Spaltung der Vereinigten Staaten“ (vgl. 2012: 44), die die Assimilationsbereitschaft der Hispanics und die Aufnahmebereitschaft der Amerikaner negativ beeinflussen könnte. Als Folge gestaltet die Ansiedlung hispanischer Einwanderer aktuell sowohl die ethnische als auch die kulturelle, demographische und gesellschaftliche Entwicklung der USA.

Eine Immigrantengruppe, die besonders in den letzten Jahrzehnten in den Fokus gerückt ist, stellen Migranten aus Zentralamerika dar[4]. So lebten 2010 etwa 4 Millionen Menschen zentralamerikanischer Herkunft in den Vereinigten Staaten und machten damit rund 8 Prozent der hispanischen Minderheit aus. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt, denn zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren es nur etwa 1,7 Millionen Auswanderer, die, angezogen von ökonomischen und gesellschaftlichen Pull-Faktoren, in die Vereinigten Staaten gingen. Die drei größten Bevölkerungsgruppen stammen dabei aus San Salvador (etwa 1,7 Millionen Immigranten), Guatemala (etwa 1 Million Immigranten) und Honduras (etwa 630.000 Immigranten). Im Vergleich dazu kommen die zahlenmäßig stärksten Einwanderergruppen Südamerikas aus Kolumbien, Ecuador und Peru. Diese zählen zusammen etwa 2 Millionen Immigranten (U.S. Census Bureau 2011). Südamerikaner stellen somit die Minderheit der in den USA lebenden Hispanics dar.

2.2 Mexikaner in den USA

Mit knapp 32 Millionen Migranten bilden die Mexikaner in der hispanischen Community die mit Abstand größte Einwanderungsethnie. Allein zwischen 2000 und 2010 stieg der Anteil legaler mexikanischer Migranten um 54 Prozent. Dies entspricht mehr als 11 Millionen zusätzlichen Immigranten. Bei einer Gesamtsumme von 50 Millionen Hispanics, die legal in den USA leben, sind somit weit über die Hälfte mexikanischer Abstammung (U.S. Census Bureau 2011).

Faktoren, die diese Entwicklung stützen, sind zumeist geographischer, aber auch politischer oder wirtschaftlicher Natur. Geographisch ist es die gemeinsame Staatsgrenze, die eine relativ kostengünstige Einreise ermöglicht. Die geringe Entfernung erlaubt illegalen Einwanderern darüber hinaus die Wiederholung gescheiterter Fluchtversuche, die bspw. durch die amerikanische Border Patrol gestoppt und mit einer Abschiebung ins Herkunftsland beendet wurden. Zu den ökonomischen Push-Faktoren zählen u. a. niedrige Löhne und eine hohe Arbeitslosenquote. So leben etwa 37 Prozent, also mehr als ein Drittel der mexikanischen Bevölkerung, unterhalb der Armutsgrenze (Auswärtiges Amt 2012). Das Wohlstandsgefälle zwischen dem Schwellenland und der Wirtschaftsmacht erhöht die wirtschaftliche Attraktivität der USA, die viele einkommensschwache Mexikaner in die Vereinigten Staaten lockt. Politisch ist besonders das fehlende Durchgreifen der mexikanischen Regierung im sich ausweitenden Drogenkrieg zu nennen. Dies schwächt das Vertrauen in die politischen Führungskräfte und treibt erneut zahlreiche Mexikaner (auf der Suche nach einem Gefühl von Sicherheit und politischer Stabilität) in nördlicher Richtung über die mexikanisch-amerikanische Grenze.

Des Weiteren sind es familiäre Beziehungen, unterstützt von verbesserten Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten, die den Kontakt zwischen Mexikanern und bereits aus-gewanderten Verwandten ermöglichen. Aufgrund der zurückreichenden Wander-bewegungen zwischen den USA und Mexiko kann es sich bei diesen Verwandten um Chicanos[5] handeln, die bereits in der zweiten oder dritten Generation auf amerikanischem Territorium leben. Pries spricht in diesem Zusammenhang von „ Netzwerkstrukturen interpersoneller Beziehungen“ (vgl. 1997: 33). Emigrierte Familienmitglieder stellen somit eine erste Anlaufstelle in den USA dar und können als Pull-Faktor gewertet werden.

2.2.1 Geschichtlicher Überblick

Die USA und Mexiko sind nicht nur geographisch, sondern auch geschichtlich eng miteinander verbunden. Militärische Auseinandersetzungen, ökonomische Abkommen sowie eine vieldiskutierte Einwanderungspolitik prägen die Beziehung seit mehr als zwei Jahrhunderten.

Bei den militärischen Konflikten ist besonders der mexikanisch-amerikanische Krieg (1846-1848) zu nennen. Die Streitigkeiten zwischen Nord und Süd wurden durch die politischen Unruhen innerhalb Mexikos und das Hegemonialstreben der Vereinigten Staaten, der Manifest Destiny [6], begünstigt (Akers Chacón/Davis 2007: 111f.). Der Sieg der amerikanischen Truppen führte zu einer Angliederung des nördlichen mexikanischen Staatsgebietes an die USA, die 1848 im Vertrag von Guadalupe Hidalgo[7] festgehalten wurde. Die Annexion umfasste das Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten „Kalifornien, Arizona, New Mexiko, Nevada, Utah, Colorado, und Teile von Wyoming und Oklahoma“ (vgl. ebd. 111). Als finanzielle Entschädigung erhielt die mexikanische Regierung eine Einmalzahlung in Höhe von 15 Millionen Dollar und gab im Gegenzug die Zusicherung „jeden weiteren Anspruch auf Texas fallen zu lassen.“ (vgl. ebd. 111). Die Angliederung des o. g. Gebietes umfasste nicht nur neu gewonnenes Territorium und dessen natürliche Ressourcen, sondern auch die Mexikaner, die das Land bewohnten und sich nun auf amerikanischem Terrain wiederfanden. Insgesamt verlor Mexiko durch den mexikanisch-amerikanischen Krieg „knapp die Hälfte seines Staatsgebietes“ (Gewecke 2012: 246), mehr als 125.000 Einwohner und „drei Viertel seiner natürlichen Ressourcen“ (vgl. Akers Chacón/Davis 2007: 111).

