Die russisch-chinesischen Beziehungen

Raubzüge russischer Kosaken in chinesisches Hoheitsgebiet


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person des Historiographen Gerhard Friedrich Müller

3. Die Geschichte der Region

4. Die Geographie der Region

5. Quellentext

6. Resümee

7. Bibliographie

8. Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit einem Auszug aus Gerhard Friedrich Müllers, seines Zeichens russischen Hofhistoriograph, Sammlung Russischer Geschichte beschäftigen. Die Quelle stammt aus dem 2. Band, erschienen 1758, Teil 5/6: Die Geschichte der Gegenden an dem Flusse Amur, von der Zeit, da selbige unter der Russischen Oberherrschaft gestanden. Ich werde die in etwa drei Originalseiten gliedern und die einzelnen Abschnitte auf ihren Inhalt hin analysieren. Welche Informationen darin enthalten sind versuche ich ebenso herauszuarbeiten wie den Stil des Geschriebenen um abschließend den Versuch einer Analyse zu unternehmen.

Beginnen möchte ich mit einer Biographie des Verfassers und hierbei sein Leben und Wirken skizzieren. Über den geschichtlichen Hintergrund der Region in der Zeit, auf der sich der Autor bezieht und einen kurzen geographischen Exkurs komme ich zur Originalquelle.

2. Zur Person des Historiographen Gerhard Friedrich Müller

Gerhard Friedrich Müller wurde im Jahre 17o5 im westfälischen Ravensberg geboren und studierte im Jahre 1722 an der Universität zu Rinteln sowie 1723 in Leipzig. Dort wurde er von seinen Dozenten nach St. Petersburg an die dort zu eröffnende Akademie der Wissenschaften vermittelt [1]. 1731 wurde G.F. Müller gegen den Willen der russischen Akademiemitglieder zum Professor für Geschichte ernannt. Im selben Jahr reiste er nach Deutschland, Holland und England und gab seit 1732 die „Sammlung Russischer Geschichte“ heraus. Im Jahr darauf nahm er an einer großen Expedition auf die im äußersten Osten Russlands gelegene Insel Kamtschatka teil, von der er 1743 zurück kehrte. Trotz des Einspruchs des in Russland einen überragenden Ruf genießenden Polyhistors Michael Lomonosov [2] (1711-1765) wurde G.F. Müller 1747 zum Hofhistoriographen ernannt. Nach einigen beruflichen Turbulenzen folgte 1754 die Stelle des Konferenzsekretärs der Akademie. Neun Jahre später wurde er nach Moskau berufen, um als Direktor des Findelhauses und des Archivs im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten tätig zu werden. Schon anfangs der 176oer Jahre kümmerte er sich um sein Privatarchiv, das einen außerordentlichen Reichtum an Materialien, der die russische Geschichte betraf, umfasste.[3]

Die neun Bänder zu jeweils sechs „Stücken“ der Sammlung Russischer Geschichte entstanden zwischen 1732 und 1764. Darin enthalten sind Zusammenfassungen und deutsche Übersetzungen aus anderen Werken zur russischen Geschichte, wichtige Dokumente aus den Archiven, Auszüge aus Chroniken, aber auch eigene Texte Müllers zur Geschichte.[4]

Entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben, nur für ein Jahr in Russland zu bleiben, verbrachte er schlussendlich sein gesamtes Leben dort und starb am 11./22. Oktober 1783 in Moskau.[5]

