Der Erdölmarkt

Preisabsicherungsstrategien der Rohölproduzenten mit Hilfe von Finanzderivaten


Masterarbeit, 2012

92 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Verlauf der Ölpreise

3. Marktplätze
3.1. Physische Marktplätze
3.2. Börsliche Handelsplätze
3.3. Ölsorten
3.3.1. Brent
3.3.2. WTI

4. Marktfunktionen: Angebotsseite
4.1. Die Nachfrageseite
4.2. Die marktbeherrschenden Akteure
4.2.1. Die Firma Exxon Mobil in ihrer Marktposition

5. Zwischenfazit

6. Risiko der Ölpreisvolatilität

7. Das Marktpreisrisiko

8. Risikomanagementstrategie
8.1. Risikoerkennung/-definition
8.2. Risikoanalyse/-bewertung
8.3. Risikohandhabung/ -steuerung
8.4. Risikokontrolle/ -überwachung

9. Implementierung eines Risikomanagements bei Ölproduzenten

10. Hedging
10.1. Micro- vs. Macro-Hedging

11. Bilanzierung von Hedgingpositionen (Hedge Accounting)

12. Hedginginstrumente
12.1. Risikofaktoren derivativer Instrumente
12.2. Over The Counter vs. börsengehandelt
12.3. Der Future Kontrakt
12.3.1. Kosten von Futures
12.3.2. Preisbildung von Futures
12.3.3. Forward vs. Future
12.3.4. Das Clearingsystem
12.3.5. Marking to Market
12.3.6. Hedgen mit Futures
12.3.6. Das Basisrisiko
12.4. Die richtige Kontraktwahl anhand des Beispiels eines Rohölproduzenten
12.4.1. Chancen
12.4.2. Risiken

13. Swaps
13.1. Abgrenzung zum Future Kontrakt
13.2. Anwendungsbeispiel: Ölkonzern sichert Ölpreis durch Rohstoffswap
13.2.1. Chancen.
13.2.2. Risiken.
13.3. Anwendungsbeispiel: Ölkonzern sichert Anlage/Investition durch Zinsswap
13.3.1. Chancen
13.3.2. Risiken
13.4. Anwendungsbeispiel: Ölkonzern sichert Anlage/Investition durch Währungsswap
13.4.1. Chancen
13.4.2. Risiken

14. Optionen
14.1. Innerer Wert
14.2. Zeitwert
14.3. Market Maker
14.4. Hebelwirkung
14.5. Cap und Floor
14.6. Hedging einer Ölproduktion mit Options-Collar
14.6.1. Chancen
14.6.2. Risiken

15. Zwischenfazit

16. Anwendungsbeispiele
16.1. Die Charttechnik
16.2. Aktuelle Situation
16.3. Handlungsmöglichkeiten zur Durchführung eines Hedges
16.4. Risikomanagementstrategie
16.5.1. Hedgingvariante 1
16.5.2. Hedgingvariante 2
16.5.3. Hedgingvariante 3

17. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung ist häufig die Rede von den verschiedenen Rohstoffmärkten. Besonders häufigen Anlass zur Berichterstattung gibt das „auf und ab“ am Rohölmarkt. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren beschleunigt und recht hektische Züge angenommen. Die Grafik verdeutlicht, dass ab ca. Mitte 2007 bis Juni 2009 enorme Schwankungen innerhalb von relativ kurzen Zeiträumen auftreten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur. Sowohl das Zusammenwachsen der Finanzmärkte, das gesteigerte Kapitalaufkommen und Investitionsvolumen als auch die gehäuft auftauchenden Krisen, wie z.B. die Subprime oder Euroschuldenkrise, spielen in diesem Zusammenhang ein wichtige Rolle.

Für Firmen, die vom Ölpreis stark abhängig sind, wie z.B. Fluggesellschaften oder EP, stellen starke Schwankungen des Ölpreises ein großes und unkalkulierbares Risiko dar. Da die Entwicklung des Ölpreises sich schwierig prognostizieren lässt, müssen diese Firmen Strategien entwickeln, um sich gegen Preissteigerungen abzusichern.

In der Arbeit soll der Ölmarkt dargestellt und Sicherungsstrategien, speziell für EP, erörtert und verglichen werden. Hieraus resultiert dann ein Vergleich verschiedener Finanzprodukte zur Sicherung von verschiedenen Situationen.