Die Auswirkungen des Krieges ließen Mexiko auch nach 1848 nicht zur Ruhe kommen. So gipfelte die politische und ökonomische Misswirtschaft der Regierung 1910 in der mexikanischen Revolution. Das Bestreben weiter Teile der Bevölkerung nach gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen „trieb weitere 1,5 Millionen [Mexikaner, d. Verf.] in den Versuch, der Gewalt zu entkommen, über die Grenze.“ (vgl. ebd. 119). Für die USA stellten die Flüchtlingsströme eine ambivalente Entwicklung dar. Zum einen wurden Mexikaner als „uneducated, dirty, diseased, criminal, and lazy“ (vgl. Gerber 2011: 33) angesehen. Zum anderen benötigten die Vereinigten Staaten Arbeitskräfte, um ihre wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Auch der Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1917 führte zu einem erhöhten Bedarf an kostengünstigen Arbeitskräften. Diese wurden überwiegend im Agrarsektor eingesetzt, wo auch ungelernte Kräfte beschäftigt werden konnten.

Da immer mehr mexikanische Arbeiter, angelockt von der geographischen Nähe und der Wirtschaftskraft der USA, die Grenze passierten, wurde die Forderung nach Einreisebeschränkungen auf amerikanischer Seite immer lauter. Als Resultat wurde 1917 die erste Einwanderungsrestriktion in Form des Burnett Law erlassen (House 1982: 151). Das Gesetz bildete die Grundlage für nachfolgende Gastarbeiterprogramme, da es dauerhafte Aufenthalte und Gewerkschaftsbildungen untersagte, legale Pendelbewegungen zwischen den USA und Mexiko jedoch gestattete (Akers Chacón/Davis 2007: 150). Die Dauer des jeweiligen Aufenthalts in den USA richtete sich nach der Erntezeit und somit nach der Arbeitszeit der mexikanischen Landarbeiter.

Nur wenige Jahre später (1924) folgte mit der Gründung der Border Patrol eine weitere Kontrollinstanz. Obwohl das Einsetzen einer Grenzpolizei offiziell mit der Bekämpfung des Alkoholschmuggels in Zeiten der Prohibition begründet war, lag der Fokus bereits kurze Zeit später auf den Migrationsbewegungen im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet (Gerber 2011: 57). Wurde die Zahl der Kontrolleure im Gründungsjahr der Grenzschutzbehörde auf 60 beziffert (House 1982: 158), beschäftigt diese nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 20.000 Angestellte (Customs and Border Protection 2011). Neben der Grenzkontrolle zum südlichen Nachbarn Mexiko und dem nördlichen Nachbarstaat Kanada fällt auch die Sicherung der amerikanischen Küstengebiete in den Tätigkeitsbereich der Customs and Border Protection. Das Hauptanliegen der Beamten wird auf der Homepage der Behörde wie folgt formuliert „to detect and prevent the illegal entry of aliens into the United States“ sowie „to protect our Nation by reducing the likelihood that dangerous people and capabilities enter the United States […]” (vgl. ebd. 2011).

Um die illegale Migration weiter einzudämmen und dennoch nicht auf günstige Arbeitskräfte aus dem Süden verzichten zu müssen, riefen die USA (anfangs in Kooperation mit der mexikanischen Regierung) verschiedene Gastarbeiterprogramme ins Leben. Das bekannteste und zugleich bedeutendste Programm ist das sogenannte Bracero Program [8], das während seiner Rechtskräftigkeit von 1942 bis 1964 laut Akers-Chacón und Davis mehr als 5 Millionen Mexikaner als Tagelöhner in die USA lockte (2007: 155). Begünstigt wurde das Programm durch den zweiten Weltkrieg, der für einen Arbeitskräftemangel in den amerikanischen Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben sorgte.

1951 wurde das Abkommen komplett von US-amerikanischer Seite übernommen und die Rechte der Landarbeiter weiter beschnitten. Als Konsequenz waren die Hilfsarbeiter nur für einen befristeten Zeitraum in den USA willkommen und durften weder an Wahlen teilnehmen noch Gewerkschaften bilden.[9] Um eine Rückkehr der Arbeiter ins mexikanische Herkunftsland sicherzustellen, wurden darüber hinaus Löhne gekürzt und Familienzusammenführungen untersagt (ebd. 160ff.). Der finanzielle Gewinn für amerikanische Unternehmen und Großgrundbesitzer, der durch die Gastarbeiter gesichert und erweitert werden konnte, stand demnach augenscheinlich im Fokus der damaligen Beschlüsse.

