Die Benachteiligung von Mädchen ist eine allgemein bekannte und gesellschaftlich anerkannte Tatsache. Diese Aussage geriet jedoch in den letzten Jahren immer mehr ins Wanken. Während Schulforscher schon seit längerer Zeit vorsichtig untersuchen, ob nicht vielleicht auch Jungen benachteiligt werden, kam mit der Pisa-Studie auch in der öffentlichen Diskussion ein Erwachen. Die Ergebnisse zeigten nicht nur ein katastrophales Bild des deutschen Bildungssystems, sondern machten auch deutlich, dass gerade in der Schule die Jungen schlechter abschnitten. Dies zieht sich durch die gesamte Schullaufbahn und endet mit den besseren Abschlüssen von Mädchen in allen Bildungsgängen. Jetzt sucht man verzweifelt nach Ursachen und muss pauschalisierte Urteile über die männlichen Schüler, die allgemein als „Rabauken“ und „Störenfriede“ gelten aus dem Weg räumen und eine differenzierte Betrachtung anwenden, die lange in der weiblich dominierten Schulforschung fast immer zu Gunsten der Mädchen ausfielen. In diesem Zusammenhang wird auch kritisiert, dass gerade durch den Fokus auf die Mädchen eine Vernachlässigung der Jungen stattfand, die es jetzt zu überwinden gilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozialisation und Benachteiligung von Jungen
2.1 Sozialisation
2.1.1 Definition von Sozialisation
2.1.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation
2.2 Schulische Sozialisation
2.2.1 Funktion von Schule
2.2.2 Sozialisationsfunktion der Schule
2.2.3 Probleme schulischer Sozialisation
2.3 Koedukation in der Schule
2.3.1 Koedukation in der Schule als Grundkonzept
2.3.2 Benachteiligung von Mädchen als ursprüngliche Annahme
2.4 Jungen als benachteiligte Gruppe
2.4.1 Ergebnisse der Pisa Studie
2.4.2 Ursachen der Benachteiligung von Jungen
3 Schlussbetrachtung
4 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die These der Benachteiligung von Jungen im deutschen Schulsystem und analysiert diese unter Einbeziehung sozialisationstheoretischer Ansätze und der Ergebnisse der PISA-Studie.
- Sozialisationstheoretische Grundlagen und geschlechtsspezifische Entwicklung.
- Die Sozialisationsfunktion der Schule und die Rolle der Lehrkräfte.
- Kritische Reflexion des koedukativen Bildungsansatzes.
- Empirische Analyse der Benachteiligung von Jungen anhand von PISA-Daten.
- Identifikation struktureller und pädagogischer Ursachen für die aktuelle Schulsituation von Jungen.
Auszug aus dem Buch
Jungen als benachteiligte Gruppe
Die Pisa Studie war für Deutschland ein regelrechter Schock. Weit abgeschlagen landeten deutsche Schüler in allen Kernkompetenzen, wie mathematische Grundbildung, naturwissenschaftliche Grundbildung so wie Lesekompetenz auf den hinteren Rängen. Dieses allgemein schlechte Abschneiden in einem internationalen Vergleich sensibilisierte die Deutschen für das Thema Bildung und brachte eine Fülle von Ideen zu Tage, das deutsche Bildungssystem zu verbessern.
Am Rand dieser Debatte kristallisierte sich jedoch eine für die Schüler nicht weniger wichtige Erkenntnis heraus. Es gab signifikante Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Die Ergebnisse auf diesem Feld schärften den Blick für eine genauere Betrachtung der geschlechtsspezifischen Sozialisation und der geschlechtstypischen Umgangsweise mit Schülerinnen und Schülern. Die folgende Grafik verdeutlicht die Ergebnisse.
So zeigt sich hier, dass die Mädchen in allen teilnehmenden Ländern in der Lesekompetenz ein höheres Niveau erreichen als die Jungen. In der mathematischen Grundbildung sind etwa in der Hälfte der Länder Unterschiede zu Gunsten der Jungen zu erkennen, wo hingegen in der naturwissenschaftlichen Grundbildung die Unterschiede uneinheitlich und weniger signifikant sind. Doch gerade die Lesekompetenz erscheint in jeglicher Hinsicht als besonders wichtig. Sie gewährt Zugang zu Bildung und Beruf, so wie zu wichtigen alltäglichen Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Paradigmenwechsel in der Schulforschung, weg von der ausschließlichen Fokussierung auf die Benachteiligung von Mädchen hin zur Problematik der Jungenförderung.
2 Sozialisation und Benachteiligung von Jungen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung über Sozialisationsprozesse sowie eine detaillierte Analyse der Schule als Sozialisationsinstanz inklusive der PISA-Ergebnisse und Ursachenforschung.
3 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die These der Jungenbenachteiligung durch die Untersuchung gestützt wird und mahnt eine differenziertere pädagogische Perspektive an, ohne dabei Mädchen zu diskreditieren.
4 Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Publikationen, Zeitschriftenartikel und Internetquellen dokumentiert.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Jungen, Schule, Benachteiligung, Geschlechterrolle, Koedukation, PISA-Studie, Bildungsforschung, Pädagogik, Leistungswettbewerb, Schulerfolg, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Lehr-Lern-Verhältnis, Schulversagen, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die aktuelle Situation von Jungen im deutschen Schulsystem und geht der Frage nach, inwieweit Jungen gegenüber Mädchen benachteiligt sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die allgemeine und geschlechtsspezifische Sozialisation, die Funktionsweise der Schule als Institution sowie den koedukativen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die These einer Benachteiligung von Jungen zu prüfen und diese vor dem Hintergrund sozialisationstheoretischer Annahmen wissenschaftlich zu begründen.
Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Daten, insbesondere der Ergebnisse der PISA-Studie, um geschlechterspezifische Unterschiede aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Sozialisation, die Analyse der schulischen Sozialisationsfunktion, eine kritische Diskussion der Koedukation und eine detaillierte Ursachenforschung zur Situation benachteiligter Jungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sozialisation, Jungenbenachteiligung, PISA-Studie, geschlechtsspezifische Pädagogik und koedukatives Schulsystem.
Inwiefern beeinflusst das Lehrer-Schüler-Verhältnis die Jungenbenachteiligung?
Das Dokument weist darauf hin, dass die Dominanz weiblicher Lehrkräfte und die häufige Etikettierung von Jungen als „Störenfriede“ zu einer negativen Dynamik führen können.
Welche Rolle spielen Rollenbilder für Jungen im schulischen Kontext?
Tradierte Rollenklischees in Schulbüchern sowie das Fehlen männlicher Identifikationsvorbilder erschweren Jungen die Selbstreflexion und die gesunde Entwicklung einer eigenen Männlichkeit im Schulalltag.
- Quote paper
- Michael Ziegler (Author), 2004, Sozialisation und Benachteiligung von Jungen in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26607