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Die Kongokonferenz 1884-85. Kolonialismus mit humanitärem Antlitz?

Titel: Die Kongokonferenz 1884-85. Kolonialismus mit humanitärem Antlitz?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 24 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: B.A. Nadja Glanze (Autor:in)

Weltgeschichte - Moderne Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Kongokonferenz, die vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Bismarck in Berlin stattfand, traf sich unter dem Zeichen der Zivilisation und des Fortschritts in Afrika.
Wie ist diese humanitäre Motivation zu verstehen? Heute scheint es offensichtlich zu sein, dass andere Interessen im Vordergrund standen. Doch war die Konferenz einzig ein Forum, um die kolonialen Bestrebungen Europas in Afrika mit humanitären Argumentationen zu legitimieren?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Humanitäre Mission kolonialer Bestrebungen

1.1. Europas Selbstbildnis und die Wahrnehmung Afrikas

1.2. Das europäische Konzept von Souveränität

2. Zielsetzungen der Kongokonferenz

2.1. Okkupation oder Protektorat?

2.2. Handelsfragen

2.3. Sklavereiverbot

2.4. Likörimport

2.5. Der „Freistaat Kongo“

3. Anspruch und Wirklichkeit der Kongokonferenz – Ein Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die humanitären Argumentationen während der Kongokonferenz von 1884-85 tatsächlich auf die Verbesserung der Lebensbedingungen in Afrika abzielten oder ob sie primär dazu dienten, wirtschaftliche und imperiale Interessen der europäischen Großmächte zu legitimieren.

  • Die Rolle humanitärer Rhetorik in der europäischen Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts.
  • Die theoretische Verknüpfung von Zivilisationsbegriff, Souveränität und kolonialer Okkupation.
  • Die Analyse spezifischer Konferenzthemen wie Sklavenhandel, Handelsfreiheit und Likörimport.
  • Die Diskrepanz zwischen den proklamierten Zielen der Kongo-Akte und der grausamen Realität im „Freistaat Kongo“.
  • Der langfristige Einfluss der Konferenz auf das internationale Recht und das koloniale Selbstverständnis.

Auszug aus dem Buch

1.2. Das europäische Konzept von Souveränität

Das europäische Völkerrecht war gewissermaßen eine „geschlossene Rechtsordnung“ (Kämmerer 2006: 400), ein europäisches Produkt, das sich mit der zunehmenden Expansion Europas von der sogenannten nicht-zivilisierten Welt abgrenzte. Unterscheidungsmerkmale waren Staatlichkeit und Souveränität als genuin europäische Ideen; andersgeartete Gemeinwesen waren als nicht zivilisierte Staaten vom europäischen Völkerrecht ausgeschlossen (Koskenniemi 2004: 127, Kämmerer 2006: 400). Sie waren nicht als Völkerrechtssubjekte und gleichberechtigte Verhandlungspartner anerkannt (ebd.: 403). Der Diskurs um Ausgrenzung (Koskenniemi 2004: 127) spiegelt sich auch in den Vorstellungen renommierter Völkerrechtler der Zeit wider. So wollte Gustave Rolin-Jaequemyn das von ihm mitinitiierte Institut de droit international als „organ, [...], of the legal conscience of the civilized world.“ (ebd.: 1867, zitiert nach Abrahams 1957: 371) verstanden wissen.

Parallel zu diesem Exklusionsdiskurs, der mit Hilfe von kulturellen Unterschieden erklärte, warum europäisches Recht nicht auf andere Völker ausgedehnt werden konnte, gab es einen Inklusionsdiskurs, der genau jene Unterschiede durch einen universellen Humanitarismus beseitigen sollte und zwar mit Hilfe europäischer Institutionen (Koskenniemi 2004: 130). Das hieß also: Auch wenn das Völkerrecht nicht auf nicht-zivilisierte Staaten anwendbar war, so bestand trotzdem die internationale Gültigkeit des Humanitarismus (ebd.: 129). Die Kluft zwischen der europäischen und der nichteuropäischen Welt konnte also nur überbrückt werden, indem das europäische Völkerrecht durch positives Recht auf die nichteuropäischen Gebiete übertragen wurde (Anghie 2005: 54).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Der Abschnitt verortet die Kongokonferenz im Kontext des 19. Jahrhunderts und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Ernsthaftigkeit der humanitären Zielsetzungen versus imperialer Interessen.

