,Trois chansons de France‘ von Claude Debussy


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Kontext
2.1.1 Biographische Einordnung
2.1.2 Allgemeine Informationen zum Werk
2.2 Analyse ,Rondel Charles Duc D`Orléans‘
2.2.1 Erste Strophe
2.2.2 Zweite Strophe
2.2.3 Dritte Strophe
2.3 Einblick in ,La grotte Tristan L`hermite‘
2.4 Einblick in ,Rondel Charles Duc D`Orléans‘.

3. Schlussbemerkung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die ,Trois chansons de France‘ von Claude Debussy, komponiert für Gesangsstimme und Klavier, entstanden in einer Lebensphase, in der den Komponisten viele einschneidende Erlebnisse prägten.

Deshalb erläutere ich biographische Hintergründe und nenne andere wichtige Werke dieser Lebens- und Schaffensphase, um die ,Chansons de France‘ nicht als losgelöste Komposition zu interpretieren.

Neben Einordnung des Stückes in das Lebenswerk Debussys findet auf musikalischer Ebene ein Umdenken des Komponisten statt, was die Auswahl der Texte, die Grundlage seiner Klavierlieder bilden, anbelangt. Diese Tatsache - auch im Hinblick auf spätere Werke Debussys - darf nicht unbeachtet bleiben.

Um der Gefahr zu entgehen, die tiefere, innere musikalischen Struktur mit Textbezug nur bruchstückhaft zu erfassen, lege ich das Hauptaugenmerk auf das erste der drei Chansons.

Die beiden anderen Stücke sollen nicht unbeachtet bleiben, um die ,Trois Chansons‘ als einen Zyklus auffassen zu können. Diese werden weniger analytisch differenziert betrachtet, nur wesentliche musikalische Aspekte werden genannt und mit dem Text in Bezug gesetzt.

Schließlich fasse ich meine Beobachtungen über die aufgezeigten, musikalischen Strukturen zusammen, und versuche diese im Hinblick auf den Liederzyklus zu abstrahieren und noch einmal in Werk und Lebensphase Debussys einzuordnen.

2. Hauptteil

2.1 Kontext

2.1.1 Biographische Einordnung

Das 1904 entstandene Werk ,Trois chansons de France‘ widmete Claude Debussy seiner Geliebten Emma Bardac. Er lernte sie 1903 kennen; ihre gemeinsame Liebschaft wurde schon bald darauf publik. Diese Liebesbeziehung kann als Auslöser für den Selbstmordversuch seiner eigentlichen Frau Rosalie Taxer gedeutet werden, deren gemeinsame Ehe durch die von Debussy eingereichte Scheidung beendet wurde. Sowohl die ,Chansons de France‘ als auch die ,Fêtes galantes‘ „stehen direkt unter dem Einfluß der Leidenschaft für Emma Bardac […].“1 Auch auf dem Titelblatt der ,Trois chansons de France‘ ist die persönliche Widmung Debussys enthalten.

Die ,Fêtes galantes II‘ tragen auch eine Widmung für Emma Bardac, auf deren Berücksichtigung Debussy im Briefwechsel mit seinem Verleger Durand großen Wert legt: A. l. p. M. , was übersetzt „A la petite Mie - Für meine kleine Liebste“ bedeutet. Doch nicht nur diese beiden Liederhefte können dem Schaffen Debussys im Jahre 1904 zugeordnet werden, sondern auch die Arbeit am Orchesterwerk ,La mer‘. Dieses Werk muss auch im Kontext seiner aktuellen Lebenssituation gesehen werden: „It is not surprising that one of the most impressionable and turbulent periods in his life should have produced L`isle joyeuse and La mer, his most consummate responses to the sea.”2 Debussy hatte mit finanziellen Schwierigkeiten, „he was, as ever, in severe financial straits,[…]”3 zu kämpfen, wurde aber als berühmte Persönlichkeit in der Öffentlichkeit nach dem Erfolg der Uraufführung ,Pelléas et Mélisande‘ im Jahre 1902 wahrgenommen. Bis Mitte des Jahres 1903 scheint Debussy mit seiner Frau ,Lilly‘ (Rosalie Taxer) glücklich verheiratet zu sein, ehe er im Oktober 1903 Emma Bardac kennenlernt: „She was ‘small, stylish, youthful in appearance, open to all emotions, simple […].“4 Neben ihrem eigentlichen Ehemann war sie mit Gabriel Fauré liiert, der ihr den Liederzyklus ,La bonne chanson‘ widmete. Nur wenige Zeit nach noch liebevollen Briefwechseln Debussys und seiner Ehefrau im Juni 1904, floh er zusammen mit Emma Bardac nach Jersey. Den versuchten Selbstmord ,Lillys‘ am 13. Oktober 1904 hielt Debussy zunächst für inszeniert, alarmierte den Notarzt und rettete seine Ehefrau, die hätte sterben wollen, falls Debussy nicht zu ihr zurückkehre: „In spite oft he request that she be allowed to die unless he returned to her, Debussy summoned an ambulance - his last husbandly act.“5 Dieser Selbstmordversuch verursachte einen öffentlichen Skandal; die Berichterstattung in Zeitungen kritisiert Debussy in Briefen an Emma: „There is not a word of truth in that.“ Auch brachen danach in Debussys Freundeskreis viele Freundschaften ab. Sein Verhältnis zu langjährigen Freunden wurde vom öffentlichen Skandal geprägt: „His friends, however, were outraged by the composer`s behavior, and almost all of them severed ties with him, including André Messager and the once-closed Pierre Louys. Only Paul Dukas, Eric Satie, Louis Laloy and his publisher Jaques Durand remained on friendly terms.”6