Obwohl den Braceros nur wenige Zugeständnisse gemacht wurden, versuchten zahlreiche amerikanische Agrarbetriebe auch diese zu umgehen, indem sie Mexikaner motivierten, die Grenze ohne gültige Papiere und somit illegal zu überqueren. Auf diese Art konnten „die grundlegendsten Notwendigkeiten […], die für die Braceros noch verlangt worden waren“ (vgl. ebd. 165) weitestgehend umgangen werden. Das zunächst ausbleibende Eingreifen der US-Regierung führte dazu, dass die Zahl illegaler Einwanderer trotz Grenzpolizei und Arbeitsabkommen weiter anstieg. 1954 gipfelte der Zustrom in der sogenannten Operation Wetback [10]. Der Name leitet sich von der damaligen Annahme ab, dass die Mehrzahl der papierlosen mexikanischen Migranten schwimmend in die Vereinigten Staaten kam, d. h., die Majorität auf dem Weg gen Norden den Río Grande durchquerte (Gerber 2011: 57). Nach ersten Zwangsdeportationen in den 1930er Jahren[11] stellte die neu initiierte Massenabschiebung mit mehr als einer Million ausgewiesenen Mexikanern einen neuen Höhepunkt bzgl. der Wanderbewegungen zwischen Mexiko und den USA dar (House 1982: 151f.).

Die Abwertung und Ausweisung der mexikanischen Landarbeiter stand dem US-amerikanischen Bedarf an preiswerten Arbeitskräften konträr gegenüber. Die Janusköpfigkeit der o. g. Maßnahmen (keine soziale Verantwortung für die Migranten übernehmen und dennoch von ihnen profitieren zu wollen) verdeutlicht u. a. das Inkrafttreten des Programa de Industrialización Fronteriza, abgekürzt PIF. Das Programm zur Industrialisierung der Grenzregion, das 1965 in Kraft trat, sollte zwei Zwecken dienen: Zum einen sollten erwerbslose mexikanische Landarbeiter nach dem Auslaufen des Bracero Programs 1964 in den neu geschaffenen Stellen eingesetzt werden, zum anderen sollte die Ansiedlung amerikanischer Unternehmen im Grenzgebiet die Wirtschaftskraft des mexikanischen Staates vorantreiben. Des Weiteren legte das Konzept den Grundstein für die sogenannte Maquiladora -Industrie. Christian Berndt veranschaulicht diesen Industriezweig und dessen Namensgebung wie folgt:

Der Begriff verweist auf die spanische Kolonialherrschaft. Damals wurde mit maquila der Teil des gemahlenen Korns bezeichnet, den der Müller als Lohn für seine Dienste von den Bauern erhielt. Ein treffendes Bild für Betriebe, die importierte Komponenten zu End- oder Zwischenprodukten zusammensetzen, sich überwiegend in US-amerikanischen Händen befinden und zumindest zu Beginn fast ausschließlich für den US-Markt produzierten. Die USA als (reicher) Bauer, Mexiko als (armer) Müller: […]. (2004: 24-25)

Die Beziehung zwischen dem Schwellenland Mexiko und der Wirtschaftsmacht USA ist Berndts Ausführungen nach nicht homogen, da die mexikanischen Betriebe zu einem Großteil von den Vereinigten Staaten und deren Konjunkturlage abhängig sind. Diese Dependenz bezieht sich sowohl auf den nationalen amerikanischen Markt und dessen Nachfrage als auch auf internationale bzw. globale Wirtschaftsentwicklungen, wie sie aktuell in der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise auftreten.

Die “gemachte“ Wirtschaftskraft auf mexikanischem Territorium brachte erneut viele Mexikaner dazu, ihre Heimatregion zu verlassen und ins mexikanisch-amerikanische Grenzgebiet umzusiedeln. Eine Wanderungstendenz gen Norden ist demnach auch innerstaatlich zu beobachten. Als Anziehungspunkte gelten bspw. Ciudad Juárez, die Schwesterstadt des texanischen El Paso oder das Ballungsgebiet um Tijuana, in direkter Nachbarschaft zu San Diego (Kalifornien) gelegen. Die Vermutung, dass die Grenzregion von vielen Mexikanern als Sprungbrett in die USA gesehen wird, liegt nahe. Das Maquiladora -Programm prägte insofern nicht nur die mexikanisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch die urbanistischen Entwicklungen im Grenzgebiet.

In den 1990er Jahren wurde die ökonomische Abhängigkeit Mexikos durch das North American Free Trade Agreement (NAFTA) zwischen Mexiko, Kanada und den Vereinigten Staaten weiter verschärft. Das Abkommen, rechtskräftig seit dem 01. Januar 1994, soll die Handelsbeziehungen zwischen den genannten Staaten erleichtern und dadurch die „freie Bewegung von Gütern, Dienstleistungen und Kapital“ (vgl. Bandau 2009: 8) vereinfachen. Auch bei diesem Abkommen ist ein inhomogenes Verhältnis zwischen den Vertragspartnern festzustellen. So erklärt bspw. das Auswärtige Amt, dass rund 80 Prozent der mexikanischen Exporte (auch infolge der o. g. ausfuhr-orientierten Maquiladora -Industrie) auf die USA entfallen (Auswärtiges Amt 2012), die laut Akers Chacón/Davis etwa ein Viertel des mexikanischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen (2007: 135f.). Die zuvor angesprochene Abhängigkeit von der US-Konjunktur wird in diesem Kontext ebenfalls deutlich.

Die aktuelle Migrationsproblematik zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ist somit größtenteils geschichtlich tief verwurzelten Ereignissen anzulasten. Die gemeinsame Historie, die direkte Nachbarschaft sowie vorherrschende wirtschaftliche Interessen seitens der USA prägen sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart beider Nationen.