1. Humanitäre Mission kolonialer Bestrebungen: Es werden die ideologischen Grundlagen des europäischen Selbstbildnisses und der Ausschluss afrikanischer Gesellschaften aus dem zeitgenössischen Völkerrecht analysiert.

2. Zielsetzungen der Kongokonferenz: Dieses Kapitel untersucht konkrete Politikfelder wie Okkupation, Handelsregeln, Sklavenhandel und Alkoholkonsum sowie das spezifische Beispiel des „Freistaats Kongo“ auf ihre praktische Umsetzung.

3. Anspruch und Wirklichkeit der Kongokonferenz – Ein Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Gesamteinschätzung, die das enttäuschende praktische Ergebnis der humanitären Ziele dem weitreichenden mentalitätsgeschichtlichen Wandel gegenüberstellt.

Schlüsselwörter

Kongokonferenz, Kolonialismus, Humanitarismus, Völkerrecht, Terra nullius, Souveränität, Sklavenhandel, Zivilisation, Protektorat, Freistaat Kongo, Imperialismus, Kongo-Akte, Handelsfreiheit, Europäische Expansion, Mandatssystem

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen der humanitären Rhetorik, die während der Berliner Kongokonferenz 1884-85 verwendet wurde, und den realen, primär wirtschaftlich und imperialistisch motivierten Handlungen der europäischen Mächte in Afrika.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören der europäische Zivilisationsdiskurs, die völkerrechtliche Ausgrenzung afrikanischer Staaten, Handelsfragen, das Sklavereiverbot sowie die Auswirkungen der Konferenz auf den sogenannten „Freistaat Kongo“.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die humanitären Ziele der Konferenz ernsthaft verfolgt wurden oder ob sie lediglich dazu dienten, koloniale Bestrebungen Europas moralisch zu legitimieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine diskursanalytische und rechtsgeschichtliche Herangehensweise gewählt, bei der zeitgenössische Quellen, Protokolle der Konferenz und völkerrechtliche Debatten der Epoche ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen europäischen Handelns, die Unschärfe von Begriffen wie „Okkupation“ und „Protektorat“ sowie die Implementierung (oder das Scheitern) von Verboten in Bereichen wie Sklavenhandel und Likörimport detailliert diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kolonialismus, Humanitarismus, Kongokonferenz, Völkerrecht, Terra nullius und der Freistaat Kongo.

Welche Rolle spielte der Begriff „Terra nullius“ auf der Konferenz?

Der Begriff diente dazu, Afrika als herrenloses Gebiet zu definieren, was es den Europäern ermöglichte, rechtlich bindende Entscheidungen über den Kontinent zu treffen, ohne die indigene Bevölkerung als Verhandlungspartner einzubeziehen.

Warum wird der „Freistaat Kongo“ als Beispiel für das Scheitern der Konferenz angeführt?

Der Freistaat Kongo unter König Leopold II. wird als Paradebeispiel für den Widerspruch angeführt, da trotz proklamierter humanitärer Ziele ein beispielloses Ausbeutungssystem etabliert wurde, das den Bestimmungen der Kongo-Akte in krassem Gegensatz gegenüberstand.

Welchen Einfluss hatte die Kongokonferenz auf das spätere Völkerrecht?

Obwohl die Konferenz in ihren humanitären Zielen oft scheiterte, etablierte sie eine internationale öffentliche Meinung und Leitlinien, die später als Grundlage für das Mandatssystem des Völkerbundes nach dem Ersten Weltkrieg dienten.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Kongokonferenz 1884-85. Kolonialismus mit humanitärem Antlitz?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Geschichte des Völkerrechts im 19. Jahrhundert
Note
1,3
Autor
B.A. Nadja Glanze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V265523
ISBN (eBook)
9783656552260
ISBN (Buch)
9783656552321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kongokonferenz kolonialismus antlitz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Nadja Glanze (Autor:in), 2012, Die Kongokonferenz 1884-85. Kolonialismus mit humanitärem Antlitz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265523
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Leseprobe aus  24  Seiten
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