Analyse der Cheerleader-Szene im Kinofilm "American Beauty"


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1.Handlung
1.2. Genre

2. Ausgewählte Sequenz: die Cheerleader-Szene

3. Figurenanalyse
3.1. Lester Burnham
3.2. Angela Hayes

4. Analyse der Bauformen
4.1. Visuelle Inszenierung
4.1.1. Kamera: Perspektive, Bewegung, Einstellungsgröße
4.1.2. Montage
4.2. Auditive Inszenierung: Musik und Geräusche

5. Interpretation

6. Symbolik

7. Fazit:

Literaturverzechnis

Filmografie

1. Einleitung

Der 1999 erschienene Spielfilm American Beauty wurde in den USA vom britischen Regisseur Sam Mendes gedreht. Obwohl Sam Mendes mit diesem Film sein Kinodebut erlebte, bekam American Beauty zahlreiche Preise, darunter einen Oscar für den besten Film, beste Regie und die beste Kameraführung.

Das Ziel dieser Arbeit ist die filmwissenschaftliche Analyse einer Szene. Nach einem kurzen Überblick über die Filmhandlung erscheint es mir wichtig, auf das Genre einzugehen. Folgend wird der Inhalt der ausgewählten Sequenz vorgestellt und in den gesamten Filmverlauf eingegliedert. Der Hauptteil der Arbeit wird mit einer knappen Figurenanalyse eingeführt. Die Charakteristik des Protagonisten Lester, gespielt von Kevin Spacey, und Angela (Mena Suvari) erachte ich für eine gelungenes Verständnis als unerlässlich. Den Zentralaspekt meiner Arbeit bildet die Analyse der Bauformen. Die wichtigsten Kriterien sind in diesem Fall vor allem die Kameraführung und die Montage. Besonders interessant scheint mir die Verwendung der Point-of-view Einstellungen, sowie der Erzählperspektive. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Szene, sowie des gesamten Films, ist die bekannte Filmmusik von Thomas Newman, die im Jahr 2000 für einen Oscar und den Golden Globe Award nominiert worden war und einen BAFTA Award gewann. Anschließend folgt eine knappe Interpretation der Szene, sowie eine Auseinandersetzung mit der Symbolik dieses Films.

1.1.Handlung

Die Geschichte wird post mortem von dem Protagonisten Lester Burnham erzählt. So erfährt der Zuschauer gleich am Anfang das katastrophale Ende - den Tod des Hauptcharakters. Lester Burnham verkörpert scheinbar das Ideal des kleinbürgerlichen amerikanischen Lebens. Doch in seinem Innersten befindet er sich in einer trostlosen Depression. Die Beziehung zu seiner Frau Carolyn, sowie seiner Tochter Jane ist von Distanz und Kälte geprägt. Er ist sowohl in der Familie, als auch im Job unglücklich. Zurückblickend sagt Lester zu seinem Leben, er wäre bereits tot. Zwei Ereignisse verändern sein Leben maßgeblich. Bei einer Sportveranstaltung sieht er seine Tochter Jane und ihre Freundin Angela tanzen. Er verliebt sich sofort in sie und verbringt seine Nächte damit, von ihr zu träumen. Zu der selben Zeit zieht eine neue Familie in die Nachbarschaft ein: der homophobe Colonel Frank Fitts, seine kranke1 Frau sowie ihr Sohn Ricky, der mit Drogen handelt und ein seltsames Schönheitsverständnis hat. Es werden zwei Welten etabliert: die Alltagswirklichkeit und die Welt des Traumes und der Schönheit, die Ricky versucht, mit seiner Kamera festzuhalten. Zwischen Ricky und Jane entwickelt sich eine Liebesbeziehung, während Lester durch seine Leidenschaft für Angela neue Lebenskraft findet. Er kündigt seinen Job, erpresst seinen Vorgesetzten, treibt regelmäßig Sport und fängt mit dem Marihuana-Konsum wieder an. Seine Frau Carolyn fängt in dieser Zeit eine Affäre mit ihrem Konkurrenten im Maklergeschäft an. Als sie von Lester ertappt wird und ihre Affäre daraufhin kaputt geht, beschließt sie, Lester umzubringen. Nachdem Frank seinen Sohn zusammen mit Lester bei einer Drogenübergabe beobachtet und dabei fälschlicherweise eine homosexuelle Beziehung zwischen den beiden interpretiert, bricht seine Welt zusammen. Ricky bestätigt diesen Irrtum. womöglich wegen dem Wunsch von Jane, ihr Vater solle umgebracht werden. Frank versucht daraufhin sich seiner eigenen unterdrückten Homosexualität zu stellen. Nachdem sein Versuch, Lester zu küssen, scheitert und er von ihm abgewiesen wird, erschießt er Lester.

1.2. Genre

Wie bei den meisten modernen Filmen kann man auch bei American Beauty das Genre nicht eindeutig bestimmen. Einerseits lassen sich Elemente einer Komödie feststellen, denn die Bühne einer Komödie ist wie bei American Beauty das „Alltagsleben der bürgerlichen Gesellschaft, mit seinen Widerwärtigkeiten und kleinen Menschlichkeiten, seinen unterdrückten und verdrängten Wünschen und Problemen„ (Faulstich 2002: 48). Auch kann man den Protagonisten Lester als einen liebenswerten Träumer und einen unschuldigen Rebell bezeichnen, der dennoch an das Ziel seiner Träume gelangt (vgl. Faulstich 2002: 48). Doch im Gegensatz zu einer typischen Komödie ist die Handlung von einer seltenen Melancholie geprägt, die nicht in einem für die Komödie üblichen Happy End, sondern einer Katastrophe endet. Es ist also eine melancholische Komödie, mit eindeutigen Elementen eines Dramas.

Man kann American Beauty ebenfalls als ein sentimentales Melodrama der Männlichkeit (vgl. Mädler 2008) bezeichnen. „Das Melodrama [...] spielt in der Kleinstadt oder in der Familie, ist das Drama der Mittelklasse[...]“ (Faulstich 2002: 36). Wie so oft bei einem Melodrama steht auch in American Beauty der Generationenkonflikt im Vordergrund. Mädler grenzt die Bezeichnung weiter ein, in dem sie American Beauty als ein klaustrophobisches

Familienmelodrama charakterisiert. Sie spricht von einer „Krise der Männlichkeit“ (vgl. Mädler 2008), die ihren Niederschlag im modernen Hollywood-Film findet. Darüberhinaus kann man American Beauty als eine Gesellschaftsstudie bezeichnen, die die Kehrseite des amerikanischen Kleinstadttraums thematisiert und das Leben einer normalen amerikanischen Familie dokumentiert.

2. Ausgewählte Sequenz: die Cheerleader-Szene

Die ausgewählte Sequenz ist durch eine Steigerung der Handlung, Einführung neuer Probleme, und Zunahme an Komplexität gekennzeichnet. Es ist die erste Szene, in der Angela als Figur eingeführt wird. Dem Zuschauer ist der Alltag der Familie Burnham bereits bekannt, welcher durch familiäre Probleme gekennzeichnet ist. Um die kaputte Beziehung zu ihrer Tochter wiederherzustellen, entschließt sich Carolyn eine Sportveranstaltung zu besuchen, bei der Jane in der Pause als Cheerleaderin auftritt. Lester scheint von dieser Idee nicht begeistert zu sein, da er sich mit dem Hass seiner eigenen Tochter bereits abgefunden hat. Jane ist ebenfalls von der Tatsache genervt, dass ihre Eltern ein Interesse an ihrem Leben heucheln und ist bei dem Auftritt unkonzentriert und unmotiviert. Lester verliert schnell das Interesse an ihr und bemerkt dafür die attraktive Angela. Ihre Schönheit, ihre Bewegungen und ihr Blick fesseln ihn. Er verfällt in einen traumartigen Trance-Zustand. Die gesamte Atmosphäre ändert sich: Die Musik, das Licht, selbst die Bewegungen von Angela gestalten sich komplett neu. Das Element der Verführung wird eingeführt. In seiner Phantasie befinden sich nur noch Lester und Angela in der Sporthalle. Die anderen Cheerleader, die anderen Zuschauer, sogar seine Tochter und Frau verschwinden. Aus der Zweisamkeit entsteht Intimität, eine sexuelle Spannung wird etabliert. In Lesters Traum fängt Angela an, sich beim Tanzen langsam auszuziehen. Nachdem sie ihre Jacke aufmacht, sieht man rote Rosenblüten, den roten Faden der Erzählung. Diese Szene thematisiert „Lesters Erwachen“ (Mädler 2008: 330).

Ich habe mich für diese Szene entschieden, da sie den Schlüssel zum Verständnis des Films liefert. Sie thematisiert den Stimulus, den Reiz, der Lester letztendlich zu Veränderungen bewegt hat. In dieser Szene treffen die zwei Welten Traum und Wirklichkeit direkt aufeinander, was eine Analyse besonders interessant macht.

3. Figurenanalyse

3.1. Lester Burnham

Lester Burnham ist ein äußerlich unscheinbarer Mann Mitte 40. Am Anfang des Films beschreibt er sich selbst: "Both my wife and daughter think I'm this gigantic loser and they're right. I have lost something. I'm not exactly sure what it is but I know I didn't always feel this... sedated.“ (American Beauty: 03:48 - 04:06) Seine Tochter Jane sieht in ihm kein Vorbild. Er wird von seiner dominanten Frau Carolyn und seinem neuen Vorgesetzten unterdrückt.

Lester ist das „Wahrnehmungs- und Bedeutungszentrum im Film“ (Faulstich 2002: 97). Ein Antiheld, der anfangs keine Kontrolle über sein eigenes Leben besitzt und sich in einem Konflikt der Gefangenschaft befindet. Der Film spielt mit der Neigung der Zuschauer, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren, in dem es von Anfang an klar ist, dass dieser am Ende stirbt. Man kann nicht von einer Rollentypisierung ausgehen, da die Figur von Lester sehr dynamisch ist und sich über die gesamte Handlung entwickelt. Er ist ein runder, mehrdimensionaler Charakter, der durch Komplexität und persönlichkeitsmäßige Veränderung gekennzeichnet ist (vgl. Faulstich 2002: 99).

3.2. Angela Hayes

Angela ist die Schulfreundin von Jane. Äußerlich und innerlich ist Angela der Gegenpol von Jane: Blond und oberflächlich. Sie ist attraktiv und sich dessen auch bewusst. Ihre größte Angst ist es gewöhnlich zu sein. Deswegen ist sie ständig damit beschäftigt, ihr Image einer sexuell erfahrenen und weltoffenen jungen Frau aufrecht zu erhalten. Sie ist nicht sonderlich beliebt, doch in die Abneigung der Schulkameradinnen interpretiert sie nur Neid hinein. Ihr Traum ist es, Modell zu werden und um diesen Traum zu erfüllen, schläft sie angeblich mit berühmten Fotografen. Ihre Lolita-Identität hat sich Angela selbst erfunden, um nicht in die kleinbürgerlichen Weltvorstellungen zu passen. Sie merkt schnell, was Lester für sie empfindet und spielt mit der Situation. Nach der Beschuldigung von Ricky, sie wäre „total gewöhnlich“ entschließt sie sich, mit Lester zu schlafen, kann ihre Angst aber nicht kontrollieren und wird von ihm durchschaut. Angela ist zwar kein runder Charakter, jedoch auch kein eindimensionaler Typus. Hinter der Fassade einer selbstbewussten und erfahrenen jungen Frau versteckt sich ein unsicheres und verklemmtes kleines Mädchen.

Insgesamt fällt der Film durch seine dynamischen Figuren auf, die alle durch bestimmte Ereignisse einen Wandel durchmachen: Lester, der durch die Begegnung mit Angela wieder die Kontrolle über sein Leben erlangt. Carolyn, die ihren Ehemann zuerst unterdrückt, dann betrügt, ihn anschließend umbringen will, sich ihrer Liebe aber nach seinem Tod wieder bewusst wird. Jane, die durch ihre Liebesbeziehung mit Ricky erwachsen wird und an Selbstvertrauen gewinnt. Selbst Angela, die als eine typische Lolita eingeführt wird, gesteht am Ende ihre Angst und die Tatsache, dass sie die ganze Zeit gelogen hat.

4. Analyse der Bauformen

4.1. Visuelle Inszenierung

4.1.1. Kamera: Perspektive, Bewegung, Einstellungsgröße

Wie bereits oben erwähnt, kann man die Szene inhaltlich in zwei Teile aufspalten. Im ersten Teil, der sich auf die Wirklichkeit bezieht, findet man eine realitätsnahe Kameraführung vor, was sich durch die Einsetzung von leichter Untersicht und leichter Aufsicht auszeichnet. Die Kamera nimmt ungefähr denselben Winkel ein, den man zwischen Lesters Sitzreihe und der Bühne vermutet. Man kann also von einem Blickachsenanschluss sprechen. Die gesamte Sequenz ist von Point-of-View und subjektiver Erzählperspektive geprägt. Lester wird als Beobachter impliziert, dessen Perspektive wir teilen. Im ersten Teil variieren noch stark die Einstellungsgrößen. Diese Einstellungen dienen dazu, das „Objekt“ aus einer anderen Distanz zu zeigen (vgl. Branigan: 52). Darüberhinaus wird Lester aus einem anderen Winkel als die Cheerleader gefilmt, was für die POV-Struktur unüblich ist. Während die Tanzenden trotz der Aufsicht von vorne gefilmt werden, wird Lester in einem 45°-Winkel von unten rechts aufgenommen. Die Handlungsachse unterscheidet sich von der Wahrnehmungsachse der Zuschauer, was anfangs eine gewisse Distanz zur Handlung etabliert.

Die Kamerabewegung ist weniger an die Bewegungen der Tanzenden gekoppelt, als dass sie vielmehr die Bewegung von Lesters Blick nachahmt, der die Tanzenden verfolgt. Als er Angela bemerkt, wird das Bild stark hineingezoomt, wozu das menschliche Auge nicht in der Lage ist. Uns zeigt es aber, dass Angela in diesem Moment seine volle Aufmerksamkeit auf sich und ihre Bewegungen zieht.

[...]


1 Barbara Fitts hat vermutlich Alzheimer oder eine vergleichbare Krankheit

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Details

Titel
Analyse der Cheerleader-Szene im Kinofilm "American Beauty"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Filmanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V265226
ISBN (eBook)
9783656550150
ISBN (Buch)
9783656547624
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
American Beauty, Filmanalyse, Filmwissenschaft, Figurenanalyse, Film, Sam Mendes
Arbeit zitieren
Polina Polovnikova (Autor), 2013, Analyse der Cheerleader-Szene im Kinofilm "American Beauty", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265226

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