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Ulrike Meinhof. Realhistorische Person vs. Interpretation und Verarbeitung in fiktionaler Literatur

Title: Ulrike Meinhof. Realhistorische Person vs. Interpretation und Verarbeitung in fiktionaler Literatur

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Isabella Caldart (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In der vorliegenden Hausarbeit werden relativ unbekannte, fiktionale Romane auf die Figur der Ulrike Meinhof untersucht und die Interpretation der Journalistin und RAF-Terroristin analysiert.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Ulrike Meinhof, einstmals anerkannte Journalistin der linksintellektuellen Szene und späteres Führungsmitglied der „Roten Armee Fraktion“. Es wird untersucht, welche Interpretation ihrer Persönlichkeit die aktuelle Literatur vornimmt. Dabei ist zu beachten, dass das Gros der Autoren, die in den letzten vierzig Jahren über sie schrieben, die „wahre“ Ulrike Meinhof nicht kannten und somit durch das medial vermittelte Bild ihrer Person geleitet wurden.
Die Geschichte der ersten Generation der RAF, die in diesem Falle von Bedeutung ist, wird als bekannt vorausgesetzt und somit recht detailfrei wiedergegeben. Auch die persönliche Biographie von Frau Meinhof nimmt einen vergleichsweise knappen Raum ein. Es wird versucht, eine möglichst neutrale Darstellung zu skizzieren, die weder durch die Hysterie der 1970er Jahre geprägten dezidiert negativen noch von Sympathisanten getätigten positiven Einschätzungen folgt.
Aufgrund der Fülle an Literatur und Filmen über die RAF und mehr oder minder vergleichbare Organisationen und Gruppierungen, gehe ich nur auf ausgewählte Werke ein. Auffallend ist, dass Ulrike Meinhof verhältnismäßig wenig in fiktionaler Literatur erwähnt wird. Viele Romane, die sich auf die Rote Armee Fraktion beziehen, thematisieren entweder fiktive Figuren oder nicht selten die
Liebesgeschichte zwischen Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die aufgrund ihres „Bonnie und Clyde“-Charakters mehr Stoff liefert, obgleich Ulrike Meinhof das politische Aushängeschild der Roten Armee Fraktion war. Im Theater ist es genau umgekehrt. Ich werde Stücke vergleichen, in denen Ulrike Meinhof als absolute Hauptfigur herausragt. Am Abschluss steht eine Analyse dieser fiktionalen Texte. Wie wird sie heutzutage, mehrere Jahrzehnte nach ihrem Tod und fast 15 Jahre nach der offiziellen Selbstauflösung der Roten Armee Fraktion durch die dritte Generation dargestellt? Findet durch den zeitlichen Abstand eine Heroisierung oder doch eher eine Diffamierung ihrer statt? Wird die politische Motivation beachtet oder liegt der Fokus auf den terroristischen Akten? Diese und weitere Fragen sollen im Fazit beantwortet werden.

u.a.: Erin Cosgrove, Dea Loher,Dagmar Leupold

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die erste Generation

3. Ulrike Meinhof – Biographie

4. Ulrike Meinhof in fiktionaler Literatur

5. Erin Cosgrove – Die Baader-Meinhof-Affäre

6. Nuri Kino und Jenny Nordberg – Die Wohltäter

7. Dagmar Leupold – Die Helligkeit der Nacht. Ein Journal

8. Ulrike Meinhof im Theater

9. Carlos Be – La extraordinaria muerte de Ulrike M.

10. Dea Loher – Leviathan

11. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Person Ulrike Meinhof in der Literatur und auf der Theaterbühne konstruiert und interpretiert wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, inwiefern diese fiktionalen Darstellungen von der historischen Person abweichen oder sie für zeitgenössische Diskurse instrumentalisieren.

