Eine Alliteration ist ein sprachliches Stilmittel bei dem Wörter mit gleichen Anfangslauten aneinander gereiht werden. Dieses Stilmittel wird verwendet, um den Zusammenhang aufeinanderfolgender Begriffe stilistisch zu betonen und die Aufzählung einprägsamer zu machen. Für den politischen Betrieb in westlichen Gesellschaften scheint es eine solche Alliteration geschafft zu haben, den Status einer kausalen Argumentation zu erreichen und damit zur zentralen Leitlinie des öffentlichen und privaten Lebens zu werden. Das Motto lautet »Wirtschaft, Wachstum, Wohlstand«. Diese Kausalkette dient vielen Entscheidungsträgern als die beste Antwort auf Probleme, sowohl wirtschaftlichen, sozialen und auch ökologischen Ursprungs. Die Argumentation erscheint zunächst so simpel wie genial. Wenn von allem mehr produziert wird, dann kann auch mehr an alle verteilt werden. Wächst die Wirtschaft, dient dies im Allgemeinen dem Fortschritt und es wird innovativen Technologien, die auch die Umwelt im Blick haben, der Weg bereitet. Selbst wenn die Verteilung nicht immer gerecht verläuft, so fallen doch auch für die Benachteiligten zumindest immer größere Brocken ab. „Es gibt bei allen sich neu einpendelnden oder durchgehaltenen Ungleichheiten ein kollektives Mehr an Einkommen, Bildung, Mobilität, Recht, Wissenschaft, Massenkonsum“ (Beck, 1986, S. 122).
Das (Wirtschafts-)Wachstum ist dabei die zentrale Bedingung, gewissermaßen der Dreh- und Angelpunkt an dem die gesamte Argumentation aufgehängt ist. In den westlichen Ländern hat es den meisten Menschen über Jahrzehnte einen steten Zuwachs an materiellem und finanziellem Wohlstand beschert. Der Kapitalismus als wachstumsorientierte Wirtschaftsordnung hat sich in dieser Zeit als scheinbar durchsetzungsfähigstes System gegenüber anderen Systemen – konkret dem Kommunismus – erwiesen. Allerdings basiert dieses Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell auf der Ausbeutung des Planeten sowie eines großen Teils der Menschen bzw. der „Marginalisierten“ durch einen kleinen Teil der Weltbevölkerung. Im Zuge der Globalisierung verschwinden jedoch zunehmend die natürlichen wie menschlichen »Ressourcen«, die – dem Wachstum geschuldet – zusätzlich zu den bisherigen ausgebeutet werden können. Daher wird heute immer weniger der Raum, sondern vielmehr die Zeit ausgebeutet bzw. werden die zukünftigen Generationen ihrer Lebensgrundlagen schon heute beraubt. Die derzeitige Art des Wirtschaftens zerstört die Grundlage ihres Erfolgs.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. DAS OBJEKT KAPITALISMUS UND DAS MITTEL GELD
