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Produktion und Rezeption der Flugblätter der Kommune I am Beispiel des Flugblattes Nr. 7

„Warum brennst Du, Konsument?“

Title: Produktion und Rezeption der Flugblätter der Kommune I am Beispiel des Flugblattes Nr. 7

Seminar Paper , 2012 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anna Rauch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

„Solidarität, das ist eine Droge, die high macht, andererseits auch abhängig.“ (Fritz Teufel, Kommune I)1

Der Einsatz für gemeinsame Werte und Ziele war das Hauptanliegen der ‚Kommune
I', eine der zentralen Gruppierungen der Achtundsechziger und Beteiligte an den
Studentenrevolten in der BRD, deren Protestformen heute noch als charakteristisch
für diese Zeit gelten. Als Kommune I bezeichnete sich eine Gruppierung von
Studenten sowie arbeitslosen Ex-Studenten, die sich in Berlin
zusammengeschlossen haben und als politisch engagierte Wohngemeinschaft
zusammenlebten. Ihre Mitglieder versuchten, sich mit aller Macht gegen die
bestehenden Gesellschaftsnormen zu wehren und ihren Lebensstil als radikales
Gegenmodell zu präsentieren.2
Seit 1967 bildete die Kommune I den Vorstand der Berliner SDS (Sozialistischer
Deutscher Studentenbund), wurde aber im Mai 1967 wegen diverser Störaktionen,
wie zum Beispiel das „Pudding-Attentat“, vom Verband ausgeschlossen. Die
Kommune beschloss ihre Aktivitäten trotzdem fortzusetzen. Am 24. Mai 1967
verteilten sie vor der Freien Universität Berlin eine Flugblattreihe. Jene Flugblätter, nummeriert mit Nr. 6 bis Nr. 9, bezogen sich auf einen Kaufhausbrand in Brüssel.
Nach der Veröffentlichung der Protestflugblätter wurde die Kommune I wegen
Anstiftung zur schweren Brandstiftung angezeigt.3
Die nachfolgende Arbeit befasst sich mit der Produktion und Rezeption dieser
Flugblätter und stellt den Vergleich zwischen der Intention der Produzenten und der Interpretation der Rezipienten in den Mittelpunkt. Im Laufe der Recherche wurde immer wieder deutlich, dass der Inhalt der Flugblätter durch Mitwirken der Presse deutlich verzerrt wurde: Wegen der ambivalenten Formulierungen wurde das ursprünglich Gemeinte oftmals verkannt. Deshalb stellt sich in erster Linie die Frage, welche unterschiedlichen Interpretationsansätze im Genauen auf die Flugblätter angewandt werden können und welche Auswirkungen dieselben auf die Produzenten und deren Intentionen haben.
Eingeleitet wird die Seminararbeit mit einer kurzen Definition des Flugblattes als Medium und die Nutzung desselben als Mittel des Protests. Anschließend wird der Grundgedanke der Flugblattreihe beispielhaft am Flugblatt Nr. 7 aufgearbeitet. Durch genauere Analyse soll es dem Leser möglich sein, die Intentionen der Kommune I genauer nachvollziehen zu können sowie einen Einblick in die verschiedensten Interpretationsansätze zu erhalten, welche im zweiten Teil der Arbeit aufgearbeitet werden. Um einen gezielten Vergleich anstellen zu können, wird die Reaktion der Medien der Analyse der Gutachter, die am Prozess gegen die KI beteiligt waren, gegenübergestellt.
Entscheidende Fragen, die in dieser Arbeit beantwortet werden sollen, sind zum
einen, inwieweit sich die Intention der Flugblätter von der Interpretation derselben unterscheidet und zum anderen, inwieweit die Ambiguität der Flugblätter und die unterschiedlichen Reaktionen der Rezipientengruppen protestfördernd wirkten.

1 Carini, Marco: Fritz Teufel. Wenn’s der Wahrheitsfindung dient. Eine Biographie. S. 70.
2 Vgl. Taubes, Jacob: Surrealistische Provokation: Ein Gutachten zur Anklageschrift im Prozess
Langhans-Teufel über die Flugblätter der ‚Kommune I‘. In: Merkur 236. S. 1069.
3 Vgl. Bentz, Ralf (u.a.): Protest! Literatur um 1968. S. 164 ff.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS FLUGBLATT ALS MEDIUM – EINE DEFINITION

3. DAS FLUGBLATT ALS MEDIUM DES PROTESTS

3.1. Die Flugblätter der Kommune I

3.2. Analyse des Flugblattes Nr. 7 als exemplarisches Beispiel

4. REZEPTION DER FLUGBLÄTTER DER KOMMUNE I

4.1. Die Massenmedien als Rezipient der Flugblätter der Kommune I

4.2. Das Fazit der Gutachter

5. SCHLUSSWORT

6. BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Produktion und Rezeption der provokanten Flugblätter der Kommune I während der Achtundsechziger-Bewegung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit sich die Intention der Produzenten von der Interpretation der Rezipienten unterscheidet und welche Rolle die mediale Verzerrung sowie die satirische Ambiguität der Flugblätter dabei spielen.

  • Historische Definition und Funktion des Flugblattes als Protestmedium.
  • Analyse des Flugblattes Nr. 7 als satirische Provokation und Gesellschaftskritik.
  • Die Rolle der Massenmedien bei der Interpretation und öffentlichen Skandalisierung.
  • Vergleich zwischen der Intention der Kommune I und den wissenschaftlichen Gutachten im Prozess.

