Cargo-Kult. Auswirkung der Globalisierung auf lokale Gruppen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Klärung des Begriffs „Cargo-Kult“
1. Was ist ein Cargo-Kult und wie entsteht er?
2. Ablauf von Cargo-Kulten
3. Ansichten über Cargo-Kulte

III. Der historische Ablauf des Johnson Kult von New Hanover
1. Die Kult-Ideologie der Lavongai
2. Interpretation des Johnson Kults

IV. Apokalyptische Vorstellungen in Zusammenhang mit der Globalisierung und ihre Auswirkungen auf Cargo-Kulte

V. Fazit und Ausblick

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

In der Ethnologie meint Cargo-Kult den Sammelbegriff für eine bestimmte Form von Heilserwartungsbewegungen, die zuerst Ende des 19. Jahrhunderts in Neuguinea beobachtet worden sind. Der idealtypische Ablauf eines Cargo-Kultes beginnt mit dem Auftauchen eines Propheten, der den baldigen Anbruch paradiesischer Zustände ankündigt. Diese sollen Konsumgüter wie Radios, Lebensmittel-Konserven, Motorfahrzeuge sowie Fracht von Schiffen oder Flugzeugen in unbegrenzter Verfügbarkeit bescheren. Von dieser Fracht kommt auch der Begriff „Cargo“.

In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Phänomen Cargo-Kult in Papua Neu Guinea beschäftigen. Dabei werde ich wie folgt vorgehen: Da der Begriff „Cargo-Kult“ heute teilweise zurückhaltend gebraucht wird, werde ich auf diese Diskussion eingehen und den Begriff „Cargo-Kult“ an sich kritisch bewerten. Anschließend werde ich erläutern was ein Cargo-Kult ist und wie er entsteht. Danach werde ich den Ablauf von Cargo-Kulten aufzeichnen und einige Ansichten von Ethnologen über Cargo-Kulte vorstellen. Hierbei beziehe ich mich auf Lamont Lindstrom, Stephen C. Leavitt, Roy Wagner, Dough Dalton und Andrew Lattas. Da bei Cargo-Kulten große Variationsmöglichkeiten bestehen, sowohl in den Kulturen wie auch unter ihnen, werde ich einen bestimmten Cargo-Kult Neuirlands beschreiben: den Johnson Kult von New Hanover. Dabei werde ich mich auf die Literatur von Dorothy K. Billings berufen, die bei den Lavongai forschte und den Johnson Kult bekannt machte. Hierbei werde ich zuerst den historischen Ablauf des Johnson Kults aufzeigen, folgend die Kult-Ideologie der Lavongai vorstellen und mich dann an eine Interpretation des Johnson Kults wagen. Im dritten Teil dieser Arbeit soll die These hergeleitet werden, dass Cargo-Kulte eine Antwort auf die Herausfindung der Globalisierung sind. Hierbei werde ich aufzeichnen, wie sich Heilserwartung und apokalyptische Vorstellungen, in Zusammenhang mit der Globalisierung, auf Cargo-Kulte auswirken, um am Ende dieser Arbeit ein umfangreiches Bild über Cargo-Kulte in Papua Neu Guinea zeigen zu können.

II. Zur Klärung des Begriffs „Cargo-Kult“

Die Bezeichnung „Cargo-Kult“ ist irreführend, da es nie einen ausdrücklich bezeichneten Cargo-Kult gab. Sie wird heute benutzt als „Sammelbegriff für scheinbar kurzlebige, tatsächlich aber wie in Wellen auftauchende, und in ihrem Umfang meist gut überschaubare Bewegungen, (...), in denen tribale Gesellschaften sich gegen übermächtige Zivilisationen zu behaupten versuchen“ (Ahrens 1987: 146). Heute weigern sich aber „nicht nur im westlichen Sinne Gebildete“ (Ahrens 1987: 144) die Bezeichnung „Cargo-Kult“ zu benutzen, sondern auch an solchen Bewegungen Beteiligte sagen heute „Wir betreiben keinen Cargo-Kult. Wir gedenken der Toten und folgen den von ihnen hinterlassenen Regeln“ (Ahrens 1987: 144). Damit wollen sich die Kult-Aktivisten „von einer Art Vor-Verurteilung schützen“ (Ahrens 1987: 145), die im Begriff Cargo-Kult mitklingt und es so scheinen lässt, als würden sie „nichtstuend nur darauf warten, dass die auf dem Meer vorbeiziehenden Schiffe oder die am Himmel ungreifbar fliegenden Flugzeuge auf irgendwelche Beschwörungen hin ihren Kurs wechseln“ (Ahrens 1987: 145) und somit eine bessere Zeit für die Kult-Aktivisten anbricht.

