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Der Montanismus. Eine frühchristliche Häresie

Title: Der Montanismus. Eine frühchristliche Häresie

Seminar Paper , 2008 , 16 Pages

Autor:in: Patrik Süess (Author)

World History - Antiquity
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Bei der Beschäftigung mit dem Montanismus beginnen die Streitfragen und die Unklarheiten bereits mit der Definition dessen, worüber gesprochen werden soll. Handelt es sich bei der Bewegung des Montanismus um eine frühchristliche häretische Strömung, also um eine Irrlehre? Und was kann Irrlehre heissen in einer Zeit, in der von Orthodoxie nur sehr vorsichtig, sozusagen in Anführungsstrichen gesprochen werden kann? Oder haben wir es vielmehr mit dem ersten Schisma der entstehenden Kirche zu tun, wie andere annehmen, also mit Differenzen in der Auslegung der grundsätzlich gemeinsam vertretenen Lehren? Diese Fragen können hier zwar nicht beantwortet werden, sollen aber eine Ahnung geben von den Schwierigkeiten, sich auch über grundlegende Fragen, die den Montanismus betreffen, einig zu werden. Es gibt kaum einen zunächst für gesichert gehaltenen Punkt, der nicht irgendwann – trotz des schmalen Umfangs der Literatur, der hier zur Verfügung steht – hinterfragt oder vielmehr bestritten wird.
Lebten die Montanisten in der Erwartung der unmittelbaren Endzeit? Führten sie pagane Elemente in den christlichen Kultus ein? Unterschieden sie sich in ihrer Wertschätzung von Frauen von den anderen (früh-)christlichen Gemeinden? War ekstatische Prophetie im christlichen Kontext üblich oder nicht? Auf einige dieser Fragen werde ich eingehen, doch werde ich mich, was die Hauptpunkte betrifft, auf die gelehrte Mehrheitsmeinung stützen und vor allem die Quellen zu Wort kommen lassen.
Dass die Quellen spärlich und einseitig verfasst sind, brauche ich – gerade angesichts eines solchen Themas – kaum zu erwähnen. Dennoch werde ich versuchen so gut als möglich zu referieren, was es mit diesem Mann namens Montanus und seinen Prophezeiungen auf sich hatte, und welche Unruhe er durch sein Wirken in die noch jungen christlichen Gemeinden brachte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Ein neuer Prophet

2.2. Die Lehre

2.3. Die Quellen

2.4. Geschichte des Montanismus – Die ersten Jahrzehnte

2.5. Prophetie und Ekstase

2.6. Weitere Kritik der Orthodoxie

2.7. Tertullian

2.8. Das weibliche Element

2.9. Heidnische Einflüsse?

2.10. Ausblick

3. Schluss

4. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Montanismus, einer frühchristlichen Strömung des 2. Jahrhunderts, und analysiert die Ursachen für ihre schnelle Verurteilung als häretische Irrlehre durch die entstehende orthodoxe Kirche.

  • Historische Einordnung des Montanus und der "Neuen Prophetie"
  • Analyse der zentralen Lehren, Fastenregeln und eschatologischen Erwartungen
  • Untersuchung der Rolle von Frauen innerhalb der montanistischen Bewegung
  • Kritische Auseinandersetzung mit der antiken Quellenlage und der Rolle ekstatischer Prophetie
  • Konfliktlinie zwischen charismatischer Inspiration und der formierenden kirchlichen Hierarchie

Auszug aus dem Buch

2.1. Ein neuer Prophet

„Im phrygischen Mysien soll ein Dorf namens Ardabau liegen. Daselbst soll ein Mann namens Montanus, einer von denen, die erst zum Glauben übergetreten waren, zur Zeit, da Gratus Prokonsul in Asien war, in dem unbändigen Verlangen, Führer zu sein, dem Widersacher Zutritt gestattet haben und, von Geistern beeinflusst, plötzlich in Verzückung und Ekstase geraten sein, so dass er anfing, Laute auszustossen und seltsame Dinge zu prophezeien, die offenkundig der alten kirchlichen Überlieferung und überkommenen Lehre widersprach.“

So beginnt der anonyme Gewährsmann des Eusebius seine Beschreibung jener Bewegung, die – benannt nach der Gründerfigur Montanus - als Montanismus in die frühchristliche Religionsgeschichte eingegangen ist. Die Bezeichnung ‚Montanismus’ setzt sich allerdings erst allmählich durch (ab Mitte des 4. Jahrhunderts; zunächst wurde die Bewegung einfach als „phrygische“ bzw. „kataphrygische Sekte“ bezeichnet) und ist durchweg eine Fremdzuschreibung der Gegner; selbst nannten sich die Nachfolger des Montanus Anhänger der ‚neuen Prophetie’ - eben der Prophetie jenes Montanus, der um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. in Phrygien (Zentralkleinasien) zu wirken begann. Schon zu Beginn seiner Tätigkeit schlossen sich ihm zwei weitere vom Geist erfüllte und ebenfalls weissagende Prophetinnen an, zwei Frauen namens Maximilla und Priscilla (bzw. ‚Prisca’), von denen es hiess, sie hätten ihre Ehemänner verlassen, um sich dem Montanus anzuschliessen, und die bald beinahe eben so wichtig für die Bewegung des Montanismus wurden wie Montanus selbst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition des Montanismus und stellt die zentrale Frage, ob es sich um eine Häresie oder ein Schisma handelte.

2.1. Ein neuer Prophet: Dieses Kapitel beschreibt den Ursprung des Montanismus in Phrygien und die Rolle der drei Gründergestalten Montanus, Priscilla und Maximilla.

2.2. Die Lehre: Hier werden die asketischen Lebensregeln und die endzeitlichen Vorstellungen der Montanisten sowie ihr Anspruch auf fortwährende Offenbarung durch den Parakleten erörtert.

2.3. Die Quellen: Das Kapitel analysiert die Problematik der einseitigen, primär gegnerischen Quellenlage, insbesondere die Schriften von Eusebius, Epiphanius und Tertullian.

2.4. Geschichte des Montanismus – Die ersten Jahrzehnte: Dieser Abschnitt behandelt die rasche Ausbreitung der Bewegung über Phrygien hinaus bis nach Gallien und Nordafrika.

2.5. Prophetie und Ekstase: Hier wird die Kritik der Orthodoxie an der ekstatischen Tranceform der montanistischen Prophetie im Vergleich zum biblischen Vorbild thematisiert.

2.6. Weitere Kritik der Orthodoxie: Das Kapitel widmet sich der polemischen Auseinandersetzung, etwa bezüglich nicht eingetroffener Prophezeiungen oder der Diskreditierung montanistischer Märtyrer.

2.7. Tertullian: Eine Betrachtung der Hinwendung des Kirchenvaters Tertullian zum Montanismus aufgrund dessen asketischer Strenge.

2.8. Das weibliche Element: Dieses Kapitel untersucht die für die damalige Zeit ungewöhnliche Gleichberechtigung von Frauen in der montanistischen Führungsebene.

2.9. Heidnische Einflüsse?: Hier wird diskutiert, inwiefern der Montanismus durch lokale phrygische Kulte geprägt wurde oder ob es sich um eine genuin christliche Strömung handelte.

2.10. Ausblick: Der Abschnitt skizziert den allmählichen Niedergang der Bewegung bis zum vollständigen Verschwinden im 7. Jahrhundert durch kaiserliche Unterdrückung.

3. Schluss: Der Autor resümiert die Gründe für die Verurteilung des Montanismus, wobei er den Fokus auf das Streben der entstehenden Kirche nach hierarchischer Ordnung legt.

4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Quellen, Sammlungen und wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Montanismus, Frühchristentum, Häresie, Prophetie, Ekstase, Montanus, Maximilla, Priscilla, Phrygien, Orthodoxie, Eschatologie, Askese, Kirchengeschichte, Neue Prophetie, Schisma

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit befasst sich mit dem Montanismus, einer religiösen Bewegung des 2. Jahrhunderts, und untersucht, warum sie als häretisch eingestuft und verfolgt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehung der Bewegung, ihrer Lehre und Praxis, der Rolle der Frauen und der theologischen Auseinandersetzung mit der aufkommenden kirchlichen Hierarchie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Eigenart des Montanismus darzustellen und die Gründe für seine schnelle Entfremdung und spätere Verurteilung durch die orthodoxe Mehrheitskirche historisch einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse der vorhandenen antiken Schriften und der Auswertung moderner Forschungsliteratur zur Geschichte des frühen Christentums.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung des Wirkens von Montanus und seinen Prophetinnen, die Analyse der asketischen Lehre sowie die kritische Untersuchung der Reaktionen orthodoxer Zeitgenossen auf das Phänomen der ekstatischen Prophetie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Montanismus, Prophetie, Ekstase, Phrygien, frühchristliche Häresie, asketische Strenge und der Konflikt mit der Episkopalkirche.

Welche Rolle spielten Frauen spezifisch im Montanismus?

Anders als in der zeitgenössischen Hauptströmung der Kirche scheinen Frauen im Montanismus als Prophetinnen, Priesterinnen und Amtsträgerinnen eine zentrale und gleichberechtigte Rolle innegehabt zu haben.

Warum war die Ekstase der Propheten ein Kritikpunkt?

Die orthodoxen Gegner betrachteten die ekstatische Trance als eine Form von unkontrolliertem "wildem" Verhalten, das nicht mit der biblischen Vorstellung eines wachen Dialogs mit Gott vereinbar war und als Gefahr für die kirchliche Disziplin galt.

Wie endete die Bewegung des Montanismus?

Nachdem der Montanismus über Jahrhunderte hinweg existierte, wurde er durch verschärfte staatliche Kreuzzüge und kirchliche Repressionen, insbesondere unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert, weitgehend vernichtet.

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Details

Title
Der Montanismus. Eine frühchristliche Häresie
College
University of Zurich  (Historisches Seminar)
Course
Das Christentum vor dem Toleranzedikt
Author
Patrik Süess (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V265907
ISBN (eBook)
9783656556220
ISBN (Book)
9783656556282
Language
German
Tags
montanismus eine häresie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrik Süess (Author), 2008, Der Montanismus. Eine frühchristliche Häresie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265907
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