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Irrtumsimmunität. Die Unfehlbarkeit der 'ich'-Referenz in Sydney Shoemakers "Self-reference and self-awareness"

Title: Irrtumsimmunität. Die Unfehlbarkeit der 'ich'-Referenz in Sydney Shoemakers "Self-reference and self-awareness"

Seminar Paper , 2012 , 22 Pages , Grade: 1,75

Autor:in: Patrik Süess (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Vorphilosophisch und intuitiv haben wir alle das Gefühl bzw. glauben zu wissen, dass wir in gewissen Fällen über uns selbst sprechen können, ohne dass jemand anderer die Kapazität hat, uns darin zu widersprechen. Was gewisse Dinge angeht, die uns selbst betreffen, haben wir eine besondere Autorität, die andere nicht haben. Wir denken, dass wir Aussagen über uns machen können, von deren Richtigkeit wir unmittelbar wissen, ohne dass uns dabei Fehler unterlaufen können. Und da wir diese Wahrheiten unmittelbar kennen, heisst das: zu gewissen Einsichten und Wahrheiten, die uns selbst betreffen, haben wir, weil sie uns betreffen, einen privilegierten Zugang. Das heisst: nicht nur können uns andere, die über uns in der 3. Person sprechen, nicht eines Irrtums bezüglich dieser Aussagen überführen; auch wir selbst können uns nie eines Fehlers überführen – da uns Fehler in diesen gewissen Fällen gar nicht unterlaufen können. Gewisse Aussagen, die wir mit der Autorität der ersten Person machen, sind somit immun gegen Irrtum.
Diese Irrtumsimmunität in ‚ich’-Aussagen ist das Schlüsselthema von Sydney Shoemakers Aufsatz ‚Selbstbezug und Selbstbewusstsein’ (engl.: ‚Self-reference and self-awareness‘) aus dem Jahre 1968. Ich werde in dieser Arbeit zu untersuchen versuchen, wie Shoemaker diesen Begriff bzw. dieses Konzept behandelt, und was er zu seiner Verteidigung vorbringt.
Dazu werde ich im ersten Teil herauszufinden versuchen, in welchen Fällen (in allen ‚ich’-Aussagen oder nur in einigen?) laut Shoemaker Immunität gegen Irrtum vorliegt, und worauf sich diese Irrtumsimmunität erstreckt – was also in solchen Sätzen fehlerfrei behauptet werden kann.
Die Interpretation dieser Resultate werde ich im zweiten Teil der Arbeit zu leisten versuchen, wo ich – ausgehend von den Antworten des ersten Teils – untersuchen werde, welche Bedingungen überhaupt erfüllt sein müssen, um zu solchen ‚ich’-Aussagen zu gelangen, von denen laut Shoemaker behauptet werden kann, sie genössen prinzipiell Immunität gegen Irrtum. Dabei werde ich dann auch auf den Status der verwandten Themen des ‚privilegierten Zugangs’ und der ‚Unkorrigierbarkeit’ innerhalb der Theorie Shoemakers eingehen.
Eine persönliche Bemerkung: Shoemakers Text präsentiert sich auf den ersten Blick als leicht verständlich, doch dieser erste Eindruck weicht sehr bald der Einsicht, dass wir es hier mit einer sehr komplexen Abhandlung zu tun haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Irrtumsimmunität bei ‚ich’-Referenz

1.1 Sätze in der ersten Person und Irrtumsimmunität

1.2. Prädikations- vs. Identifikationsirrtümer

1.2.1. Objektgebrauch

1.2.2. Subjektgebrauch

1.3. Identifikationsfreie ‚ich’-Referenz

1.4. Wissen ohne Identifikation

2. Zwischenbilanz

2.1. Fragen, die sich stellen

2.2. Erweiterte Suche

3. Irrtumsimmunität bei Selbstzuschreibung von Prädikaten

3.1. Was sind P*-Prädikate?

3.2. Versuch einer Antwort

3.3. Privilegierter Zugang

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das von Sydney Shoemaker in seinem Aufsatz "Self-reference and self-awareness" (1968) behandelte Konzept der Irrtumsimmunität bei 'ich'-Aussagen. Das primäre Ziel ist es, die Bedingungen zu ergründen, unter denen solche Aussagen vor Irrtümern gefeit sind, und dabei die Zusammenhänge zwischen Subjektgebrauch, identifikationsfreier Referenz und dem privilegierten Zugang zu mentalen Zuständen kritisch zu analysieren.

  • Irrtumsimmunität bei Referenz in der ersten Person
  • Unterscheidung zwischen Objekt- und Subjektgebrauch des Pronomens "ich"
  • Die Rolle von Prädikaten und P*-Prädikaten bei der Selbstzuschreibung
  • Das Verhältnis von epistemischem privilegiertem Zugang und Unkorrigierbarkeit

Auszug aus dem Buch

1.1 Sätze in der ersten Person und Irrtumsimmunität

Wann und in welchen Fällen ist ein Satz, der das Pronomen der 1. Person enthält, immun gegen einen Irrtum? Und wenn es diese Klasse von Aussagen in der ersten Person gibt, die gegen Irrtümer gefeit sind: gegen welche Art von Irrtum sind sie gefeit?