1. DAS OBJEKT: KAPITALISMUS
1.1 DIE HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES (OKZIDENTALEN) KAPITALISMUS
1.1.1 Frühkapitalismus / Industrielle Revolution (1780 – 1870)
1.1.2 Industrialisierung und Organisation des Kapitalismus (1870 – 1900)
1.1.3 Hochkapitalismus (1870 – 1945)
1.1.4 Globalisierter Kapitalismus (1945 – 1974)
1.1.5 Neoliberaler Kapitalismus (ab 1974)
1.2 ÜBERBLICK ÜBER DIE KAPITALISMUSTHEORIE
1.2.1 Beiträge zur Ökonomik: Die „unsichtbare Hand“, Mehrwert und Ausbeutung
1.2.2 Entstehung des okzidentalen Kapitalismus: Der kapitalistische Geist und der Protestantismus
1.2.3 Moderne Ansätze: „Schöpferische Zerstörung“ und Wiederbelebung des freien Marktes
1.3 ZWISCHENFAZIT – ZUSAMMENFASSUNG UND ERWEITERUNG
1.3.1 Kapitalistische Kernelemente
1.3.2 Neoliberalismus in der Kritik
2. DAS MITTEL: GELD
2.1 ÖKONOMISCHE LEHRBUCH-DEFINITION DES GELDES
2.2 GELD IN DER ANALYSE NACH MARX
2.2.1 Preis und Wert einer Ware
2.2.2 Wann wird Geld zu Kapital?
2.2.3 Mehrwert und menschliche Arbeit
2.3 SOZIOLOGISCHE BETRACHTUNG DES GELDES – DIE NEUERE GELDTHEORIE
2.3.1 Warum wird gegen Geld getauscht?
2.3.2 Wie entstehen (Geld-)Werte?
2.3.3 Vertrauen und Unsicherheiten beim Handel mit Geld
2.3.4 Geld und die Parallelen zur Religion
2.3.5 Legitimation des Geldes
2.4 ZWISCHENFAZIT - KAPITALISMUS NUR MIT GELD?
III. DAS SUBJEKT IM KAPITALISMUS
3. KAPITALISMUS – EINE GESELLSCHAFTLICHE KONSTRUKTION?!
3.1 ENTSTEHUNG UND LEGITIMATION DER SOZIALEN ORDNUNG „KAPITALISMUS“
3.1.1 Institutionalisierung des Kapitalismus als Wirklichkeitsbestimmung
3.1.2 Legitimationsprozesse und ihre Entsprechung im Kapitalismus
3.1.3 Ökonomisierung am Beispiel des Social Entrepreneurs
3.2 SOZIALE ORDNUNG ALS EIN REZIPROKER PROZESS
3.2.1 Herausforderungen für Legitimationsstrukturen
3.2.2 Machterhalt und der Umgang mit „Irrlehren“
3.2.3 Monopolanspruch der symbolischen Sinnwelt „Kapitalismus“
3.2.4 Merkmale kapitalistischer Sozialisation
3.2.5 „Verwandlung“ in eine neue Sinnwelt – Gibt es eine Abkehr vom Kapitalismus?
3.3 KAPITALISMUS ALS SOZIALE ORDNUNG – ZWISCHENFAZIT
4. WACHSTUMSTRIEB AUF DER SUBJEKTEBENE
4.1 DAS KAPITALISTISCHE SUBJEKT
4.2 INNERE LANDNAHME UND KONSUM(KULTUR)
4.3 KAPITALISTEN OHNE KAPITAL ODER: WIE DAS SUBJEKT DEM WACHSTUM VERFALLEN IST
4.3.1 Grenzen von Wachstum und Wohlstand
4.3.2 Innere Landnahme, Konsumkultur, Kulturindustrie und das Subjekt
4.3.3 Eigenverantwortlichkeit der Biographie – Fremdzwang wird zu Selbstzwang
4.3.4 Was ist das „Mehr“? – Selbstverwirklichung und Ökonomisierung des Lebens
4.3.5 Mittel-Zweck-Umkehrung
4.3.6 Beschleunigung des Lebens
4.3.7 Soziale Bedeutung des Konsums
4.3.8 Zusammenfassung
4.4 ZWISCHENFAZIT: ÖKONOMISIERUNG DES SUBJEKTS IM NEOLIBERALISMUS
IV. SCHLUSSTEIL
5. (AUS-)BLICK ÜBER DEN KAPITALISTISCHEN TELLERRAND
6. REFLEXIVE SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das kapitalistische Wachstumsparadigma zu einer scheinbar alternativlosen Leitlinie westlicher Gesellschaften wurde, und analysiert, inwiefern dieses System sowie der daraus resultierende Wachstumstrieb tief in die Denkweisen und Lebensstile der Individuen eingedrungen sind.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen des Kapitalismus.
- Die Rolle des Geldes als zentrales Tauschmittel und dessen soziale Implikationen.
- Sozialkonstruktivistische Analyse der Etablierung des Wachstumsparadigmas.
- Untersuchung des Wachstumstriebs auf der Mikroebene der Individuen und deren Selbstverwirklichungszwang.
- Kritische Reflexion über Alternativen zum bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsmodell.
Auszug aus dem Buch
1. Das Objekt: Kapitalismus
Dieses erste Kapitel soll einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Kapitalismus sowie über die dabei entscheidenden Fundamente und Triebkräfte geben, die als kapitalistische Kernelemente im weiteren Verlauf als die Definition von Kapitalismus behandelt werden und auf welchen die weitere Untersuchung aufbaut. Fundamente sollen hier notwendige Bedingungen sein, wie zum Beispiel das Recht auf Privateigentum und daraus folgend die Möglichkeit kapitalistischer Akkumulation sowie ein freier Arbeitsmarkt. Triebkräfte hingegen, seien sie beispielsweise ökonomischer oder auch religiöser Natur, spielen – wenn überhaupt – nicht bei allen Kapitalismus-Theoretikern dieselbe Rolle, was unter anderem mit den anfangs genannten unterschiedlichen Rahmenbedingungen ihres Wirkens zusammenhängt. Daher werden die von den Autoren dargelegten verschiedenen Triebkräfte nachfolgend nur soweit in die Betrachtung mit einbezogen, als dass sie für die hier angestrebte Basisdefinition bzw. den zweiten Teil dieser Arbeit relevant sind.
