Depotmanagement in der Niedrigzinsphase


Bachelorarbeit, 2013

46 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Depotmanagement in der Niedrigzinsphase
1.2 Executive Summary

2. Die Ursachen der Niedrigzinsphase
2.1 Zentralbanken und Europäische Zentralbank
2.2 Die Geldpolitik der EZB
2.2.1 Preisstabilität
2.2.2 Ausweitung der Geldpolitik
2.3 Die Steuerungsinstrumente der EZB
2.3.1 Offenmarktpolitik
2.3.2 Der Leitzins
2.3.5 Der Geldmarkt

3. Depotmanagement
3.1 Begriffe, Instrumente und Ansätze des Portfolio-Managements
3.1.1 Depots
3.1.2 Depotmanagement
3.1.3 Portfolio-Management
3.1.4 Asset Allocation
3.2 Strategieentwicklung aus Anlegersicht
3.2.1 Terrassenmodell
3.2.2 Asset-Klassen
3.2.3 Risiken
3.2.4 Risikodiversifikation
3.2.5 Asset-Allokation
3.3 Case Study UniCredit Bank AG München
3.3.1 Herleitung
3.3.2 Gesetzliche Grundlagen
3.3.3 Produkte
3.3.4 Abschluss
3.3.5 Fazit

4 Schlussfolgerung
4.1 Verändertes Anlegerverhalten
4.2 Persönliche Schlussfolgerung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Depotmanagement in der Niedrigzinsphase

“The return of my money is more important than the return on my money.”

Mark Twain

Dies war ein weit verbreitetes Motto vieler Anleger in den letzten Jahren. Die Anleger waren bereits zufrieden, wenn sie ihr Vermögen erhalten konnten und die Höhe von Erträgen stand immer weniger im Fokus. Seit der letzten Wirtschaftskrise und der darauf folgenden Schuldenkrise in der Europäischen Union wurden viele neue Regelungen und Gesetze verabschiedet. Eine der entscheidenden Regelungen war die Festsetzung des Leitzinssatzes seitens der Europäischen Zentralbank auf das historisch niedrigste Niveau aller Zeiten. Die Anleger sowie die Banken müssen ihre Strategien an diese Situation anpassen, um erfolgreich Kapital vermehren oder dieses zumindest erhalten zu können.

Wenn ein Anleger die heutige Marktsituation betrachtet, fallen ihm gleich mehrere Schlagwörter auf, die das gesamte Marktgeschehen beeinflussen. Diese Wörter sind unter anderem die Eurokrise, niedrige Zinsen, das Schuldendilemma und die aus den Rettungsmaßnahmen entstehende Inflationsgefahr. Die Anleger sind mittlerweile soweit verunsichert, dass sie nicht wirklich wissen, wo sie ihr Geld unterbringen sollen. Die früheren sicheren Häfen, wie die Bundeswertpapiere, bieten aus heutiger Sicht keine attraktive Lösung. Sie versprechen zwar hohe Sicherheiten, ermöglichen aber gleichzeitig wenig Rendite. Wenn aber die Rendite niedriger als die Inflation ist, dann verliert das Vermögen auch Jahr für Jahr an Kaufkraft.

Infolge dessen wird heutzutage nach neuen Wegen gesucht, die es ermöglichen sollen, das Vermögen sicher anzulegen und wenn möglich sogar zu vermehren. Es werden Techniken benötigt, bei denen die altbewährten Anlagestrategien mit den neuen Ansätzen kombiniert werden können. Zusammengefasst unter dem Begriff „Depotmanagement in der Niedrigzinsphase“ wird in vorliegender Arbeit gezeigt, wie Anleger ihr Depot in der heutigen Zeit sicherheitsorientiert und mit möglichst annehmbaren Renditen führen könnten.

1.2 Executive Summary

In der folgenden Arbeit wird zunächst auf die Ursachen der Niedrigzinsphase eingegangen, bei der im zweiten Kapitel die treibenden Kräfte sowie deren Beweggründe für das Entstehen niedriger Zinsen aufgezeigt werden. Ferner werden in diesem Kapitel die Steuerungsmöglichkeiten, von deren Einsatz das gesamte Marktgeschehen abhängt, dargestellt und näher erläutert.