  • Analyse der medialen und literarischen Wahrnehmung von Ulrike Meinhof
  • Untersuchung der Differenz zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion
  • Darstellung der RAF-Rezeption in der zeitgenössischen Literatur
  • Kritische Reflexion über die Medialisierung und Mythologisierung von Terroristen
  • Vergleich der Rollenbilder und Identitätskonstruktionen in verschiedenen dramatischen und narrativen Werken

Auszug aus dem Buch

Nuri Kino und Jenny Nordberg – Die Wohltäter

In diesem schwedischen Kriminalroman sind für diese Arbeit nur die Kapitel, in denen es um Miriam geht, relevant. Im Prolog wird Miriam als Dreijährige in Westdeutschland im Jahre 1972 von zwei Erwachsenen, die sie kennt, aber nicht ihre Eltern sind, verschleppt. Ihr Vater Jürgen erfährt davon zu spät und kann ihr nicht mehr helfen. Die fünf weiteren kurzen Kapitel spielen immer an ihrem Geburtstag. Miriam ist von klein auf verstrickt in eine linksradikale "Wohltätigkeitsorganisation", die sektenähnliche Züge hat. Im Jahre 1976 erkennt das Kind "Ihre Mutter war tot. Sie würde niemals zurückkehren [...]" Der Leser erfährt immer nur peripher etwas über Miriams Leben. 1990 weiß sie aber bestimmt, dass sie "Kind ihrer Mutter [war], sie war diejenige, die die Organisation weiterführen sollte [...]", bis sie in der heutigen Zeit endgültig den Platz ihrer Mutter eingenommen hat. Sie sucht einen alten Zeitungsartikel heraus, der ein Photo ihrer Mutter mit der Überschrift als "Die meistgehasste Mörderin der Bundesrepublik" abbildet. Miriam ist sich aber sicher, dass ihre Mutter und ihre Kameraden in den Zellen umgebracht worden waren und man dies als Selbstmord getarnt hatte. Der Roman schließt mit den Betrachtungen ihres Spiegelbildes: "Sie glich ihrer Mutter. Daran bestand kein Zweifel."

Ob es sich bei Miriams Mutter um eine fiktionale Version von Ulrike Meinhof hält, bleibt offen. Ulrike Meinhof hatte zwei, nicht nur eine Tochter, die im Jahre 1972 schon älter als drei Jahre alt waren und die Entführung (nach Sizilien) durch Mitglieder der RAF fand zwei Jahre zuvor statt, außerdem wird das Mädchen im Prolog als blond beschrieben (was auch ein Hinweis auf Gudrun Ensslin sein könnte, die allerdings einen Sohn hatte). Die Organisation, um die es sich in "Die Wohltäter" dreht, trägt das Kürzel "HHH", ist aber strukturell und ideologisch mit der RAF vergleichbar. Spätestens am Ende wird aber deutlich, dass die Figur von Miriams Mutter an Frau Meinhof angelehnt ist, denn sowohl als "die meistgehasste Mörderin der Bundesrepublik" oder auch als die "Staatsfeindin Nummer eins" wurde sie in den 1970ern bezeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der literarischen Auseinandersetzung mit Ulrike Meinhof und der RAF sowie der Zielsetzung der Arbeit.

2. Die erste Generation: Historischer Abriss zur Entstehung der RAF und den gesellschaftlichen Bedingungen der 1960er und 70er Jahre.

3. Ulrike Meinhof – Biographie: Zusammenfassung des Lebensweges von Ulrike Meinhof von der Journalistin bis zur Untergrundaktivistin.

4. Ulrike Meinhof in fiktionaler Literatur: Untersuchung, wie die Person Meinhof in zeitgenössischen Romanen in die Handlung eingebunden wird.

5. Erin Cosgrove – Die Baader-Meinhof-Affäre: Analyse der satirischen und ironischen Verarbeitung der RAF-Geschichte bei Cosgrove.

6. Nuri Kino und Jenny Nordberg – Die Wohltäter: Analyse der indirekten literarischen Anlehnung an Meinhofs Biographie in einem Kriminalroman.

7. Dagmar Leupold – Die Helligkeit der Nacht. Ein Journal: Untersuchung der fiktiven Verbindung zwischen Meinhof und Heinrich von Kleist.

8. Ulrike Meinhof im Theater: Betrachtung der Darstellung von Meinhof auf der Theaterbühne durch verschiedene Inszenierungen.

9. Carlos Be – La extraordinaria muerte de Ulrike M.: Analyse eines Theaterstücks, das Meinhof als verwirrte und orientierungslose Person porträtiert.

10. Dea Loher – Leviathan: Analyse eines Theaterstücks über die Radikalisierung und die inneren Konflikte der RAF-Mitglieder.

11. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der literarischen Konstruktion von Ulrike Meinhof und Ausblick auf künftige Bearbeitungen.

Schlüsselwörter

Ulrike Meinhof, RAF, Rote Armee Fraktion, Literaturanalyse, Fiktion, Theater, Biographik, Terrorismus, Medialisierung, Mythos, Zeitgeschichte, 1970er Jahre, Identitätskonstruktion, Gesellschaftskritik, Radikalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und theatralischen Darstellung der ehemaligen Journalistin und RAF-Terroristin Ulrike Meinhof.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen historischer Person und literarischer Figur, die mythologische Überhöhung von Terroristen sowie die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der RAF.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu analysieren, wie fiktionale Texte Ulrike Meinhof einsetzen und welche Bilder ihrer Person dabei im kollektiven Gedächtnis konstruiert oder rekonstruiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten (Romane, Theaterstücke), um narrative Strategien im Umgang mit historischen Stoffen zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene literarische Werke und Theaterstücke analysiert, in denen Ulrike Meinhof entweder als explizite Figur auftritt oder indirekt als Vorbild für fiktive Charaktere dient.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich besonders durch die Begriffe "RAF-Rezeption", "literarische Konstruktion", "Medialisierung des Terrors" und "Ulrike Meinhof als literarische Figur" charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Darstellung Meinhofs bei Dagmar Leupold von anderen Autoren?

Dagmar Leupold verknüpft Meinhofs Schicksal in ihrem Journal auf eine ungewöhnliche Weise mit Heinrich von Kleist, wodurch eine spirituelle und existenzielle Dimension entsteht.

Welche Rolle spielt die Ironie in der Darstellung bei Erin Cosgrove?

Bei Cosgrove dient die Ironie dazu, die moralische Leere und die oberflächliche Mythologisierung der RAF durch nachfolgende Generationen zu dekonstruieren und satirisch zu hinterfragen.

Inwiefern thematisiert das Theaterstück von Carlos Be das Ende von Meinhof?

Carlos Be wählt eine Darstellung, in der der Tod Meinhofs weder als einfacher Selbstmord noch als direkter Mord durch den Staat markiert wird, sondern das Scheitern ihrer Figur in einem komplexen historischen Gefüge verdeutlicht.

Was kritisiert die Autorin an der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Thema?

Die Arbeit stellt fest, dass Ulrike Meinhof oft zwar als Figur genutzt wird, aber meist "nicht zu Wort kommt", da sie primär als Projektionsfläche für die Phantasien und Analysen anderer dient.

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Details

Title
Ulrike Meinhof. Realhistorische Person vs. Interpretation und Verarbeitung in fiktionaler Literatur
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Literatur und Terror
Grade
1,3
Author
Isabella Caldart (Author)
Publication Year
2012
Pages
20
Catalog Number
V265054
ISBN (eBook)
9783656544883
ISBN (Book)
9783656545262
Language
German
Tags
ulrike meinhof realhistorische person interpretation verarbeitung literatur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Isabella Caldart (Author), 2012, Ulrike Meinhof. Realhistorische Person vs. Interpretation und Verarbeitung in fiktionaler Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265054
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