Die Herleitung dieser Basisdefinition soll sich in chronologischer Reihenfolge an den jeweiligen Entwicklungsstufen des Kapitalismus (Abschnitt 1.1) und den wichtigsten Vertretern kapitalistischer Theorienbildung (Abschnitt 1.2) orientieren. Mittels der gewonnenen Erkenntnisse erfolgt in einem Zwischenfazit (Abschnitt 1.3) eine kurze Zusammenfassung sowie eine Bestimmung des Kapitalismusbegriffs. Aufgrund des beschränkten Umfangs und der Schwerpunktsetzung dieser Arbeit wird von einer (zu) komplexen Erklärung Abstand genommen. Für die Bearbeitung und die Thematik sowie das Verständnis der nachfolgenden Kapitel wird die entwickelte Definition jedoch über ein hinreichendes Ausmaß verfügen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit des Wachstumsparadigmas in westlichen Gesellschaften und führt in die zentrale Forschungsfrage ein, wie dieser Wachstumszwang auf institutioneller und individueller Ebene etabliert wurde.
II. DAS OBJEKT KAPITALISMUS UND DAS MITTEL GELD: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung des Kapitalismus, zentrale Kapitalismustheorien und die Rolle des Geldes als strukturbildendes und wachstumsförderndes Element.
III. DAS SUBJEKT IM KAPITALISMUS: Hier wird der Kapitalismus als soziale Konstruktion betrachtet und untersucht, wie der Wachstumsdrang in das Denken und Handeln der Individuen eingedrungen ist, insbesondere durch Konsumkultur und Selbstzwang.
IV. SCHLUSSTEIL: Der Schlussteil reflektiert die Ergebnisse, stellt die Verbindung zwischen wirtschaftlichem System und individuellem Leben dar und diskutiert Ansätze für eine Postwachstumsgesellschaft.
Schlüsselwörter
Kapitalismus, Wachstumsparadigma, Neoliberalismus, Wirtschaftswachstum, Sozialkonstruktivismus, Geldtheorie, Konsumkultur, Identitätsbildung, soziale Ordnung, Kapitalakkumulation, Postwachstumsökonomie, Humankapital, Selbstverwirklichung, Lebenswelt, Ökonomisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das kapitalistische Wachstumsparadigma, oft als „goldenes Kalb“ bezeichnet, zur dominierenden Leitlinie westlicher Gegenwartsgesellschaften wurde und wie es die Strukturen dieser Gesellschaften sowie das Individuum selbst prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst Themen wie die historische Genese des Kapitalismus, die soziologische Rolle des Geldes, die soziale Konstruktion von Wirklichkeit im Kapitalismus sowie die Auswirkungen des Wachstumsstrebens auf die psychische Verfassung des Einzelnen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen dem systemischen Wachstumszwang des (neoliberalen) Kapitalismus und dem subjektiven Streben nach persönlichem Wachstum und Selbstverwirklichung beim Individuum aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine soziologische Perspektive, insbesondere Ansätze des Sozialkonstruktivismus nach Berger und Luckmann, um zu analysieren, wie Institutionen und soziale Realitäten den Menschen in einem kapitalistischen System formen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in zwei Blöcke unterteilt: Der erste Block widmet sich dem „Objekt Kapitalismus“ und der „Geldtheorie“, während der zweite Block das „Subjekt im Kapitalismus“ untersucht, inklusive Themen wie Konsumkultur, Selbstzwang und innerer Landnahme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kapitalismus, Wachstumsparadigma, Neoliberalismus, Sozialkonstruktivismus, Konsumkultur und Ökonomisierung des Lebens.
Inwiefern ist das Geldsystem für das Wachstum verantwortlich?
Die Arbeit argumentiert, dass das Geld als „Schmiermittel“ des Kapitalismus fungiert und durch seine universelle Einsetzbarkeit und die Möglichkeit der unbegrenzten Anhäufung (Akkumulation) den Wachstumsdrang des Systems sowie der Individuen maßgeblich befeuert.
Wie spielt die „Innere Landnahme“ eine Rolle?
Die Innere Landnahme beschreibt die ökonomische Durchdringung nahezu aller Lebensbereiche durch den Kapitalismus, wodurch auch immaterielle Aspekte wie Zeit, Kultur und persönliche Beziehungen dem Kosten-Nutzen-Denken und dem Verwertungszwang unterworfen werden.
- Arbeit zitieren
- M. A. Matthias Hellmich (Autor:in), Hendrik Weinekötter (Autor:in), 2012, Dem Wachstum verfallen?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265652