Im Jahre 1905 lässt sich der Komponist von seiner Ehefrau ,Lilly‘ scheiden und geht eine Beziehung mit Emma de Bardac ein. Im selben Jahr wird die gemeinsame ClaudeEmma (Chochou) geboren, der Debussy die ,Childrens Corner‘ widmet. Auch vollendet Debussy 1905 sein Orchesterwerk ,La mer‘, dessen Uraufführung am 15. Oktober (Orchestre Lamoureux) stattfindet.

Gemessen an seiner dargestellten Lebenssituation befand sich Claude Debussy in einer für ihn schweren Lebensphase: Die Liebschaft mit Emma de Bardac und den resultierenden Selbstmordversuch seiner Ehefrau wurde Debussy führte nicht nur einen öffentlichen Skandal herbei, sondern verursachte auch bei Debussy Depressionen. Außerdem kehrten sich viele Freunde von ihm ab. Dies bedeutet für Debussy im Umkehrschluss nicht den Stillstand jeglichen künstlerischen Schaffens, dennoch ist die Berücksichtigung seiner Lebensumstände von Nöten, um einer biographisch lösgelösten Analyse des Werkes zu entgehen.

2.1.2 Allgemeine Informationen zum Werk

Die ,Chansons de France‘ lassen sich in die mittlere Schaffensphase Claude Debussys einordnen. Während das Frühwerk Debussys bis 1890 einzuordnen ist (Baudelaire- Lieder, Suite bergamasque), liegen der mittleren Phase von 1890-1912 ganz andere Schwerpunkte zugrunde: Durch den Besuch der Weltausstellung 1889 in Paris wird der Komponist durch fernöstliche Gamelanmusik angeregt; auch schlagen sich „impressionistische Wirkungen durch Kirchentonarten, Akkordparallelen […] [sowie] Pentatonik [und die Verwendung der] Ganztonleiter […]“7 in seinen Kompositionen nieder. Folglich wendet sich Debussy immer mehr der Romantik, durch deren Vertreter Chopin und Wagner er beeinflusst wird, ab. Anfangs dienen lediglich Dichtungen von Zeitgenossen Debussys wie Paul Verlaines oder Charles Baudelaires als textliche Grundlage für dessen Vokalmusik, „aber gegen Ende des Jahrhunderts dehnte sich seine Interesse auch auf die Poeten früherer Epochen aus.“8 Debussy verfolgte eine Rückbesinnung auf die alten französischen Meister wie Couperin oder Rameau, wie er in einem in der Zeitschrift „Comoedia“ erscheinenden Beitrag bekannt gibt: „J`ai surtout cherché à redevenir français […].“9 Auch was die textliche Grundlage anbelangt, geht Debussy weit in der französischen Geschichte zurück; denn „fortab bilden Dichtungen der französischen Renaissance den Grundstoff seines Liedschaffens.“10 Lediglich bei den ,Trois Poèmes de Mallarmée‘ (1913) verwendet der Komponist noch einmal zeitgenössiche Dichtung.

Die ,Trois chansons de France‘ sind dreigeteilt, in dem Triptychon rahmen die beiden Rondels von Charles Duc d`Orléans das mittlere Stück La Grotte von Tristan L`hermite ein. Dennoch lässt diese spezifische Anordnung keinen genauen inhaltlichen Bezug zu. Herauszuheben ist bei den ,Trois chansons de France‘, dass dieses Liederheft auf Gedichten zweier verschiedener Autoren basiert, was in Debussys Schaffen eine Ausnahme bildet.

Die Titel der einzelnen Gedichte sind Le temps a laissi é son manteau, Aupr è s de cette grotte sombre und Pour ce que Plaisance est morte. (vgl. Cobb, Magaret G. Cobb: The Poetic Debussy. A collection of His Song Texts and Selected Letters. University of Rochester 1994, S.68-70). Das Aufgreifen solcher Naturpoetik lässt sich durch die Wahl des Titels ,La mer‘, welches vor allem im mittleren Stück Anklang findet, erklären : „The sea`s influence seems to have been with Debussy from his earliest years, for references to it recur like a leitmotif through his correspondence and writings.“11 Debussy war fasziniert von der Naturpoetik, die ihm textlich ausgereift erschien. Mehr noch, „[d]ie Erkenntnis, derartige Sujets schon bei jenen Dichtern so verbreitet vorzufinden, muß ihm die wesensbedingte Naturverbundenheit der französischen Kunst von alters her bestätigt haben.“12

Da ich im Folgenden auf das 1. Rondel von Charles Duc d`Orléans eingehe, soll auch der Autor nicht unbeachtet bleiben. Charles Duc d`Orléans (1394-1465), Herzog von Orleans schrieb viele seiner Texte in seiner 25- jährigen englischen Gefangenschaft, die ihn persönlich sehr prägte. Sein Werk kann als eines „ der ersten Entwicklungsstufen modernen Denkens und Empfindens in der französischen Lyrik des 15. Jahrhunderts“13 eingestuft werden. Eine allegorische Bildlichkeit ist dem Dichter nicht abzusprechen, ähnlich wie man es auch im Text des ersten Rondels Le temps a laissi é son manteau beobachten kann. Auf textlicher Ebene handelt das Gedicht von dem Beginn des Frühlings, der mit dem Ende des Winters einhergeht. Auch die Tiere singen diese Frühlingshymne , Le temps a laissié son manteau- De vent de froidure et de pluye‘, die schließlich allumfassender ausgedeutet wird: ,Chacun s`abille de nouveau.‘ Das Gedicht von Charles Duc d`Orleans erzählt vom Frühlingsbeginn und dem Erwachen der Natur, deren Schönheit jegliches Lebewesen neu einkleidet. Die Hauptaussage des Gedichtes ,Le temps a laissié son manteau- De vent de froidure et de pluye‘ wird durch die metaphorische Sprache des Autors erfahr- und erlebbar.

Claude Debussy übernimmt den Text wortgetreu; lediglich fügt er dem Ende des Stückes den ersten Vers ,Le temps a laissié son manteau‘ hinzu. Außerdem fällt die letzte Zeile der zweiten Strophe, die den Winter genauer durch die konnotierten Nomen spezifiziert, weg: De vent de froidure et de pluye. Dass die entstandene Musik dem Sinn- und Gefühlsgehalt des Textes folgt, ist unbestreitbar, interessant gestaltet sich die Fragestellung, die ich im Weiteren zu analysieren versuche, in welcher Art und Weise Debussy den Text vertont.

[...]


1 Heinrich Strobel: Claude Debussy, S.200

2 Simon Trezise: Debussy. La mer, S.2

3 Ebd.

4 Ebd. S.3

5 Ebd. S.4

6 Stephen Anthony Barr Epiloque: After Pelleas: A second Shift and Influence upon Later composers, S.281

7 Ulrich Michels: dtv-Atlas zur Musik. Tafeln und Texte, S.515

8 Helga Böhmer: Claude Debussy (1862-1918): „Yver, vous n`êtes qu`un villain” für vierstimmingen Chor a cappela (aus den “Trois chansons de Charles d`Orléans“), S.453

9 Ebd.

10 Werner Danckert: Claude Debussy. S.175

11 Simon Trezise: Debussy. La mer, S.2

12 Dieter Winzer: Claude Debussy und die musikalische Tradition, S.27

13 Albrecht Classen: Die autobiographische Lyrik des europäischen Spätmittelalters, S.281

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
,Trois chansons de France‘ von Claude Debussy
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Musikwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V265067
ISBN (eBook)
9783656544098
ISBN (Buch)
9783656544562
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trois, france‘, claude, debussy
Arbeit zitieren
Jonas Abel (Autor), 2013, ,Trois chansons de France‘ von Claude Debussy, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265067

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