2.2.2 La frontera – Die mexikanisch-amerikanische Grenze

Die 3153 Kilometer lange Grenze zwischen Mexiko und den USA ist eine 1848 von Menschenhand gezogene Trennlinie, die auf den Vereinbarungen des Vertrages von Guadalupe Hidalgo basiert (siehe Gliederungspunkt 2.2.1). Nach dem mexikanischen Gebietsverlust orientierte sich die neu angesetzte Demarkationslinie an den natürlichen Gegebenheiten der Grenzregion. Infolgedessen verläuft die Staatsgrenze im östlichen Grenzgebiet parallel zum Flusslauf des Río Grande/Río Bravo del Norte. Im Westen sind es hingegen Berg- und Wüstenlandschaften, die das Bild prägen. Die Vielseitigkeit des Territoriums bezieht sich jedoch nicht allein auf landschaftliche, sondern auch auf ökonomische Faktoren. Hier stehen grenzübergreifende Ballungszentren wie Ciudad Juárez/El Paso oder Tijuana/San Diego menschenleeren Wüstenregionen gegenüber. Der Grenzbereich zeichnet sich demnach auch durch ein starkes Zentrum-Peripherie-Gefälle zwischen “Niemandsland“ und wirtschaftsstarken borderland cities aus.

Die grenznahen Industriebetriebe beeinflussen auch die demographische Entwicklung der Region. Als Wirtschaftsmagnet zieht u.a. Ciudad Juárez zahlreiche Mexikaner aus ländlichen Gebieten an die nördliche Landesgrenze. Die Kombination aus nationalen Migrationsströmen und einer konstanten Geburtenrate, die die Zahl amerikanischer Neugeborener im Grenzgebiet seit 1950 durchgehend übertrifft, macht die Mexikaner zur zahlenmäßigen Mehrheit im Grenzgebiet. Trotz dieser quantitativen Überlegenheit ist Englisch seit 1880 Verhandlungssprache auf beiden Seiten der Grenze (Lorey 1999: 118ff.). Der Kontakt zwischen den im Grenzgebiet lebenden und arbeitenden Mexikanern und Amerikanern bezieht sich dabei nicht allein auf den Sprachkontakt, sondern auch auf verschiedenste kulturelle und gesellschaftliche Bereiche wie Essen, Brauchtum, Wortschatz usw.

Das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Nationalitäten verdeutlicht, dass eine Grenze nicht nur eine Trennungslinie darstellt. Sie ist zugleich eine Schnittstelle oder wie Bandau es formuliert: „[…] Grenzraum als Ort permanenter transkultureller Interaktionen, an dem mehrere Sprachen aufeinander treffen sowie binäre Weltsichten und nationale Stereotype kollabieren.“ (vgl. 2009: 9). Mit Hinblick auf die Schwerpunktsetzung dieser Arbeit, wird jener Aspekt im Gliederungspunkt 3.1 weiter vertieft und der Grenzbegriff näher erörtert.

Obwohl Grenzen Menschen, Nationen und Kulturen zeitgleich trennen und dennoch miteinander verbinden, versucht das amerikanische Department of Homeland Security letzteres zu verhindern und ersteres zu verschärfen, indem die Border Patrol aufgestockt und Grenzanlagen verstärkt werden. Die Militarisierung der Grenze erlebte in den 1970er/1980er Jahren unter den amerikanischen Präsidenten Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan ihre Blütezeit. Die Amtszeit des republikanischen Präsidenten Reagan beeinflusste nicht nur die Grenzpolitik, sondern auch die Betrachtung selbiger:

Die öffentliche Wahrnehmung der Grenze änderte sich unter Reagan radikal, da er sie als Einfallstor für die drei größten „Bedrohungen“ der Vereinigten Staaten charakterisierte: Horden armer MigrantInnen, mittelamerikanische Staatsfeinde und Drogenhändler. (Akers Chacón/Davis 2007: 233-234)

Die südliche Landesgrenze der USA wurde zunehmend zu einer Festungsmauer ausgebaut, die die Amerikaner vor drohenden Gefahren aus dem Süden schützen sollte. Unter Präsident Bill Clinton, der das Land von 1993 bis 2001 regierte, wurden angebliche Sicherheitsmaßnahmen weiter expandiert und einzelne Grenzabschnitte abgeriegelt. Dieses Vorgehen wurde unter dem Namen Operation Gatekeeper bekannt und verfolgte eine „‘prevention and deterrence‘ strategy“ (vgl. West: 2009). Die “Vorbeugungs- und Abschreckungsstrategie“ des 1994 in Kraft getretenen Programms sah vor, potentielle illegale Einwanderer in klimatische Zonen abzudrängen, die eine Einreise erschweren oder verhindern sollten (z.B. Sonora-Wüste, Gebirge) (ebd. 2009).

