Geschlechterstereotype. Konzept, Inhalte und soziale Folgen


Hausarbeit, 2013

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zur Theorie der Stereotype
1.1 Stereotype und Geschlechterstereotype
1.2 Stereotypisierung
1.3 Globalstereotype und Substereotype

2. Inhalte der Geschlechterstereotype

3. Folgen der Rezeption von Geschlechterstereotype
3.1 Nutzen
3.2 Ungleichbehandlung
3.3 Selbstwahrnehmung & Zugehörigkeit
3.4 Stereotypen-Bedrohung

Zusammenfassung

Fazit

Literaturverzeichnis

Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen z. B. der Relativitätstheorie.

Albert Einstein

Für den Mann ist jede Frau ein Rätsel, dessen Lösung er bei der nächsten sucht.

Jeanne Moreau

Einleitung

Es ist einfach nicht möglich, Frauen zu verstehen, so irrational und gefühlsbetont wie sie immer sind – Einstein erscheint es sogar einfacher sich mit der Relativitätstheorie zu beschäftigen. Männer dagegen haben immer nur das eine im Kopf, sie sind schlicht triebgesteuert und unfähig zur Treue, wie Jeanne Moreau andeutet. Frau und Mann sind in vielen Dingen verschieden und so fällt es nicht schwer, diesen Aussagen bzw. den beiden obigen Zitaten zuzustimmen. Schließlich hat sich jeder schon einmal über die Entscheidung oder das Verhalten einer Frau gewundert oder kennt einen Mann, der fremdgegangen ist. Es werden hier nur die typischen Eigenschaften von Männern und Frauen beschrieben – oder handelt es sich vielleicht eher um Stereotype?

Die Geschlechtszugehörigkeit ist ein zentrales Merkmal von Menschen, sie lässt sich in der Regel auf nur einen Blick erkennen. Dabei handelt es sich nicht nur um ein biologisches Merkmal, sondern wird zudem sozial konstruiert. Wie weitreichend die Folgen dieser Konstruktion sind, wo sie beginnt und endet, ist Gegenstand neuerer Sozialforschung. Dabei rücken zunehmend auch geschlechtsbezogene Klischees in den Vordergrund. Denn welche unterschiedlichen Erwartungen an Personen des, stets binär und komplementär betrachteten, einen oder anderen Geschlechts gerichtet werden, wird wesentlich durch Geschlechterstereotype bestimmt

Dem Phänomen der Geschlechterstereotype soll daher in dieser Arbeit genauer nachgegangen werden. Der Fokus wird darauf gelegt, zu klären, was genau Geschlechterstereotype sind und wie sie Menschen beeinflussen können. Ist es etwa möglich, dass Stereotype darauf Einfluss nehmen, wer wir sind oder was wir tun?

Zunächst werde ich mich auf den folgenden Seiten den theoretischen Grundlagen, also den Konzepten von Stereotypen und Geschlechterstereotypen zuwenden, auf den Vorgang der Stereotypisierung und die Konzepte der Global- und Substereotype kritisch eingehen. Um eine konkrete Vorstellung von Stereotypen zu erhalten, werden anschließend kurz die Inhalte von Geschlechter- und einige Substereotype besprochen, ehe im dritten Teil der Arbeit ihre direkten Auswirkungen auf Individuen diskutiert werden

Aufgrund der umfangreichen Literatur und den zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema, vor allem im englischsprachigen Raum, werde ich mich in dieser Arbeit auf eine kritische Auswahl der wichtigsten Untersuchungen stützen und einen Überblick über den Stand der Forschung geben. Es können dabei nicht alle themenbezogenen Forschungsbereiche angesprochen werden, weswegen ich mich stark auf die Aspekte beziehe, die unmittelbar mit der Forschungsfrage zusammenhängen. So wird beispielsweise auf den Einfluss von Geschlechterstereotypen in der Wissenschaft oder die sozialen und biologischen Geschlechterunterschiede aufgrund des Umfangs nicht eingegangen werden. Andere relevante Aspekte die hier nicht weiter thematisiert werden, wie zum Beispiel die Wirkung von Geschlechterstereotypen auf transsexuelle und intersexuelle Personen, sind bisher nicht oder kaum erforscht

1. Zur Theorie der Stereotype

1.1 Stereotype und Geschlechterstereotype

Stereotype können als sozial übermitteltes und kulturell geteiltes Wissen bzw. Scheinwissen zu einer bestimmten Kategorie beschrieben werden (Ashmore/Del Boca, 1979). Den Angehörigen einer Kategorie werden bestimmte Merkmale zugeordnet, die für sie (vermeintlich) typisch sind und die sie von Mitgliedern anderer Kategorien unterscheiden. Merkmale können Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen und Werte, offenes Verhalten und Aspekte der äußeren Erscheinung sein. Stereotype können ferner sowohl positiv als auch negativ konnotiert sein, als Grundlage für Erwartungen in konkreten Situationen dienen und Basis für Urteilsfehler sein (Eckes, 1997, S.17ff.). Bei ihnen handelt es sich um Simplifizierungen, die von einer geringen Beeinflussbarkeit gekennzeichnet sind (Rosch, 1984, S.105f.)