Im dritten Kapitel geht es zunächst um das Depotmanagement im eigentlichen Sinne. Eingangs werden Begrifflichkeiten wie Depotmanagement und Asset-Allocation erklärt und deren Herkunft erörtert. Auf mögliche Strategieentwicklung aus Anlegersicht wird im zweiten Teil des dritten Kapitels eingegangen. Es werden die Eckpfeiler eines modernen Depotmanagements aufgeführt sowie die dazugehörigen möglichen Vorgehensweisen. Zum Schluss wird aufgezeigt, wie die erarbeiteten Musterportfolios an die jeweiligen Anlegerstrategien angepasst werden können. Das dritte Kapitel schließt ab mit der exemplarischen Betrachtung der UniCredit Bank AG. Hier werden, auf Grundlage geführter Interviews mit Spezialisten des Anlagemanagements, mögliche Lösungen für das Depotmanagement aufgezeigt und begründet.

Das vierte Kapitel geht auf die Forschungsfrage zurück und bestätigt mithilfe der von der Steinbeis Hochschule Berlin in Zusammenarbeit mit der DekaBank durchgeführten empirischen Studie das veränderte Anlegerverhalten seit der letzten Finanzkrise. Mit einer persönlichen Schlussfolgerung wird die Bachelorarbeit abgeschlossen.

2. Die Ursachen der Niedrigzinsphase

Um den Themenbereich dieser Bachelorarbeit verständlicher darstellen zu können, soll zunächst auf die einzelnen verwendeten Begriffe näher eingegangen werden. So werden zunächst Indikatoren für Niedrigzinsphasen untersucht und Zinssätze als eines der wichtigsten Steuerungsinstrumente der Zentralbanken dargestellt. Mechanismen möglicher Einflussnahmen auf die Entwicklung der Wirtschaft eines Landes oder einer Währungsunion werden aufgezeigt. Konkret wird beschrieben, welche Institution die Zinssätze für die Europäische Union festlegt, welche Beweggründe es dafür gibt und wer speziell hiermit in Verbindung steht.

2.1 Zentralbanken und Europäische Zentralbank

Die Bezeichnung Niedrigzinsphase steht für ein niedriges Niveau des Leitzinssatzes, der von der Zentralbank vorgegeben wird. Leitzinssätze dienen den Zentralbanken als ein Instrument, mit dessen Hilfe sie Einfluss auf die Inflation nehmen können, um damit das Wirtschaftswachstum zu steuern[1]. Allgemein werden Leitzinssätze von den Zentralbanken, und speziell in der Europäischen Union von der EZB, festgesetzt. Zentralbanken sind staatliche Institutionen, die das Ziel haben, das Geschäftsbankensystem in einem Land zu überwachen und die Geldmenge zu steuern[2]. In Deutschland fiel diese Aufgabe, bis zur Ablösung durch die EZB am 1. Januar 1999, der Deutschen Bundesbank zu. Zentralbanken verfolgen im Unterschied zu den Geschäftsbanken keine einzelwirtschaftlichen Ziele, wie Gewinnmaximierung, Wertsteigerung etc. Das Hauptziel der meisten Zentralbanken ist die Wahrung von Preisniveau- und Geldwertstabilität[3]. Außerdem emittieren sie Banknoten und bringen diese in Umlauf, weswegen Zentralbanken oft auch Notenbanken oder Zentralnotenbanken genannt werden[4].

In den 1950er Jahren wurde der EG-Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft von den Vertretern Belgiens, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs, Italiens, Luxemburgs und der Niederlande unterzeichnet. Dieser Vertrag beinhaltete den Weg zur Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) innerhalb der Europäischen Union, welcher in drei Stufen stattfinden sollte. In der dritten und letzten Stufe der WWU am 1. Januar 1999 wurden die geldpolitischen Zuständigkeiten sowie die Einführung des Euros auf eine unabhängige Institution, die EZB, übertragen. Die vorangegangenen Stufen traten unter anderem im Juli 1990 und am 1. Januar 1994 in Kraft. Im Zuge der ersten Stufe wurden primär sämtliche Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs innerhalb der EU aufgehoben. Bezüglich der zweiten Stufe begann die WWU mit der Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) und dem Verbot des Einflusses der öffentlichen Hand auf die Zentralbanken[5].

Der EG-Vertrag stellt die rechtliche Grundlage für die einheitliche Geldpolitik dar und errichtete die EZB sowie das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Der Artikel 105 Absatz 1 des EG-Vertrags beschreibt, dass das primäre Ziel der ESZB die Preisstabilität ist[6]. Des Weiteren wird eine allgemeine Wirtschaftspolitik der Gemeinschaft zur Verwirklichung der Ziele aus Artikel 2 vorgeschrieben. Dies geschieht allerdings nur insoweit, als die Preisstabilität nicht beeinträchtig wird[7].

