Andreas Gryphius' "Cardenio und Celinde" – ein frühes bürgerliches Trauerspiel?


Essay, 2012

4 Seiten, Note: 1, 7


Leseprobe

Inwieweit kann das Trauerspiel Cardenio und Celinde von Andreas Gryphius als ein frühes bürgerliches Trauerspiel gelten?

In der Forschung wird kontrovers diskutiert, ob Andreas Gryphius‘ Trauerspiel Cardenio und Celinde als ein frühes bürgerliches Trauerspiel interpretiert werden kann oder nicht. In dem folgenden Essay möchte ich kurz darlegen, welche Aspekte die These untermauern, dass Cardenio und Celinde als ein Vorläufer des bürgerlichen gelten kann und in welchen Punkten sich das Drama deutlich von der Gattung des bürgerlichen Trauerspiels abhebt. Um eine exakte Begriffsklärung zu ermöglichen, möchte ich zunächst auf die charakteristischen Merkmale des bürgerlichen Trauerspiels in der Definition von Andrea Heinz verweisen.

Das bürgerliche Trauerspiel ist die „dramatische Gattung des 18. Jh.s, in der Personen und familiäre Konflikte zumeist empfindsam dargestellt werden.“[1] Es handelt sich dabei stets um Prosadramen. Das dramatische Personal entstammt dem Mittelstand (Bürgertum, niederer Adel), da dem Bürger nun die nötige Fallhöhe für die Tragödie zugesprochen wird. Folglich ist die Ständeklausel aufgehoben. „Es handelt sich um gemischte Charaktere, deren Untergang in dieser säkularisierten Gattung aus einem Fehler bzw. Irrtum und nicht aus göttlicher oder schicksalhafter Fügung resultiert. Die Handlung spielt nicht im öffentlich-politischen Raum der Historie, sondern im privaten Kreis der Familie des 18. Jh.s. […],“[2] wobei sich oft breit ausgestaltete und empfindsame Familienszenen finden. Zentral ist die Propagierung der bürgerlichen Tugend- und Moralvorstellungen. In der Forschung wurde jahrzehntelang kontrovers darüber diskutiert, „ob ›bürgerlich‹ als Standesbezeichnung oder als Synonym für ›allgemein menschlich‹ zu übersetzen sei; beide Überzeugungen können jedoch nebeneinander bestehen.“[3]

[...]


[1] Zitiert nach: Andrea Heinz: Bürgerliches Trauerspiel, in: Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hrsg.): Metzler Lexikon. Literatur. Begriffe und Definitionen, Stuttgart, Weimar 20073, S. 109f.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Andreas Gryphius' "Cardenio und Celinde" – ein frühes bürgerliches Trauerspiel?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Barockdrama
Note
1, 7
Autor
Jahr
2012
Seiten
4
Katalognummer
V265824
ISBN (eBook)
9783656554943
ISBN (Buch)
9783656555100
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
andreas, gryphius, trauerspiel, cardenio, celinde
Arbeit zitieren
Verena Caroline Wernet (Autor), 2012, Andreas Gryphius' "Cardenio und Celinde" – ein frühes bürgerliches Trauerspiel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265824

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