Grundlage der Philosophischen Anthropologie O.F. Bollnows ist die Gestimmtheit als Grundtatsache der menschlichen Existenz. Im Unterschied zu Heidegger, der nach Meinung Bollnows seine Anthropologie allein auf der negativen Gestimmtheit der Angst aufbaut, setzt Bollnow hierbei ausdrücklich bei den "gehobenen" Stimmungen an. Das hier behandelte Kapitel befasst sich mit Bollnows Auseinandersetzung mit Heidegger und nimmt von daher eine zentralle Stellung in Bollnows Gesamtargumentation hinsichlich seiner eigenen Anthropologie ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Aufbau der existenzphilosophischen Anthropologie aus der Stimmung der Angst
1.1 Einleitung in die Bedeutung der Angst bei Bollnow
1.2 Theoretische Fundierung durch Kierkegaard und Heidegger
1.3 Thesen der existenzphilosophischen Angstdeutung
1.4 Kritik an der existenzphilosophischen Anthropologie
1.5 Bollnows Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Otto Friedrich Bollnows Auseinandersetzung mit der existenzphilosophischen Anthropologie, insbesondere in Bezug auf die zentrale Rolle der Angst. Ziel ist es, Bollnows kritische Untersuchung der Heideggerschen und Kierkegaardschen Konzepte darzulegen und aufzuzeigen, wie er den Weg für einen eigenen, erweiterten anthropologischen Entwurf bereitet.
- Die philosophische Bedeutung von Stimmungen als Grundbefindlichkeit.
- Die Analyse der Angst bei Heidegger („Sein und Zeit“) und Kierkegaard.
- Die existenzphilosophische Sichtweise auf das Nichts und die menschliche Freiheit.
- Kritik an der Engführung menschlicher Erfahrung auf existenzielle Entscheidungen.
- Die Bedeutung der Gelassenheit als Gegenentwurf zur Angst.
Auszug aus dem Buch
Der Aufbau der existenzphilosophischen Anthropologie aus der Stimmung der Angst
In der Entwicklung von Bollnows Überlegungen zum Wesen der Stimmungen hat das o.g. Kapitel eine gewisse Überleitungsfunktion. In den vorangehenden Abschnitten hat Bollnow zunächst aufgezeigt hat, dass das Gestimmtsein eine Grundbefindlichkeit des Menschen ist, und dann exemplarisch etliche Stimmungen analysiert hat, geht es ihm in diesem Kapitel nun zunächst darum, aufzuzeigen, dass die gesamte existenzphilosophische Anthropologie letztlich allein aus der Stimmung der Angst aufgebaut ist.
Nachdem er dies getan hat, sieht Bollnow den argumentativen Grund für die Entwicklung seiner eigenen Anthropologie vorbereitet und argumentiert: Wenn es möglich ist, eine Anthropologie allein auf einer Stimmung wie der Angst aufzubauen, dann muss es auch möglich sein, eine Anthropologie auch auf einer anderen Stimmung, etwa einer gehobenen, zu entwickeln, wie Bollnow es dann in den darauf folgenden Kapiteln unternimmt.
In seiner Auseinandersetzung mit der Angst als Grundlage der existenzphilosophischen Anthropologie beruft sich Bollnow insbesondere auf Kierkegaards Schrift „Der Begriff der Angst“ von 1844 und, noch etwas detaillierter auf Heideggers „Sein und Zeit“ von 1927, hier besonders auf §40: „Die Grundbefindlichkeit der Angst als eine ausgezeichnete Erschlossenheit des Daseins“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Aufbau der existenzphilosophischen Anthropologie aus der Stimmung der Angst: Das Kapitel erläutert, wie Bollnow die Angst als exklusives Fundament der existenzphilosophischen Anthropologie bei Heidegger und Kierkegaard untersucht und diese Position kritisch hinterfragt. Es schließt mit Bollnows Forderung nach einer erweiterten anthropologischen Basis, die über die Angst hinausreicht.
Schlüsselwörter
Existenzphilosophie, Anthropologie, Otto Friedrich Bollnow, Angst, Martin Heidegger, Sören Kierkegaard, Dasein, Stimmung, Grundbefindlichkeit, Nichts, Uneigentlichkeit, Freiheit, Gelassenheit, Kultur, Weltbezug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Bollnows Auseinandersetzung mit der existenzphilosophischen Anthropologie und deren Fokussierung auf die Stimmung der Angst als deren Grundlage.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Angst in der Philosophie, die Kritik an der existenzphilosophischen Engführung des Daseins und die Suche nach alternativen Formen der Erkenntnis wie der Gelassenheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bollnow durch die Analyse und Kritik der Angst-basierten Anthropologie den Boden für seinen eigenen, umfassenderen anthropologischen Entwurf bereitet.
Welche philosophische Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophisch-hermeneutische Analyse, die Bollnows Interpretation bestehender existenzphilosophischer Texte (Heidegger, Kierkegaard) kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Thesen zur Angst, der Abgrenzung zur naiven Angstbetrachtung und einer detaillierten Kritik an den Grenzen der existenzphilosophischen Weltsicht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Existenzphilosophie, Angst, Anthropologie, Dasein, Uneigentlichkeit, Freiheit und Gelassenheit.
Warum hält Bollnow die Angst für eine unzureichende Basis?
Bollnow argumentiert, dass eine reine Fokussierung auf die Angst weite Bereiche des menschlichen Lebens, wie etwa die Kultur oder die freundlichen Seiten des Lebens, ausklammert.
Was versteht Bollnow unter der „Gelassenheit“ als Gegenentwurf?
Gelassenheit ist für Bollnow eine stimmungsmäßige Bereitschaft, die es ermöglicht, Dinge von ihrer eigenen Mitte her aufzunehmen, statt sie nur unter dem Aspekt der Sorge zu betrachten.
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- Michael Veit (Author), 2013, O.F. Bollnow: Der Aufbau der existenzphilosophischen Anthropologie aus der Stimmung der Angst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/265926