Anhand der Chancen und Risiken soll verdeutlicht werden, welche derivativen Produkte zur jeweils vorliegenden Situation passen.

Auch die Bilanzierungsmöglichkeiten für die Hedging-Geschäfte sollen kurz erörtert werden.

Den Schlussteil bildet dann die aktuelle Marktsituation, dargestellt anhand des Beispiels eines EP. Eine Prognose und Handlungsmöglichkeit soll unter Zuhilfenahme der zuvor erörterten Strategien bzw. Derivaten ausgeführt werden. Als weiteres Werkzeug kommt dann hierbei die Charttechnik zum Einsatz. Der Kausalzusammenhang zwischen einem funktionierenden Risikomanagement, derivativen Finanzprodukten und der immer stärker werdenden Preisvolatilität[1] soll hergestellt und auf den speziellen Fall des EP angewandt werden.

2. Historischer Verlauf der Ölpreise

Wie bereits schon erwähnt, hat sich die Dynamik der Preisveränderung des Ölpreises drastisch erhöht. In der folgenden Abbildung wird dies noch genauer deutlich, betrachtet man die „money of the day“ Kurve, welche den nominalen Ölpreis abbildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: BP Statistical Review of World Energy June 2011, S.15

Bei der inflationsbereinigten Betrachtung hingegen wird deutlich, dass der Preis bereits gegen Ende der 1970er Jahre zu einem Preis wie im Jahre um 2007 gehandelt wurde. Dieser Aspekt wird häufig nicht betrachtet und erwähnt, da meist die Rede von dem Nominalpreis ist.

Vor dem Jahr 1973 veränderte sich der Nominalpreis hingegen kaum. Dieses Jahr stellt einen wichtigen Wendepunkt in der historischen Ölpreisentwicklung dar. Ab diesem Jahr, in der die Ölkrise ausbrach, stiegen die Preise stark an, fielen dann aber auch wieder. Die sogenannte Volatilität[2] hat sich erhöht. Dieser Trend setzt sich anhaltend bis in die Gegenwart fort. Eine Umkehr dieses Trends ist aktuell nicht in Sicht.

3. Marktplätze

Bei den Markplätzen muss unterschieden werden, ob an diesen das Öl als reales Produkt gehandelt wird oder ob es sich um einen der börslichen Handelsplätze handelt.

3.1. Physische Marktplätze

Der Handel mit dem realen Produkt Erdöl erfolgt in der Regel als privates, langfristiges Liefergeschäft zwischen zwei Kontraktpartnern, dem Abnehmer und Lieferanten.[3] Es liegt jedoch eine enge Bindung zu den Preisen an den Terminbörsen vor.[4] Dieser Markt wird als Terminmarkt bezeichnet.

Den kurzfristigen physischen Handel von Rohöl bezeichnet man als „on the spot“[5]. Diese Transaktionen laufen innerhalb von zwei Wochen ab. Diese Marktform bezeichnet man als Spotmarkt.

Die Hauptstandorte für diese Geschäfte liegen in Rotterdam, New York, Houston, am Golf von Mexiko, Singapur und im Persischen Golf.[6]

Der Großteil des Ölbedarfes für den westeuropäischen Markt wird über Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam abgewickelt.[7]

3.2. Börsliche Handelsplätze

Bei dem börslich gehandelten Rohöl spielen die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die International Petroleum Exchange (IPE) in London die entscheidende Rolle im internationalen Rohölhandel.[8]

Die NYMEX ist eine der ältesten Terminbörsen der USA.[9] Auch durch die direkte Nähe zu dem physischen Handelsplatz rund um New York etablierte sie sich im Ölgeschäft.[10]

Die Londoner IPE hat ihre Position als zweite Ölbörse gefestigt, nachdem sie sich als Marktfolger der NYMEX etabliert hatte.[11]

Der Handel an diesen Plätzen läuft über die so genannten Future-Kontrakte.[12]