Wir können auf die Antwort, die Shoemaker in seinem Aufsatz darauf gibt, kommen, indem wir uns in einer ersten Übersicht ansehen, in welcher Klasse solcher Sätze diese Irrtumsimmunität in keiner Art und Weise gegeben ist.. Denn es ist schnell klar: Nicht jede Aussage, in der das Wort ‚ich’ (bzw. ‚mein’, ‚mich’, mir’ etc.) vorkommt, ist, nur weil ich sie mache – und so in irgendeiner Form über mich selbst spreche – gegen einen Irrtum immun.

Wenn ich zum Beispiel sage: ‚Ich sehe einen Kanarienvogel’ kann ich mich bezüglich des Objektes ‚Kanarienvogel’ irren (ich sehe eine andere Art Vogel), was die Aussage falsch macht. In diesem Fall scheint etwas mit der Identifikation des Objektes nicht geklappt zu haben.

Wie steht es um Fälle, in denen ich mich selbst identifiziere? Wenn ich zum Beispiel ein Foto sehe, auf dem ich mich in einer Menge von Menschen wiederzuerkennen glaube, und sage: ‚Das bin ich’? Auch in diesem Fall kann ich mich offenbar irren. Der, auf den ich gedeutet habe, sah mir nur ähnlich. Und das heisst: ich habe mich falsch identifiziert. Auch diese Art von Aussage ist nicht immun gegen Irrtümer.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Einführung in das Thema der Irrtumsimmunität von 'ich'-Aussagen und Darlegung des methodischen Vorgehens in zwei Teilen.

1. Irrtumsimmunität bei ‚ich’-Referenz: Untersuchung der Unterscheidung zwischen Objekt- und Subjektgebrauch sowie Analyse von Identifikationsirrtümern.

2. Zwischenbilanz: Kritische Reflexion der bisherigen Argumentation und Suche nach weiteren Kriterien für Irrtumsimmunität jenseits der grammatischen Struktur.

3. Irrtumsimmunität bei Selbstzuschreibung von Prädikaten: Auseinandersetzung mit mentalen Prädikaten (P*-Prädikaten) und der epistemischen Rolle des privilegierten Zugangs.

4. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Irrtumsimmunität untrennbar mit einer erkenntnistheoretischen Theorie über privilegierten Zugang zu geistigen Zuständen verbunden ist.

Schlüsselwörter

Irrtumsimmunität, Sydney Shoemaker, ich-Referenz, Subjektgebrauch, Objektgebrauch, Selbstbewusstsein, P*-Prädikate, privilegierter Zugang, Unkorrigierbarkeit, Fehlidentifikation, Selbstreferenz, Identifikationsirrtum, Prädikationsirrtum, mentale Zustände, Erkenntnistheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Sydney Shoemakers Aufsatz zur Irrtumsimmunität von 'ich'-Aussagen und untersucht, warum wir in bestimmten Fällen über uns selbst sprechen können, ohne dabei Fehler zu begehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Selbstreferenz, die epistemische Autorität der ersten Person, die Unterscheidung zwischen verschiedenen Gebrauchsweisen des Pronomens "ich" sowie die Theorie der mentalen Prädikate.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie Shoemaker das Konzept der Irrtumsimmunität verteidigt und ob sich diese Immunität allein aus sprachlichen Strukturen oder aus tieferliegenden erkenntnistheoretischen Bedingungen ergibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Analyse, die chronologisch der Argumentation von Shoemaker folgt und diese durch den Einbezug ergänzender Sekundärliteratur kritisch interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Irrtumsmöglichkeiten bei 'ich'-Sätzen, die Differenzierung zwischen Objekt- und Subjektgebrauch sowie die Analyse der privilegierten Selbstzuschreibung von Prädikaten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Irrtumsimmunität, Identifikationsfreiheit, P*-Prädikate, privilegierter Zugang und Unkorrigierbarkeit definiert.

Wie unterscheidet Shoemaker zwischen Objekt- und Subjektgebrauch?

Der Objektgebrauch impliziert eine Identifikationsleistung (etwas als etwas erkennen), während beim Subjektgebrauch laut Shoemaker gerade keine Identifikation stattfindet, was die Irrtumsimmunität ermöglicht.

Was sind P*-Prädikate laut der Arbeit?

P*-Prädikate sind eine spezielle Unterklasse von psychologischen Prädikaten, bei denen die Selbstzuschreibung absolut immun gegen Irrtümer durch Fehlidentifikation ist, da sie den unmittelbaren Zugang zu eigenen mentalen Zuständen beschreiben.

Warum ist der Begriff des "privilegierten Zugangs" für die These entscheidend?

Ohne die Annahme eines privilegierten Zugangs zu geistigen Zuständen lässt sich die Irrtumsimmunität nicht hinreichend erklären; er ist die Voraussetzung dafür, dass die Selbstzuschreibung bestimmter Prädikate unkorrigierbar wird.

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Details

Title
Irrtumsimmunität. Die Unfehlbarkeit der 'ich'-Referenz in Sydney Shoemakers "Self-reference and self-awareness"
College
University of Zurich  (Philosophisches Seminar)
Course
Selbstbewusstsein und Selbsterkenntnis
Grade
1,75
Author
Patrik Süess (Author)
Publication Year
2012
Pages
22
Catalog Number
V265905
ISBN (eBook)
9783656556329
ISBN (Book)
9783656556442
Language
German
Tags
irrtumsimmunität unfehlbarkeit sydney shoemakers self-reference
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrik Süess (Author), 2012, Irrtumsimmunität. Die Unfehlbarkeit der 'ich'-Referenz in Sydney Shoemakers "Self-reference and self-awareness", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265905
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