2.2 Die Geldpolitik der EZB

Wie bereits oben beschrieben, ist das primäre Ziel der EZB die Erhaltung der Preisstabilität im gesamten Euro-Währungsgebiet. Speziell die Gewährleistung der Preisstabilität bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Depotmanagement.

2.2.1 Preisstabilität

Stabile Preise verhelfen dem Markt zur mehr Transparenz. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass es in einer preislich gesehen stabilen Umgebung einfacher ist, verschiedene Investitionen zu vergleichen um so eine bessere Investitionsentscheidung treffen zu können. Infolge der letzten Finanzkrise hat der Markt aus der Sicht vieler Investoren erheblich an Attraktivität verloren. Bei einer Preisstabilität würde der Markt immer mehr und mehr an Vertrauen gewinnen. Die Investitionen würden steigen und somit würde auch die Wirtschaft stetig angekurbelt werden[8].

Ein von stabilen Preisen geprägtes Umfeld würde außerdem dazu führen, dass die gesamte Lebensqualität der Bevölkerung aufrechterhalten oder sogar gesteigert wird. Gerade die sozial schwachen sind am stärksten von Preisschwankungen betroffen, denn diese können sich am wenigsten gegen Inflation absichern. Dies führt dann dazu, dass eine starke Umverteilung des Vermögens auf dem Markt stattfindet. Ebenfalls würden Preisschwankungen zu großen sozialen Differenzen innerhalb eines Landes oder einer Region führen[9].

Der Begriff der Preisstabilität selbst wurde vom EZB-Rat 1998 festgelegt: „Preisstabilität wird definiert als Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr. Preisstabilität muss mittelfristig gewährleistet werden.“ [10] . Diese Definition wurde im Jahr 2003, nach einer gründlichen Überprüfung seitens der EZB, nochmals ergänzt. Die mittelfristige Preissteigerungsrate soll so einen Wert von „unter, aber nahe 2 %“ [11] beibehalten. Diese Definition enthält einige beachtenswerte Merkmale, welche nachfolgend kurz erläutert werden:

(1) Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)

Der HVPI ist die offizielle Inflationsgröße, mit deren Hilfe die EZB die Preisstabilität misst[12]. Er ist also ein Preisindikator, der die Preisstabilität quantitativ definiert. Die Harmonisierung hat den Hintergrund, dass vor der Einführung der Europäischen Währungsunion (EWU) jedes Land seine eigene Berechnung der Konsumentenpreisindizes (CPI) hatte. Der CPI setzt sich aus einem Warenkorb zusammen, der fiktiv alle Waren mit ihren Preisen enthält, die die Verbraucher üblicherweise in dem Land konsumieren. Für die Zusammensetzung dieses Korbs gab es aber keine genaueren Richtlinien. Im Zuge der Vorbereitung der EWU mussten diese einzelnen CPI vergleichbar gemacht werden. Deshalb wurden die einzelnen CPI aufeinander abgestimmt und es ergab sich dadurch der „Harmonisierte Verbraucherpreisindex“[13]. Dieser Index wurde von der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit den nationalen statistischen Ämtern, dem EWI und nachfolgend der EZB entwickelt. Die Definition der Preisstabilität legt also exakt den Preisindex fest, anhand dessen überprüft werden kann, ob Preisstabilität erreicht wird.

(2) Inflationsrate unter, aber nahe 2 %

Des Weiteren soll erklärt werden, was unter dem „Anstieg“ des HVPI zu verstehen ist. Hier wird von vornherein eine Deflation, also ein Preisverfall bzw. ein Rückgang des HVPI, ausgeschlossen. Gleichzeitig wird ebenso eine andauernd anhaltende Inflation ausgeschlossen. Mit dem Kriterium „unter, aber nahe 2 %“ wird eindeutig eine Obergrenze der am HVPI gemessenen Inflationsrate festgelegt[14]. Dies bedeutet, dass die Inflationsrate zwar die Marke von 2 % gegenüber dem Vorjahr nicht übersteigen darf, sich aber nahe dieser Marke bewegen muss[15].

(3) Mittelfristige Ausrichtung

Zuletzt soll noch kurz die Aussage, dass die Preisstabilität mittelfristig gewährleistet werden muss[16], näher erläutert werden. Die Geldpolitik der EZB muss vorausschauend gestaltet werden, da die geldpolitischen Impulse sich immer erst Quartale oder Jahre später auf das Preis- bzw. Inflationsniveau auswirken[17]. Das bedeutet, dass die EZB keinerlei Einflüsse auf die kurzfristigen Konjunktur- oder Preisschwankungen (z. B. die sehr volatilen Benzinpreise) nehmen kann.

Vor dem Hintergrund der immer wieder auftretenden Turbulenzen an den Finanzmärkten wird oft gefordert, die Geldpolitik der EZB auch auf die Asset-Kurse, wie den Aktienkursen oder Immobilienpreisen, auszuweiten.

2.2.2 Ausweitung der Geldpolitik

Das Ziel einer Ausweitung der Geldpolitik wäre, spekulative Blasen an den Finanzmärkten verhindern zu können. Zwar erscheint diese Betrachtungsweise als attraktiv, da die Asset-Preise und deren Kurse Hinweise auf die Stabilität eines Finanzsystems enthalten. Allerdings erwies sich die frühzeitige Erkennung der spekulativen Blasen als problematisch. Die Identifikation wird erst nach geraumer Zeit möglich. Dies resultiert daraus, dass der Umfang und die Dauer einer Blase stochastische Werte sind und sich daher nicht genau vorhersagen lassen. Eine zu früh gestartete geldpolitische Reaktion einer Zentralbank könnte daher sogar noch zusätzliche Probleme hervorrufen. Es wird eher geraten, vorsichtig auf die möglichen Prognosen der inflationären Entwicklung zu reagieren. Stabilitätsorientierte Zentralbanken können damit den höchstmöglichen Beitrag zur Erreichung der Preisstabilität leisten[18].

Nachdem die Beweggründe für das Handeln der EZB bezüglich der Geldpolitik aufgezeigt wurden, soll im folgenden Abschnitt auf die sogenannten Steuerungsinstrumente eingegangen werden, mithilfe derer die EZB erfolgreiche Geldpolitik betreiben und somit wirksamen Einfluss auf die Wirtschaftsakteure und sekundär auch auf die Privatanleger nehmen kann.

2.3 Die Steuerungsinstrumente der EZB

2.3.1 Offenmarktpolitik

Unter dem Begriff der Offenmarktpolitik wird verstanden, dass die EZB am „offenen“ Kapitalmarkt Wertpapiere an- und verkauft[19]. Mit der Offenmarktpolitik wird direkter Einfluss auf die sich im Wirtschaftskreislauf befindliche Geldmenge genommen[20]. Bei einem Verkauf von Wertpapieren auf dem Geld- und Kapitalmarkt wird dem Wirtschaftskreislauf Liquidität entzogen und umgekehrt[21].

Liquiditätssuchende Geschäftsbanken können in regelmäßigen Abständen Geld von der Zentralbank beschaffen[22]. Offenmarktgeschäfte sind zum Beispiel Repo-Geschäfte, feste Käufe oder Verkäufe, Emissionen von EZB-Schuldverschreibungen etc[23]. Hinsichtlich des direkten Zusammenhangs mit dem Leitzins, und dementsprechend auch der Begrifflichkeit des Niedrigzinses, wird nun explizit auf die Repo-Geschäfte eingegangen.

Der Begriff Repo-Geschäfte ist eine Abkürzung für Repurchase Agreements und wird als eine Geldmarkttransaktion verstanden, bei der besicherte Kredite mit relativ kurzen Laufzeiten seitens der EZB an die Geschäftsbanken ausgegeben werden[24]. Gleichzeitig verpflichtet sich die Geschäftsbank, diesen Betrag innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu einem bestimmten Zinssatz zurückzuzahlen[25]. Dementsprechend wird dieser Zinssatz Repo-Rate genannt[26]. Die Repo-Geschäfte haben einen 14-tägigen Rhythmus und sind das Hauptrefinanzierungsgeschäft der EZB[27].

Bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften kann die EZB zwischen zwei sogenannten Standardtender-Verfahren wählen, zum einen den Mengen- und zum anderen den Zinstender[28].

Bei einem Mengentender gibt die EZB den Zinssatz vor, zu dem sich die Geschäftsbanken das Geld leihen können[29]. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass die Geschäftsbanken der EZB in Form von Geboten mitteilen, wie viel Liquidität zu dem einheitlichen Zinssatz benötigt wird. Nach Durchsicht der vorliegenden Gebote und einer Beurteilung der aktuellen Marktlage entscheidet dann die EZB über das Gesamtvolumen der dem Markt zugeführten Liquidität[30].