Auszug aus dem Buch

3.2. Analyse des Flugblattes Nr. 7 als exemplarisches Beispiel

Um ein genaueres Bild der im vorherigen Kapitel geschilderten Aspekte der rebellischen Flugblätter zu erhalten, wird das Flugblatt Nr. 7 in diesem Kapitel einer genaueren Analyse unterzogen. Unter Berücksichtigung der Intention der Produzenten liegt das Hauptaugenmerk auf der sprachlichen Gestaltung, welche eine Ambivalenz in den inhaltlichen Aussagen konstruiert. Dieser zweideutige Charakter soll genauer herausgearbeitet und begründet werden.

Das Flugblatt Nr. 7 ist das bekannteste Flugblatt der Kommune I und verschaffte ihnen dementsprechende Popularität. Einleitend kann man sagen, dass in diesem Flugblatt in erster Linie der Konsument kritisiert wird, der Opfer der Populärkultur ist und somit, wie bereits erwähnt, auch als politisches Wesen bezeichnet werden kann, welches Teilschuld am Kriegsgeschehen trägt. Die Wahl der Textsorte ‚Satire‘ erlaubt es den Produzenten, die Grenze zwischen Fakt und Fiktion, sowie Ernst und Spaß zu verwischen und somit eine Vielzahl an Interpretationen zu provozieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Geschichte der Kommune I und ihre Rolle innerhalb der Achtundsechziger-Bewegung ein und umreißt die Zielsetzung der Untersuchung.

2. DAS FLUGBLATT ALS MEDIUM – EINE DEFINITION: Dieses Kapitel definiert das Flugblatt als sekundäres Protestmedium und erläutert seine historische Entwicklung sowie seine mediale Funktion.

3. DAS FLUGBLATT ALS MEDIUM DES PROTESTS: Hier wird der Einsatz von Flugblättern durch die Kommune I als Mittel der Provokation und Gesellschaftskritik analysiert, wobei das Flugblatt Nr. 7 als konkretes Fallbeispiel dient.

4. REZEPTION DER FLUGBLÄTTER DER KOMMUNE I: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Flugblätter einerseits durch die Massenmedien skandalisiert wurden und wie sie andererseits durch literaturwissenschaftliche Gutachten analysiert wurden.

5. SCHLUSSWORT: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die bewusst gewählte Ambivalenz der Flugblätter die Intention der Produzenten erfolgreich unterstrich.

6. BIBLIOGRAPHIE: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogenen Quellen, Literatur und Webressourcen auf.

Schlüsselwörter

Kommune I, Achtundsechziger, Flugblätter, Protest, Satire, Medienkritik, Konsumgesellschaft, Vietnamkrieg, Provokation, Ambiguität, Gesellschaftskritik, Literaturwissenschaft, Rezeption, Politische Kommunikation, Brandstiftung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit den Flugblättern der Kommune I aus dem Jahr 1967 und deren provozierender Wirkung auf die Gesellschaft und die Medien der damaligen Zeit.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Themenbereiche studentischer Protest, Medieneinfluss, Konsum- und Gesellschaftskritik sowie die Rolle von Satire und Provokation in der politischen Kommunikation.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie sich die ursprüngliche Absicht der Kommune I von der tatsächlichen Interpretation durch Rezipienten und Medien unterschied und welche Rolle die absichtlich mehrdeutige Gestaltung dabei spielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung stützt sich auf eine tiefgehende Inhaltsanalyse des Flugblatts Nr. 7, einen Vergleich mit anderen Flugblättern der Reihe sowie die Auswertung von Medienberichten und fachwissenschaftlichen Gutachten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition des Flugblattes, eine detaillierte Analyse der Kommunen-Flugblätter sowie eine Untersuchung der gegensätzlichen Rezeptionsweisen durch Springer-Medien und Sachverständige.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind neben der Kommune I vor allem Satire, Provokation, Ambiguität, Medienverzerrung und das Flugblatt Nr. 7 als zentrales Beispiel der Kampagne.

Wie interpretierte die Springer-Presse das Flugblatt Nr. 7?

Die damaligen Massenmedien interpretierten das Flugblatt wortwörtlich und werteten es als moralisch verwerflichen Aufruf zu Straftaten und Gewalt, um die Kommune I zu diskreditieren.

Welches Fazit ziehen die Gutachter im Prozess gegen die Kommune I?

Die Gutachter stellten fest, dass es sich um satirische Fiktion und Rollenprosa handelte, die nicht als direkte Aufforderung zu Brandstiftungen missverstanden werden durfte, sondern das System ironisch entlarven wollte.

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Details

Title
Produktion und Rezeption der Flugblätter der Kommune I am Beispiel des Flugblattes Nr. 7
Subtitle
„Warum brennst Du, Konsument?“
College
University of Innsbruck  (Germanistik)
Course
Seminar "1968"
Grade
2,0
Author
Anna Rauch (Author)
Publication Year
2012
Pages
24
Catalog Number
V266056
ISBN (eBook)
9783656558194
ISBN (Book)
9783656558187
Language
German
Tags
Kommune I 1968 Flugblatt Fritz Teufel Rainer Langhans
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Rauch (Author), 2012, Produktion und Rezeption der Flugblätter der Kommune I am Beispiel des Flugblattes Nr. 7, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266056
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