Gegenstand der Arbeit ist die Zusammenfassung zentraler Literatur der beiden wirtschaftssoziologischen Klassiker.
1 Granovetters Theorie der Einbettung
Die Embeddedness bzw. „Einbettung“ von Mark Granovetter, besitzt als Organisationsprinzip der Wirtschaftssoziologie einen privilegierten und bislang unangefochtenen Standpunkt; sie kann als Katalysator, wenn nicht sogar Manifesto, der seit gut zwei Dekaden solide etablierten sog. „Neuen Wirtschaftssoziologie“ erachtet werden (Granovetter und Swedberg 1992; Smelser 1994; Swedberg 1997; Granovetter und Swedberg 2011).1 Der Öffentlichkeit präsentierte Granovetter die Embeddedness erstmals 1985 in seinem Aufsatz “Economic Action and Social Structure: The Problem of Embeddedness” (Granovetter 1985), woraufhin er bis heute eine Vielzahl von Aufbereitungen, sowie (Weiter)Entwicklungen, vorgenommen hat (Granovetter und Swedberg 1992; Granovetter op. 2002, 2005a, 2005a).
2 Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Schumpeter fußt auf vier Grundgedanken: (i) das Wesen der wirtschaftlichen Entwicklung liegt in der Implementierung neuer Kombinationen von Produktionsmitteln, (ii) die Implementierung solcher neuer Kombinationen ist grundlegende Aufgabe von Unternehmern, (iii) unabhängig von der Organisation einer Volkswirtschaft, existiert ein Gleichgewichtszustand, (iv) unabhängig von der Form einer Volkswirtschaft, stehen sich statische und dynamische Prozesse diametral gegenüber (Bass 1998).
Inhaltsverzeichnis
1 Granovetters Theorie der Einbettung
2 Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Literaturzusammenfassung exploriert die theoretischen Fundamente zweier zentraler Ansätze der Wirtschaftssoziologie: das Konzept der „Einbettung“ nach Mark Granovetter sowie die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Joseph A. Schumpeter. Ziel ist es, die spezifischen Argumentationslinien, ihre wissenschaftliche Einordnung und die kritische Auseinandersetzung mit diesen Theorien im Kontext des wirtschaftssoziologischen Diskurses darzustellen und die Verknüpfung von ökonomischen und soziologischen Erklärungsmodellen aufzuzeigen.
- Das „Problem der Einbettung“ und die soziale Fundierung ökonomischen Handelns bei Granovetter.
- Schumpeters Konzept der „neuen Kombinationen“ und die Rolle des Unternehmers in dynamischen Prozessen.
- Die kritische Abgrenzung beider Theorien gegenüber der (neo)klassischen Ökonomie.
- Die Bedeutung von Netzwerken, Vertrauen und Institutionen für die Wirtschaftssoziologie.
- Das Spannungsfeld zwischen statischen Gleichgewichtsmodellen und dynamischer wirtschaftlicher Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
1 Granovetters Theorie der Einbettung
Die Embeddedness bzw. „Einbettung“ von Mark Granovetter, besitzt als Organisationsprinzip der Wirtschaftssoziologie einen privilegierten und bislang unangefochtenen Standpunkt; sie kann als Katalysator, wenn nicht sogar Manifesto, der seit gut zwei Dekaden solide etablierten sog. „Neuen Wirtschaftssoziologie“ erachtet werden (Granovetter und Swedberg 1992; Smelser 1994; Swedberg 1997; Granovetter und Swedberg 2011). Der Öffentlichkeit präsentierte Granovetter die Embeddedness erstmals 1985 in seinem Aufsatz “Economic Action and Social Structure: The Problem of Embeddedness” (Granovetter 1985), woraufhin er bis heute eine Vielzahl von Aufbereitungen, sowie (Weiter)Entwicklungen, vorgenommen hat (Granovetter und Swedberg 1992; Granovetter op. 2002, 2005a, 2005a).
Betrachtet man das Wirken des Autors vor diesem Hintergrund, so hat die Granovetter’sche „Einbettung“ mindestens zwei Dimensionen: einerseits stellt sie ein theoretisch analytisches Konzept bzw. Theoriegebäude dar, andererseits ein mehr oder minder konkretes wirtschaftssoziologisches Forschungsprogramm. Die letztere Dimension manifestiert sich darin, dass Granovetter in der Konzeption (neo)klassischer Ökonomie von Markt, Preisfindung, Verteilung und Konsum grundlegende Fehler sah, zugleich aber auch in den Ansätzen der Soziologie Defizite identifizierte und insbesondere deren Verschanzung in die peripheren Bereiche der ökonomischen Sphäre à la Talcott Parson verurteilte (Granovetter 1990; Swedberg 1997). Um dieser Malaise zu kontern, war seinem Argument schon in seinem ersten Aufsatz implizit und explizit, dass die Wirtschaftssoziologie nicht nur die Argumentation (neo)klassischer Wirtschaftstheorie angreifen, sondern endlich auch die Kernthemen dieser in ihre eigenen Untersuchungen einbeziehen sollte; entgegen der damals immer noch spürbaren Nachwehen Parson’scher Sozialwissenschaft (Granovetter 1990; Smelser 1994).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Granovetters Theorie der Einbettung: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der sozialen Einbettung wirtschaftlichen Handelns und zeigt auf, wie Granovetter damit eine Brücke zwischen unter- und übersozialisierten Modellen schlägt, um ökonomische Phänomene durch soziale Netzwerke zu erklären.
2 Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung: Dieses Kapitel analysiert Schumpeters dynamisches Modell, bei dem wirtschaftliche Entwicklung durch die Implementierung „neuer Kombinationen“ durch innovative Unternehmer entsteht, und beleuchtet die Interdependenz zwischen Unternehmer, Bankier und dem Prozess der schöpferischen Zerstörung.
Schlüsselwörter
Wirtschaftssoziologie, Einbettung, Embeddedness, Mark Granovetter, Joseph A. Schumpeter, Wirtschaftliche Entwicklung, Neue Kombinationen, Unternehmer, Schöpferische Zerstörung, Soziale Netzwerke, Institutionen, Neoklassische Ökonomik, Vertrauen, Dynamik, Transaktionskostentheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Literaturzusammenfassung zu zwei einflussreichen theoretischen Positionen der Wirtschaftssoziologie: dem Konzept der „Einbettung“ von Mark Granovetter und der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung von Joseph A. Schumpeter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Verhältnis von ökonomischem Handeln und sozialem Kontext, die Rolle von Innovationen und Unternehmern sowie die kritische Abgrenzung gegenüber klassischen ökonomischen Modellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die systematische Darstellung der theoretischen Kernargumente beider Autoren, ihre Einordnung in den wissenschaftlichen Diskurs und die Analyse ihrer Bedeutung für die Wirtschaftssoziologie.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, bei der zentrale Primärtexte der Autoren sowie ein breites Spektrum an Sekundärliteratur zur kritischen Einordnung herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte, die jeweils die Entstehung, die wesentlichen Annahmen und die Weiterentwicklung der Theorien von Granovetter und Schumpeter detailliert erläutern und deren Rezeption in den Sozialwissenschaften diskutieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Einbettung, schöpferische Zerstörung, neue Kombinationen, soziale Netzwerke und der Unternehmer als Akteur wirtschaftlicher Dynamik.
Wie unterscheidet sich Granovetters „Einbettung“ von traditionellen ökonomischen Sichtweisen?
Granovetter argumentiert, dass wirtschaftliches Handeln stets in sozialen Beziehungen situiert ist, während die neoklassische Theorie von atomisierten, rein rational handelnden Individuen ohne soziale Bindungen ausgeht.
Warum wird Schumpeters Theorie als dynamisch bezeichnet?
Im Gegensatz zu statischen Gleichgewichtsmodellen der Ökonomie betrachtet Schumpeter Entwicklung als einen endogenen Prozess, der durch sprunghafte Innovationen und den Kampf gegen Routinen beständig neue Zustände schafft.
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- Alen Bosankic (Autor:in), 2011, Granovetters Theorie der Einbettung und Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265138