Beim zweiten Verfahren, dem Zinstender, müssen liquiditätssuchende Banken nicht nur die Geldmenge, sondern auch den Zinssatz nennen, zu dem sie das Repo-Geschäft abschließen wollen[31]. Zuvor wird seitens der EZB der sogenannte Mindestbietungssatz publiziert. Dieser Mindestbietungssatz setzt eine Art Untergrenze fest, welche bei der Abgabe der Gebote nicht unterschritten werden darf[32]. Die EZB selbst entscheidet dann, welches Gebot welcher Bank akzeptiert oder abgelehnt wird. In der Regel ist es so, dass Banken, die einen Zinssatz geboten haben, der deutlich über dem Mindestbietungssatz liegt, auch gute Chancen haben, das Angebot akzeptiert zu bekommen[33]. Wer aber exakt den Mindestzins bietet oder ihn gar unterschreitet, läuft Gefahr, aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen zu werden[34]. Der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte im Rahmen der Offenmarktpolitik ist der entscheidende europäische Leitzins[35].

2.3.2 Der Leitzins

Der Artikel 12 Absatz I der ESZB-Satzung besagt, dass der EZB-Rat dafür zuständig ist, Leitlinien und Entscheidungen zu erlassen, die zur Wahrung der im EG-Vertrag festgehaltenen Ziele notwendig sind. Zu diesen gehört auch die Festlegung des Leitzinssatzes[36]. Von den Leitzinssätzen sind viele andere Zinssätze auf dem Geld- und Kapitalmarkt abhängig[37]. Mit den oben genannten Standardtender-Verfahren hat sich die EZB ein Instrument geschaffen, die Geldmenge auf dem Markt direkt zu steuern. Dieses hat somit nicht nur Auswirkung auf die Akteure an den Geld- und Kapitalmärkten, sondern auch für Bankkunden. Wird der Leitzins gesenkt, so senken auch die Geschäftsbanken die Zinsen für Kredite und Sparguthaben. Umgekehrt gilt: Wenn der Zins steigt, steigen die Kosten für Kredite, aber auch die Zinsen für die Sparguthaben der Kunden[38].

[...]


[1] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 235.

[2] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 9.

[3] Vgl. Bordo, 2007, [online].

[4] Vgl. Holtermöller, 2008, S. 102.

[5] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 140, 154.

[6] Vgl. EG-Vertrag, Artikel 105.

[7] Vgl. EG-Vertrag, Artikel 2.

[8] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2001, S. 41.

[9] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2001, S. 42.

[10] Europäische Zentralbank, 1998.

[11] Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 69.

[12] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 70.

[13] Vgl. Junius. et al., 2002, S. 208.

[14] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 69.

[15] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 71f.

[16] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.), 2011, S. 69.

[17] Vgl. Gerdesmeier, 2011, S. 63.

[18] Vgl. Görgens. et al., 2008, S. 197f.

[19] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 218

[20] Vgl. Beike, Schlütz, 1999, S. 31

[21] Vgl. Beike, Schlütz, 1999, S. 31

[22] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 218.

[23] Vgl. Junius. et al., 2002, S. 99.

[24] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 200.

[25] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 219.

[26] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 219.

[27] Vgl. Junius. et al., 2002, S. 104.

[28] Vgl. Junius. et al., 2002, S. 104.

[29] Vgl. Junius. et al., 2002, S. 106.

[30] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 228.

[31] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 228.

[32] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 228.

[33] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 228.

[34] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 228.

[35] Vgl. Heine, Herr, 2004, S. 69.

[36] Vgl. Protokoll, Artikel 12.

[37] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 235.

[38] Vgl. Beike, Schlütz, 2001, S. 235.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Depotmanagement in der Niedrigzinsphase
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
2,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
46
Katalognummer
V265101
ISBN (eBook)
9783656545514
ISBN (Buch)
9783656545767
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depotmanagement, Anlagemanagement, Niedrigzins, Niedrigzinsphase, Vermögensverwaltung, Anlagevorschläge, Aktive Fondsverwaltung, UniCredit Bank AG, Geldpolitik, Portfoliomanagement, Asset Allocation, Terrassenmodell, EZB, Europäische Zentralbank, Steuerungsinstrumente, Zentralbank, Risikodiversifikation
Arbeit zitieren
Wladimir Agapejew (Autor), 2013, Depotmanagement in der Niedrigzinsphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265101

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