Trotz der o. g. Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen wird u. a. bei Akers-Chacón und Davis vermutet, „dass die Militarisierung der Grenze die Zahl der Grenzübertritte nicht verringert hat.“ (2007: 244). Dennoch ist und bleibt der Tortilla Curtain[12] in der öffentlichen Wahrnehmung ein brisantes Thema. Die eher ablehnende Atmosphäre gegenüber potentiellen Immigranten im Einwanderungsland USA, beruht u. a. auf den Eindrücken des 11. Septembers 2001, der bei vielen Amerikanern in einem Gefühl steter Unsicherheit resultierte. Des Weiteren wirken sich die globale Arbeits- und Finanzkrise, die schwächelnde US-Wirtschaft sowie die hohe Staatsverschuldung negativ auf die amerikanische Stimmungslage aus. Ferner beeinflusst der mexikanische Drogenkrieg, der von der politischen Führung Mexikos kaum eingedämmt oder erfolgreich bekämpft werden konnte, die Wahrnehmung mexikanischer Migranten. So ist bspw. Ciudad Juárez, in direkter Grenzlage zu den Vereinigten Staaten gelegen, die Stadt mit der weltweit höchsten Mordrate (Leinen 2012: 45). Die Befürchtung zahlreicher Amerikaner, dass der Drogenkrieg auf die amerikanischen Südstaaten übergreifen könnte, bestärkt ihre ablehnende Haltung gegenüber den mexikanischen Nachbarn. Darüber hinaus ist es die Angst vor einer möglichen Lateinamerikanisierung des nordamerikanischen Territoriums, die die Integration hispanischer Migranten erschwert.

Das Bedrohungsszenario, das von der politischen Führung der Vereinigten Staaten kreiert und größtenteils überzeichnet worden ist, hat die Stimmungslage gegenüber hispanischen Migranten im Allgemeinen und mexikanischen Einwanderern im Besonderen negativ beeinflusst und die mexikanisch-amerikanische Grenze teilweise zu einem „‘Ground Zero‘ der Instabilität und Angreifbarkeit“ (vgl. Akers Chacón/Davis 2007: 252) stigmatisiert.

2.2.3 Illegale Einwanderung und amerikanische Gegenmaßnahmen

Die genaue Zahl illegal in den USA lebender Einwanderer ist schwer zu beziffern. Das Forschungsinstitut Pew Hispanic Center geht von einem leichten Rückgang der gesetzes-widrigen Grenzübertritte aus und schätzt die Zahl der 2010 illegal in den USA lebenden Immigranten auf 11,2 Millionen Menschen.[13] Drei Jahre zuvor, auf dem Zenit rechtswidriger Einwanderung, wurden etwa 12 Millionen illegale Einwanderer in den USA vermutet. Allein 58 Prozent (6,5 Millionen) aller illegalen Einwanderer kamen 2010 Schätzungen zufolge aus Mexiko (Pew Hispanic Center 2011). Die geographische Nähe und das Wohlstandsgefälle zwischen den Staaten bringen viele Mexikaner dazu, ihr Herkunftsland zu verlassen und ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in die USA einzureisen. Allerdings resultiert dieser hohe Wert auch aus der „Bereitschaft vieler im Norden, diese Menschen für wenig Geld unter Umgehung der Gesetze zu beschäftigen.“ (vgl. Leinen 2012: 43). Die US-amerikanische Selbstdarstellung als God’s chosen country, die Glorifizierung des American way of life und des Traums From a Dishwasher to a Millionaire haben ebenso wie die Darstellung des amerikanischen Kulturguts durch die Massenmedien, Amerika als Marke geprägt. Für viele Hispanics ist der American Dream daher augenscheinlich noch immer existent.

Ebenso wie bei der Niederlassung legaler Immigranten, ist auch die Ansiedlung illegaler Einwanderer auf einige wenige US-Bundesstaaten begrenzt. So sind es erneut überwiegend grenznahe Staaten, die die Niederlassung papierloser Einwanderer dominieren. Im Jahr 2000 lebten geschätzte 2,2 Millionen gesetzeswidrige Einwanderer in Kalifornien, etwa 1 Million in Texas, gefolgt von New York (500.000 illegale Immigranten) sowie Illinois (400.000 illegale Einwanderer) und Florida mit rund 300.000 illegalen Zuwanderern (Migration Policy Institute 2003).

Das Gros der Herkunftsländer illegaler Migranten setzte sich 2000 aus Mexiko, El Salvador, Guatemala, Kolumbien und Honduras zusammen. Mexiko führt die Statistik dabei mit knapp 5 Millionen Papierlosen deutlich an (Migration Policy Institute 2003). Im Vergleich mit o. g. Zahlen aus dem Jahr 2010, die vom Pew Hispanic Center (2011) zu Verfügung gestellt wurden, ist dieser Wert auf 6,5 Millionen illegale Zuwanderer (um knapp 1,5 Millionen Menschen) angewachsen.

Die Mehrheit der Zuwanderer, die illegal in die Vereinigten Staaten einreisen, versucht dies zumeist „versteckt in einem Güterzug, auf dem Dach eines Güterzugs, versteckt in einem Lastwagen oder zu Fuß.“ (Lehmann 2001). Laut House werden generell zwei Typen von Flüchtlingen unterschieden. Dabei handelt es sich zum einen um alambristas und zum anderen um mojados (1982: 159). Unter alambristas (dt. Seiltänzer) versteht House in diesem Zusammenhang Menschen, die über die amerikanischen Schutzzäune klettern, während mojados (dt. nass/feucht) versuchen schwimmend oder watend über den Río Grande in die USA zu gelangen.