Dieser findet lediglich „auf dem Papier“ statt. Es erfolgt also keine physische Lieferung des Öls. Spekulanten, welche lediglich den kurzen Gewinn im Auge haben, stehen den so genannten „Hedgern“[13] gegenüber, die sich gegen Preisschwankungen absichern – „hedgen“[14] - wollen. Durch die Spekulanten entsteht eine höhere Liquidität des Marktes. Sie gewährleisten somit einen reibungslosen Ablauf von Angebot und Nachfrage und sichern somit den An- und Verkauf des Öls. Diese stellen ca.90 % des Handels.[15] Dies kann aber auch dazu führen, dass einzelne Händler, die im Auftrag über ein großes Kapital verfügen, enorme Preisschwankungen auslösen können. Hierdurch kann es zu dem Effekt kommen, dass der Preis steigt, obwohl Angebot und Nachfrage sich physisch gar nicht verändern. Die Spekulanten bilden somit eine Gegenposition zu den Hedgern und übernehmen das Risiko, welches die Hedger abstoßen wollen.[16] Wie bei vielen Finanzgeschäften bilden sich auch hier zwei konträre Situationen.

3.3. Ölsorten

Bei den gehandelten Ölsorten unterscheidet man im Wesentlichen zwischen den beiden Folgenden, welche unterschiedliche Zusammensetzungen und Verwertungsmöglichkeiten haben.

3.3.1. Brent

Hierbei handelt es sich um die Referenzsorte in Europa. Auf Grund höherer Förderkosten, die auf dem Offshore Weg anfallen, gilt es als weniger wettbewerbsfähig als das „süßere“ WTI[17]. Ein höherer Schwefelanteil macht es zudem teurer im Raffinierungsprozess.

3.3.2. WTI

Bei dieser Sorte handelt es sich im das so genannte West Texas Intermediate. Es bildet den amerikanischen Standard und weist einen geringeren Schwefelanteil aus, was es günstiger in der Verarbeitung macht. Preislich notiert diese Sorte über der Sorte Brent, was an den geringeren Verarbeitungskosten liegt.[18]

Diese Tatsache trifft aktuell nicht mehr zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus http://media.futuresmag.com/futuresmag/historical/Issues/2011/October-2011/PublishingImages/MrkStrg_PremReg.png

Ein Grund hierfür ist mit hoher Sicherheit in der Revolution in Libyen zu suchen. Der Krieg führte dazu, dass kaum noch Rohöl aus diesem Land nach Europa exportiert wurde. Das Angebot ging drastisch zurück. Folglich verteuerte sich die Nordseesorte Brent, da auf Angebotsseite kurzzeitig keine weiteren Kapazitäten zur Kompensation des Angebotsausfalls aus Libyen zur Verfügung standen, um die Nachfrage auf dem europäischen Markt zu decken.

4. Marktfunktionen: Angebotsseite

Auf der Angebotsseite des Ölmarktes kommt es zu einer kurzfristigen Begrenzung. Da zum Erschließen neuer Quellen hohe Investitionen und Zeitaufwendungen notwendig sind, lässt sich das Angebot nicht über einen kürzeren Zeitraum wesentlich erhöhen. Weiterhin sei es problematisch, dass die wichtigen Ölförderstaaten keine Investitionen ausländischer Ölkonzerne zulassen.[19] Die Bohrkosten haben sich zwischen 1990 und 2003 mehr als verdoppelt.[20] Bei kleineren Anlagen hat sich der Preis mehr als verdreifacht.[21] Neben dem finanziellen und zeitlichen Aspekt lassen sich weiterhin folgende Faktoren bestimmen, welche für das Angebot von Relevanz sind:[22]

Hierbei handelt es sich um die Menge an Vorrat, die Technik zur Förderung und die wirtschaftlichen und gesetzlichen Bedingungen.

Im Falle des Rohstoffes Erdöl bedeutet dies, dass es durch Bevorratung zu einer Angebotsverknappung kommen kann, was zu steigenden Preisen führt. Diese Tatsache macht sich darin bemerkbar, dass die Teilnehmer an den Finanzmärkten die Lagerbestände für Rohöl oder auch Benzin im Auge haben und auf Erhöhung und Verringerungen der Lagerbestände reagieren. Weiterhin haben auch große Energiehandelskonzerne wie Vopak oder Glencore erkannt, dass in diesem Markt viel Geld zu verdienen ist und bauen Ihre Lagerkapazitäten ständig aus.

Die Technik stellt einen begrenzenden Faktor dar. Steigen die Preise, lohnt es sich in neue Techniken zu investieren und somit auch wieder mehr Erdöl zu fördern und zu erschließen. Steigende Preise führen also langfristig zu einer Ausweitung des Angebotes.

