Habermas Theorie des kommunikativen Handelns auf die zwischen-menschliche Kommunikation im Internet zu übertragen, scheint zumindest auf den ersten Blick möglich, wenn nicht sogar wünschenswert zu sein. Die Kommunikation verlagert sich vom analogen in den digitalen bzw. vom realen in den virtuellen Raum. In beiden Fällen handelt es sich noch um zwischen-menschliche Kommunikation, denn ohne Zweifel kommunizieren in beiden Räumen Menschen mit Menschen. Auf den zweiten Blick jedoch ist Habermas Theorie nicht so ohne Weiteres auf das Internet übertragbar. Analysiert man die Entwicklung der Kommunikationsarten in Relation zum technischen Fortschritt, wird schnell deutlich, wie der biologische Sprechakt mehr und mehr vertechnisiert bzw. entmenschlicht wird/wurde.
Vom anfänglichen Sprechakt – rein biologisch-menschlicher Natur – der einer »natürlichen« Kommunikation zwischen Mensch und Mensch in Form einer »face-to-face«-Kommunikation (Schema: »Mensch sieht sich«) entspricht, wandelte sich im Zuge einer zunehmenden Vertechnisierung der Welt auch die Kommunikation zwischen und unter den Menschen. Kommunikation ist längst nicht mehr auf die biologische bzw. physische Präsenz als unabdingbare Notwendigkeit eines Sprechaktes von mindestens zwei Kommunikationsteilnehmern beschränkt, sondern vielmehr zu einer Interaktion degradiert, bei der es weder der physischen Präsenz noch der eigentlichen Sprachfähigkeit des Kommunikationsteilnehmers bedarf, da im Internet vorwiegend in Schriftsprache und nicht mehr in gesprochener Sprache kommuniziert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Kommunikationsformen
3. Habermas Theorie des kommunikativen Handelns und das Internet
4. Scheinidentität und die Entwertung der Kommunikation
5. Rationalität im digitalen Raum
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Jürgen Habermas' „Theorie des kommunikativen Handelns“ auf die zwischenmenschliche Kommunikation im Internet. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern Habermas' Konzept von Rationalität und konsensstiftender Kommunikation unter den Bedingungen digitaler Entfremdung und der Entstehung von Scheinidentitäten noch Gültigkeit besitzt.
- Evolution der menschlichen Kommunikationsformen
- Strukturwandel von Kommunikation im digitalen Raum
- Problematik der Scheinidentität (Online-Ich vs. Offline-Ich)
- Habermas' Vernunftbegriff in der Internet-Kommunikation
- Konsequenzen für Rationalität und zwischenmenschliche Wahrheit
Auszug aus dem Buch
Habermas Theorie des kommunikativen Handelns übertragen auf die zwischen-menschliche Kommunikation im Internet
Habermas Theorie des kommunikativen Handelns auf die zwischen-menschliche Kommunikation im Internet zu übertragen, scheint zumindest auf den ersten Blick möglich, wenn nicht sogar wünschenswert zu sein. Die Kommunikation verlagert sich vom analogen in den digitalen bzw. vom realen in den virtuellen Raum. In beiden Fällen handelt es sich noch um zwischen-menschliche Kommunikation, denn ohne Zweifel kommunizieren in beiden Räumen Menschen mit Menschen. Auf den zweiten Blick jedoch ist Habermas Theorie nicht so ohne Weiteres auf das Internet übertragbar. Analysiert man die Entwicklung der Kommunikationsarten in Relation zum technischen Fortschritt, wird schnell deutlich, wie der biologische Sprechakt mehr und mehr vertechnisiert bzw. entmenschlicht wird/wurde.
Vom anfänglichen Sprechakt – rein biologisch-menschlicher Natur – der einer »natürlichen« Kommunikation zwischen Mensch und Mensch in Form einer »face-to-face«-Kommunikation (Schema: »Mensch sieht sich«) entspricht, wandelte sich im Zuge einer zunehmenden Vertechnisierung der Welt auch die Kommunikation zwischen und unter den Menschen. Kommunikation ist längst nicht mehr auf die biologische bzw. physische Präsenz als unabdingbare Notwendigkeit eines Sprechaktes von mindestens zwei Kommunikationsteilnehmern beschränkt, sondern vielmehr zu einer Interaktion degradiert, bei der es weder der physischen Präsenz noch der eigentlichen Sprachfähigkeit des Kommunikationsteilnehmers bedarf, da im Internet vorwiegend in Schriftsprache und nicht mehr in gesprochener Sprache kommuniziert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der übertragenen Habermas-Theorie auf den digitalen Raum und Darlegung der Fragestellung.
2. Die Entwicklung der Kommunikationsformen: Historische Betrachtung der Wandlung von face-to-face-Interaktionen hin zur technisch vermittelten Schriftsprache im Internet.
3. Habermas Theorie des kommunikativen Handelns und das Internet: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Vernunft- und Rationalitätsbegriff von Habermas im Kontext der digitalen Kommunikation.
4. Scheinidentität und die Entwertung der Kommunikation: Analyse des Konflikts zwischen dem Online-Ich und dem realen Offline-Ich sowie dessen Auswirkungen auf die Aufrichtigkeit.
5. Rationalität im digitalen Raum: Untersuchung der Frage, warum digitale Kommunikation unter den gegebenen Bedingungen als irrational eingestuft werden kann.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Problematik und kritische Reflexion über die Zukunft menschlicher Kommunikation im Internet.
Schlüsselwörter
Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Internet, Kommunikation, Rationalität, Online-Identität, Scheinidentität, Face-to-face, Schriftsprache, Vernunft, Entmenschlichung, Digitalisierung, Intersubjektivität, Lebenswelt, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Jürgen Habermas' philosophische „Theorie des kommunikativen Handelns“ auf die Kommunikation im Internet angewendet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die Vertechnisierung menschlicher Kommunikation, die Divergenz zwischen Offline- und Online-Identitäten sowie die Bedingungen für rationales Handeln im digitalen Raum.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, inwieweit die Voraussetzungen für konsensstiftende, rationale Kommunikation nach Habermas im Internet überhaupt noch gegeben sind, wenn Akteure hinter Scheinidentitäten agieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Diskursanalyse, um die Theorien von Habermas auf die moderne Internet-Kommunikation kritisch zu übertragen und zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Kommunikation von der biologischen Präsenz bis hin zur anonymisierten Schriftsprache und die daraus resultierenden Probleme für die Aufrichtigkeit und Objektivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Habermas, Kommunikation, Internet, Rationalität, Scheinidentität, Entmenschlichung und Intersubjektivität.
Warum wird das Online-Ich als „Scheinidentität“ bezeichnet?
Das Online-Ich wird so bezeichnet, da es oft nicht mit dem tatsächlichen, leibgebundenen Selbst des Akteurs übereinstimmt und somit die Grundlage für ehrliche, zwischenmenschliche Kommunikation entzieht.
Inwiefern beeinflusst das Internet die „Rationalität“ nach Habermas?
Nach Habermas erfordert Rationalität Kritikfähigkeit und Begründbarkeit. Im Internet entfallen diese, da Handlungen nicht mehr auf ein authentisches, kritisierbares Subjekt zurückführbar sind.
- Quote paper
- B.A. Jan-Christian Hansen (Author), 2013, Habermas "Theorie des kommunikativen Handelns" übertragen auf die zwischen-menschliche Kommunikation im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265270