Die Entstehung von Non-Profit-Organisationen kann von zwei großen Theorieströmungen erklärt werden. Das sind zum einen die nachfrageseitigen Theorien, die die Gründung dieser Organisationen auf das Marktversagen zurückführen. Zum anderen finden sich die angebotsseitigen Theorien, die besonders die individuellen Motivationen einen Menschen zur Gründung einer Non-Profit-Organisation beleuchten. Beide Theorierichtungen identifizieren die Anreize und individuellen Nutzen, den jeder Firmengründer auch außerhalb von Umsatz und Profit aus einem Non-Profit-Unternehmen ziehen kann.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den wichtigsten Ansätzen zur Erklärung und Entstehung von Non-Profit-Organisationen. An erster Stelle wird die Nachfrageseite durch die public goods theory von Burton Weisbrod, die Consumer Control Theory von Avner Ben-Ner sowie die Contract Failure Theory von Henry Hansmann näher beleuchtet. Anschließend werden die wichtigsten Theorien auf der Angebotsseite dargestellt. Hier zeigen sich besonders die individuellen Motivationen außerhalb von Profitmaximierung. Es wird verdeutlicht, dass unter anderem auch Altruismus, soziales Engagement, das Bedürfnis zu helfen aber auch Prestige oder Stolz ein Grund für die Gründung von Non-Profit-Organisationen sein können.
Bevor am Ende dieser Abhandlung ein abschließendes Fazit gezogen wird, soll anhand von zwei Beispielen aufgezeigt werden, dass die dargestellten Theorien als Grundlage für andere, teilweise modernere Ansätze dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nachfrageseitige Theorien
2.1 The Public Good Theory
2.2 Consumer Control Theory
2.3 Contract Failure Theory
3. Angebotsseitige Theorien
3.1 Die „Entrepreneurship“ – Theorie von Young
3.2 Die Theorie von James
3.3 Die Theorie von Weisbrod
4. Neuere Theorien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Erklärungsansätze für die Entstehung von Non-Profit-Organisationen, wobei insbesondere die Frage beleuchtet wird, welche ökonomischen und individuellen Motive jenseits der Profitmaximierung zur Gründung solcher Organisationen führen.
- Marktversagen als zentraler Erklärungsfaktor
- Nachfrageseitige Theorien (Public Good, Consumer Control, Contract Failure)
- Angebotsseitige Theorien und die Rolle ideologischer Motivationen
- Der Einfluss von Unternehmertypen und persönlichen Werten
- Vergleich von gewinnorientierten und gemeinnützigen Organisationsformen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die „Entrepreneurship“ – Theorie von Young
Young geht in seinem Ansatz zunächst davon aus, dass Unternehmer von Non-Profit-Organisationen diese nicht nur, wie unter Kapitel 3 zunächst dargestellt, zur Verfolgung ideologischer Ziele gründen. Seiner Meinung nach, können diese Organisationen auch zur persönlichen Profitmaximierung verwendet werden. Egoistische Zwecke werden dann unter dem Deckmantel einer Non-Profit-Organisation verfolgt: „Nonetheless, some nonprofit participants severely test the imposed constraints and manipulate them toward selfish ends. In doing so, they may be more successful in ensuring their survival than their more selfless colleagues.“31 Diese Annahme ist wichtig, da Young dadurch verschiedene Gruppen von Unternehmern mit verschiedenen Zielen definiert. Die Unternehmenstypen, die Young identifiziert sind: Artist, professional, believer, searcher, independent, conserver, power seeker, controller, player und income seeker. Je nachdem, zu welcher Kategorie ein Unternehmer gehört, präferiert er unterschiedliche Ziele.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die ökonomische Sinnhaftigkeit von Non-Profit-Organisationen und führt in die Unterscheidung zwischen nachfrage- und angebotsseitigen Theorien ein.
2. Nachfrageseitige Theorien: Dieses Kapitel betrachtet Marktversagen als Hauptursache für die Entstehung von Non-Profit-Organisationen, etwa durch die Unterversorgung mit öffentlichen Gütern oder Informationsasymmetrien.
3. Angebotsseitige Theorien: Der Fokus liegt hier auf den individuellen Motivationen der Gründer, wie Ideologien, Glaubenssätze und der Wunsch nach Kontrolle oder Selbstverwirklichung.
4. Neuere Theorien: Hier werden aktuelle Ansätze diskutiert, die politische Rahmenbedingungen und den Einfluss der Globalisierung auf die Entstehung von Non-Profit-Organisationen integrieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Non-Profit-Organisationen auch bei rationaler Nutzenmaximierung der Gründer einen festen Platz im ökonomischen Gefüge haben.
Schlüsselwörter
Non-Profit-Organisationen, Marktversagen, Public Good Theory, Consumer Control Theory, Contract Failure Theory, Angebotsseitige Theorien, Ideologisches Unternehmertum, Homo Oeconomicus, Informationsasymmetrien, Altruismus, Gemeinnützigkeit, Nutzenmaximierung, Sozialisation, Ehrenamt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Hintergründe, die erklären, warum Menschen Non-Profit-Organisationen gründen, obwohl diese nicht auf Gewinn ausgerichtet sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen ökonomische Theorien zum Marktversagen sowie soziologische und psychologische Ansätze zur individuellen Motivation von Unternehmensgründern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Non-Profit-Organisationen nicht irrational sind, sondern durch spezifische Anreizstrukturen und individuelle Nutzenkalküle der Gründer entstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene ökonomische Modelle und wissenschaftliche Ansätze zur Entstehung von Non-Profit-Organisationen gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der nachfrageseitigen (Marktversagen) und angebotsseitigen (individuelle Motive der Gründer) Theorien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Marktversagen, Public Good Theory, Contract Failure, Altruismus und das Modell des Homo Oeconomicus im Kontext gemeinnütziger Arbeit.
Was besagt die Contract Failure Theory von Henry Hansmann?
Diese Theorie besagt, dass Non-Profit-Organisationen gegründet werden, um das Vertrauen der Konsumenten in Situationen zu sichern, in denen die Qualität von Dienstleistungen schwer einzuschätzen ist.
Wie erklärt Young die Gründung von Non-Profit-Organisationen?
Young sieht in den Gründern Individuen mit unterschiedlichen Zielen, die von ideologischen Überzeugungen bis hin zu persönlichen Macht- oder Statusmotiven reichen können.
Welche Rolle spielt der Median-Wähler laut Weisbrod?
Weisbrod erklärt, dass der Staat öffentliche Güter primär an den Bedürfnissen des Median-Wählers ausrichtet, wodurch Minderheiten unterversorgt bleiben und Non-Profit-Organisationen diese Lücke füllen.
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- B.Sc. Sebastian Rhein (Author), 2013, Theoretische Ansätze zur Entstehung von Non-Profit-Organisationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265097