Die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen können dazu führen, dass eine Förderung und somit eine Angebotsausweitung des Erdöls nicht zustande kommt. Hohe Umweltauflagen können dies verhindern. Im Falle der Erdölförderung in Entwicklungsländern, wie z.B. Nigeria kann es dazu kommen, dass Umweltauflagen verletzt werden, da es keine ausreichende staatliche Gewalt gibt, die diese einschränken könnte.[23] Für die Angebotsseite ist dies förderlich, da geringe Kosten entstehen und keine Sicherungsmaßnahmen für den Umweltschutz getroffen werden müssen. Die sozialen Kosten sind in dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.

Weltweit werden jährlich ca. 3,9 Mrd. Tonnen Erdöl produziert.[24]

4.1. Die Nachfrageseite

Die Angebotsseite wird weitestgehend durch die konjunkturelle Lage, sowohl national als auch international, bestimmt. Auch der Preis, die technische Ausstattung und die industrielle Struktur spielen eine wichtige Rolle.[25] Erdöl bildet eine Art „Grundversorgung“ für eine Volkswirtschaft, da es für viele Produkte benötigt wird oder einfach nur als Energieträger verwandt wird. Energie ist bei fast allen industriellen Wirtschaftsprozessen die Grundlage.

Im Jahre 2010 lag der weltweite Verbrauch bei 4,0821 Mrd. Tonnen[26] oder auch 87,4 Mio. Barrel[27] täglich.[28]

Dass der Preis stark konjunkturabhängig ist, lässt sich anhand der Jahresverbräuche eindeutig belegen:[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zahlen stellen eine kontinuierliche Zunahme in den Jahren 2000 bis 2007 dar. Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008 bis 2009 sinkt der Verbrauch und zieht im Jahr 2010 mit der Wirtschaft wieder an.

4.2. Die marktbeherrschenden Akteure

Betrachtet man die Liste mit den Ölkonzernen, geordnet nach ihren Ölvorräten, wird deutlich, dass die großen Spieler auf dem Ölmarkt nicht etwa die bekannten Konzerne wie Exxon, BP oder Shell sind. Auf den ersten Plätzen finden sich die großen staatlichen Konzerne wie die Saudi Arabian Oil Company oder auch die National Iranian Oil Company (siehe Tabelle).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: http://www.petrostrategies.org/Links/Worlds_Largest_Oil_and_Gas_Companies_Sites.htm

Oil & Gas Journal, September 15, 2008

Die Reserven der westlichen Ölmultis machen im Vergleich zu den großen staatlichen Gesellschaften nur einen kleinen Teil der weltweiten Reserven aus.

Bei der Produktion hingegen nehmen auch die westlichen Konzerne die Plätze in den obersten Zehn ein. [30]

4.2.1. Die Firma Exxon Mobil in ihrer Marktposition

Die Firma Exxon Mobil steht im Jahre 2006 nur knapp hinter der britischen Firma BP an siebter Stelle der Unternehmen mit der höchsten Ölproduktion.[31] Im Vergleich zu dem staatlichen Unternehmen Saudi Aramco produziert Exxon nur ca. ein Fünftel dessen, was die saudische Firma liefert[32]. Wie bereits oben erwähnt, beträgt der tägliche Konsum weltweit ca. 87 Mio. Barrel. Exxon liefert also ca. 3% des weltweiten Bedarfes. Diese Zahl macht deutlich, dass der Anteil dieser Firma relativ klein ist und auch andere Akteure ihren Platz einnehmen. Trotz der Größe und des Umsatzes dieses Unternehmens spielt es bei der Versorgung nicht so eine große Rolle im gesamten Gefüge der Produzenten.

5. Zwischenfazit

Der Ölmarkt verteilt sich auf verschiedene Schauplätze, die zwar nicht direkt miteinander zusammenhängen, sich aber gegenseitig bedingen. Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage können stark schwanken und stehen im Zusammenspiel durch die unterschiedlichsten wirtschaftlichen und politischen Faktoren. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass staatliche Konzerne wesentlich mehr Macht haben, als weitläufig bekannt sein dürfte, da in den Medien meist von den großen multinationalen Konzernen, wie z.B. Exxon oder Shell, die Rede ist.