Aufgrund der wachsenden Sicherheitsvorkehrungen der USA in Form von „Black-Hawk-Hubschraubern, Wärmesensoren, Nachtsichtgeräten, elektronischen Suchgeräten sowie rechnergestützten Fingerabdrucksystemen, […]“ (vgl. Akers Chacón/Davis 2007: 237) und dem dadurch erhöhten Risiko aufgegriffen und ausgewiesen bzw. an der Einreise gehindert zu werden, vertrauen sich viele Zuwanderer sogenannten coyotes an, Flüchtlingshelfern, die bei der illegalen Einreise helfen sollen. Die horrenden Summen, die von den Schleusern verlangt werden, tragen größtenteils Verwandte, die es bereits erfolgreich über die Grenze geschafft haben. Als Konsequenz hat das Geschäft mit illegalen Einwanderern einen äußert lukrativen Charakter angenommen. Dennoch ist auch das Engagement eines coyotes keine Garantie für eine sichere Einreise:

Increasingly, illegal immigrants and "coyotes" have tried to cross the border through the Arizona desert. This is due to increased security along the Mexico-U.S. border near California. Especially during the summer months, there tend to be more cases of illegal immigrants who try to cross the Arizona desert and die from dehydration. (U.S. Immigration Support 2012)

Der illegale Grenzübertritt stellt insgesamt nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Extremsituation dar. Die Zuwanderer leben in ständiger Angst, von der Grenzpolizei aufgegriffen zu werden. Dieses Gefühl hält auch nach geglückter Einreise an, denn selbst wenn Illegale Arbeit finden oder ihre Kinder auf amerikanischem Territorium zur Welt bringen, können sie innerhalb kürzester Zeit in ihr Herkunftsland abgeschoben werden[14].

Dennoch ist der Status illegaler Einwanderer ambivalenter Natur, denn Undocumented immigrants must live and work in a system that negates their existence but also depends on their cheap labor. They are in a sense invisible, because they do not have the rights that citizenship or even legal residence afford. (Sisk 2011: 117) Auch für die Herkunftsländer ist die Ambivalenz der Migrationsproblematik nicht zu negieren. Zum einen verliert bspw. Mexiko durch die Abwanderungstendenz gen Norden zahlreiche junge Männer und Frauen, die ihre Zukunft in den USA sehen, zum anderen haben Rücküberweisungen der Auswanderer, die die Familie im Herkunftsland unterstützen sollen, sog. remittances, positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Situation des Entsendelandes (Pries 1997: 33).

2.3 Auswirkungen innerhalb der USA

Die Auswirkungen, die die Migrationsströme auf dem amerikanischen Kontinent mit sich bringen, sind in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zu spüren. Neben demographischen und politischen Verschiebungen sind vermehrt linguistische und mediale Veränderungen zu beobachten.

Im Bereich der Demographie ist neben den bereits angeführten Aspekten die Bildung von ethnischen Enklaven zu nennen. Solche Abgrenzungen entstehen in Städten oder Regionen, in denen sich generell viele Hispanics bzw. viele Menschen aus einem Entsendeland niederließen. Eine beispielhafte Entwicklung ist u. a. in Little Havana, einem Stadtteil Miamis zu beobachten, in dem sich zahlreiche kubanische Immigranten zusammenschlossen.

In der US-amerikanischen Politik wird die Rolle der hispanischen Migranten aktuell besonders diskutiert. Im laufenden Wahlkampf zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney können die rund 23 Millionen wahlberechtigten Hispanics in zahlreichen swing-states wahlentscheidend sein. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2008 entfielen rund 67 Prozent der hispanischen Wählerstimmen auf Barack Obama, während sein Konkurrent John McCain 31 Prozent für sich gewinnen konnte (Katz 2012).[15]

Der wachsende Einfluss der hispanischen Minorität auf den politischen Sektor steht einer Marginalisierung der mittel- und südamerikanischen Minderheit gegenüber, da vor allem patriotische Gruppierungen eine Lateinamerikanisierung Nordamerikas fürchten. Um diese “drohende Gefahr“ abzuwenden, gründen sie Interessenverbände und verbreiten ihre Forderungen und Ansichten auf Internetseiten wie endillegalimmigration.com, die ihre Mission wie folgt beschreiben: „Our mission is to restore […] the American way of life by insisting that our existing immigration laws are enforced.“ (vgl. End Illegal Immigration 2012). Hispanics werden in diesem Zusammenhang oft stereotypisiert, als Gefahr für amerikanische Arbeitsplätze dargestellt und auf ihre phänotypischen Merkmale reduziert. Dieser Prozess spiegelt sich im Begriff browning wider, der sinnbildlich für die Migrationsströme aus Mittel-und Südamerika verwendet wird (Santa Ana 2002: 67).

Auch der mediale Bereich wird von den zahlreichen spanischsprachigen Immigranten beeinflusst. In diesen Sektor fallen etwa Radio- und Fernsehsender, Internetseiten, Blogs sowie Fernsehsendungen wie die telenovelas[16]. Joachim Michael beschreibt die Telenovela als „cultural hand baggage of millions of immigrants, the genre acts as a source of identity for the Latin-American minority in the U.S.” (vgl. 2006: 34). Die Telenovela dient offenbar als Identifikationsmittel und salopp ausgedrückt als “Mitbringsel” aus der alten Heimat. Die erzählten Geschichten sind abwechslungsreich, die Hauptaussage der Serien jedoch ist gleich:

Telenovelas are imported to the United States in order to fulfill a specific role in the American television sector: their function is to construct the cultural identity of a latinidad , so as to establish an “ethnic” distance from U.S. mainstream culture. (ebd.: 42)

Die Telenovela wird demnach als Identifikationsplattform für lateinamerikanische Immigranten verstanden, eine Entwicklung, die eine Annäherung an amerikanische Kultur- und Gesellschaftsformen erneut erschwert.

In der Linguistik wird die Verbindung der spanischen und englischen Sprache mit der Wortschöpfung Spanglish beschrieben. Unter dem Begriff versteht man eine Sprachvariante, die eine Kombination spanischer und englischer Sprachelemente darstellt. Die spanglishe Sprache ist offiziell nicht als eigene Sprache anerkannt. Bis heute gibt es weder genormte Grammatiken noch standardisierte Wörterbücher oder eine geregelte Orthographie. Spanglish ist vielmehr eine moderne Sprache, die sich zunächst hauptsächlich über die mündliche Kommunikation verbreitete.

Die Folgen der Migrationsströme aus zentral-, mittel- und südamerikanischen Ländern sind somit vielfältig. Neben o. g. Aspekten wirkt sich die Situation der größten Minderheitengruppe auch auf die Einwanderer selbst aus, die z. T. auf amerikanischem Boden zur Welt gekommen und somit laut amerikanischer Gesetzeslage US-Staatsbürger sind. Das kulturelle Erbe der Chicanos stellt jedoch eine Komponente dar, die einer “Amerikanisierung“ entgegenwirkt. Es kann dadurch zu einem identity clash der kulturellen und nationalen Identität kommen, der in Bezeichnungen wie Latin American oder Mexican American zum Ausdruck kommt.[17]

3. Menschen in Bewegung: Zur Mobilität von Raum, Kultur und Individuum

3.1 Grenze: Ein Definitionsversuch

Da der Grenzbegriff einen Schwerpunkt im Rahmen dieser Arbeit ausmacht, empfiehlt es sich, diesen Begriff näher zu betrachten, um zu einer möglichst themenspezifischen und detaillierten Definition zu gelangen. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter Grenze i. d. R. eine der drei folgenden Begriffserläuterungen verstanden. An erster Stelle wird Grenze als „(durch entsprechende Markierungen gekennzeichneter) Geländestreifen, der politische Gebilde (Länder, Staaten) voneinander trennt“ (vgl. Duden 2012) definiert. Des Weiteren wird der Begriff als „Trennungslinie zwischen Gebieten, die im Besitz verschiedener Eigentümer sind oder sich durch natürliche Eigenschaften voneinander abgrenzen“ (vgl. ebd. 2012) verstanden. Eine dritte und letzte Begriffserklärung versteht unter Grenze eine „nur gedachte Trennungslinie unterschiedlicher, gegensätzlicher Bereiche und Erscheinungen o.Ä.“ (vgl. ebd. 2012). Die Vielfältigkeit des Grenzterminus verdeutlicht, dass der Begriff nicht problemlos klassifiziert werden kann.

Eine Gemeinsamkeit der o. g. Definitionen ist die Eigenschaft, dass Grenzen Gebiete, Staaten oder Personen voneinander trennen und über eine Exklusionsmacht verfügen. Grenze erfüllt jedoch einen ambivalenten Charakter, da durch die Separation zweier Dinge, die Trennungslinie auch als Bindeglied gesehen werden kann, z.B. als gemeinsamer Berührungspunkt zwischen Staat A und Staat B. Dadurch wird eine „Grenze ein Ort der Interaktion, des ,Dazwischen und Darüber-Hinaus‘: […] Jedoch ist dieser Zwischenraum nicht als konfliktfreier Raum der kulturellen Begegnungen zu verstehen.“ (vgl. Bandau 2009: 10). Finke skizziert ein ähnliches Verständnis des Grenzbegriffes indem er sagt, dass die Menschen „nicht in einer digitalen Welt kulturell reiner Farben und scharfer Grenzlinien, sondern in einer kulturell hybriden Welt, in der alles mit allem durch Übergänge verbunden ist, […]“ (vgl. 2005: 140) leben.

Grenze stellt somit nicht allein eine (zumeist) von Menschenhand gezogene Linie dar, die auf der Abgrenzung des Eigenen zu etwas Anderem basiert. Sie kann zugleich als Raum bzw. Kontaktregion verstanden werden. Homi K. Bhabha, auf den sich Bandau in ihren Ausführungen beruft, spricht in diesem Zusammenhang auch von Hybridität und dem sogenannten third space. Dieser “dritte Raum“, der im Gliederungspunkt 3.2.2 näher erläutert wird, wird von Bhabha als Verhandlungsraum verstanden, der über eine Grenzziehung hinausgeht und sich auf das Dazwischen fokussiert. Auch Michel de Certeau und Jacques Derrida unterstützen die Auffassung, dass Grenze mehr als eine Demarkationslinie ist:

Denn, so de Certeau, das, was trennt und schließt, wie etwa Grenzen oder Brücken, vereinigt und öffnet zugleich. Die Grenzen sind also auf der einen Seite Demarkationen von Orten, deren Identität im Inneren – im Gegensatz zum Außen – homogen erscheint. Auf der anderen Seite sind sie aber auch Übergangsräume, die Kontaktregionen stiften. (Borsò 2004: 21)

Grenze ist demzufolge eine Schnittstelle zwischen Nationen und Menschen und „das Ergebnis kultureller Handlungen“ (vgl. ebd. 23). Diese Auffassung ist insbesondere im Rahmen der Globalisierungsprozesse des 20. und 21. Jahrhunderts in den Fokus getreten. Wanderbewegungen zwischen Nationen sind zwar kein neues Phänomen, die umfangreichen und nachhaltigen Migrationsströme schufen jedoch ein globales Netzwerk, das den Verkehr von Gütern, Informationen, Kommunikationsmitteln und nicht zuletzt von Menschen beeinflusst und steuert. Daraus entstehende multinationale politische Beziehungen, Verwandtschaftsverhältnisse sowie global operierende Konzerne, sog. Global Player, setzen sich dabei über Grenzen hinweg. Ferner als derartige transnationale Unternehmen und Wirtschaftsabkommen, ließen o. g. Globalisierungsprozesse auch transkulturelle Gemeinschaften entstehen, die bildlich gesprochen durch Grenzen hindurch gehen.[18]

Die Vielseitigkeit der Grenze zeigt sich zusammenfassend in unterschiedlichen Sektoren. Neben militärischen und politischen sind insbesondere sprachliche und kulturelle sowie ökonomische und soziale Komponenten zu nennen. Metaphorisch gesprochen können Grenzen mit Membranen verglichen werden, die gleichzeitig trennen, verbinden, durchlassen und filtern.

3.2 Räume erschaffen

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter Raum zumeist ein architektonisches Gebilde mit vier Wänden, einem Boden und einer Decke verstanden, d. h. ein abgeschlossenes Konstrukt, das als Wohn- und Arbeitsraum oder generell als Lebensraum genutzt wird. Ein solch statisches Raumverständnis bietet jedoch lediglich einen eingeengten Blick auf den vielschichtigen Raumbegriff.

[...]


[1] Dieses Zitat stammt von dem ehemaligen mexikanischen Autor Porfirio Díaz, „der das Schicksal des katholischen Landes stärker von den USA als von Gott geprägt sah“ (vgl. FU Berlin 2007).

[2] Unter dem Begriff Hispanics werden spanischsprachige Einwanderer aus Zentral- und Südamerika, sowie der Karibik oder mit spanischer Herkunft (ob europäisches Festland oder ehemalige Kolonie) zusammengefasst (U.S. Census Bureau 2012).

[3] Die angeführten Daten, die hauptsächlich auf die statistischen Erhebungen des U.S. Census Bureau zurückzuführen sind, geben allein die Zahl legaler Immigranten wieder. Die Dunkelziffer, d. h. die Anzahl illegal eingereister Hispanics dürfte deutlich höher liegen (siehe hierzu Gliederungspunkt 2.2.3).

[4] Mexiko wird in der Umfrage des U.S. Census Bureau nicht zu den Staaten Zentralamerikas gezählt, sondern gesondert betrachtet.

[5] Unter Chicanos versteht man in den USA lebende Menschen mexikanischer Abstammung, die selbst bzw. deren Vorfahren in Mexiko zur Welt gekommen sind.

[6] Manifest Destiny beschreibt den Expansionsgedanken der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Bestreben, das US-Territorium zu vergrößern und unterlegene Gebiete in Besitz zu nehmen (Akers Chacón/Davis 2007: 112).

[7] Guadalupe Hidalgo: Unterzeichnungsort der Verträge nördlich der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt.

[8] Übersetzt: Tagelöhner-/Hilfsarbeiter-Programm

[9] Parallelen zum o. g. Burnett Law sind deutlich erkennbar.

[10] Wörtlich übersetzt: Operation nasser Rücken

[11] Die Zahl der zwischen 1930-1940 ausgewiesenen Mexikanern schwankt zwischen 140.000 (Rings 2012: 271) und 200.000 (House 1982: 151). Als Ursache für die Massendeportation wird die amerikanische Wirtschaftskrise (Great Depression) angeführt.

[12] Der Begriff geht zurück auf den gleichnamigen Roman T. C. Boyles, der das Aufeinandertreffen mexikanischer und amerikanischer Kultur- und Lebensweisen thematisiert.

[13] Unter illegalen Immigranten werden Personen zusammengefasst, die ohne gültiges Visum in die USA einreisen oder deren Aufenthaltsgenehmigung ausgelaufen ist und die sich daher widerrechtlich in den Vereinigten Staaten befinden.

[14] Nachkommen, die innerhalb der USA geboren werden, sind offiziell amerikanische Staatsbürger und dürfen daher (anders als ihre Eltern) nicht abgeschoben werden.

[15] Bei den Präsidentschaftswahlen im November 2012 gab die Mehrheit der Hispanics ihre Stimme für Barack Obama und nicht für seinen republikanischen Herausforderer ab. Im Vergleich zu den Wahlen von 2008 legte Obama sogar um 2 Prozentpunkte zu und gewann damit 69 Prozent der wahlberechtigten hispanischen Stimmen (Kuhn 2012).

[16] Das Fernsehformat erzählt eine in sich stringente Geschichte, die nach etwa 5 Monaten mit einem Happy End abschließt.

[17] Chancen und Gefahren solcher Identifikationsprozesse werden im Gliederungspunkt 3 weiter diskutiert.

[18] Der Begriff der Transkulturalität wird hier im Sinne von Wolfgang Welsch gebraucht, der das traditionelle Konzept Wolfgang Herders, das von autonomen Einzelkulturen ausging, überarbeitete und durch eine Vernetzung und Vermischung der Menschen und Kulturen ersetzte (vgl. Gliederungspunkt 3.2.2).

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Die Mobilität des Migranten
Untertitel
Räumliche und kulturelle Grenzüberschreitungen in Cary Fukunagas 'Sin nombre'
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
The Americas - Las Américas - Les Amériques
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
79
Katalognummer
V265053
ISBN (eBook)
9783656546771
ISBN (Buch)
9783656547129
Dateigröße
843 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mobilität, migranten, räumliche, grenzüberschreitungen, cary, fukunagas
Arbeit zitieren
Christina Roll (Autor), 2013, Die Mobilität des Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265053

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