Sklaven: Träger der athenischen Demokratie (?)


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. QuellenderSklaverei

2. Arbeitsfelder der Sklaven

3. SklavenzahlimVerhältnis zur Gesamtbevölkerung

4. PolitischeTeilhabederBürger

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die erste Demokratie der Weltgeschichte, der erste Staat überhaupt, der dem Volk als souveräner Träger die Staatsgewalt in die Hände gab, war die athenische Demokratie des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr.. Die nahezu eineinhalb Jahrhunderte bestehende Grundstruktur ihrer Institutionen gestand dem Demos eine bis dato nie dagewesene Machtkonzentration zu. Diese Demokratie war gekennzeichnet von einem hohen Grad an direkter und unmittelbarer Beteiligung der Bürger am Prozess der Entscheidungsfindung und der Ausübung von Ämtern. Ein Grundprinzip war die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Jedoch war dies nur auf athenische Bürger bezogen, nicht jedoch auf „Ausländer“ (Metöken) die in Attika lebten oder gar auf Sklaven. Die Sklaverei, in einer Demokratie für uns heute unvorstellbar, war in der Antike sowohl Teil der gesellschaftlichen als auch der politischen Strukturen. Was die Sklaverei für die athenische Demokratie so besonders interessant machte, ist die Tatsache, dass der institutionelle Aufbau dieser neuen Staatsform einen immens hohen Grad an Partizipation im politischen Alltag von den Bürgern Athens forderte. Aber auch die Athener konnten nicht zugleich zur Volksversammlung gehen und ihrer Arbeit nachgehen. Wer also sorgte dafür, dass die Ökonomie nicht zusammenbrach, während die Bürger Athens so zeitintensiv ihr politisches Leben führten? An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob das Funktionieren der athenischen Demokratie davon abhängig gewesen war, dass die vielen Sklaven den Ausfall an Arbeitsleistungen ausglichen, der durch die politische Tätigkeit der Bürger entstanden war ? Auf den folgenden Seiten soll nun versucht werden, die Frage zu klären, ob die weltweit erste Demokratie nur durch massive Sklavenhaltung entstehen und bestehen konnte.

1. Quellen der Sklaverei

,, Das Schicksal erlaubt einem Sklaven nicht, Herr seines eigenen Körpers zu sein, sondern er gehört dem, der ihn gekauft hat.“ Wie kam es zu diesem vom Komödienschreiber Aristophanes beschriebenen Schicksal, welches die Sklavenbevölkerung Athens und der Antike erfuhr 7[1] Die Frage nach der Herkunft antiker Sklaven kann mit zwei Haupttypen der Sklaverei beantwortet werden. Zum einen erfolgte der gewaltsame Entzug der Persönlichkeitsrechte durch Personen oder Gruppen, die nicht der eigenen politischen Gemeinschaft angehörten, sprich Fremden. Zum andern geschah Versklavung auch durch den Willen oder zumindest mit Billigung der Mitmenschen aus der eigenen soziopolitischen Organisation.[2] Die gewaltsame Unterwerfung durch Fremde, kann in der Antike und somit auch in Athen in drei Bereiche unterteilt werden:

I. Versklavung infolge militärischer Niederlagen, einschließlich der daraus folgenden „Massenversklavungen“
II. Versklavung durch organisierte Räuber, einschließlich der Piraten
III. Versklavung durch individuellen Menschenraub[3]

In jedem der drei Bereiche wurde der unterworfene Mensch als Beute betrachtet; als gerechtfertigte Kriegsbeute oder illegale Raubbeute. Der zweite Haupttyp, die Versklavung durch die eigene Gemeinschaft, besteht aus den beiden Szenarien der Schuldknechtschaft und der Versklavung als Strafmaßnahme.

Die Versklavung als Strafsanktion gegenüber überführten Kriminellen betraf in erster Linie Personen ohne attisches Bürgerrecht. Spätestens seit den Solonischen Reformen dürfte eine Praxis der Versklavung von Vollbürgern verschwunden sein. Das Privileg, nicht in die Sklaverei verkauft werden zu können, kannte nur eine Ausnahme: Wenn ein Bürger als Kriegsgefangener freigekauft worden war, jedoch seinen Freikäufer nicht entschädigt hatte.[4] Wobei Schumacher (in Sklaverei in der Antike, 2001) es an dieser Stelle trotz fehlender Belege für möglich hält, dass die attischen Gerichte, die freie Bürger auch zum Tode verurteilen konnten, die „mildere“ Strafe der Versklavung verhängt haben könnten. Die fehlenden Prozessbelege deuten aber darauf hin, dass es im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. nicht gesellschaftskonform war, einen attischen Bürger der Gewalt eines anderen Atheners zu unterstellen. Die Strafsklaverei von Ausländern (xénoi) und Metöken ist hingegen verhältnismäßig gut bezeugt und überliefert.[5] So konnte es passieren, dass ein Metöke, der zur Entrichtung einer Kopfsteuer (das Metoikion) von 12 Drachmen pro Kopf und Jahr verpflichtet war, in die Sklaverei verkauft wurde, weil er dieser Pflicht nicht nach kam.[6] In Athen wurden Delikte, welche die Exklusivität der Bürgerrechte gefährdeten häufig mit dem Entzug der Freiheit geahndet.[7]

