Eleonore von Aquitanien. Höhen und Tiefen ihrer politischen Macht


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herzogin von Aquitanien

3. Frankreich
3.1. Heirat und Politik am französischen Hof
3.2. Der Kreuzzug
3.3. Die Scheidung

4. England
4.1. Eleonores Entscheidung
4.2. Königin von England
4.3. Aufstand und Gefangenschaft

5. Die neue Eleonore

6. Schluss

Anhang

Quellenblatt

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als „Heldin von Skandalgeschichten“ 1 von dem französischen Historiker Georges Duby und als „femme fatale“ von der Historikerin Régine Pernoud2 bezeichnet, erhebt sich aus der mittelal- terlichen Welt der Mythos um die Person der Eleonore von Aquitanien. Ein Mythos aus Schön- heit, Reichtum und Macht. Es liegen keine Tagebücher oder Briefe aus jener Zeit vor, die Be- weggründe oder Gefühle der Königin ausgedrückt haben mögen, sondern meist nur Berichte von zeitgenössischen Chronisten, die ohne jeglichen Versuch nach Objektivität zu streben, über Königshäuser berichteten.3 Schon zu Eleonores Lebzeiten gab es zahlreiche Legenden um ihre Person. Sie ist aus heutiger Sicht betrachtet die meist diskutierte Königin des zwölften Jahrhunderts.4 Doch erst seit kurzem gilt sie als Vorbild für die emanzipierte Frau von heute, da erst durch die Abkehr im 20. Jahrhundert von Betrachtungen der moralischen Aspekte des königlichen Lebens, die Eleonores Ruf zunehmend verschlechtert hatten, hin zur Gesamtbe- trachtung ihres Lebens und ihrer Umwelt, die vielen Vorurteile des mittelalterlichen Klerus gegenüber Eleonore und den Frauen allgemein, aufgehoben wurden und einen gerechten Blick auf diese überaus kluge, schöne und leidenschaftliche Frau zuließen.5 Der Kern dieser Arbeit konzentriert sich darauf, wie Eleonore anhand des aktuellen Forschungsstands nur durch ihr nachweisbares Handeln bewertet und eingeschätzt wird, was vor allem ihre hervorgehobene Rolle in der Politik, sowie auch von ihr maßgebend gesteuerte Einflüsse im wirtschaftlichen und sozialen Gebiet betrifft und dadurch ihre weit über das Jahrhundert herausragende Per- sönlichkeit zu erklären versucht.6 Die wahre Bedeutung Eleonores wird demnach nicht auf literarischer, sondern auf politischer Ebene gesucht.7 Aufschlüsse über ihr Handeln als Souve- ränin geben uns Chroniken und meist auch diplomatische Quellen, wie Verwaltungsschriften, Urkunden oder Eintragungen im Itinerar. Aussagen von Werken, auf die ich mich hauptsächlich stütze, sind diese von Ursula Vones-Liebenstein und Daniela Laubes Dissertationsarbeit über das Portrait dieser Herrscherin. Chronologisch, anhand ihrer Le- bensabschnitte vorgehend, werde ich nun erläutern, wie sich Eleonore von Aquitanien in den beiden politischen Strömungen des zwölften Jahrhunderts dem römischen Zentralis- mus der Dynastie der Kapetinger und der germanisch-keltischen, der anglonormannischen Monarchie8 ihren eigenen politischen, von vielen Höhen und Tiefen geprägten Weg mit ihren vielseitigen Aufgaben als adelige Erbin, Königin und Mutter suchte und zielstrebig ging.

2. Herzogin von Aquitanien

Das Herzogtum Aquitanien, auch als „Land der Wasser“ bezeichnet, liegt im Südwesten des heutigen Frankreich. Es war schon im Hochmittelalter eine der reichsten, fruchtbarsten und am meisten Ertrag einbringende Provinz gewesen.9 Das Herzogtum wahrte lange Zeit seine Unabhängigkeit gegenüber den westfränkischen Königen und stand damit in unklar definierten lehensrechtlichen Beziehungen zur französischen Krone. Die Oberherrschaft der kapetingischen Monarchie wurde zwar anerkannt, doch vermieden die Herzöge von Aquitanien jegliche Unterwerfung.10 Die Aquitanier, ein äußerst lebensfreudiges und feierlustiges, aber genauso streitsüchtiges und gottloses Volk, betrachteten sich zwar als Bündnispartner des französischen Königs, doch stets als gleichberechtigt und auf Augenhöhe stehend.11 Aquitanien war somit viel reicher und größer als die Ile-de-France, welche eher einem kümmerlichen Landbesitz gegenüber dem Herzogtum glich, und die Herzöge von Aquitanien, welche gleichzeitig noch Grafen von Poitou und Herzöge der Gascogne waren,12 besaßen dadurch deutlich mehr Land als ihr eigenen Lehensherr und konnten somit selbst frei regieren. Sie gehörten zu damaliger Zeit zu den mächtigsten Männern Frankreichs.13

