Anton Reisers kindliche Entwicklung unter Berücksichtigung des elterlichen Einflusses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

12 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Exogene Ursachen für Antons Seelenleiden
2.1.Frühkindlicher Umwelteinfluss
2.2.Der familiäre Beitrag zur Entwicklung in der Kindheit

3. Gestern Melancholie, heute Depression
3.1.Begriffsklärungen
3.2.Bezug zu Anton Reiser
3.3.Tagträumer und Flucht in die Bücher

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

„Unter diesen Umständen wurde Anton geboren, und von ihm kann man mit Wahrheit sagen, daß er von der Wiege an unterdrückt ward“[1]

Unter welchen Umständen musste der Protagonist des psychologischen Romans von Karl Philipp Moritz aufgewachsen sein, um solch eine Aussage zu treffen?

Diese Arbeit wird die kindliche und frühkindliche Entwicklungsphase des Anton Reisers genauer betrachten. Vor allem soll das Augenmerk auf den äußeren Umständen liegen, die das Wesen dieses Menschen prägten. In diesem Zusammenhang wird das Verhältnis zu seiner Umwelt, aber vor allem zu seinen Eltern untersucht. Welchen Einfluss die engsten Familienmitglieder auf ein Kind haben, soll mit den Erkenntnissen des aktuellen psychologischen Forschungsstandes überprüft werden.

Ebenfalls sollen in dieser Arbeit die Begriffe von „Melancholie“ und „Depression“ näher erläutert und definiert werden. Anhand der zugehörigen Symptome soll das Seelenleiden des Protagonisten betrachtet werden.

Dass die Bezeichnung des Tagträumers auf Anton Reiser zutrifft, wird im letzten Gliederungspunkt dieser Arbeit erläutert. Dabei soll geklärt werden, aus welchen Gründen sich ein Kind in die Welt der Bücher und Fantasien flüchtet, um seinen Alltag zu bestreiten.

Exogene Ursachen für Antons Seelenleiden

2.1. Frühkindlicher Umwelteinfluss

Um die Ganzheit des Seelenleidens eines Menschen verstehen zu wollen, muss man zusätzlich zur inneren Befindlichkeit dieser Person die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen genauer analysieren. Diese zwei Ursachen untersucht beispielsweise die Verhaltenstheorie der Anlagen-Umwelt-Kontroverse[2].

Es stellt sich die Frage, durch welche Erziehungseinflüsse und Genanlagen sich eine Verhaltensabweichung, die außerhalb der verlangten Norm des Zeitgeistes liegt, mit Einfluss der Umwelt entwickeln kann. Dazu zählen die Entwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen und die Intelligenz.[3]Erziehungseinflüsse bekommt ein junger Mensch nicht nur durch seine Eltern, sondern auch durch „Erzieher, Lehrer und (der) mitmenschlichen Umwelt“[4].

Da Anton weitestgehend schon seit seiner frühen Kindheit von seiner sozialen Umwelt abgeschnitten war, kann diese womöglich nur einen indirekten Einfluss auf seine Charakterbildung haben. Erst ab seinem 12. Lebensjahr kann man bei ihm von einem tiefgreifenderen, direkten Einfluss der mitmenschlichen Umwelt sprechen. In diesem Alter wurde er von seinen Eltern getrennt und in die Lehre zum Hutmacher L. geschickt.[5]

In dieser Arbeit soll jedoch der elterliche Einfluss auf die Wesensbildung des Anton Reiser näher beleuchtet werden, da diese den größten Erziehungseinfluss haben[6]. „Wie besonders verhaltensauffällige Kinder innerfamiliäre Probleme ausdrücken und deren Opfer werden“[7], belegen aktuelle „Familienpsychologische und systemtherapeutische Befunde“[8].

2.2. Der familiäre Beitrag zur Entwicklung in der Kindheit

In der frühen Kindheit eines Menschen, so eben auch bei Anton Reiser, ist vor allem die Familie der Grundstein zur Persönlichkeitsbildung. Jedoch war genau dieser Teil in seiner prägenden Entwicklungszeit so außerordentlich negativ besetzt, dass er sein ganzes Leben daran leiden musste.

„ In seiner frühesten Jugend hat er nie die Liebkosung zärtlicher Eltern geschmeckt, nie nach einer kleinen Mühe ihr belohnendes Lächeln.“[9]

[...]


[1]Karl Pilipp Moritz: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman, In: Heide Hollmer, Albert Meier (Hg.): Karl Philipp Moritz. Dichtungen und Schriften zur Erfahrungsseelenkunde, Frankfurt am Main, 2006, Seite 91.

[2]Vgl.: Philip Zimbardo (u.a.): Psychologie. Vierte, neubearbeitete Auflage, Bearb. Und hrsg. von Prof. Dr. Wilhelm Angermeier (u.a.), Berlin, Heidelberg, New York und Tokyo, 1983, Seite 119ff..

[3]Vgl. Ebd. Seite 119.

[4]Alexandra Ortner/ Reinhold Ortner: Verhaltens- und Lernschwierigkeiten, Weinheim und Basel, 2000, Seite 28.

[5]Vgl.: Karl Pilipp Moritz: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman, In: Heide Hollmer, Albert Meier (Hg.): Karl Philipp Moritz. Dichtungen und Schriften zur Erfahrungsseelenkunde, Frankfurt am Main, 2006, Seite 125.

[6]Vgl.: Gerhard Leinhofer: Verhalten als Botschaft. Auffälliges Verhalten als Botschaft und Apell, Donauwörth, 1991, Seite 18.

[7]Gerhard Leinhofer: Verhalten als Botschaft. Auffälliges Verhalten als Botschaft und Apell, Donauwörth, 1991, Seite 18.

[8]Alexandra Ortner/ Reinhold Ortner: Verhaltens- und Lernschwierigkeiten, Weinheim und Basel, 2000, Seite 22.

[9]Karl Pilipp Moritz: Anton Reiser. Ein psychologischer Roman, In: Heide Hollmer, Albert Meier (Hg.): Karl Philipp Moritz. Dichtungen und Schriften zur Erfahrungsseelenkunde, Frankfurt am Main, 2006, Seite 91.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Anton Reisers kindliche Entwicklung unter Berücksichtigung des elterlichen Einflusses
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V265654
ISBN (eBook)
9783656553021
ISBN (Buch)
9783656553144
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anton, reisers, entwicklung, berücksichtigung, einflusses
Arbeit zitieren
Katja Stange (Autor), 2012, Anton Reisers kindliche Entwicklung unter Berücksichtigung des elterlichen Einflusses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265654

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