Die jüngere zeitgeschichtliche Forschung hat einige quellenreiche Arbeiten zur
Freikorpsbewegung, der geheimen Aufrüstung in der Weimarer Republik wie auch
den paramilitärischen Kampfbünden und Vorfeldorganisationen in ihrer Gesamtheit
hervorgebracht. Ausgewählte Werke aus diesem Fundus müssen zu einer genaueren
Betrachtung der O. C. und der nicht klar von ihr zu trennenden anderweitigen
Organisationen ehemaliger Angehöriger der Brigade Ehrhardt herangezogen werden;
nicht zuletzt aufgrund ihrer Auswertung der verschiedenen Prozessakten gegen Mitglieder der O. C., deren Verfahren seinerzeit größtenteils unter Ausschluss der
Öffentlichkeit stattfanden, um die teils enormen Verflechtungen offizieller
Regierungs- und Reichswehrstellen in die Aktivitäten der illegalen Geheimbünde zu
vertuschen.
Unter Zuhilfenahme des gegenwärtigen Forschungsstandes, wie auch unter Berücksichtigung der Selbstzeugnisse ehemaliger „Ehrhardtianer“ – mit der gebotenen Distanz –, soll in der vorliegenden Arbeit die legendenumwobene O. C. auf ihren eigentlichen Charakter hin untersucht werden. Dabei wird die durch Salomons kurzen Satz „Die OC war nichts weiter als ein Teil der im Neuaufbau begriffenen »Abwehr«“12 aufgeworfene Frage, inwieweit es sich bei ihr tatsächlich um eine Art vorläufigen militärischen Nachrichtendienst gehandelt habe, besondere Berücksichtigung erfahren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die »Organisation Consul« als paramilitärischer Verband
3. Abwehrsurrogate in den Wehrverbänden
3.1. Gegenspionage und Kleinkrieg
3.2. Die »Schwarze Reichswehr«
4. Fazit – Eine »Schwarze Abwehr«?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den tatsächlichen Charakter der „Organisation Consul“ (O.C.) unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes und der kritischen Analyse von Selbstzeugnissen ehemaliger Mitglieder, um die Frage zu beantworten, ob es sich bei dieser Gruppierung primär um eine Art geheimdienstliches Instrument oder eine paramilitärische Untergrundarmee gehandelt hat.
- Entstehung und Struktur der Organisation Consul aus der Brigade Ehrhardt.
- Die Rolle paramilitärischer Verbände und deren Beteiligung an politischen Morden.
- Die Verflechtung der O.C. mit der sogenannten „Schwarzen Reichswehr“.
- Die kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Mythen über eine „Zentralmordorganisation“.
- Die Einordnung der Organisation in den Kontext des gewaltsamen Umsturzversuchs der Weimarer Republik.
Auszug aus dem Buch
Die »Organisation Consul« als paramilitärischer Verband
Grundsätzlich und auf den ersten Blick handelte es sich bei der O. C. um einen verdeckten Zusammenschluss ehemaliger Angehöriger der Marinebrigade Ehrhardt (ursprünglich: 2. Marinebrigade Wilhelmshaven), die aufgrund ihrer maßgeblichen Teilnahme am Kapp-Lüttwitz-Putsch – nämlich der handstreichartigen Besetzung Berlins – nach dessen Scheitern aufgelöst werden sollte. Zuvor noch durch die Eingliederung eines Kurländischen Infanterieregiments auf eine Mannstärke von 5000 vergrößert und mit dem ursprünglich von den Putschisten versprochenen, dann jedoch von der rechtmäßigen Reichsregierung ausgezahlten (!) Sonderzuschlag für ihre Teilnahme an den Putschbestrebungen ausgestattet, wurde die Einheit ins Munsterlager verlegt und dort innerhalb von knappen sechs Monaten demobilisiert. Ehrhardt selbst, aufgrund seiner führenden Rolle bei Vorbereitung und Durchführung des Putsches per Haftbefehl gesucht, floh bereits im April 1920 nach München, wo ihn der dortige Polizeipräsident Pöhner mit neuen Papieren ausstattete und vor der Strafverfolgung abschirmte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte der Organisation Consul im Umfeld der Brigade Ehrhardt und stellt die forschungsleitende Frage nach dem wahren Charakter dieser Untergrundorganisation.
2. Die »Organisation Consul« als paramilitärischer Verband: Dieses Kapitel beschreibt die organisatorische Genese der O.C. nach dem Kapp-Lüttwitz-Putsch sowie ihre konspirativen Strukturen unter dem Deckmantel verschiedener Firmen.
3. Abwehrsurrogate in den Wehrverbänden: Der Hauptteil analysiert die Rolle der O.C. und der „Schwarzen Reichswehr“ bei geheimdienstähnlichen Operationen, wie Gegenspionage, Kleinkrieg und der gezielten Bekämpfung politischer Gegner.
4. Fazit – Eine »Schwarze Abwehr«?: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und distanziert sich von der These einer zentral gelenkten Mordorganisation, indem sie die O.C. als konspirative Reserveorganisation zur Zerstörung der Weimarer Republik einordnet.
Schlüsselwörter
Organisation Consul, Brigade Ehrhardt, Weimarer Republik, Paramilitarismus, Schwarze Reichswehr, Kapp-Lüttwitz-Putsch, Geheimbünde, Gegenspionage, politischer Mord, Konterrevolution, Untergrundarmee, O.C., Wehrverbände, Zeitgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle und Struktur der Organisation Consul als eine der einflussreichsten rechtsgerichteten paramilitärischen Organisationen während der frühen Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören der Übergang von Freikorps zu verdeckten Untergrundorganisationen, die Rolle des politischen Terrors sowie die Verbindung zwischen privaten paramilitärischen Verbänden und staatlichen Stellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Mythos der „Organisation Consul“ als reinem Nachrichtendienst oder „Mordzentrale“ kritisch zu hinterfragen und den Fokus auf ihre Funktion als konspirative Reserve für einen gewaltsamen Umsturz zu legen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine detaillierte Auswertung des aktuellen Forschungsstandes sowie eine kritische Prüfung historischer Primärquellen und Selbstzeugnisse ehemaliger Akteure.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der organisatorischen Struktur der O.C., ihrem Einsatz von Kleinkriegsmethoden und ihrer engen Verzahnung mit der „Schwarzen Reichswehr“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Organisation Consul, Brigade Ehrhardt, Weimarer Republik, Paramilitarismus und Konterrevolution.
Wie unterscheidet der Autor zwischen der Organisation Consul und der „Schwarzen Reichswehr“?
Der Autor zeigt auf, wie beide Gruppen personell und strategisch ineinandergriffen, wobei die O.C. als ideologisches Sammelbecken und die Schwarze Reichswehr als militärische Reserve fungierte.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der „Provokationstheorie“?
Der Autor lehnt die populäre Provokationstheorie ab, der zufolge die O.C. gezielt radikale Linke zur Revolution motivieren wollte, um einen Staatsstreich zu rechtfertigen.
- Quote paper
- B.A. Nils Wegner (Author), 2013, »Schwarze Abwehr«?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265612