Friedrich Nietzsche erkannte einst: „Es ist nicht genug, eine Sache zu beweisen, man muss die Menschen zu ihr auch noch verführen.“ Es liegt wohl in der Natur des Gesundheitsförderers, ja des Menschen überhaupt, dass er seine Erfahrungen und Erkenntnisse überzeugend darzustellen vermag. Jahrelange empirische Forschungsarbeit und theoretische Fundierung nützen dem praktischen Gesundheitskontext wenig, wenn die Menschen davon nicht überzeugt werden können. Ohne jeden Zweifel muss die Dissemination geplant, systematisiert, fundiert und schließlich evaluiert werden, aber sie muss auch persuasiv konzipiert sein.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 PERSUASIVE KOMMUNIKATION – EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG
3 DAS KONSTRUKT EINSTELLUNG
3.1 Komponenten und Funktionen
3.2 Einstellung und Verhalten – Die Theorie des geplantenVerhaltens
4 KOMMUNIKATIONSMODELLE UND PERSUASION
5 THEORIEN DER PERSUASIVEN KOMMUNIKATION
5.1 Communication-Persuasion Matrix (CPM)
5.2 Das Elaboration-Likelihood Modell (ELM)
6 PRINZIPIEN DER PERSUASIVEN KOMMUNIKATION
6.1 Prinzipien – Einige Kritikpunkte
6.2 Prinzipien der Persuasion im Gesundheitskontext
6.2.1 Ranking der Prinzipien
7 ZUM SCHLUSS: EINE KRITISCHE REFLEXION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung persuasiver Kommunikationsprinzipien in der Gesundheitsförderung, um evidenzbasiertes Wissen wirkungsvoll zu vermitteln und dauerhafte Einstellungs- sowie Verhaltensänderungen bei Zielpersonen zu initiieren, ohne dabei in unethische Manipulation zu verfallen.
- Grundlagen der persuasiven Kommunikation und Begriffsdefinition
- Psychologische Konstrukte der Einstellung und deren Beeinflussung
- Kommunikationswissenschaftliche Modelle und Persuasionstheorien
- Anwendung der Persuasionsprinzipien nach Cialdini im Gesundheitskontext
- Kritische Reflexion über die ethischen Grenzen der Beeinflussung
Auszug aus dem Buch
6.2 Prinzipien der Persuasion im Gesundheitskontext
Tabelle 2 bietet zunächst einen kompakten Überblick über die sechs Prinzipien einer effektiven Persuasion und deren Bedeutung in der gesundheitsbezogenen Kommunikation. Ein Beispiel, das alle sechs Prinzipien vereinigen würde, könnte wie folgt aussehen: eine freundliche und attraktive Gesundheitswissenschaftlerin mit ausgezeichneter Reputation verweist in ihrem Vortrag auf ein seit Jahren etabliertes und von der Landesregierung gefördertes Interventionsprogramm zur Reduzierung von psychosozialem Stressempfinden durch körperliche Aktivität. Sie verweist auf die limitierte Anzahl der Plätze und die Chance den lange angesprochenen aktiven Lebensstil in die Tat umzusetzen.
Exemplarisch soll nun das Prinzip Commitment und Konsistenz näher erläutert, und mit Beispielen aus der Gesundheitsförderung veranschaulicht werden. Unter diesem Prinzip versteht Cialdini (2010, S. 92): „Es ist ganz einfach unser geradezu zwanghaftes Bestreben, konsistent (oder konsequent) zu sein oder zu erscheinen, d.h. in Übereinstimmung mit unserem früheren Verhalten zu handeln. Sobald wir eine Entscheidung treffen oder eine Position vertreten, entstehen intrapsychische und interpersonelle Kräfte, die uns dazu drängen, uns konsistent mit dieser Festlegung zu verhalten. Diese Kräfte veranlassen uns zu Reaktionen, die unsere frühere Entscheidung rechtfertigen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung thematisiert die Notwendigkeit persuasiver Kompetenz für Gesundheitsförderer in einer von Informationsflut und gesundheitlichen Trends geprägten Gesellschaft.
