Im Jahre 135 vor Chr. lässt König Attalos III. verkünden, dem eher unbedeutenden Zeus Sabazios einen Platz im Heiligtum der Athene Nikephoros einzurichten und die Priesterschaft des renommierten Athenaeus, in dessen Obhut Sabazios bereits stand, in die Stadtgesetze übergehen zu lassen. Wie lässt sich dieses Handeln Attalos' III. erklären?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Vorbetrachtungen
1. Sabazios - „ancestral divinity“
2. Sabazios, ein Parallelgott des Dionysos'?
3. Ein Familiengott
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Handeln des Königs Attalos III. im Jahr 135 v. Chr., der die Etablierung des Kults für Zeus Sabazios im Heiligtum der Athene Nikephoros anordnete. Ziel der Untersuchung ist es, die spezifischen Voraussetzungen und Intentionen dieses königlichen Erlasses zu ergründen und dabei insbesondere das komplexe Verhältnis zwischen kultureller Praxis und machtpolitischer Einflussnahme zu beleuchten.
- Analyse der historischen Rolle des Sabazios-Kults in Pergamon
- Untersuchung der Verknüpfung von Königsfamilie und Priesterämtern
- Bedeutung von Genealogien und Mythen für die königliche Selbstdarstellung
- Rolle der weiblichen Familienmitglieder bei der Kultgestaltung
- Politische Funktion von Kultstiftungen und euergetischen Beziehungen
Auszug aus dem Buch
1. Sabazios - „ancestral divinity“
Es ist bekannt, dass die Attaliden versuchten, ihre Herkunft zu verbergen. Der Telephosmythos wurde wahrscheinlich durch Eumenes I. und Attalos I. vorangetrieben (Kosmetatou 2005: 167). Die Dynastie gilt als Sonderfall unter den hellenistischen Reichen, einerseits da sie aus ursprünglicher Abhängigkeit von den Seleukiden enstanden ist (Müller 2009:77) und andererseits da die Herkunft Philetairos' zweifelhafter Natur (Gruen 2000: 17). Für die Behauptung Pergamons war seine Selbstdarstellung bedeutend (Schalles 2011: 118), die ihr wohl berühmtestes Beispiel im Altar von Pergamon hat. Um die fragwürdige Herkunft Philetairos' zu verbergen, versuchten Herrscher selbst ihre Herkunft über Verwandtschaftsbeziehungen und konstruierte Genealogien aufzuwerten.
Zu diesem Zweck wurde unter Eumenes II. Telephos, Sohn des Herakles und der arkadischen Priesterin Auge, als mythischer Stadtgründer konstruiert. Die Attaliden waren somit über Telephos mit dem Helden (Müller 79-80, Michels 2011: 137) verwandt. Die Attaliden mieden hierbei die alte Version, wonach Telephos in Mysien (Sitz ders attalidischen Königtums) geboren wurde und bevorzugten die Version, in der Telephos' Wurzeln im arkadischen Tegea zu finden sind. Nachgewiesen ist eine Isopolotie also gegenseitige Verleihung der Bürgerrechte zwischen Pergamon und Tegea, d.h. hinter dieser Herkunftskonstruktion standen womöglich politische Motive.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den historischen Kontext des Erlasses von Attalos III. im Jahr 135 v. Chr. dar und formuliert die leitende Forschungsfrage zur Motivation hinter der Etablierung des Sabazios-Kults.
Vorbetrachtungen: Dieses Kapitel verortet die Praxis der Kultstiftung im Hellenismus und analysiert die Funktion von Heiligtümern in Pergamon, insbesondere im Hinblick auf die Prestigeorientierung der Herrscher.
1. Sabazios - „ancestral divinity“: Hier wird die Bedeutung von Abstammungsmythen für die attalidische Selbstdarstellung beleuchtet und die strategische Einbindung von Sabazios als göttliche Herkunftskomponente analysiert.
2. Sabazios, ein Parallelgott des Dionysos'?: Das Kapitel untersucht die religiöse Einordnung des Sabazios und sein komplexes Spannungs- und Assoziationsverhältnis zum dionysischen Kult in Pergamon.
3. Ein Familiengott: Dieser Abschnitt analysiert die Rolle der Familie bei der Priesterwahl sowie die gezielte Hervorhebung weiblicher Mitglieder, wie der Königin Stratonice, zur Stärkung der dynastischen Legitimation.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Etablierung des Kults sowohl machtpolitische Interessen als auch persönliche Motive widerspiegelt und somit soziale Kontinuität und familiäre Werte innerhalb der Elite vermittelt.
Schlüsselwörter
Pergamon, Attalos III., Zeus Sabazios, Hellenismus, Herrscherkult, Athenaeus, Genealogie, Dynastie, Stratonice, Dionysos Kathegemon, Euergetismus, Selbstdarstellung, Kultstiftung, Antike, Familienwerte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines historischen Briefes des Königs Attalos III. aus dem Jahr 135 v. Chr., der die offizielle Etablierung des Sabazios-Kults in Pergamon regelte.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die hellenistische Herrschaftsrepräsentation, die dynastische Genealogie, religiöse Kultpraktiken und die Verschränkung von Politik, Familie und Priesteramt.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, die Beweggründe des Herrschers für die Einführung eines neuen Kults zu hinterfragen und zu klären, inwieweit diese Entscheidung strategische Machtpolitik oder persönliche dynastische Idealisierung widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, die primäre Briefzeugnisse in den Kontext der archäologischen und epigraphischen Forschung stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Mythenkonstruktionen (Telephos), das Verhältnis von Sabazios zu Dionysos und die Rolle der familiären Stabilität für die Herrschaftslegitimation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselbegriffen zählen Herrscherkult, Dynastie, kulturelle Diplomatie, euergetische Beziehungen und die spezifische Identität der Attaliden-Könige.
Warum spielt die Person des Priesters Athenaeus eine so zentrale Rolle?
Athenaeus ist ein Schlüsselbeispiel für die Verquickung von Königsfamilie und Priesteramt, da seine Ernennung über die verschiedenen Briefe hinweg als Instrument zur Sicherung der dynastischen Interessen genutzt wurde.
Welchen Einfluss hatte Königin Stratonice auf die Etablierung des Kults?
Als Mutter des Königs wird sie im Text stark hervorgehoben; ihr wird eine besondere Frömmigkeit zugeschrieben, die als Begründung diente, den Sabazios-Kult als familiäre Tradition in Pergamon zu legitimieren.
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- B.A. Nadja Glanze (Author), 2012, Ein neuer Kult für Pergamon? Der Brief Attalos' III. an Pergamon, 135 vor Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265522