Im Folgenden werde ich Geschlechterstereotype als Teilbereich der Stereotype verstehen. Bei Geschlechterstereotypen handelt es sich um Stereotype, die sich auf die Kategorie Geschlecht beziehen. Analog zu Stereotypen können sie als Kategorien definiert werden, die sozial geteiltes Wissen zu den typischen Merkmalen von Frauen und Männern beinhalten. Für Geschlechterstereotype ist, anders als bei anderen Gruppenstereotypen (wie z.B. Alter, Berufsgruppen) kennzeichnend, dass sie sowohl eine präskriptive als auch eine deskriptive Komponente beinhalten. Sie enthalten demnach nicht nur (vermeintliches) Wissen über die jeweiligen Gruppenmerkmale (Frauen sind vorsichtig) und damit verbundene Erwartungen zu Verhaltensweisen in konkreten Situationen (diese Frau wird vorsichtig Auto fahren) sondern auch Verhaltensvorschriften (Frauen sollen vorsichtig sein). Entspricht eine Person nicht einem stereotypen Wissen, führt dies zu Überraschungen (deskriptive Komponente), erfüllt sie eine stereotype Erwartung nicht, ruft dies Ablehnung hervor (präskriptive Komponente). Die individuelle Internalisierung von Geschlechterstereotypen ist dabei unterschiedlich stark ausgeprägt (Eckes, 2008, S.171)

Ein Aspekt ist an diesem Konzept der (Geschlechter-)Stereotype kritisch zu sehen und im Gedächtnis zu behalten: es geht um das Merkmal der Deskriptivität. Wann kann von einer allgemeinen Aussage oder Einstellung von stereotypem Wissen, wann von Tatsachenwissen gesprochen werden? Handelt es sich beispielsweise bei den Aussagen „Männer sind in der Regel größer als Frauen“ oder „Frauen können gut mit Kindern umgehen“ jeweils um Geschlechterstereotype oder um die Beschreibung empirischer Tatsachen? Im Bereich der Stereotype kann nicht immer eindeutig geklärt werden, ob es sich bei dem vermeintlichen Wissen um wahre oder falsche Aussagen handelt. Aussagen können so allgemein formuliert sein, dass eine empirische Überprüfung nicht möglich ist. Des Weiteren sind etliche auf das Geschlecht bezogene Phänomene sozial konstruiert, also auf die Ungleichbehandlung von Jungen und Mädchen zurückzuführen, weshalb sie veränderbar sind und keine dauerhafte Gültigkeit beanspruchen können. Und schließlich haben auch biologische Unterschiede nur eine begrenzte Gültigkeit, denn auch wenn Männer im Durchschnitt größer als Frauen sind, so lassen sich dennoch zahlreiche gegengeschlechtliche Paare aufzeigen, auf die dies nicht zutrifft

1.2 Stereotypisierung

In der Literatur wird zwischen Stereotypen und Stereotypisierung unterschieden. Während es sich bei Stereotypen um soziokognitive Strukturen handelt, stellen Stereotypisierungen die Anwendung des in den Strukturen enthaltenen Wissens auf Einzelfälle dar (Simon/Hamilton, 1994). Stereotypisierung setzt demnach die Existenz einer sozialen Kategorie voraus (Wissen um Stereotype), und das Vorhandensein einer Person, die einer Kategorie zugeordnet werden kann

Die Verwendung von Stereotypen kann in Abhängigkeit verschiedener Einflussgrößen variieren. Der Prozess der Stereotypisierung wird gefördert, wenn eine Person einen Einzelstatus hat, also aus einer insgesamt homogenen Menge heraussticht (Erhöhung der Augenfälligkeit), eine ausgeprägte Machtdifferenz besteht (da Personen in Machtpositionen den ‚Machtloseren’ weniger Aufmerksamkeit widmen und deswegen verstärkt auf Stereotype zurückgreifen) und eine Ambiguität der Urteilssituation vorliegt (liegen mehrdeutige Kriterien für ein Urteil vor, können Stereotype verstärkt zur Vereinfachung und Verkürzung des Urteilsprozesses beitragen)(Eckes, 1997, S.24ff.)

Eckes führt an dieser Stelle ebenfalls an, dass Stereotypisierung gefördert würde, wenn die Personen- und Berufskategorie nicht zusammenpasse. Gegen diese Ansicht spricht, dass bereits die Hypothese, es könne eine „Passung“ von Beruf und Geschlechtskategorie geben, ein Stereotyp darstellt. Bei der Annahme Stereotypisierung könne durch ein Stereotyp gefördert werden, handelt es sich also um einen Denkfehler. Tritt eine Person in einen geschlechtsuntypischen Beruf ein, Eckes führt exemplarisch die Schwierigkeiten und Karrierehindernisse für Frauen im Management an, wird die Stereotypisierung eher von ihrem Solostatus und den Machtdifferenzen zu den (gegengeschlechtlichen) Vorgesetzten gefördert

1.3 Globalstereotype und Substereotype

Neben Stereotypen und Geschlechterstereotypen werden in der Literatur auch Substereotype besprochen. Bei Substereotypen handelt es sich um Kategorien, die innerhalb einer übergeordneten Gruppe, dem Globalstereotyp, gebildet werden. Ein solches Globalstereotyp kann z.B. das Geschlechterstereotyp „Frau“ sein, ein Beispiel für ein Substereotyp ist „Bankangestellte“. Merkmale der Subgruppen können mit der übergeordneten Gruppe übereinstimmen, weisen aber auch spezifische Kennzeichen auf. Dabei gibt es einen sehr großen Facettenreichtum verschiedener Gruppenbildungen (Maurer/Park/Rothbart, 1995; Brewer/Duell/Lui, 1981)

Die Subgruppen sind mit eigenen Stereotypen assoziiert, das heißt es werden eigene Erwartungen an die Mitglieder der jeweiligen Gruppen herangetragen (Athenstaedt/Alfermann, 2011, S.24). Eine Ordnung der Geschlechtersubgruppen ergibt, dass sich diese auf Berufswelt (Professor), Familie (Hausfrau), politische Einstellung (Emanze), körperliche Charakteristika (Sportsfrau) und Sexualität (Frauenheld) beziehen (Kite/Deaux/Haines, 2008)

Durch die Bildung von Untergruppen werden große Verschiedenheiten innerhalb der Globalstereotype weiter reduziert (Green/Ashmore/Manzi, 2005), dabei werden die Subgruppen so gebildet, dass sich die Mitglieder einer Gruppe möglichst ähneln und von anderen Gruppen unterscheiden (Maurer/Park/Rothbart, 1995). So stellt zum Beispiel Eckes in einer Untersuchung fest, dass das Substereotyp „Hausfrau“ dem Globalstereotyp Frau stark ähnelt, während andere Substereotype (Feministin, Karrierefrau etc.) zum Teil sogar im Widerspruch zu diesem allgemeinen Stereotyp stehen. Ähnlich verhält es sich mit Männerstereotypen (Eckes, 1997, S.171). Damit scheinen Substereotype keiner bestimmten Ordnung zu folgen, sondern einzelne Situationen, Bereiche und Zeiträume betreffende lose Verallgemeinerungen darzustellen, die zum Teil sehr weit verbreitet, zum Teil nur regional bekannt sind

Sowohl geschlechtsbezogene Sub- als auch Globalstereotype sind von einer Bipolarität der Merkmalsbündel gekennzeichnet. Die Geschlechterstereotype sind jeweils durch den polaren Gegensatz von instrumentellen und expressiven Merkmalen gekennzeichnet, weder auf der Ebene der geschlechtsbezogenen Globalstereotype noch unter den Substereotypen lässt sich in der Untersuchung von Thomas Eckes ein androgyner Subtyp auffinden. Des Weiteren zeigt er, dass die Substereotype bis auf einen Fall jeweils mit mehr Merkmalen verknüpft waren als die dazugehörigen Globalstereotype, also ein Informationsgewinn zu verzeichnen war (Eckes, 1997, S.171f.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Geschlechterstereotype. Konzept, Inhalte und soziale Folgen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V266082
ISBN (eBook)
9783656558293
ISBN (Buch)
9783656558262
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechterstereotype, konzept, inhalte, folgen
Arbeit zitieren
Ch. Körner (Autor), 2013, Geschlechterstereotype. Konzept, Inhalte und soziale Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266082

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