2 PERSUASIVE KOMMUNIKATION – EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG: Es wird eine für die Arbeit operative Definition von persuasiver Kommunikation erarbeitet, die als gezielte Beeinflussung von Einstellungen verstanden wird.
3 DAS KONSTRUKT EINSTELLUNG: Dieses Kapitel erläutert die Komponenten von Einstellungen und analysiert deren Zusammenhang mit dem Verhalten mittels der Theorie des geplanten Verhaltens.
4 KOMMUNIKATIONSMODELLE UND PERSUASION: Hier werden grundlegende Modelle wie das Sender-Empfänger-Modell und das Zwei-Aspekte-Modell präsentiert, um die Einordnung persuasiver Kommunikation zu ermöglichen.
5 THEORIEN DER PERSUASIVEN KOMMUNIKATION: Das Kapitel stellt zentrale theoretische Ansätze vor, insbesondere die Communication-Persuasion Matrix (CPM) und das Elaboration-Likelihood Modell (ELM) zur Informationsverarbeitung.
6 PRINZIPIEN DER PERSUASIVEN KOMMUNIKATION: Es erfolgt eine wissenschaftliche Prüfung und Einordnung der Prinzipien nach Cialdini in den Gesundheitskontext, inklusive einer kritischen Bewertung und eines Rankings.
7 ZUM SCHLUSS: EINE KRITISCHE REFLEXION: Das letzte Kapitel reflektiert kritisch über den Manipulationsvorwurf gegenüber persuasiver Kommunikation und grenzt diese vom wissenschaftlich fundierten Vorgehen in der Gesundheitsförderung ab.
Schlüsselwörter
Persuasive Kommunikation, Gesundheitsförderung, Einstellung, Verhaltensänderung, Persuasionsprinzipien, Cialdini, Elaboration-Likelihood Modell, Commitment, Konsistenz, Kommunikationstheorien, Gesundheitsverhalten, Sozialpsychologie, Manipulation, Motivationspsychologie, Gesundheitsmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und der praktischen Anwendung persuasiver Kommunikation im Bereich der Gesundheitsförderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Überzeugungsarbeit, Einstellungspsychologie, Kommunikationstheorien und die spezifischen Einflussprinzipien nach Cialdini.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Gesundheitsförderer durch persuasive Kompetenz ihr evidenzbasiertes Wissen erfolgreich vermitteln können, ohne dabei die ethische Grenze zur Manipulation zu überschreiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der theoretischen Einordnung sozialpsychologischer Modelle und Prinzipien in den praktischen Kontext der Gesundheitsförderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Konstrukt Einstellung, diverse Kommunikationsmodelle, Persuasionstheorien wie das ELM sowie die konkrete Anwendung und Wirksamkeit der sechs Persuasionsprinzipien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Persuasive Kommunikation, Gesundheitsförderung, Theorie des geplanten Verhaltens, Commitment und das Elaboration-Likelihood Modell.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Ratgebern zur Überzeugung?
Im Gegensatz zu populärwissenschaftlichen Ratgebern fundiert diese Arbeit ihre Argumentation auf der sozialpsychologischen Forschung und verknüpft diese systematisch mit gesundheitswissenschaftlichen Modellen.
Warum spielt das Prinzip Commitment und Konsistenz eine so große Rolle?
Laut der Arbeit ist dieses Prinzip besonders mächtig, da es als einziges dazu in der Lage ist, eine tiefgreifende kognitive Verarbeitung auf der zentralen Route auszulösen und somit eine nachhaltige Verhaltensänderung zu fördern.
Ist persuasive Kommunikation in der Gesundheitsförderung manipulativ?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Persuasion an sich neutral ist und der manipulative Charakter von der Intention und der Perspektive des Kommunikators abhängt, nicht vom verwendeten Instrumentarium selbst.
- Arbeit zitieren
- Master of Arts Sascha Schmid (Autor:in), 2011, Persuasive Kommunikation in der Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265613