Der Begriff „Cargo-Kult“ wurde von kolonialen Autoritäten genutzt, um das Verhalten der Eingeborenen Melanesiens zu kritisieren, für welches sie selbst verantwortlich waren. So diente der Begriff den Kolonialmächten dazu die indigenen politische Bewegungen niederzudrücken, die die Macht und Autorität des Kolonialstaats bedrohten.

Nach Dalton (2000: 286) ist der „Kult“ im Begriff „Cargo-Kult“der Indikativ von einem vermeintlich religiösen Glaubenssystem, welches im Gegensatz steht zu westlichen rationalen sozialen und politischen Systemen. Laut Ahrens (1987: 148) bezeichnet „das neo-melanesische Wort „kago“ Inhalte einer religiösen Erwartung“. Daneben meint „kago“ im „im neo-melanesischen Pidgin (…) zunächst alle Güter, die in Kaufläden, z.B. der Plantagenbesitzer für die Arbeiter angeboten werden“ (Ahrens 1987: 148). Nach Worsley (1999: 154) sollten Bewegungen wie Cargo-Kulte als „millenarian“ bezeichnet werden. In einigen dieser Bewegungen beinhaltet die Vision der Apokalypse auch den Glauben an das Liefern von Gütern, in anderen nicht. Letztere sind dann keine Cargo-Kulte. Auf diese Weise sind apokalyptische und „Cargo“- Bewegungen Varianten von „millenarian“ Bewegungen.

II.1 Was ist ein Cargo-Kult und wie entsteht er?

Heute gehört die überwiegende Mehrheit der melanesischen Bevölkerung dem Christentum an, aber nicht nur die großen christlichen Religionen wie Protestantismus und Katholizismus fanden Anhänger, sondern auch alle anderen Sekten und Kirchen existieren heute in Melanesien. Das Auftreten der Weißen in Melanesien, stellte die Einheimischen als benachteiligt dar, denn zu Beginn der Kolonialisierung waren die Einheimischen nicht in der Lage mit den weißen Kolonialherren Tauschbeziehungen einzugehen, die auf einer gewissen gegenseitigen Abhängigkeit beruhten. Der Kolonialismus verursachte in den Kulturen Melanesiens einen Wandel, bei dem einst angesehene Verhaltensweisen plötzlich als falsch angesehen wurden. Vor der Kolonial­zeit wurden die Werte der Ahnen geehrt, aber im Zeitalter der Globalisierung war es oft nicht mehr möglich diese Werte zu erhalten. So entstanden die melanesischen Cargo-Kulte. Sie „resultierten aus dem Unterlegenheitsgefühl den Weißen gegenüber, deren materieller Besitz dem eigenen so effektvoll überlegen war“ (Wilpert 1987: 135).Die Reaktion der Bewohner Melanesiens auf das Eindringen der weißen Europäer, das nicht nur einen Verlust an Macht, sondern auch einen Angriff auf Werte und Glauben darstellte, ist entscheidend für das Entstehen von Cargo-Kulten. Die Bewegung der Cargo-Kulte ist ein Versuch sich gegen dieses Eindringen zu wehren. Cargo-Kulte sind „Krisiskulte. Genauer gesagt, handelt es sich um religiös motivierte Protest-, Anpassungs-, und Selbstbehauptungsbewegungen in einfacher organisierten Gesellschaften mit Kolonialkonflikt“ (Ahrens 1987: 146).

Als die ersten Weißen mit ihren hoch entwickelten Technologien kamen, wussten die Einheimischen nicht, woher die neuen Dinge stammten und schrieben ihnen eine göttliche oder übernatürliche Herkunft zu. Dies zeigt, dass der Kolonialkonflikt die Voraussetzung ist für die Entstehung solcher Bewegungen und der Wunsch nach Selbstbestimmung und Selbstbehauptung gibt den weiteren Weg an für die Entwicklung solcher Bewegungen wie Cargo-Kulte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Cargo-Kult. Auswirkung der Globalisierung auf lokale Gruppen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Kulturen in Ozeanien: Neuirland, Papua Neu Guinea
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V265110
ISBN (eBook)
9783656545934
ISBN (Buch)
9783656546757
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cargo-kult, auswirkung, globalisierung, gruppen
Arbeit zitieren
M.A. Anna Lietz (Autor), 2004, Cargo-Kult. Auswirkung der Globalisierung auf lokale Gruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265110

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