Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur

Hartzer Roller

Aus dem Leben eines Habenichts

Titel: Hartzer Roller

Fachbuch , 2014 , 80 Seiten

Autor:in: Daniel Rosenberger (Autor:in)

Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Daniel Rosenberger nimmt den Leser in seinen Kurzgeschichten mit auf eine abenteuerliche Reise durch die letzten zehn Jahre seines Lebens. Sein Leben ähnelt immer mehr einer Odyssee, je länger er keine Chance bekommt, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Rosenberger zieht alle Register seines Humors, wenn er beschreibt, wie er immer tiefer in den Sog einer Arbeitslosenverwaltung gerät, die sich längst zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Dabei zeigt sich, dass auch ein gut ausgebildeter Mensch nicht vor solchen Erfahrungen gefeit ist. Meist wissen die Zeitgenossen kaum, was Arbeitslosigkeit bedeutet, solange sie nicht selbst oder über Familie und Freundeskreis damit konfrontiert werden. Rosenbergers Büchlein hat zum Ziel, über die weitgehend unbekannten Seiten der sozialen Marktwirtschaft einmal auf unterhaltsame Weise aufzuklären.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Im Flugsimulator

„Zu Gast bei Freunden“

Historiker vom Ententeich

Einbildung ist auch eine Bildung

Kunst kommt von können, und Gunst kommt von günstig

Guter Rat ist nicht immer teuer

„Kampf der Kulturen“

Spare in der Zeit, so hast du in der Not

Erkenne dich selbst

Das war wohl nix

Bruchlandung auf dem Planeten Treptow

Erkenne dich selbst 2

„Die Geister lasset aufeinanderprallen, aber die Fäuste haltet stille“

„In the Army Now“

Das war wohl nix 2

Wenn einer eine Reise tut, dann tut ihm das nicht immer gut

Dreiecksbeziehung mit Vertrag

Mister Doolittle

Erkenne dich selbst 3

„Die Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale“

Echt abgehoben

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, aber eben auch

Alles für umsonst oder alles für die Katz?

„Unheimliche Begegnungen der dritten Art“

„Seid bereit!“ „Immer bereit!“

Auf Knall und Fall

Epilog

Zielsetzung & Themen

Das Buch schildert die persönliche Odyssee des Autors Daniel Rosenberger durch die oft absurden und entmenschlichenden Strukturen der deutschen Arbeitslosenverwaltung. Ziel ist es, den Alltag eines „Habenichts“ zwischen Sinnlosigkeit, behördlicher Bevormundung und dem ständigen Überlebenskampf in einem System aufzuzeigen, das Individuen primär als verwertbare Arbeitskraft betrachtet.

  • Die Kritik an sogenannten „Integrationsmaßnahmen“ und deren fragwürdigem Nutzen.
  • Die psychologische Belastung durch langjährige Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Stigmatisierung.
  • Der Kontrast zwischen akademischer Qualifikation und der Realität in Niedriglohn- oder Beschäftigungsprogrammen.
  • Die grotesken Züge des „Paralleluniversums“ Arbeitslosenverwaltung.

Auszug aus dem Buch

Prolog

Wieder eile ich durch die Lindenstraße und bleibe stehen vor dem riesigen Koloss des Verlagshauses, das sich der Pressemagnat, Axel Springer, einst schuf, als er eine repräsentative Bleibe in Berlin benötigte. Die gläserne Fassade des Bürotempels erhebt sich vor mir wie ein aufgeschlagenes Buch. Im Jahre 2009, fünfzig Jahre nach der Grundsteinlegung komplettierte der Starbildhauer, Stephan Balkenhol, das Ensemble mit der Bronzestatue eines Mannes, der auf einem Stück Mauer balanciert. Ich halte davor inne, wenigstens für einen Moment. Sommers wie winters nur leicht bekleidet mit einem weißen Hemd und schwarzer Hose, verharrt der Mann standhaft da oben auf nur einem Bein. Beim Anblick des hemdsärmeligen Herrn kriechen mir die zwanzig Grad minus dieses Februar-Morgens noch eindringlicher unter die Haut. Ich muss ohnehin gleich weiter zu meinem eigentlichen Bestimmungsort ganz in der Nähe, dem Arbeitslosenarbeitgeber Ikarus. Vor fast zehn Jahren begann ich meinen ganz persönlichen Balanceakt, seit ich mich das erste Mal auf einer deutschen Sozialbehörde meldete.

Damals wusste ich freilich nicht, wie lange ich mich aus ihren Fängen nicht mehr würde befreien können. Je länger aber jemand ohne eigenes Einkommen und damit ein Habenichts bleibt, um so mehr haftet ihm auch der Geruch an, ein Taugenichts zu sein. Joseph von Eichendorff schrieb einst eine Novelle unter dem Titel Aus dem Leben eines Taugenichts. Der Titel spiegelt das Image, das sein namenloser Protagonist in den Augen der Gesellschaft schon damals im 19. Jahrhundert hatte, weil er fröhlich kreuz und quer durch die Lande zog, mit nichts als seiner Geige als Besitz. Und weil er allenfalls aus Liebeskummer traurig war, nicht aber über das Fehlen eines geregelten, soliden Einkommens. Nach einigen Bogenfahrten durch halb Europa findet der vermeintliche Taugenichts bei Eichendorff am Ende doch noch seine Erfüllung und kann mit der Liebe seines Lebens im Arm in eine glückliche Zukunft schauen. Ebenso, nur weniger freiwillig, erlebt auch der Habenichts heute so seine Abenteuer mit Unwägbarkeiten, die er sich vorher im Traum nicht hätte vorstellen können. Allein die Sache mit der glücklichen Zukunft bleibt für ihn offen. Denn gibt ihm dieselbe Gesellschaft, die das alles nicht gutheißt, weiter und weiter keine Möglichkeit der Leistung für Gegenleistung, treibt sie ihn um so nachhaltiger in die Arme jener Dame, die ihn zwar ernährt, ihm dafür aber auch eine Menge unlösbarer Rätsel aufgibt. Und dann erst verwandelt sich das ganze Leben in eine Odyssee.

Zusammenfassung der Kapitel

Im Flugsimulator: Der Autor beschreibt seine Erfahrungen in einem Motivationskurs für Langzeitarbeitslose, in dem die Teilnehmer ihre Lebensläufe kreativ visualisieren sollen.

„Zu Gast bei Freunden“: Ein Einblick in das soziale Miteinander unter Arbeitslosen und die Reflexion über die eigene berufliche Vergangenheit als akademisch Gebildeter.

Historiker vom Ententeich: Die Absurdität eines Projekts, in dem Akademiker romantische Orte erforschen sollen, ohne dass der Nutzen für den ersten Arbeitsmarkt erkennbar wäre.

Einbildung ist auch eine Bildung: Der Autor reflektiert über die Sinnhaftigkeit von Sprachkursen und Computer-Schulungen als Begleitprogramm für Arbeitslose.

Kunst kommt von können, und Gunst kommt von günstig: Das Kapitel thematisiert die Versuche des Autors, durch kulturelle Teilhabe und Kontakte aus dem sozialen Abseits auszubrechen.

Guter Rat ist nicht immer teuer: Eine Begegnung mit einem Bewerbungsexperten, der den Lebenslauf des Autors radikal zusammenkürzt und die Perspektivlosigkeit verdeutlicht.

„Kampf der Kulturen“: Eine kritische Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Schulungen, die versuchen, Arbeitslosen unternehmerisches Denken zu vermitteln.

Spare in der Zeit, so hast du in der Not: Der Autor hinterfragt die Übertragung von Management-Prinzipien auf das eigene prekäre Leben.

Erkenne dich selbst: Ein ironischer Blick auf Persönlichkeitstests wie den DISG-Test und die Suche nach den eigenen Stärken innerhalb der Arbeitslosen-Verwaltung.

Das war wohl nix: Die ernüchternde Erfahrung, dass das „Schnäppchen“-Praktikum für Arbeitgeber keine echte berufliche Perspektive bietet.

Bruchlandung auf dem Planeten Treptow: Der Autor berichtet von seiner Zeit in einer ehemaligen DDR-Berufsschule, die als Weiterbildungszentrum fungiert.

Erkenne dich selbst 2: Die Dynamik innerhalb einer heterogenen Gruppe von Arbeitslosen und die Rolle der Kommunikationsexpertin.

„Die Geister lasset aufeinanderprallen, aber die Fäuste haltet stille“: Das Kapitel behandelt die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse, wie Bilanzierung, an Menschen, die sich in prekären Lebenslagen befinden.

„In the Army Now“: Die ironische Schilderung eines Kurses zum Erwerb eines „Computer-Führerscheins“ in einer Atmosphäre, die an militärische Zucht erinnert.

Das war wohl nix 2: Die Desillusionierung über die Erfolgsaussichten nach Abschluss der verschiedenen Maßnahmen bei Zeitarbeitsfirmen.

Wenn einer eine Reise tut, dann tut ihm das nicht immer gut: Ein Auslandspraktikum in Granada wird zur Konfrontation mit der eigenen sprachlichen und beruflichen Sprachlosigkeit.

Dreiecksbeziehung mit Vertrag: Die Arbeit bei der Volkshochschule wird als symbolische Dreiecksbeziehung zwischen Sozialstaat, Träger und Autor analysiert.

Mister Doolittle: Der Versuch, durch Sprecherziehung und Dialektkorrektur die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern.