Was die Versklavung auf Grund wirtschaftlicher Not und Abhängigkeit betrifft, wurde dies in Athen spätestens seit der Reform Solons im 6. Jahrhundert definitiv ausgeschlossen. Auch der Verkauf von (eigenen) Kindern in die Sklaverei war ebenfalls durch die solonischen Gesetze verboten worden.[8] Das Schicksal jedoch , in den Sklavenstand hineingeboren zu sein, konnte (und wollte) auch dieses Gesetz nicht ändern. Der Teil der Sklaven, der die Welt der Freiheit gar nie kennen lernen durfte, stellte zudem einen recht großen Nachschubfaktor für die Zahl der Sklaven in Athen dar.[9]

Sowohl Hansen[10], Schumacher[11], als auch Bleicken[12] sehen in kriegerischen Auseinandersetzungen die größte Quelle der Sklaverei. Kriegsgefangene, sowie die menschliche Beute der Seeräuberei und Sklavenjagden wurden als „Ware“ gehandelt und verkauft. Wobei hier unterschieden werden muss, ob man im Krieg mit griechischen oder mit ausländischen Städten lag. Im Falle, dass Griechen gegen Griechen kämpften, wurde die besiegte Bevölkerung seit den Reformen Solons nicht mehr getötet oder versklavt, sondern wurde ihnen die Möglichkeit eingeräumt, sich vor Einnahme der Stadt selbst auszulösen oder nach deren Eroberung auszuwandern, was einer Vertreibung (anastasis) gleich kam. Der Loskauf aus der Gefangenschaft nach einer Schlacht zwischen zwei griechischen Stadtstaaten war für Angehörige oder Freunde normal. Bei einem Lösegeld von gewöhnlich 200 Drachmen war es für den Eroberer zudem gewinnbringender, einen Kriegsgefangenen auslösen zu lassen, als ihn in die Sklaverei zu verkaufen. Diese doch humaner erscheinende Praxis des Umgangs mit Kriegsgefangenen hielt jedoch nur bis zum Peloponnesischen Krieg 427 v. Chr.. In diesem Jahr kapitulierte Mytilene auf Lesbos, die ein Jahr zuvor aus dem attischen Seebund trat. Durch einen Volksbeschluss der Athener wurde veranlasst, dass alle erwachsenen Männer des abgefallenen Bündnispartners getötet und die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft werden.[13] Eine Praktik , die bei der Plünderung anderer Städte zu Zeiten vor Solon häufiger Anwendung fand. Platon plädierte in seinem Werk „Nomoi“ (wenn auch eher aus praktischen Gründen) dafür, Nicht-Griechen zu Sklavendiensten zu zwingen „[...] Nur zwei Mittel bleiben übrig, einmal nicht Landsleute, sondern vielmehr Leute von möglichst verschiedener Sprache zu Sklaven zu nehmen, da diese sich diesem Lose williger fügen werden, sodann aber sie auf die rechte Weise zu behandeln, nicht bloß um ihrer sondern noch viel mehr um unser selbst willen.“[14] Mit diesen Anderssprachigen waren Fremde und Barbaren gemeint, die auch den allergrößten Teil der Sklaven in Athen ausmachten. In Kriegen zwischen Griechen und Barbaren wurden zum einen die Gefangenen selten freigekauft und zum andern war es griechischen Sklavenhändlern bei Kriegen unter Barbaren oft möglich, Sklaven von den Siegern zu kaufen. Und wer waren diese Barbaren? Im antiken Griechenland waren damit in erster Linie Menschen gemeint , die schlecht oder gar nicht griechisch sprachen. Athen führte, so Bleicken, seine Sklaven in der Regel aus dem Hinterland im Norden und aus dem Osten ein. So waren die attischen Sklaven vornehmlich „ [...] Illyirer und Thraker vom Balkan, Skythen aus Südrußland, Kolcher aus dem westlichen Kaukasusgebiet sowie Bithyner, Paphalogoner, Lyder, Phryger und Karer aus dem kleinasiatischen Hinterland. Durch Handel gab es auch Sklaven aus den Gebieten des persischen Großreiches, wie Iraner und Syrer, und sogar aus dem fernen Malta kamen sie.“[15]

[...]


[1] Herrmann-Otto 2009, S.85.

[2] Schumacher 2001, S.25.

[3] Schumacher 2001, S.26.

[4] Hansen 1995, S.101.

[5] Schumacher 2001, S.32.

[6] Bleicken 1995, S. 102.

[7] Fischer 2008, Handwörterbuch der antiken Sklaverei.

[8] Herrmann-Otto 2009, S.82.

[9] Bleicken 1995, S.111.

[10] Hansen 1995, S.125.

[11] Schumacher 2001, S.34ff.

[12] Bleicken 1995, S.111.

[13] Herrmann-Otto 2009, S.82.

[14] Platon nomoi 777: http://www.opera-platonis.de/Nomoi6.html, Stand: 15.01. 2012

[15] Bleicken 1995, S.111.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sklaven: Träger der athenischen Demokratie (?)
Hochschule
Universität Konstanz  (FB Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar: „Die Athenische Demokratie“
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V265168
ISBN (eBook)
9783656547372
ISBN (Buch)
9783656547464
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Athenische Demokratie, Athen, Demokratie, Sklaven, Attika
Arbeit zitieren
Johannes Stekeler (Autor), 2012, Sklaven: Träger der athenischen Demokratie (?), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265168

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sklaven: Träger der athenischen Demokratie (?)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden