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Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kritizismus und was sind seine Konsequenzen für die Metaphysik?

Title: Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kritizismus und was sind seine Konsequenzen für die Metaphysik?

Term Paper , 2004 , 28 Pages , Grade: gut

Autor:in: Dr.rer.nat., M.A., PhD Christian Grimm (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Im Jahre 1514 schlug der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus ein Modell der ‚Welt’ vor mit der Sonne als Mittelpunkt, um den sich die Erde und die Planeten in kreisförmigen Umlaufbahnen bewegten. Die ‚Kopernikanische Wende’ in diesem Sinne bezeichnet somit die Ablösung des aristotelisch-ptolemäischen Weltbildes mit der Erde als Mittelpunkt (Geozentrismus) durch das heliozentrische Weltbild, ein nachhaltiger Bruch mit der damals vertretenen Lehrmeinung. In seiner zweiten Vorrede zur Kritik der reinen Vernunft stellte Kant eine Analogie zur Metaphysik her, indem er forderte, dass sich nicht mehr all unsere Erkenntnis nach den Gegenständen richten dürfe, sondern, dass sich „der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres Anschauungsvermögens“ richten müsse. Damit begründete Kant „eine neue Stellung des Subjekts zur Objektivität“. Durch den perspektivischen Wechsel wird das erkennende Subjekt zum eigentlichen Gegenstand der Metaphysik und der transzendentale, also Erkenntnis zuallererst ermöglichende Wert des Objekts, minimiert. Die Metaphysik Kants stellt also „nicht mehr die Frage nach Transzendentem“, Erfahrungsjenseitigem, „sondern nach Transzendentalem“, nach den Bedingungen und Grenzen der Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt. Kants kritisches Anliegen ist die Vernunft selbst, Kritik an der Vernunft und Kritik durch die Vernunft.
Die Kritik der reinen Vernunft will die Grenzen des Erkenntnisvermögens ziehen und „wenn man das Resultat der kopernikanischen Revolution, die Trennung von Erscheinung und „Ding an sich“, anerkennt und die objektive Erkenntnis auf den Bereich möglicher Erfahrung einschränkt“, stellt sich konsequenterweise die Frage nach den Auswirkungen auf die Probleme bzw. großen Fragen der Metaphysik, mit denen sich Kant auseinandergesetzt hat, insbesondere Raum und Zeit, Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Es stellt sich ferner die Frage: Ist Metaphysik nach Kant überhaupt noch möglich, ist Kant doch - ungewollterweise - als der ‚Alleszermalmer’ zu sehen, wie ihn sein Zeitgenosse Moses Mendelsohn genannt hatte? Oder ist es vielmehr so, dass Metaphysik als (philosophische) Einzeldisziplin zwar keine große Rolle mehr spielt, dass aber die Fragen der Metaphysik geblieben sind und nunmehr in mehr oder weniger multidisziplinären Ansätzen - anders als Kant sich das vorgestellt hat, aber doch als Konsequenz seines Denkens - weiter nach Lösungen gesucht wird?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Raum und Zeit als reine Formen der Anschauung a priori und die Frage nach dem Ursprung der Welt

2.2. Freiheit, Natur und das moralische Gesetz in uns

2.3. Widerlegung der Gottesbeweise aus spekulativer Vernunft und die Frage nach einem schlechthin notwendigen Wesen

2.4. Leib-Seele-Problem und die Unsterblichkeit der Seele

3. Schluß

4. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sogenannte „Kopernikanische Wende“ im Kantischen Kritizismus und analysiert deren fundamentale Auswirkungen auf die traditionelle Metaphysik. Ziel ist es darzulegen, wie Kant durch den Wechsel des Erkenntnisperspektivs – weg vom Gegenstand, hin zum erkennenden Subjekt – eine neue Grundlage für wissenschaftliche Erkenntnis schafft und welche Konsequenzen dies für die zentralen metaphysischen Fragen hat.

  • Die methodologische Neuausrichtung der Metaphysik durch Immanuel Kant.
  • Die Neubewertung von Raum und Zeit als reine Anschauungsformen.
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Natur und moralischem Gesetz.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Gottesbeweisen und dem Leib-Seele-Problem.
  • Der Übergang von der spekulativen Metaphysik zu einer kritischen Grenzbestimmung der Vernunft.

Auszug aus dem Buch

2.1. Raum und Zeit als reine Formen der Anschauung a priori und die Frage nach dem Ursprung der Welt

„Was sind nun Raum und Zeit?“ Diese Frage stellt Kant am Anfang der transzendentalen Ästhetik. „Sind sie etwas Objektives und Reales oder bloß etwas Subjektives und Ideales (Berkeley)? Und wenn sie real sind, stellen sie dann Substanzen dar (Descartes) oder Eigenschaften der göttlichen Substanz (Spinoza) oder eher ein Verhältnis der endlichen Substanzen (Leibniz)?“. Die Diskussion gipfelte in der Kontroverse zwischen Leibniz, für den Raum und Zeit keine eigenen Realitäten neben den Dingen sind, sondern Relationen zwischen den Dingen, und Newton, für den Raum und Zeit absolut sind, ein passiver Hintergrund für Ereignisse, unabhängig vom Subjekt, wobei die Zeit eine unendliche Linie bildet, getrennt vom Raum. Kant kritisiert beide Thesen. Für ihn sind Raum und Zeit keine empirischen, Begriffe; Raum und Zeit sind notwendige Vorstellungen, a priori. „Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, dass kein Raum sei,…“, ebenso ist es - nach ihm - nicht möglich die Zeit aufzuheben; ferner sind sie reine Anschauungen, da es nur eine Zeit („Verschiedene Zeiten sind nur Teile eben derselben Zeit“) und einen Raum („Denn erstlich kann man sich nur einen einigen Raum vorstellen,…“) gäbe, die als unendliche gegebene Größen vorgestellt würden.

