Im Zentrum der vorliegenden Arbeit sollen unter Berücksichtigung externer Faktoren die sprachgeschichtlichen Entwicklungen des urbanen französischen Dialekts von Paris stehen. Im Genaueren wollen wir uns dem Zeitraum vom 12. bis 20. Jahrhundert widmen, den Lodge in drei historische Phasen gliedert, die er als pre-industrielle, proto-industrielle und industrielle Phasen der Stadt bezeichnet (Lodge 2004), sowie parallel dazu als drei sprachgeschichtliche Phasen der Koinésation, Reallocation und dialektaler Nivellierung (Lodge 1998). Diese drei sprachgeschichtlichen Phasen bilden das im Titel angekündigte Drei-Phasen-Modell, welches anhand von Entwicklungen großer Industriestädte des 19. und 20. Jahrhunderts aufgestellt wurde, und nach Lodge auf besagten ganzen Zeitraum auf Paris angewendet werden kann. Es wird sich herausstellen, dass ganz allgemein die interne Sprachgeschichte sehr viel häufiger untersucht wird als die externe, und dass darüber hinaus
eher diaphasische Untersuchungen in Bezug auf das in Paris gesprochene Französisch angestellt werden. Lodge hingegen widmet sich ganz der externen Sprachgeschichte auf diastratischer und diatopischer Ebene, wodurch seine Untersuchungen eine willkommene und wichtige Abwechslung darstellen. In unserer Arbeit müssen wir uns auf Grund der quantitativen Beschränkung mit einem bloßen Überblick der Ergebnisse von Lodges Analyse zufrieden geben, doch wollen wir diesen Abriss so prägnant wie möglich gestalten. Zu diesem Zweck werden wir unsere Abhandlung in vier Kapitel unterteilen, welche sich in der Reihenfolge an den Titel der Arbeit halten: „Externe Sprachgeschichte: Das Drei-Phasen-Modell nach Lodge“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Traditionelle Definition von interner und externer Sprachgeschichte nach Saussure
1.2. Kritik und neue Definitionen nach Blumenthal
1.4. Externe Faktoren der romanistischen Sprachgeschichtsschreibung
2. Das Drei Phasen-Modell nach Lodge
2.1. Einleitung
2.2. Die Methodik des Drei-Phasen-Modells: Ein Überblick
2.2.1. Koinéisation
2.2.2. Réallocation de variantes dialectales
2.2.3. Nivellement dialectal
3. Das Drei-Phasen-Modell anhand des Beispiels Paris
3.1. Einleitung
3.1.1 Warum Paris?
3.1.2. Betrachtungsweisen des Pariser Dialekts
3.2. Die erste Phase: Koinéisation
3.2.1. Historisch-geographische Hintergründe
3.2.2. Koinéisation in Paris
3.2.2.1. Merkmale des HDPs im Parisischen
3.2.2.2. Merkmale außerhalb des HDP-Gebiets
3.2.3. Die Pariser Gesellschaft des 12.-14. Jahrunderts
3.3. Die zweite Phase: Réallocation de variantes dialectales (1350-1750)
3.3.1. Historisch-soziale Hintergründe
3.3.2. Kodifizierung
3.3.2.1. Morphologische Merkmale
3.3.2.2. Phonologische Merkmale
3.3.2.3. Konklusion
3.4. Die dritte Phase: Nivellement dialectal (1750-1950)
3.4.1. Historisch-soziale Hintergründe
3.4.2. Standardisierung
3.4.3. Nivellierung
3.4.3.1. Phonologische Vereinfachung
3.4.3.2. Morphologische Vereinfachung
3.4.4. Konklusion
4. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachgeschichtliche Entwicklung des urbanen französischen Dialekts von Paris zwischen dem 12. und 20. Jahrhundert unter Anwendung des Drei-Phasen-Modells nach Anthony Lodge. Ziel ist es, die soziolinguistischen Prozesse der Koinéisation, der Reallokation von Dialektvarianten sowie der dialektalen Nivellierung im Kontext der städtischen Entwicklung von Paris nachzuzeichnen.
- Analyse externer sprachgeschichtlicher Faktoren in Paris.
- Anwendung des Drei-Phasen-Modells auf Paris als Industriestadt.
- Untersuchung der morphologischen und phonologischen Varietäten des Pariser Dialekts.
- Bewertung der Auswirkungen von Standardisierungsprozessen auf das Vernakuläre.
- Einordnung der Pariser Sprachentwicklung im Vergleich zu weiteren europäischen Hauptstädten.
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1. Merkmale des HDPs im Parisischen
Es ist nicht überraschend, dass die administrativen Pariser Dokumente unter anderem alle vier zentralen phonologischen Charakteristika des HDP aufweisen, denn „the dialect oft he city, while based on the speech of its hinterland, was modified in significant ways by contact with other dialects“ (Lodge 2004, 102). Diese vier Charakteristika, welche dem Pariser und dem Hinterland von Paris zu eigen waren, sind folgende (vgl. Lodge 2004, 58ff.; 86f.)
1. Palatalisierung von [ka]: Wortinitiales [ka] wird palatalisiert zu [ʃa], wie in charge, oder zu [ʃje] wie in chief. Wortinitiales [ka] wird zur Affrikata [dʒ], wortinitiales [ke] und [ki] wird zu [tse].
2. Unterscheidung von [ow] und [ew]: Im 12. Jahrhundert wurde [o] in betonten offenen Silben diphtongisiert: [ow]. Im Westen wurde es weiter zu [u], im Osten zu [ew] und schließlich zu [œ]. In den Pariser Dokumenten findet sich für das 12. Jahrhundert die Schreibweise „eu“, im 13. Jahrhundert findet man sporadisch [ow], normalerweise vor [r], doch im 14. Jahrhundert wiederum kaum mehr.
3. Epenthetisches [d]: wenn silbenfinales [n] und silbeninitiales [r] aufeinandertreffen, wird stets ein epenthetisches [d] eingefügt: tendra, vendra. Dasselbe gilt für den Zusammenstoß von [l] und [r].
4. Anhebung des unbetonten [a]: In unbetonter Position wird [a] zu [e] gehoben, was die nördlichen galloromanischen Dialekte von denen des Südens trennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Unterscheidung von interner und externer Sprachgeschichte ein und begründet die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2. Das Drei Phasen-Modell nach Lodge: Das Kapitel erläutert theoretisch das von Anthony Lodge entwickelte Modell, welches städtische Dialektentwicklungen in drei zyklische Phasen unterteilt.
3. Das Drei-Phasen-Modell anhand des Beispiels Paris: Dies ist das Hauptkapitel, in dem die drei Phasen (Koinéisation, Reallokation und Nivellierung) konkret auf die historische Sprachentwicklung von Paris angewendet werden.
4. Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und weist auf die Grenzen der Untersuchung sowie auf weiterführende Forschungsfelder hin.
Schlüsselwörter
Drei-Phasen-Modell, Anthony Lodge, externe Sprachgeschichte, Paris, Koinéisation, Reallokation, Nivellierung, urbaner Dialekt, soziolinguistische Entwicklung, Standardsprache, Vernakularsprache, Sprachwandel, Dialektkontakt, französische Sprachgeschichte, Industriegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der externen Sprachgeschichte des urbanen Dialekts von Paris vom 12. bis zum 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Pariser Dialekts in Abhängigkeit von sozialen, politischen und demographischen Faktoren sowie der Einfluss der Standardsprache.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die systematische Anwendung des von Anthony Lodge entwickelten Drei-Phasen-Modells auf die Entwicklung des Pariser Französisch.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen deskriptiv-analytischen Ansatz, der auf der Auswertung soziolinguistischer Daten aus der Literatur und historischen Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Phasen des Modells – Koinéisation, Reallokation und Nivellierung – anhand von historisch-sozialen Hintergründen und linguistischen Daten im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind das Drei-Phasen-Modell, Koinéisation, Nivellierung, externes Sprachgeschichte und die soziolinguistische Entwicklung von Paris.
Welche Rolle spielt die "Koinéisation" im Kontext von Paris?
Die Koinéisation beschreibt den Prozess, in dem durch Zuwanderung und Sprachkontakt zwischen verschiedenen Dialekten im wachsenden Paris ein neuer, urbaner Dialekt entstand.
Was besagt die Theorie zur "Réallocation de variantes dialectales"?
Hierbei werden nach der Koinéisation verbleibende Sprachvarianten sozial und stilistisch redefiniert, was zur Herausbildung klassenbasierter Unterschiede in der Sprache führt.
Warum wird im Kontext der Nivellierung oft von Standardisierung gesprochen?
Nivellierung wird oft durch den vertikalen Druck der Standardsprache ausgelöst, welche durch Bildungseinrichtungen und Institutionen die ursprünglichen dialektalen Merkmale reduziert.
Inwiefern beeinflusste die Industrialisierung die Sprache in Paris?
Die Industrialisierung veränderte die soziale Struktur der Stadt massiv, förderte die Alphabetisierung und trug durch den Druck zur Standardisierung zur Nivellierung der lokalen Dialekte bei.
- Quote paper
- MMag. Lisa Pfurtscheller (Author), 2012, Externe Sprachgeschichte: Das Drei-Phasen-Modell nach Anthony Lodge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265423