Unsere Hauptperson Eleonore wurde um 1120, Geburtsort blieb unbekannt, als Tochter des damals herrschenden Herzogs Wilhelm X in dieses reiche Lehen hineingeboren.14 Das Mittelalter, auch als „porträtloses Jahrhundert“ von Historikern bezeichnet, lieferte dementsprechend wenig Informationen über Eleonores Kindheit.15 Wovon man allerdings ausgehen kann ist, dass sie in der südlichen Kultur Frankreichs aufwuchs, welche sich durch eine weltlichere Ausprägung, einem größeren Regionalbewusstsein und generell einem von der Kirche und dem lateinisch geprägten Leben unabhängigeren Stil von der nördlichen Kultur, beispielsweise Englands, deutlich unterschied.16 Eleonores älterer Bruder Wilhelm verstarb schon früh im Kindesalter, da ihr Onkel Raimund das Herzogtum verlassen hatte und als Fürst über den Kreuzfahrerstaat Antiochien regierte, wurde sie schon von Kind an in dem Bewusstsein und mit der Bildung als Erbin über die weitgespannten Besitzungen ihres Hauses erzogen.17 Die Lehensfähigkeit der Frau bestand bereits ab dem elften Jahrhundert,18 wobei im mittelalterlichen Zeitgeschehen die sozialen Stellungen verschiedener Gesellschaftsgruppen, auch die der Frauen, stark nach Region und eben Zeit variierten, und diese dadurch auch oft selbstständiger herrschaftliche Funktionen genießen durften, da sie mehr Möglichkeit zur Machtausübung besaßen.19 Somit war es damals nicht selten der Fall, dass Herrschaften auch über die weibliche Erbfolge in andere Geschlechter übergehen konnte, was in Eleonores späterem Leben noch von großer Bedeutung war. Sie wuchs demnach zu einer der begehrtesten Erbtöchter ihrer Zeit heran20 und kam zudem noch in den Genuss der Troubadourlyrik ihres Grossvaters Wilhelm IX und entwickelte bereits in frühen Lebensjahren ihre Leidenschaft zu Musik, Dichtung, Gesang und Geschichtsschreibung, aber auch für die Liebe zu Luxus wie Kleider, Schmuck und exotischen Möbeln.21 Eleonore musste sich in ihrem politischen und sozialen Umfeld stets in dem Bewusstsein eine reiche und stolze Erbin zu sein, vollkommen vertraut und wohlgefühlt haben. Auch verkörperte sie ihre Heimat Aquitanien und Poitou stets in ihrer Person.22 Überraschend verstarb 1137 Eleonores Vater Herzog Wilhelm X von Aquitanien auf einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela. Er konnte vor seinem Tod jedoch noch verfügen, dass seine damals erst vierzehnjährige und noch unmündige Tochter Eleonore mit dem französischen Thronerben Ludwig VII vermählt werden sollte. Eleonores politische Karriere begann also nicht als Herzogin von Aquitanien, sondern sie musste sich der wichtigen Entscheidung zum Erhalt und Schutz des Herzogtums dem letzten Willen ihres Vaters beugen und wurde weder nach ihrer Meinung noch nach Wünschen gefragt.23 Interessant dabei wird zu beobachten sein ob und wie es Eleonore gelingen wird, auch in ihren folgenden Lebensabschnitten, ganz nach dem Vorbild ihres Vaters erzogen, ihr ererbtes und mit Regierungsbefugnissen ausgestattetes Lehen konsequent an erster Stelle zu halten und ihre politische Macht geltend zu machen und zu erhalten, auch gegen Bestimmungen von kirchlichen und weltlichen Gesetzgebern.24

3. Frankreich

3.1 Heirat und Politik am französischen Hof

Eleonores zukünftiger Gatte, der damals erst fünfzehnjährige französische Thronfolger Ludwig VII, hatte eigentlich eine Karriere als Geistlicher eingeschlagen. Doch als sein älterer Bruder Philipp überraschend bei einem Reitunfall ums Leben kam, stand ihm die Thronfolge erbrechtlich zu.25 Durch eine schnell abgewickelte Vermählung mit der Herzogstochter konnten die Territorialherrschaften Frankreichs wieder sicher an den französischen Thron gebunden werden. Politisch und ökonomisch gesehen war Eleonore also eine gute Partie für Ludwig, welche ihm den Zugang zu wirtschaftlich blühenden Gebieten, wie dem Handelszentrum Poitiers oder die Hafenstädte Bordeaux und La Rochelle sicherte.26 Durch die Adelshochzeit gingen demnach auch einige Herrschaftsbefugnisse auf den Ehepartner über. Obwohl es bereits im Frühmittelalter Fälle gegeben hatte, in denen Frauen die Regentschaft mitbestimmt hatten, traten die repräsentativen Aufgaben einer Königin und die Rolle als Mutter mit der Zeit wieder in den Vordergrund. In Frankreich wurde der politische Einfluss zum großen Teil von dem dort ansässigen Klerus bestimmt und so wurde eine aktive weibliche Herrscherin als „unhörig“ empfunden.27 Eleonore dürfte sich durch den großen kulturellen und sprachlichen Unterschied am französischen Hof nicht besonders wohlgefühlt haben und wurde bestimmt durch ihr freizügiges und respektloses Verhalten oft genug gerügt. So wandte sie ihr Interesse hauptsächlich dem höfischen Leben zu und wurde von dem sie innig liebenden Gatten mit Festen und Kostbarkeiten überschüttet.28

[...]


1 Vones-Liebenstein, Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen, Zürich 2000 (Persönlichkeit und Geschichte 160-161) S.7.

2 Pöll, Bernhard: Eleonore von Aquitanien, in: Herrscher, Helden, Heilige, hg. von Ulrich Müller und Werner Wunderlich, St. Gallen 1996 (Mittellalter-Mythen 1) S. 232.

3 Gottschalk, Maren: Fünf Herrscherinnen und ihre Lebensgeschichte, Weinheim u.a. 2008, S.9.

4 Laube, Daniela: Zehn Kapitel zur Geschichte der Eleonore von Aquitanien, Bern 1984, S.101.

5 Gottschalk: Fünf Herrscherinnen. S.9.

6 Pernoud, Régine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien, Düsseldorf u.a. 1966, S.7.

7 Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien. S.112.

8 Markale, Jean: Eleonore von Aquitanien: Königin von Frankreich und England. Leben und Wirkung einer ungewöhnlichen Frau im Hochmittealter, Tübingen 1980, S.141f.

9 Vones Liebenstein: Eleonore von Aquitanien. S.12.

10 Berg, Dieter: Richard Löwenherz, Darmstadt 2007, S.23.

11 Laube: Zehn Kapitel. S.150.

12 Pernoud: Königin der Troubadoure. S.11f.

13 Gottschalk: Fünf Herrscherinnen. S.12. ¹⁴ Laube: Zehn Kapitel. S.25.

14 Ebd. S.3.

15 Ebd. S.150-157.

17 Gottschalk: Fünf Herrscherinnen. S.13.

18 Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München 51994, S.86.

19 Laube: Zehn Kapitel. S.149.

20 Vones-Liebenstein: Eleonore von Aquitanien. S.11.

21 Laube: Zehn Kapitel. S.150-156.

22 Gottschalk: Fünf Herrscherinnen. S.123.

23 Pernoud: Königin der Troubadoure. S.13.

24 Ketsch, Peter: Frauen im Mittelalter: Quellen und Materialien hg. von Annette Kuhn, Düsseldorf 1984 (Geschichtsdidaktik/Studien, Materialien: Frauenbild und Frauenrechte in Kirche und Gesellschaft²) S.129.

25 Frauen des Mittelalters in Lebensbildern, hg. von Karl Schnith, Graz u.a. 1997, S.218.

26 Uitz, Erika: Eleonore von Aquitanien. „Königin mit den zwei Kronen“, in: Herrscherinnen und Nonnen, Berlin 1990, S.220.

27 Ketsch: Frauen im Mittelalter. S.362-365.

28 Pernoud: Königin der Troubadoure. S.31.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Eleonore von Aquitanien. Höhen und Tiefen ihrer politischen Macht
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V265370
ISBN (eBook)
9783656551881
ISBN (Buch)
9783656551959
Dateigröße
767 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eleonore, aquitanien, höhen, tiefen, macht
Arbeit zitieren
Mandy Morelli (Autor), 2010, Eleonore von Aquitanien. Höhen und Tiefen ihrer politischen Macht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265370

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