Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Modern History

Die Rentenreform von 1972. Scheitelpunkt des Sozialstaates?

Title: Die Rentenreform von 1972. Scheitelpunkt des Sozialstaates?

Term Paper , 2010 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Felix Beyer (Author)

History of Germany - Modern History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die beschlossene Rentenreform ist nach 1957 die bis dahin größte Neuordnung der Rentenpolitik gewesen und ist in einer Zeit besonderer politischer, ökonomischer und sozialer Verhältnisse entstanden. Die Debatten über Sozial- und Wirtschaftspolitik und ihre Finanzierung prägen den politischen Alltag, damals wie heute. Gleichzeitig ist deren Geschichte im Vergleich zu anderen Feldern der Forschung in weitaus geringerem Maße aufgearbeitet (vgl. BÖKENKAMP 2010: 2). Doch nicht die rein ökonomischen Hintergründe der Systeme der sozialen Sicherung der ‚Bonner Republik’ stehen im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses dieser Arbeit. Den größeren Rahmen bildet der Diskurs über das Zusammenspiel zwischen (sozialer) Sicherheit auf der einen und Freiheit auf der anderen Seite. Mit den Worten Isaiah Berlins (1969: 168) „freedom [...] to do or be what he is able to do or be [and to be] without interference by other persons”.

Um dies näher zu beleuchten, fragt diese Arbeit, ob die Rentenreform von 1972 als Scheitelpunkt des Ausbaus der Rentenversicherung betrachtet werden kann und wie an diesem historischen Beispiel die Auseinandersetzung zwischen Sicherheit und Freiheit deutlich wird. ...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das System der Alterssicherung in der BRD

3. Zum Zusammenhang von Freiheit und sozialer Sicherheit

4. Überblick über die Entwicklung der Rentenpolitik von 1889 – 1972

5. Die Rentenreform von 1972

6. Überblick über die Rentenentwicklung nach 1972

7. Die Rentenreform von 1972 - Sargnagel der Freiheit oder Fundament der sozialen Sicherheit?

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rentenreform von 1972 als historischen Wendepunkt der bundesdeutschen Sozialpolitik und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen staatlich garantierter sozialer Sicherheit und individueller Freiheit.

  • Historische Entwicklung der Alterssicherung in Deutschland
  • Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Freiheit im Kontext sozialer Sicherungssysteme
  • Analyse der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Rentenreform 1972
  • Untersuchung der langfristigen Auswirkungen und der Rentenentwicklung nach 1972
  • Diskurs über den Wandel vom Wohlfahrtsstaat zum aktivierenden Sozialstaat

Auszug aus dem Buch

Die Rentenreform von 1972

Schon in der Regierungserklärung Willy Brands Ende Oktober 1969 war Zurückhaltung gegenüber einer Rentenreform zu hören. Eine Flexibilisierung des Renteneinstiegsalters und eine Öffnung der Rentenversicherung für weitere Bevölkerungskreise seien vorgesehen, doch war gleichzeitig die schwierige Lage der Finanzen für Sozialausgaben klar, welche sich während der Rezession 1966/67 gezeigt hatte (vgl. HOCKERTS 1992: 905). So gingen die Reformbemühungen unter dem Dach von Bundesminister Arendt nur schleppend voran, teils aus Konsolidierungswünschen für die Rentenfinanzen, teils aus Uneinigkeit in der sozialliberalen Koalition. Eine entscheidende Wende nahm das Projekt jedoch mit dem 1971 erscheinenden Rentenanpassungsbericht. Dieser rechnete vor, dass sich bis zum Jahr 1985 ein Überschuss von 100 Milliarden DM in den Rentenkassen angesammelt haben wird. Zu dieser optimistischen Einschätzung führte die Annahme, die wirtschaftliche Entwicklung seit Herbst 1969 mit großen Lohnsteigerungen, steigenden Beiträgen und Überbeschäftigung würde geradlinig fortgesetzt werden können. „Unter dem Wettbewerbsdruck und Erfolgszwang parlamentarischer Parteienkonkurrenz übte das Bild der vollen Rentenkassen hingegen auf viele politische Akteure eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus“ (ebd.: 909). Gerade auch im Hinblick auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf 1973 überboten sich die Parteien mit Vorschlägen und Forderungen, wie der Geldsegen – der ja de facto nur prognostiziert war – am besten ausgegeben werden konnte.