Erkenne dich selbst 3: Ein „Trainer-für-Trainer“-Kurs führt den Autor erneut in die absurde Welt der Selbstoptimierung und Pädagogik für Arbeitslose.

„Die Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale“: Die Erfahrungen bei einem Träger namens „Ikarus“ zeigen das Chaos und die Ineffizienz von Beschäftigungsprojekten.

Echt abgehoben: Einblicke in die (Nicht-)Kultivierung des Tempelhofer Feldes durch Arbeitslose.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, aber eben auch: Ein Besuch bei einer Essensausgabe in einer Kirche wird zur philosophischen Reflexion über Bedürftigkeit.

Alles für umsonst oder alles für die Katz?: Der Alltag in einer vom „Kreativzirkel“ betriebenen Bücherstube offenbart die soziale Isolation der Kunden.

„Unheimliche Begegnungen der dritten Art“: Das Kapitel porträtiert die exzentrischen Charaktere unter den Kunden und die psychische Belastung des Personals.

„Seid bereit!“ „Immer bereit!“: Eine Reflexion über Wandzeitungen als Instrumente der Beeinflussung, die an DDR-Zeiten erinnert.

Auf Knall und Fall: Der Autor zieht Bilanz und entscheidet sich nach weiteren Konflikten für den Ausstieg aus dem System.

Epilog: Ein versöhnlicher Rückblick und der Entschluss, das eigene Leben und die Erfahrungen als Habenichts literarisch zu verarbeiten.

Schlüsselwörter

Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Sozialstaat, Lebenslauf, Selbstoptimierung, Prekariat, Bürokratie, Integrationsmaßnahme, Identitätsverlust, soziale Ausgrenzung, Berliner Arbeitsmarkt, Gesellschaftskritik, Selbstmanagement, Bildungsarbeit, Habenichts

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?

Es ist ein autobiografischer Bericht über die Erfahrungen eines Akademikers innerhalb des deutschen Arbeitslosensystems. Das Buch beleuchtet kritisch und humorvoll die Sinnlosigkeit von Maßnahmen und den psychologischen Druck der Prekarität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Entmenschlichung durch bürokratische Prozesse, die Suche nach Identität in einer „Maßnahme-Karriere“, das Leben unter dem Existenzminimum und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Arbeitslosen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Der Autor hinterfragt die Wirksamkeit der deutschen Arbeitsmarktpolitik und sucht nach der Antwort auf die Frage, wie man seine Würde und seinen Verstand behält, während man von einer „Maßnahme“ in die nächste geschoben wird.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt die Methode der teilnehmenden Beobachtung. Als Betroffener analysiert er sein Umfeld, die Dozenten, die Träger und die anderen Teilnehmer mit einem scharfen, philosophisch geschulten Blick.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Etappen: von Computerkursen über Sprachreisen bis hin zu Projekten in einer Bücherstube. Er illustriert die Absurdität der vermittelten Inhalte, die meist fernab der realen Marktanforderungen liegen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die wichtigsten Schlagworte sind: Hartz IV, Prekariat, bürokratische Willkür, Sinnsuche, soziale Kontrolle, Selbstvermarktung und die „Odyssee des Habenichts“.

Warum spielt der „kleine Löffel“ im Buch eine Rolle?

Der kleine Löffel dient im Buch als Metapher für die absurde Detailbesessenheit in Weiterbildungskursen, in denen unwichtige Informationen oft als lebenswichtiges Wissen verkauft werden.

Welche Bedeutung hat das „Schloss“ der Volkshochschule für den Autor?

Das Schloss Charlottenburg und die Arbeit in der dortigen VHS symbolisieren den Kontrast zwischen bürgerlichem Schein, historischer Romantik und der harschen Realität des eigenen prekären Beschäftigungsverhältnisses.

Was ist die Schlussfolgerung des Autors im Epilog?

Nach Jahren im „Hamsterrad“ aus Maßnahmen beschließt der Autor, aus dem System auszusteigen, seine philosophischen Ambitionen zurückzustellen und sich stattdessen dem Schreiben über sein wahres Leben als Habenichts zu widmen.

Ende der Leseprobe aus 80 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Hartzer Roller
Untertitel
Aus dem Leben eines Habenichts
Autor
Daniel Rosenberger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
80
Katalognummer
V266046
ISBN (eBook)
9783656582458
ISBN (Buch)
9783656592204
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hartzer roller leben habenichts hartz4 hartz 4 arbeitslosigkeit armut sozialsatire kurzgeschichten arbeitsmarkt soziale marktwirtschaft marktwirtschaft sozialstaat soziales system deutschland sozialversicherung hartz iv arbeitslosengeld
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniel Rosenberger (Autor:in), 2014, Hartzer Roller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266046
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  80  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum