Im Rahmen einer sprachwissenschaftlichen Analyse soll das Werk „Les Caves du Vatican“, von André Gide 1922 verfasst, als Ausgangspunkt für Untersuchungen im Bereich der Textlinguistik dienen. Da die Textlinguistik ein breites Gebiet darstellt, ist es notwendig, sich auf gewisse Bereiche zu beschränken. Für diese Arbeit wurden die Textsemantik und die Stilistik als Untersuchungsgegenstände gewählt. Die Arbeit besteht somit zwar aus zwei Teilen, der Leser wird allerdings schon bald feststellen, dass man vor allem die Stilistik im Grunde nicht separat von anderen linguistischen Bereichen analysieren kann, da der Stil des Autors alle Ebenen der Textlinguistik durchdringt. Der Teil der Stilistik ist somit dem Versuch gewidmet, den Stil André Gides im Speziellen zu untersuchen.
Zuvor jedoch ist es unumgänglich, sich mit der Dramaturgie und dem Autor André Gide selbst auseinanderzusetzen, um eine ausgiebige Einführung in den behandelten Stoff zu bieten. Auch in den beiden Teilen der Analyse folgen spezifischere Einführungen, bevor anhand mehrerer Punkte ein allgemeines Verständnis für die Textsemantik und Textstilistik im Hinblick auf den Roman geschaffen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Le livre
1.1. Quelques faits
1.2. La Dramaturgie
1.3. L’auteur André Gide
2. Textsemantische Analyse
2.1. Einleitung
2.2. Textkohäsion
2.2.1. Anaphorik
2.2.2. Pronominalisierung
2.2.3. Rekurrenz
2.2.4. Synonyme
2.2.5. Kataphorik
2.2.6. Thema-Rhema-Beziehungen
2.3. Semantische Felder
2.5. Lokalreferenz
3. Stilistische Analyse
3.1. Fiktion und Realität
3.1.1. Bezug zur Außenwelt
3.1.2. Direktes Auftreten des Erzählers
3.2. Pronomina
3.2.1. Die Verwendung vo Cela – Ca
3.2.2. Besitzanzeigende Fürwörter
3.3. Aufzählungen
3.4. Einsatz von Fremdsprachen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Les Caves du Vatican“ von André Gide unter linguistischen Gesichtspunkten, wobei der Fokus gezielt auf der Textsemantik und der Stilistik liegt. Ziel ist es, die spezifischen sprachlichen Mittel des Autors aufzuzeigen, die zur Strukturierung und ästhetischen Gestaltung des Werkes beitragen.
- Analyse der Textkohäsion und ihrer Mittel (Anaphern, Pronomina, Rekurrenz).
- Untersuchung der Thema-Rhema-Strukturen innerhalb transphrastischer Einheiten.
- Deixis und Lokalreferenz in der literarischen fiktiven Welt.
- Das Zusammenspiel von Fiktion und Realität durch das Eingreifen des Erzählers.
- Stilistische Besonderheiten wie Aufzählungen und der Einsatz von Fremdsprachen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1. Orte
Orte aus der realen Welt werden von Gide übernommen, wie die Städte Paris und Rom, Neapel, Mailand, Marseille, Bukarest oder Pau. Dabei ist die Präzision der Ortsangaben erstaunlich, so lesen wir zum Beispiel auf Seite 144: „Ils prirent la via Viminale; puis la via Agostino Depretis qui joint le Viminale au Pincio; puis, par la via Nazionale ils gagnèrent le Corso, qu’ils traversèrent; à partir de quoi ils progressèrent à travers un labyrinthe de ruelles sans nom.“ Auch heute ist diese Beschreibung noch treffend, denn die Straßennamen sind keineswegs erfunden, wie folgende Grafik zeigt (Google Kartendaten & European Technologies, 2010a):
Zusammenfassung der Kapitel
1. Le livre: Einführung in die Entstehungsgeschichte des Romans „Les Caves du Vatican“, seine dramaturgische Struktur und das Profil des Autors André Gide.
2. Textsemantische Analyse: Untersuchung textlinguistischer Phänomene wie Kohäsion, Anaphorik, Pronominalisierung, thematische Progression und Lokalreferenzen im Roman.
3. Stilistische Analyse: Analyse der individuellen Stilmittel Gides, insbesondere die Vermischung von Fiktion und Realität, der Gebrauch von Aufzählungen und die Integration verschiedener Fremdsprachen.
Schlüsselwörter
André Gide, Les Caves du Vatican, Textlinguistik, Textsemantik, Stilistik, Textkohäsion, Anaphorik, Thema-Rhema-Beziehung, Lokalreferenz, Fiktion und Realität, Deixis, Fremdsprachengebrauch, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Roman „Les Caves du Vatican“ von André Gide unter einer textlinguistischen und stilistischen Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Analyse konzentriert sich auf die semantischen Strukturen, die Textkohäsion, die Verwendung von Pronomina, Raumreferenzen sowie stilistische Eigenheiten wie Aufzählungen und den Gebrauch von Fremdsprachen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie André Gide durch spezifische sprachliche Gestaltungsmittel seinen eigenen, unverkennbaren Stil erschafft und dabei die Grenze zwischen Fiktion und Realität gezielt verwischt.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es werden textsemantische Analysemethoden (z.B. Thema-Rhema-Modelle) sowie stilistische Ansätze zur Untersuchung individueller Sprachgestaltung genutzt.
Was sind die wichtigsten Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine textsemantische Analyse der Kohäsionsmittel und eine stilistische Untersuchung, die das Eingreifen des Erzählers und die Verwendung von Realbezügen (Orte, Namen) beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textkohäsion, Anaphorik, Kataphorik, Thema-Rhema-Kette, Deixis und die Ambivalenz von Fiktion und Realität.
Warum spielt die Lokalreferenz eine so große Rolle bei Gide?
Die Arbeit zeigt, dass Gide durch eine fast übertriebene Häufung von deiktischen Ausdrücken und präzisen realen Ortsangaben eine hohe Authentizität vortäuscht, um den Leser stärker in die fiktive Welt einzubinden.
Wie erklärt die Autorin den Einsatz von Fremdsprachen?
Sie interpretiert den unübersetzten Einsatz von Italienisch, Englisch oder Latein entweder als Anforderung an ein gebildetes Lesepublikum oder als Versuch des Autors, seine eigene Gelehrsamkeit zu demonstrieren.
- Arbeit zitieren
- MMag. Lisa Pfurtscheller (Autor:in), 2011, Les Caves du Vatican, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265425