An den 394 Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland studieren, lehren, forschen und arbeiten aktuell insgesamt 2 514 675 Menschen (1 996 062 Studierende und 518 613 Beschäftigte). Damit sind Hochschulen hinsichtlich ihres Verbrauchs an Ressourcen und ihren Umweltauswirkungen mit großen Wirtschaftsunternehmen vergleichbar. Den Hochschulen steht dabei mit den normierten Umweltmanagementsystemen ein effektives Instrument zur Verfügung, um umweltrelevante Tätigkeiten zu identifizieren und die eigene Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1 Umweltmanagement an deutschen Hochschulen: Eine Bestandsaufnahme
2 Systematisches Umweltmanagement zur Verbesserung der Umweltleistung an Hochschulen
2.1 Was ist Umweltmanagement?
2.2 Umweltmanagementsysteme
2.2.1 ISO 14001
2.2.2 EMAS
2.2.3 Nutzen und Hemmnisse eines Umweltmanagementsystems an Hochschulen
2.3 Aspekte von Besonderheiten eines hochschulischen Umweltmanagements
2.3.1 Implementationsbarriere heterarchische Hochschulorganisation
2.3.2 Einbeziehung von Studierenden in das Umweltmanagement
3 Umweltmanagement als Grundlage auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule
4 Einblick in die Praxis: Umweltmanagement an der Universität Bremen
4.1 Der Weg zum normierten Umweltmanagement
4.2 Kommunikation im Umweltmanagement
5 Systematisches Umweltmanagement zur Erfüllung des Vorbildanspruches von Hochschulen in der Gesellschaft
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Herausforderungen der Implementierung systematischer Umweltmanagementsysteme, insbesondere nach EMAS, an deutschen Hochschulen und analysiert, inwiefern diese Systeme zur nachhaltigen Entwicklung der Hochschulorganisation beitragen.
- Nutzenpotenziale von Umweltmanagementsystemen im Hochschulkontext
- Besonderheiten der heterarchischen Hochschulstruktur als Implementationsbarriere
- Die Rolle der Studierenden als aktive Akteure im Umweltmanagement
- Praxisbeispiel: Der Einführungsprozess an der Universität Bremen
- Der Vorbildanspruch von Hochschulen für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Implementationsbarriere heterarchische Hochschulorganisation
Bei der Schaffung von Umweltmanagementnormen wie EMAS stand ursprünglich die Verwendung durch gewerbliche Unternehmen im Vordergrund. Bei der genauen Festlegung der Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem orientierten sich die Verfasser daher an Management- und Entscheidungsstrukturen der gewerblichen Wirtschaft.
Mit der Erweiterung des Teilnehmerkreises auf Hochschulen im Jahr 1998 stellt sich nun die Frage, inwiefern ein Steuerungs- und Managementkonzept aus der Wirtschaft an Hochschulen mit ihren besonderen Organisationsformen anwendbar ist.
Im Gegensatz zu Unternehmen, die hierarchisch organisiert sind, weisen Hochschulen eine heterarchische Organisationsstruktur auf. Für die Einführung eines Umweltmanagementsystems bedeutet dies, dass eine Implementierung an Hochschulen auf Grundlage des Top-Down-Prinzips nur bedingt möglich ist und daher andere, aufwändigere Vorgehensweisen als in Unternehmen herangezogen werden müssen.
Die drei Statusgruppen einer Hochschule, die vereinfachend in Verwaltung, wissenschaftliches Personal und Studierende eingeteilt werden können, besitzen unterschiedliche Einzelziele, agieren unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen und haben untereinander kaum Weisungsbefugnisse. Deshalb muss von den Verantwortlichen bei der Einführung des Umweltmanagementsystems ein Schwerpunkt auf gezielte Informations- und Kommunikationsmaßnahmen gelegt werden, um auf die unterschiedliche Motivation und Einstellung der Statusgruppen hinsichtlich der Bereitschaft zur Mitarbeit am Umweltmanagement einzugehen sowie zu gewährleisten, dass alle Statusgruppen adäquat ihre Interessen bei der Formulierung der Umweltpolitik einbringen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Umweltmanagement an deutschen Hochschulen: Eine Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle Situation an deutschen Hochschulen und verdeutlicht die Relevanz des Umweltschutzes angesichts des hohen Ressourcenverbrauchs.
2 Systematisches Umweltmanagement zur Verbesserung der Umweltleistung an Hochschulen: Es werden grundlegende Konzepte wie ISO 14001 und EMAS vorgestellt, deren Nutzen für Hochschulen diskutiert und die speziellen Herausforderungen der Hochschulorganisation thematisiert.
3 Umweltmanagement als Grundlage auf dem Weg zur nachhaltigen Hochschule: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Agenda 21 und der Transformation von Hochschulen hin zu einem Leitbild der Nachhaltigkeit erläutert.
4 Einblick in die Praxis: Umweltmanagement an der Universität Bremen: Dieses Kapitel präsentiert die Universität Bremen als Fallbeispiel, wobei insbesondere die „Leuchtturmstrategie“ und die Bedeutung der Kommunikation beleuchtet werden.
5 Systematisches Umweltmanagement zur Erfüllung des Vorbildanspruches von Hochschulen in der Gesellschaft: Der abschließende Teil begründet die ethische und gesellschaftliche Verpflichtung von Hochschulen, Umweltmanagement als Vorbild für die Gesellschaft zu implementieren.
Schlüsselwörter
Umweltmanagement, Hochschulen, EMAS, ISO 14001, Nachhaltigkeit, Umweltmanagementsysteme, Hochschulorganisation, Umweltleistung, Leuchtturmstrategie, Universität Bremen, Umweltkommunikation, Studierendenpartizipation, Agenda 21, Vorbildfunktion, Umweltschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum und wie deutsche Hochschulen systematische Umweltmanagementsysteme, insbesondere nach der europäischen EMAS-Norm, implementieren können, um ihre Umweltleistung zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Nutzenpotenziale für Hochschulen, die organisatorischen Besonderheiten der Hochschullandschaft und die Rolle der verschiedenen Statusgruppen beim Aufbau eines Umweltmanagements.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für die geringe Verbreitung normierter Umweltmanagementsysteme an deutschen Hochschulen zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Hochschulen ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion durch diese Systeme gerecht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer Fallstudienbetrachtung der Universität Bremen, um Theorie und Praxis des Umweltmanagements in Hochschulen zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Definition von Umweltmanagement, vergleicht ISO 14001 und EMAS, untersucht die spezifischen Implementationsbarrieren heterarchischer Hochschulstrukturen und diskutiert die Einbindung von Studierenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Umweltmanagement, EMAS, nachhaltige Hochschule, Organisationsstruktur und gesellschaftliche Vorbildfunktion geprägt.
Warum ist die Hochschulstruktur ein Hemmnis für Umweltmanagement?
Da Hochschulen heterarchisch strukturiert sind und die drei Statusgruppen (Verwaltung, Wissenschaftler, Studierende) kaum Weisungsbefugnisse untereinander haben, greifen klassische Top-Down-Managementmethoden aus der Privatwirtschaft hier nur bedingt.
Wie wurde das Umweltmanagement an der Universität Bremen eingeführt?
Die Universität Bremen nutzte eine „Leuchtturmstrategie“, bei der das Konzept zunächst in ausgewählten Fachbereichen erprobt und nach erfolgreicher Evaluation sukzessive auf die gesamte Hochschule ausgeweitet wurde.
- Quote paper
- Frank Mangold (Author), 2009, Umweltmanagement an Hochschulen. Pflicht oder Kür?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265530