3. Die Geschichte der Region

Bereits im 16. Jahrhundert eroberten die ersten Kosakentruppen im Auftrag der Familie Stroganov Gebiete weit im sibirischen Hinterland, auf der Suche nach Pelzen in den an Pelztieren reichen Gegenden jenseits des Urals. 1581/82 wurde dabei die Hauptstadt des westsibirischen Khanats am unteren Irtysch von ihnen erobert und nach anfänglichem Zögern schließlich vom Moskauer Staat durch mehrere Festungen gesichert.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stießen russische Trapper, Abenteurer, Händler und Kosaken, sowie Abteilungen der regionalen Militärverwaltung über die sibirischen Flusssysteme immer weiter nach Osten vor. Der wichtigste Motor der erstaunlich raschen Expansion über 6.ooo Kilometer blieb die Erbeutung von Pelzen, allen voran des wertvollen Zobels. Zudem waren Walrosszähne und Edelmetalle begehrt, was alles in allem auch den russischen Zaren interessierte, „der deshalb schnell nachrückte, Festungen anlegen ließ und sich in Form von Tributen und Zöllen einen erheblichen Anteil am wirtschaftlichen Gewinn sicherte.“[6] Im Zuge dessen wurde unter anderem 1632 an den Ufern des Flusses Lena die Festung Jakutsk errichtet, von wo aus russische Expeditionen bis ins Armurbecken vorstießen „wo sie aber der Widerstand der sesshaften Einheimischen und die militärische Reaktion der Mandschus bald wieder zur Rückkehr zwangen.“[7] Die ersten Nachrichten von besagtem Fluss Amur „haben Tomskische Kosacken aufgezeichnet, welche im Jahre 1636 von Tomsk nach dem Flusse Aldan geschickt waren, um die dortigen Völker zinsbar zu machen.“[8] 1652/61 wurde die Festung Irkutsk gegründet. Im ungefähr gleichen Zeitraum wurde am Ufer des Amur an der Grenze zu China das Fort Albazin gegründet, welches in den Folgejahren des öfteren unter Grenzkonflikten litt. Insbesondere die Jahre der Belagerung 1685/86 wären hier zu nennen, welche schlussendlich den Vertrag von Nerchinsk 1689 und die daraus folgende Zerstörung Albazins begründete.[9]

Zum Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Russen die nichtrussische Bevölkerung Sibiriens zahlenmäßig schon deutlich überflügelt, insbesondere im fruchtbaren Schwarzerdegürtel im Südwesten Sibiriens [10] Gleichzeitig wurde vom russischen Staat die Eingliederung der nichtrussischen Ethnien forciert, 1731 wurde auch in Irkutsk eine Eparchie errichtet [11]. „Die Zwangschristianisierung in Sibirien trug aber in noch höherem Maß als an der Mittleren Wolga formalen Charakter, und die nichtrussischen Ethnien blieben in ihrem Glauben und in ihren Sozialbeziehungen vom Schamanismus geprägt.“[12] Des Weiteren sind die Grenzüberschreitungen der russischen Siedler immer wieder ein Problem für das Verhältnis zu China. Aufgrund derer es vermehrt zu solcherlei Scharmützeln kommt, wie ich es in meiner Quelle zeige. Zuvor jedoch noch ein kurzer Abriss über die Gegend des Geschehens.

[...]


[1] Bucher, Gudrun, Auf verschlungenen Pfaden. Die Aufnahme von Gerhard Friedrich Müllers Schriften in Europa, in: Dahlmann, Dittmar (Hrsg), Die Kenntnis Russlands im deutschsprachigen Raum im 18. Jahrhundert, Göttingen, 2oo6. S. 111.

[2] „Ein unerfreuliches Charakteristikum von Müllers Leben war es, dass er in Russland immer als Ausländer angesehen wurde, selbst nachdem er den Eid auf den Zaren geschworen hatte. So war Lomonosov (...), was seine Einstellung zu Russland betrifft, Müllers erbitterster Feind.“ Auf verschlungenen Pfaden, S. 114.

[3] Peters, Martin, Altes Reich und Europa. Der Historiker, Statistiker und Publizist August Ludwig (v.) Schölzer (1735 – 1809), Münster, 2oo3.

[4] Auf verschlungenen Pfaden, S. 114.

[5] Ebd. S. 111.

[6] Kappeler, Andreas, Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte und Zerfall2. München, 2oo8. S. 39.

[7] ebd. S. 39.

[8] Sammlung Russischer Geschichte, S. 294.

[9] Andree, Richard Dr. Hrsg, Das Buch der Reisen und Entdeckungen. Neue illustrierte Bibliothek der Länder- und Völkerkunde zur Erweiterung der Kenntnis der Fremde. Asien, Bd. III. Das Amur Gebiet und seine Bedeutung. Leipzig, 1867. Vgl. S. 176ff.

[10] Russland als Vielvölkerreich. S. 4o.

[11] Vgl. ebd. S.41.

[12] Ebd. S. 41.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die russisch-chinesischen Beziehungen
Untertitel
Raubzüge russischer Kosaken in chinesisches Hoheitsgebiet
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Osteuropäische Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V265162
ISBN (eBook)
9783656550457
ISBN (Buch)
9783656547532
Dateigröße
703 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beziehungen, raubzüge, kosaken, hoheitsgebiet
Arbeit zitieren
Hannes Blank (Autor), 2013, Die russisch-chinesischen Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265162

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