Nach Kant sind Raum und Zeit also reine Formen der Anschauung a priori, mit dem Raum als der Form der äußeren Anschauung und der Zeit als der Form der inneren Anschauung. Raum und Zeit sind „nur in den Sinnen und haben außer ihnen keine Wirklichkeit“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die „Kopernikanische Wende“ ein, bei der das erkennende Subjekt zum Zentrum der Metaphysik wird, um die Bedingungen objektiver Erkenntnis zu untersuchen.

2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in vier inhaltliche Analysen, die zentrale metaphysische Problemfelder wie Raum und Zeit, Freiheit, Gottesbeweise sowie die Leib-Seele-Problematik kritisch hinterfragen.

2.1. Raum und Zeit als reine Formen der Anschauung a priori und die Frage nach dem Ursprung der Welt: Dieses Kapitel erläutert Kants Auffassung von Raum und Zeit als a priori Bedingungen der Erfahrung und diskutiert diese im Kontext moderner naturwissenschaftlicher Theorien.

2.2. Freiheit, Natur und das moralische Gesetz in uns: Hier wird Kants Lösung des Widerspruchs zwischen Kausalität der Natur und Freiheit durch die Unterscheidung von Erscheinung und Ding an sich beleuchtet.

2.3. Widerlegung der Gottesbeweise aus spekulativer Vernunft und die Frage nach einem schlechthin notwendigen Wesen: Das Kapitel behandelt Kants Kritik am ontologischen, kosmologischen und physikotheologischen Gottesbeweis und die praktische Postulierung Gottes.

2.4. Leib-Seele-Problem und die Unsterblichkeit der Seele: Die Analyse zeigt auf, warum Kant rationale psychologische Beweise für die Unsterblichkeit als Paralogismen verwirft und stattdessen das transzendentale Selbstbewusstsein betont.

3. Schluß: Der Schluß resümiert, dass Metaphysik zwar nicht als spekulatives System, aber als notwendige Auseinandersetzung mit den Grenzen der Vernunft bestehen bleibt.

4. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Primärquellen von Immanuel Kant sowie die Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Kopernikanische Wende, Kantischer Kritizismus, Metaphysik, Transzendentalphilosophie, Raum und Zeit, Freiheit, Moral, Gottesbeweise, Leib-Seele-Problem, transzendentales Ich, Erkenntnistheorie, Vernunft, Phänomen, Ding an sich, synthetische Urteile a priori.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Bedeutung der „Kopernikanischen Wende“ Immanuel Kants und deren Folgen für die metaphysische Disziplin.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Natur von Raum und Zeit, das Verhältnis von Freiheit und Naturnotwendigkeit, die Kritik an traditionellen Gottesbeweisen sowie das Problem der Seele.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, wie Kant durch den Perspektivwechsel auf das erkennende Subjekt die Metaphysik von einer dogmatischen Lehre in eine wissenschaftlich begründbare Untersuchung der Erkenntnisgrenzen transformiert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine philosophisch-hermeneutische Arbeit, die Kantische Originaltexte analysiert und diese kritisch mit den Ansichten der Rationalisten, Empiristen und modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die jeweils spezifische metaphysische Probleme behandeln, die durch die Kantische Kritik eine neue Interpretation erfahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kopernikanische Wende, Transzendentalphilosophie, Freiheit, Vernunftkritik und die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich.

Warum betrachtet Kant die Gottesbeweise als fruchtlos?

Kant argumentiert, dass eine spekulative Beweisführung Gottes das Erkenntnisvermögen überschreitet, da sie Gott als Gegenstand der Erfahrung behandelt, was er als Tautologie oder logischen Fehlschluss zurückweist.

Wie bewertet der Autor die Relevanz der Kantischen Philosophie für die moderne Wissenschaft?

Der Autor stellt fest, dass viele metaphysische Fragen in andere Disziplinen, wie etwa die Neurobiologie oder Astrophysik, übergegangen sind, mahnt aber gleichzeitig zur Wahrung der Kantischen Grenzen der Erkenntnisfähigkeit.

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Details

Title
Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kritizismus und was sind seine Konsequenzen für die Metaphysik?
College
University of Hagen  (Philosophie)
Grade
gut
Author
Dr.rer.nat., M.A., PhD Christian Grimm (Author)
Publication Year
2004
Pages
28
Catalog Number
V26506
ISBN (eBook)
9783638288163
ISBN (Book)
9783638848251
Language
German
Tags
Worin Kopernikanische Wende Kantischen Kritizismus Konsequenzen Metaphysik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr.rer.nat., M.A., PhD Christian Grimm (Author), 2004, Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kritizismus und was sind seine Konsequenzen für die Metaphysik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26506
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