6. Risiko der Ölpreisvolatilität

Mit der Volatilität bezeichnet man die Schwankungsbreite, z.B. von Aktien. Es leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „fliegend“ oder auch „flüchtig“. Sie drückt die Kursschwankungen des Underlyings[33] aus.[34] Statistisch handelt es sich bei der Volatilität um die Schwankungsbreite um einen Mittelwert. Bei 10% Volatilität schwankt die Aktie also 10% um den Mittelwert. Die folgende Darstellung verdeutlicht dies:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Steiner, Manfred / Bruns Christoph / Stöckl, Stefan: Wertpapiermanagement: Professionelle Wertpapieranalyse, 10.Auflage, Suttgart 2012, S. 58

Mit Hilfe der Standardabweichung werden hierbei die Schwankungen der Renditen gemessen, welche sich um einen Mittelwert bilden (in der Grafik der Punkt 0).[35] Mathematisch betrachtet ist die positive Quadratwurzel aus der Varianz die Standardabweichung. Die Varianz ist hierbei die Summe der quadrierten Differenzen zwischen den Renditeausprägungen und deren Mittelwert, geteilt durch die Anzahl der verwendeten Werte.[36]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe dieser Formel lässt sich die Berechnung durchführen. Durch die Annualisierung lässt sich ein Standard herstellen, um die Werte zu vergleichen.

Die folgende Abbildung verdeutlicht, dass die Preisvolatilität des Ölpreises in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist. Kam es in den Jahren zuvor lediglich zu vereinzelten Ansprüngen der Volatilität, so häufen sich diese in den letzten Jahren und auch ihre Intensität hat zugenommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: http://images.wikia.com/ideas/images/e/e0/Untitled-1.jpg

Energieprodukte haben im Durchschnitt 30% Preisvolatilität.[37] Diese Aussage bezieht sich bereits auf das Jahr 1996 und davor. Dieser Trend hat sich also weiterhin beschleunigt.

Gründe hierfür können aus der folgenden Grafik entnommen werden, die darstellt, dass mehr Geld in Öl investiert wurde. Da das Produkt Erdöl in der Vergangenheit immer häufiger als Anlageklasse diente, flossen immer größere Summen an Kapital in diesen Rohstoff. Das hier investierte und gebundene Kapital wird dann bei schlechtem Marktverlauf auch schnell wieder abgezogen, was den großen Preisverfall im Jahre 2009 möglich machte. Die Menge des investierten Kapitals korreliert mit der steigenden Volatilität.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: http://www.airlines.org/PublishingImages/volatility2.gif

So schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Jahr 2007: „Der Ölmarkt gebärdet sich selbst für die Verhältnisse dieser launenhaften Branche erstaunlich chaotisch. Im vergangenen Sommer noch auf einem Allzeithoch von 77 USD pro Barrel, sackte der Ölpreis auf fast 52 USD ab und fiel am 18. Januar an der Rohstoffbörse New York Mercantile Exchange gar unter 50 USD, bevor er bei 50,50 USD schloss.“[38] Selbst nach diesem Zeitpunkt erhöhte sich noch einmal die Volatilität in den Folgejahren. Weiterhin heißt es „Wir erleben nun größere Preisbewegungen von mittlerweile zwei USD pro Tag. Das gab es noch nie“, sagt Peter Fusaro, Mitgründer des Energy Hedge Fund Center, einer Energiehandels-Informationswebsite zur Beobachtung von Hedge-Fonds im Energiesektor.“[39] Auch in diesem Punkt sehen wir in den letzten Jahren eine deutliche Beschleunigung. Mittlerweile sind zwei USD Schwankungsbreite am Tag fast die Regel. So schwankte die WTI-Notierung am 1.06.2012 um mehr als vier USD.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: http://www.onvista.de/rohstoffe/rohoel-wti-indikation-preis/kurs

Die Grafik zeigt weitere starke Kursgewinne und Rückgänge innerhalb eines Jahreszeitraumes. Signifikant hierbei der Preisverfall im Monat Mai um ca. 20 USD.