Als im März 1972 die Prognose des Rentenanpassungsberichts auf 169 Milliarden DM erhöht wurde – ausgehend von 15 weiteren Jahren Vollbeschäftigung – und klar wurde, dass der Bundestagswahlkampf auf 1972 vorverlegt wurde, erhöhten Koalition und Union ihr sozialpolitisches Gebot. Nach nochmaliger Erhöhung der Prognose um weitere 20 Mrd. DM entschied sich der Vermittlungsausschuss die gegenseitig sich überbietenden Vorschläge von SPD-FDP und CDU/CSU einfach kumulativ zusammenzubringen. Das Gesetz, im Taumel der Abstimmungen, Verbesserungen und „Urheberstreitigkeiten“ welche Fraktion mehr Anteil an der entstandenen Reform habe, wurde einstimmig, bei einer Enthaltung vom Bundestag angenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen sozialer Sicherheit und individueller Freiheit ein und begründet die Relevanz der Rentenreform 1972 als Untersuchungsgegenstand.

2. Das System der Alterssicherung in der BRD: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung als Kernstück der sozialen Sicherung in Deutschland.

3. Zum Zusammenhang von Freiheit und sozialer Sicherheit: Hier wird theoretisch erörtert, inwiefern staatliche Rentenpflicht als Einschränkung oder als Bedingung für individuelle Freiheit verstanden werden kann.

4. Überblick über die Entwicklung der Rentenpolitik von 1889 – 1972: Ein historischer Abriss zeichnet die Entwicklung der Alterssicherung von den Anfängen unter Bismarck bis zur Situation vor der Reform 1972 nach.

5. Die Rentenreform von 1972: Das Kapitel analysiert die konkreten Entstehungsumstände der Reform, geprägt durch optimistische Finanzprognosen und parlamentarischen Wettbewerb.

6. Überblick über die Rentenentwicklung nach 1972: Hier werden die wirtschaftlichen und demografischen Faktoren beleuchtet, die nach 1972 den Druck auf das Rentensystem und die Rentenfinanzen erhöhten.

7. Die Rentenreform von 1972 - Sargnagel der Freiheit oder Fundament der sozialen Sicherheit?: Eine Synthese, die die Reform kritisch unter dem Gesichtspunkt des Spannungsverhältnisses von Freiheit und Sicherheit bewertet.

8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet die Rentenreform als signifikanten Wendepunkt in der bundesdeutschen Geschichte ein.

9. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente.

Schlüsselwörter

Rentenreform 1972, Soziale Sicherheit, Freiheit, Alterssicherung, Sozialpolitik, Gesetzliche Rentenversicherung, Umlageverfahren, Sozialstaat, Rentenanpassung, Bundesrepublik Deutschland, Demografischer Wandel, Solidarprinzip, Reformdiskurs, Finanzierung, Leistungsausbau.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rentenreform von 1972 in der Bundesrepublik Deutschland und deren Bedeutung als Scheitelpunkt der Sozialpolitik im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Rentenversicherung, die theoretische Definition von Freiheit in Sozialsystemen sowie die politischen und ökonomischen Treiber hinter der Reform von 1972.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu klären, ob die Rentenreform von 1972 als Höhepunkt des Ausbaus der Rentenversicherung betrachtet werden kann und wie sich daran die Auseinandersetzung zwischen Sicherheit und Freiheit ablesen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung aktueller und zeitgenössischer Forschungsliteratur sowie einer historischen Analyse politischer Dokumente und wirtschaftlicher Gegebenheiten der Ära.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Rentenpolitik, die spezifischen Rahmenbedingungen der Reform 1972 sowie die anschließende wirtschaftliche Rentenentwicklung und die Debatte über den Sozialstaat.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Rentenreform 1972, soziale Sicherheit, individuelle Freiheit, gesetzliche Rentenversicherung, Sozialpolitik und der Wandel vom Wohlfahrts- zum aktivierenden Sozialstaat.

Warum wird die Rentenreform von 1972 als "Scheitelpunkt" bezeichnet?

Sie gilt als Scheitelpunkt, da sie eine massive Leistungserweiterung markierte, der kurz darauf eine Phase notwendiger Konsolidierung und eine veränderte sozialpolitische Diskurslage folgte.

Welche Rolle spielt die Prognose des Rentenanpassungsberichts 1971 für die Reform?

Die optimistische Prognose von 100 (später 169) Milliarden DM Überschuss erzeugte einen hohen politischen Entscheidungsdruck, der die Parteien zu einem Überbietungswettbewerb anspornte.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Die Rentenreform von 1972. Scheitelpunkt des Sozialstaates?
College
Free University of Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichtswissenschaft)
Course
Seminar "Sicherheit und Freiheit"
Grade
1,3
Author
Felix Beyer (Author)
Publication Year
2010
Pages
17
Catalog Number
V266049
ISBN (eBook)
9783656558620
ISBN (Book)
9783656558583
Language
German
Tags
rentenreform scheitelpunkt sozialstaates
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Beyer (Author), 2010, Die Rentenreform von 1972. Scheitelpunkt des Sozialstaates?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266049
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint