Der Rot-Effekt auf Stolz & Scham


Examensarbeit, 2013

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Theoretischer Hintergrund / Theorie der Wirkung der Farbe Rot

Theorie der Wirkung emotionaler Ausdrücke

Forschungsansatz und Hypothesen

Testaufbau, Methoden, Durchführung und Material

Auswertung

Fazit

Literatur

Anhang

Theoretischer Hintergrund:

In der bisherigen Forschung wurde sowohl die Wirkung der Farbe Rot bzgl. der Attraktivität von Männern gegenüber Frauen (Elliot et al., 2010) und die daraus resultierende Bewertung der (sexuellen) Attraktivität eines Mannes, als auch Phänotypen unterschiedlicher, durch Männer dargestellter Emotionszustände wie Freude, Stolz oder Scham in Mimik und Gestik bzgl. ihrer Wirkung auf Frauen untersucht (Tracy & Beall, 2011). Mangelnd, beziehungsweise nicht empirisch belegt ist jedoch die Wechselwirkung, bzw. Korrelation dieser beiden Umstände.

Theorie der Wirkung der Farbe Rot:

Nach Elliot und Maier (2012) bezogen sich zu Beginn der Farbforschung die meisten theoretischen Statements, sowohl indirekt als auch direkt, auf das physiologische Modell nach Goldstein (1942), in welchem er den Effekt physiologischer Reaktionen beim Rezipienten aufgrund bestimmter Farb-einwirkung beschreibt. Mangels einer genaueren Ausführung wurde sein Modell später hauptsächlich bezüglich der Farbenwirkung aufgrund unterschiedlicher Wellenlängen interpretiert: lange Wellenlänge (wie beispielsweise Rot) - erregend, kurze Wellenlänge (wie beispielsweise Blau) - beruhigend. Weitere Statements, wie zum Beispiel Frank und Gilovich (1988) zur achromatischen Farbe Schwarz und ihrer eher negativen Konnotation beschrieben eher generelle Assoziationen von Menschen mit unterschiedlichen Farben und die daraus resultierenden Reaktionen. So auch Soldat, Sinclair und Mark (1997) mit dem Augenmerk auf chromatische Farben, aufgrund dessen sie Rot mit Freude und Glück sowie Förderung unspezifischer Kognitionsprozesse beim Rezipienten in Verbindung brachten (Elliot & Maier, 2012). Grundsätzlich mangelte es aber allen diesen Forschungen und Theorien an belastbarer, signifikanter Empirie. So ergab erst die jüngere Forschung in diesem Bereich klare, empirische Ergebnisse zu der Wirkung der Farbe Rot. Elliot und Maier beschrieben hierbei in ihrer Color-in-Context Theorie, dass Farben nicht nur aufgrund ihres ästhetischen Aspekts und der größtenteils sozialisations-bedingten Assoziationen, sondern auch aufgrund biologisch bedingter, bestimmter transportierter Bedeutungen wirken. So beschreiben sie Farben als einen visuellen Stimulus, welcher unterschiedliche, aber immer spezifische Bedeutungen und Informationen transportieren kann, abhängig von dem jeweiligen Kontext. Verallgemeinert rechnen sie Farben mit positiver Assoziation das Bewirken von Zuneigung sowie Beschäftigung und Verharren in, beziehungsweise mit der gegebenen Situation, Farben negativer Assoziationen Vermeidungsverhalten durch unbewusstes Priming zu. Dieser kontext-spezifische Effekt zeigt sich auch in der Tierwelt: Während männliches Rot im Zusammenhang mit Paarung und Fortpflanzung auf die Weibchen stark anziehend wirkt (größerer roter Kamm eines Hahns wirkt attraktiver als keiner, beziehungsweise ein in Farbe oder Größe schwächerer/ kleinerer ), wirkt es in anderem Kontext als abschreckend und gefährlich (Abschreckung, Gefahr, Giftigkeit bei Spinnen oder Schlangen) (Elliot & Maier, 2012).

Es wird also die Erkenntnis aufgezeigt, dass die transportierte Bedeutung und die bestimmte Wirkung von Farben grundsätzlich vom Kontext der entsprechenden Situation abhängen und abgesehen davon unbewusst und automatisch auf den Rezipienten wirken, entsprechend Bargh (1990): Farbe als unbewusster Prime bezüglich psychologischer Funktionen und Reaktionen (Elliot & Maier, 2012). So besteht die Möglichkeit, dass ein und dieselbe Farbe in unterschiedlichem Kontext gegensätzliche Reaktionen beziehungsweise Emotionen auslösen, wie beispielsweise Vermeiden oder Annäherung (Elliot & Maier, 2012; Meier, D‘Agostino, Paul, Elliot, Maier, & Wilkowski, 2012).

Neben den Rot-Effekten im Leistungskontext (Elliot & Maier, 2012) wurden eindeutige Effekte der Farbe Rot im Zusammenhang mit Attraktivität im heterosexuellen Beziehungskontext gefunden. So wirken nicht nur rote Attribute (Kleidung, Lippenstift, etc.) an Frauen verstärkend auf die wahrgenommene sexuelle Attraktivität gegenüber Männern (Elliot & Niesta, 2008; Guéguen, 2012; Elliot & Pazda, 2012; Pazda, Elliot, Greitemeyer, 2011; Elliot, Tracy, Pazda, Beall, 2012; Roberts, Owen & Havlicek, 2010), sondern auch umgekehrt (Elliot et al. 2010), auch wenn dafür differenziert zu betrachtende Ursachen zugrunde liegen.

Für dieses Experiment primäre Relevanz besitzt eben diese Betrachtung Elliot und Maiers bezüglich des Beziehungskontexts, die empirische Grundlage für diese Forschung bildet hauptsächlich die Arbeit von Elliot, Niesta Kayser, Greitemayer, Lichtenfeld, Gramzow und Maier ("Red, Rank, Romance in Women Viewing Men", 2010) bezüglich der Wirkung von Rot am Mann auf Frauen im heterosexuellen Beziehungskontext. So zeigen sie, dass rote Merkmale an Männern neben einer Beimessung höheren sozialen Status eine signifikante Steigerung der sexuellen Attraktivität, spezifisch gegenüber Frauen auslösen, unabhängig von der Einschätzung anderer allgemein sympathischer oder antipathischer Eigenschaften (Elliot et al., 2010). Abgesehen davon wirkt Rot als eigenständige Determinante weiblicher Vorlieben und Begierden, unabhängig davon, in welchem Format oder an welcher exakten Position Rot vorkommt (Gesicht des Mannes, Kleidung oder Hintergrund des Bildes) (Elliot et al. 2010, Elliot & Maier, 2012).

Zusammenfassend zeigen Elliot und Maier in ihrer Forschung zur Farbwirkung im Beziehungskontext deutlich, dass Männern mittlerer Attraktivität mit roten Merkmalen durch Frauen eine signifikant erhöhte sexuelle Attraktivität sowie höherer sozialer Status beigemessen werden. Unberührt davon bleibt die Einschätzung anderer Eigenschaften, identisch zu der Einschätzung durch andere Versuchspersonen gleichen Geschlechts, welche allerdings zusätzlich keine Effekte bezüglich sexueller Attraktivität zeigten (Elliot & Niesta, 2008; Elliot et al. 2010, Elliot & Maier, 2012).

Theorie der Wirkung emotionaler Ausdrücke:

Bis zu Tracy und Bealls Studie "Happy Guys Finish Last: The Impact of Emotion Expression on Sexual Attraction" gab es kaum empirische Forschung bezüglich eines Attraktivitätsrankings bestimmter emotionaler Ausdrücke wie beispiels-weise Stolz und Scham im heterosexuellen Kontext. So untersuchten sie in ihrer Studie die tatsächlichen Effekte dreier verschiedener, aber interkulturell eindeutig bekannter Emotionsausdrücke (Freude, Stolz und Scham) auf wahrgenommene sexuelle Attraktivität (Tracy & Beall, 2011). Bekannt ist, dass Stolz bedeutungstechnisch unter anderem automatisch die Wahrnehmung eines höheren (sozialen) Status transportiert, unabhängig von kulturellen Unterschieden (Tracy, Weidman, Cheng, Martens, 2013; Tracy & Robins 2007 & 2008; Martens, Tracy & Shariff, 2012; Shariff, Tracy & Markusoff, 2012), entsprechend der Beimessung eines höheren Status von Frauen gegenüber Männern im Rahmen des "Rot-Effekts" (Elliot et al., 2010).

Scham hingegen transportiert neben der Botschaft des niedrigen (sozialen) Status auch das Bewusstsein des Ausdrückenden über vorangegangenes Abweichen von sozialer Norm und - in Konsequenz betrachtet - dessen Bedauern sowie das grundsätzliche Anerkennen dieser Normen (Gilbert, 2007; Keltner, 1995, Young & Buswell, 1997; Tracy & Beall, 2011). Der stark negative Effekt bezüglich niedriger Statusbeimessung könnte also durch den Beschwichtigungseffekt relativiert werden, da die Bedeutung potentieller Unterwürfigkeit durch die Signalisierung von Kooperationswillen und Vertrauenswürdigkeit ein Stück weit egalisiert wird (Fessler, 2007; Gilbert, 2007). Dieser Relativierungseffekt zeigt jedoch eine stärkere Wirkung bei der Beurteilung von Männern durch Frauen als umgekehrt (was eigentlich zu erwarten wäre), da Männer in ihrer eher dominant zugedachten Rolle stärker negativ bezüglich eines Statusdefizits beurteilt werden als Frauen (Tracy & Beall, 2011). Im Zusammenhang mit einer Bewertung von Freude, der Annahme einer klar positiven Botschaft von Stolz gegenüber Frauen und eines potentiell kontroversen Effekts von Scham zeigte die Arbeit Tracy und Bealls eindeutig, dass Männer mit stolzem Ausdruck zwar klar als am attraktivsten bewertet werden, Scham aber immer noch attraktiver als Freude gewertet wird. Während eine positive Wertung von Stolz des Mannes klar dem Forschungsbild entspricht (Shariff et al. 2012; Tracy & Shariff, 2012), zeigt die - im Vergleich zu Freude und neutralem Ausdruck - hohe Bewertung von Scham des männlichen Ausdrückenden tatsächlich den positivierenden Effekt von Glaubwürdigkeit und Anerkennung von Gruppenzugehörigkeit (Tracy & Beall, 2011).

Forschungsansatz und Hypothesen:

Nachdem Elliot und Maier in ihrer Color-in-Context-Theory dargestellt haben, dass Farbwirkung stark vom Kontext beeinflusst ist (Elliot & Maier, 2012), soll diese Forschung nun die Theorie stützen, dass für eben diesen Kontext nicht ausschließlich eindeutige, auf die Farbe Rot bezogene Rahmenbedingungen herrschen müssen, sondern dass der „Rot-Effekt“ viel mehr ein unterbewusster Stimulus ist, der die Wahrnehmung und den Effekt des jeweiligen Kontexts nur verstärkt. In dieser Studie wird also die Hypothese untersucht, ob im heterosexuellen Kontext ein subtiler, roter Prime die wahrgenommene Attraktivität von und den Paarungswillen mit einem potentiellen Partner von Frauen verstärkt, sofern diese Attraktivität aufgrund einer Stolzpose im Kontext bereits vorgegeben ist. Im Umkehrschluss wird davon ausgegangen, dass der „Rot-Effekt“ im Kontext der geringeren Attraktivität - aufgrund einer Schampose - eben diese Attraktivität und den Paarungswillen weiter reduziert. Es wird also angenommen, dass der „Rot-Effekt“ als eine Art Katalysator wirkt und somit Indikatoren hoher beziehungsweise niedriger Paarungswahrscheinlichkeiten entsprechend verstärkt.

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Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Der Rot-Effekt auf Stolz & Scham
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Department of Psychology)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
34
Katalognummer
V265868
ISBN (eBook)
9783656556145
ISBN (Buch)
9783656556176
Dateigröße
2525 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit entstand im Rahmen der Zulassungsarbeit zur wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an Grundschulen in Bayern.
Schlagworte
Psychologie, Rot-Effekt, Schampose, Stolzpose, Attraktivität
Arbeit zitieren
Tobias Stock (Autor:in), 2013, Der Rot-Effekt auf Stolz & Scham, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265868

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