Diese Volatilität ist ein großes Problem für einen Produzenten, da er seine Investitionen über einen langen Zeitraum planen muss, die Preise für sein produziertes Gut aber in kurzer Zeit extrem schwanken. Ein Ende dieses Trends ist aktuell nicht absehbar. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wird dieser Trend sich in Zukunft noch weiter verstärken, da ständig mehr Geld in Rohöl investiert wird und im Zeitalter der schnellen Kommunikations- und Handelsinstrumenten auch schnell wieder abgezogen werden kann. Die EP sollten sich langfristig auf diese Situation einstellen und Gegenmaßnahmen entwickeln. Eine Prognose des Preises kann in gegenwärtigen Zeiten schon fast als Spekulation betrachtet werden, da selbst eine annähernde Prognose des Preises kaum noch möglich ist. Ein effektives Hedging Programm mit den dazugehörigen derivativen Instrumenten wird für die EP in Zukunft von entscheidender Wichtigkeit sein und mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Hierbei muss und sollte die Hedging-Strategie oft und schnell an den Markt angepasst werden, wie es die aktuelle Situation erfordert. Dieser Vorgang ist natürlich sehr komplex und muss in verschiedenen Schritten geplant und umgesetzt werden. Eine Risikomanagementstrategie ist hierbei unabdinglich. Eine erfolgreiche Kombination von Risikomanagementstrategie, dem Einsatz und Kenntnis derivativer Instrumente und einer Einschätzung der aktuellen Marktsituation und der Volatilität bilden den erfolgreichen Gesamtschlüssel für den EP.

7. Das Marktpreisrisiko

Das Marktpreisrisiko stellt in den folgenden Ausführungen den wichtigsten Bezugspunkt dar. Ein EP ist diesem in sehr erheblichem Maße ausgesetzt, da er große Mengen von Erdöl produziert und diese auch bevorraten muss, sei es für den Transport oder zur Weiterverarbeitung in einer Raffinerie. Durch eine Risikomanagementstrategie soll dieses erkannt, also praktisch „diagnostiziert“ und mit Hilfe von derivativen Finanzmitteln „behandelt“ bzw. abgemildert werden.

„Rohstoffmanagement bedeutet unter anderem, das Preisänderungsrisiko bei allen Entscheidungen im Blick zu haben und zu analysieren, welche Risiken und Chancen mit dem Einkauf von Rohstoffen verbunden sind. Es sind Maßnahmen zur Begrenzung der Risiken und zur Nutzung der Chancen zu ergreifen.“[40] Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Begriff der Begrenzung. Das Risiko kann selbst mit der besten Hedging-Strategie oder auch etwaigen Finanzprodukten nicht komplett ausgeschaltet werden. Speziell das Marktpreisrisiko ebenfalls nicht. Dennoch lassen sich durch aktives Preis- und Risikomanagement von Rohstoffen folgende Vorteile erzielen:[41]

[...]


[1] Mit der Volatilität bezeichnet man die Schwankungsbreite z.B. von Aktien. Es leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „fliegend“ oder auch „flüchtig“. Sie drückt die Kursschwankungen des Basiswertes aus. Vgl. Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus(Hrsg.): Handbuch strukturierte Kapitalmarktprodukte: Konstruktion, Pricing und Risikomanagement, 1.Auflage, Stuttgart 1999, S. 282

[2] Vgl. Roland Eller, Markus Heinrich, René Perrot, Markus Reif (Hrsg.): Management von

Rohstoffrisiken: Strategien, Märkte und Produkte, 1.Auflage, Wiesbaden 2010,

S. 139

[3] Vgl. Erdöl – Preisbildung auf dem Ölmarkt, in: Die Welt des Erdöls – eine Schriftenreihe der Erdöl- Vereinigung, 1.Auflage, Zürich 2005, S. 13

[4] Ebenda

[5] Ebenda

[6] Ebenda

[7] Ebenda

[8] Vgl. Erdöl – Preisbildung auf dem Ölmarkt, in: Die Welt des Erdöls – eine Schriftenreihe der Erdöl- Vereinigung, 1.Auflage, Zürich 2005, S. 9

[9] Vgl. Hensing, Ingo: Terminmärkte als Form internationalen Rohstoffhandels – dargestellt am Beispiel von Mineralöl und Erdgas, Band 3., a.a.O., 1994 S. 150 ff.

[10] Ebenda, S. 151

[11] Ebenda, S. 154

[12] Ein Future-Kontrakt ermöglicht es zwei Parteien ein Gut zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Vgl. Hull, John C.: Optionen, Futures und andere Derivate, 7.Auflage, München 2009, S. 27 ff.

