Zu Beginn der Arbeit wird der (gemeinsame) historische Kontext der Vereinigten Staaten und Mexiko skizziert. Mit Hinblick auf den Schwerpunkt der Arbeit rückt der historische Kontext, die gemeinsame Grenze und die hohe Zahl illegaler mexikanischer Einwanderer in den Vordergrund. Dieser Überblick dient nicht allein der Darstellung des mexikanisch-amerikanischen Verhältnisses, sondern umreißt gleichzeitig den Handlungsrahmen des zu analysierenden Films.
Im Folgenden wird mit der Diskussion des Raumbegriffes die Mobilität von Raum, Kultur und Individuum untersucht. Als erstes wird der Terminus der Grenze und dessen Inklusions- und Exklusionscharakter diskutiert. Darauffolgend tritt der Raum, dessen Auffassung und Klassifizierung, in den Vordergrund. Der undurchsichtige Raumbegriff soll (unter Bezugnahme auf die nahezu allgegenwärtige Raumdebatte) erschlossen und eingegrenzt werden. Als Untersuchungsgegenstände werden beispielhaft der architektonische Raum, der Weltraum und der Zwischenraum erörtert, um die Notwendigkeit eines variablen Raumverständnisses aufzuzeigen. Im Anschluss daran werden die Auslegungen des französischen Soziologen Pierre Bourdieu zum physischen und sozialen Raum sowie die Überlegungen des Theoretikers Homi K. Bhabha zum kulturellen Raum und dem sog. third space erläutert. Im praktischen Teil dieser Arbeit werden diese theoretischen Konzepte auf ausgewählte Aspekte des Films übertragen. Das Raumverständnis im Film wird ebenso erörtert wie die Hypothesen Michel Foucaults zur realisierten Utopie, der Heterotopie. Auch dieses Konzept soll in der Analyse zum Tragen kommen.
Der dritte Teil der vorliegenden Arbeit beginnt mit einer kurzen Vorstellung des amerikanischen Regisseurs Cary Joji Fukunaga und einer Zusammenfassung seines Kinodebuts Sin Nombre. Anschließend wird die Entwicklung der zwei Hauptcharaktere und eines Nebencharakters anhand ausgewählter Filmszenen dargestellt. Des Weiteren wird pro Darsteller je ein Aspekt herausgegriffen, der Handlung und Hauptfigur entscheidend beeinflusst.
Im Anschluss daran wird versucht, o. g. Raumkonzepte auf Räume in Sin Nombre zu übertragen. Auch die diskutierten Leitmotive des Films in Form von Flüssen, der Natur und des Zuges werden unter Berücksichtigung des Raumbegriffs analysiert. Darauffolgend werden potentielle Lesarten des Films erörtert, die sich aus der Vielfalt der genutzten Genreeinflüsse und den diskutierten Untersuchungsgegenständen ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Einwanderung in die USA: “Tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos.“
2.1) Hispanics in den USA
2.2) Mexikaner in den USA
2.2.1) Geschichtlicher Überblick
2.2.2) La frontera: Die mexikanisch-amerikanische Grenze
2.2.3) Illegale Einwanderung und amerikanische Gegenmaßnahmen
2.3) Auswirkungen innerhalb der USA
3.) Menschen in Bewegung: Zur Mobilität von Raum, Kultur und Individuum
3.1) Grenze: Ein Definitionsversuch
3.2) Räume erschaffen
3.2.1) Raumtypen und Raumhierarchisierungen
3.2.2) Kulturelle Räume
3.2.3) Zuschauerraum trifft Handlungsraum: Realität und Fiktion im Kino
3.3) Inklusion und Exklusion durch soziale Gemeinschaften
4.) Filmanalyse: Sin Nombre
4.1) Der Regisseur: Cary Joji Fukunaga
4.2) Sin Nombre – Der Film
4.2.1) Zusammenfassung
4.3) Entwicklung der Charaktere
4.3.1) Willy/El Casper
4.3.1.1) Ausgangssituation
4.3.1.2) Privatleben vs. Gangleben
4.3.1.3) Finale Situation
4.3.2) Sayra
4.3.2.1) Ausgangssituation
4.3.2.2) Die Beziehung zwischen Sayra und Willy
4.3.2.3) Finale Situation
4.3.3) Benito/El Smiley
4.3.3.1) Ausgangssituation
4.3.3.2) Willy vs. Smiley – Gut gegen Böse?
4.3.3.3) Finale Situation
4.4) Andere Räume im Film
4.4.1) Destroyer
4.4.2) Friedhof
4.5) Leitmotive des Films
4.5.1) Fluss
4.5.2) Natur
4.5.3) Zug
4.6) Potentielle Lesarten des Films
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Grenzüberschreitungen und Mobilität von hispanischen Migranten in Cary Fukunagas Film "Sin Nombre". Ziel ist es, die physischen, sozialen und kulturellen Barrieren zu analysieren, denen die Hauptcharaktere auf ihrem Weg gen Norden gegenüberstehen, und dabei das Konzept des Raumes und der Grenze unter Einbeziehung soziologischer und kulturwissenschaftlicher Theorien kritisch zu beleuchten.
- Historischer Kontext der Migration zwischen Mexiko und den USA
- Raumkonzepte (physischer vs. sozialer Raum) in der Migrationsdebatte
- Filmanalyse von "Sin Nombre" und die Entwicklung der Hauptcharaktere
- Kritische Auseinandersetzung mit filmischen Symbolen und Leitmotiven wie Zug, Fluss und Natur
Auszug aus dem Buch
4.3.1.1 Ausgangssituation
Die erste Filmszene zeigt einen herbstlichen Wald, durch den sich ein Weg schlängelt, der vom Betrachter weg und in die Bildtiefe hinein führt. Der Zoom der Kamera lässt den Zuschauer in den Wald eintauchen und verleiht der Natur eine gewisse Dynamik und Lebendigkeit. Die Weitläufigkeit des abgebildeten Waldstücks ist jedoch eine Täuschung, da der Zuschauer sich nicht in einem realen Wald befindet, sondern eine Fotografie, genauer eine Wandtapete, betrachtet. Der Blick der Kamera korrespondiert mit Willys Blickwinkel, der auf einem Stuhl sitzend, die Tapete betrachtet. Das abgebildete Herbstmotiv symbolisiert Weite und hat offensichtlich das Ziel, die Enge des architektonischen Raumes aufzuheben. Des Weiteren lässt das Motiv eine Sehnsucht des jungen Mexikaners erkennen, die das Publikum zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht definieren kann.
Der Kontrast zwischen der imaginierten Welt der Wandtapete und der realen Welt in der sich die Hauptfigur befindet, wird in den folgenden Einstellungen deutlich. Zunächst einmal steht die Reinheit der Natur der ärmlichen und verdreckt wirkenden Wohnungseinrichtung konträr gegenüber. Auch die Stille, die Willy in seiner Wohnung noch umgeben hat wird durchbrochen, als er das Zimmer verlässt und auf die lauten, engen Straßen Tapachulas hinausgeht. Dieser Eindruck wird durch die einsetzende Filmmusik noch weiter verstärkt. Das folkloristisch-mexikanische Musikstück hilft dem Zuschauer bei der Verortung Willys und dessen sozialen wie kulturellen Lebensraums. Die lateinamerikanische Musik stellt ebenfalls einen Gegenpol zu o. g. Wandtapete dar, da die abgebildete Flora vielmehr an den mitteleuropäischen oder nordamerikanischen Raum erinnert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und aktuelle Dynamik der Migration zwischen Mexiko und den USA sowie die Relevanz des Films "Sin Nombre" als Analyseobjekt.
2.) Einwanderung in die USA: “Tan lejos de Dios y tan cerca de los Estados Unidos.“: Dieses Kapitel skizziert den historischen und sozioökonomischen Kontext der Einwanderung, einschließlich der Bedeutung der Grenze und amerikanischer Gegenmaßnahmen.
3.) Menschen in Bewegung: Zur Mobilität von Raum, Kultur und Individuum: Hier werden theoretische Grundlagen zu Grenzbegriffen, Raumtheorien (Bourdieu, Foucault) und der Bedeutung sozialer Gemeinschaften für Inklusion und Exklusion diskutiert.
4.) Filmanalyse: Sin Nombre: Dieser Hauptteil analysiert den Film, die Charakterentwicklungen von Willy, Sayra und Smiley sowie die symbolische Bedeutung zentraler Räume und Motive im Film.
5.) Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines dynamischen Verständnisses von Raum und Grenze im Kontext der modernen Migration.
Schlüsselwörter
Migration, Sin Nombre, Cary Fukunaga, Raumtheorie, Grenze, Mara Salvatrucha, kulturelle Identität, soziale Räume, USA, Mexiko, Filmanalyse, Transkulturalität, Mobilität, Third Space, Wirtschaftsflüchtlinge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Grenzüberschreitungen hispanischer Migranten am Beispiel des Films "Sin Nombre" und verknüpft dabei filmwissenschaftliche Beobachtungen mit soziologischen Theorien über Raum, Kultur und soziale Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte zwischen Mexiko und den USA, Konzepte der physischen und sozialen Raumgestaltung, die Rolle von Ganggesellschaften wie der Mara Salvatrucha sowie die filmische Repräsentation von Migration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Migranten physische und kulturelle Grenzen überwinden und wie Fukunaga diese Prozesse filmisch inszeniert, um über die reine Dokumentation hinaus die individuelle Dimension von Migration aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Filmanalyse, die auf einem theoretischen Rahmen aus Geographie, Soziologie und Kulturwissenschaften basiert, um die filmischen Narrative und Raummotive zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Filmanalyse, die Vorstellung des Regisseurs, die Charakterentwicklung der drei Protagonisten (Willy, Sayra, Smiley) sowie die Analyse filmischer Leitmotive wie dem Zug, der Natur und dem Fluss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Migration, Raumtheorie, Grenze, Identität, Transkulturalität und das spezifische Migrationsdrama "Sin Nombre".
Wie werden die Charaktere Willy und Smiley im Film gegenübergestellt?
Willy wird als tragischer Hoffnungsträger gezeichnet, der versucht, sich aus kriminellen Strukturen zu lösen, während Smiley eine negative Entwicklung vom unschuldigen Jungen zum Mörder durchläuft, um in der Ganghierarchie aufzusteigen.
Welche symbolische Bedeutung hat der "Zug" im Film?
Der Zug dient als ambivalentes Leitmotiv: Einerseits symbolisiert er als "Bestie" Gefahr und Tod, andererseits als Hoffnungsträger das Bestreben der Migranten, ihrem Schicksal zu entkommen und in eine vermeintlich bessere Welt aufzubrechen.
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- Christina Roll (Author), 2013, Die Mobilität des Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265053