[13] Als Hedging bezeichnet man das Absichern von Finanzpositionen. Vgl.: Patrik Cusatis, Martin Thomas: Hedging Instruments and Risk Management, New York 2005, S. 1 ff.

[14] Ebenda

[15] Vgl. Preisbildung am Rohölmarkt: MWV Mineralölwirtschaftsverband e.V., Hamburg 2004, S. 39

[16] Ebenda

[17] Vgl. Pilz, Gerald: Geldanlage in Rohstoffen: Energieträger, Edelmetalle, Industrie- und Agrarrohstoffe, München 2007, S. 54

[18] Ebenda, S. 55

[19] Vgl. Preisbildung am Rohölmarkt: MWV Mineralölwirtschaftsverband e.V., Hamburg 2004, S. 14

[20] Vgl. Kneissl, Karin: Der Energiepoker: Wie Erdöl und Erdgas die Weltwirtschaft beeinflussen, 2.Auflage, München 2008, S. 198

[21] Vgl. Financial Times vom 31.08.2005, S. 14

[22] Vgl. Tiess, Günter: Rohstoffpolitik in Europa: Bedarf, Ziel, Ansätze, Wien 2009, S. 21ff.

[23] http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-08/nigerdelta-oelpest-studie

[24] Vgl. BP Statistical Review of World Energy June 2011, S. 8

[25] Vgl. Tilton, J.E. Economics of the Mineral Industries (1992), in: H.L. Hartmann

(Ed.). SME Mining Engineering Handbook. Society of Mining, Metallurgy, and Exploration.

[26] Vgl. BP Statistical Review of World Energy June 2011, S. 11

[27] Vgl. Ein Barrel ist die traditionelle Maßeinheit, in der Rohöl nach wie vor gehandelt wird und entspricht 158,987 Litern.

[28] Vgl. BP Statistical Review of World Energy June 2011, S. 9

[29] Ebenda, Die Tabelle stellt die jeweiligen Jahre mit dem dazugehörigen Erdölverbrauch pro Tag in tausend Barrel dar.

[30] Vgl. Pirog, Robert: CRS Report for Congress: The Role of National Oil Companies in the international Oil Market 2007 S. 4

[31] Vgl. Pirog, Robert: CRS Report for Congress: The Role of National Oil Companies in the international Oil Market 2007 S. 4

[32] Ebenda

[33] Underlying ist ein anderes Wort für Bezugswert. Beispielsweise WTI für einen Optionsschein (siehe unten).

[34] Vgl. Eller, Roland / Gruber, Walter / Reif, Markus(Hrsg.): Handbuch strukturierte Kapitalmarktprodukte: Konstruktion, Pricing und Risikomanagement, 1.Auflage, Stuttgart 1999, S. 282

[35] Steiner, Manfred / Bruns Christoph / Stöckl, Stefan: Wertpapiermanagement: Professionelle Wertpapieranalyse, 10.Auflage, Suttgart 2012, S. 85 f.

[36] Ebenda

[37] Vgl. McFall Lamm, R.: Strategic commodity risk management: Why and when use derivates, in: Klein, Robert / Lederman / Jess: Derivates risk and responsibility: The complete guide to effective derivates management and decision making, o.O., 1996, S. 191

[38] Vgl. Coy, Peter: Ende der Ölpreisvolatilität nicht in Sicht, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.01.2007

[39] Ebenda

[40] Vgl. Eller, Roland / Heinrich, Markus / Perrot, René / Reif, Markus (Hrsg.): Management von

Rohstoffrisiken: Strategien, Märkte und Produkte, 1.Auflage, Wiesbaden 2010,

S. 109

[41] Ebenda S. 108

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Der Erdölmarkt
Untertitel
Preisabsicherungsstrategien der Rohölproduzenten mit Hilfe von Finanzderivaten
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Fakultät Wirtschaftswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
92
Katalognummer
V265323
ISBN (eBook)
9783656549659
ISBN (Buch)
9783656548379
Dateigröße
1811 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erdölmarkt, preisabsicherungsstrategien, rohölproduzenten, hilfe, finanzderivaten
Arbeit zitieren
Nils Elfers (Autor:in), 2012, Der Erdölmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265323

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