Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht am Beispiel von Georg Büchners Woyzeck


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
25 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Figurenkonstellation als literarischer Aspekt in BüchnersWoyzeck

3. Handlungs- und produktionsorientierter Unterric
3.1. Definition der jeweiligen Begrif
3.2. Darstellung einer Unterrichtssequenz zuWoyzeckunter Einbeziehung von handlungs- und produktionsorientierten Arbeitsformen

4. Chancen und Grenzen des handlungs- und produktionsorientierten Unterricht

5. Fazit

6. Szenenreihenfolge

7. Literaturverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Wie schafft es eine Lehrkraft, der es trotz ihres großen Engagements nicht gelingt, ihren Schülerinnen und Schüler ein literarisches Werk näher zu bringen, da sie wegen des stressigen und langen Schulalltags nicht mehr aufnahmefähig sind? Eine Chance kann ein handlungs- und produktionsgeleiteter Deutschunterricht bieten, der mittels kreativer Prozesse den Lernenden einen Zugang zu einem Ro­man, einem Gedicht, einer Kurzgeschichte, einem Drama und vielem mehr er­möglichen kann. Die vorliegende Ausarbeitung wird sich mit diesen Arbeits­formen im Literaturunterricht am Beispiel von Georg Büchners Drama Woyzeck beschäftigen, da es sich angesichts seines Fragmentcharakters und der vielschichtigen Figurenkonstellation dazu adäquat anbietet.

Zunächst wird sich auf den letztgenannten literaturwissenschaftlichen Aspekt bezogen. Bei der Figurenkonstellation wird sich auf die Charaktere der Marie, des Tambourmajor, des Doktors, des Hauptmannes und des Woyzecks beschränkt, da sie maßgeblich für den Ausgang des Dramas sind. Im Anschluss wird auf einen handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht eingegangen, indem zunächst die jeweiligen Begriffe definiert und anschließend kurz die Geschichte des Aufkommens der kreativen Prozesse dargestellt werden. Daraufhin wird eine mögliche Unterrichtssequenz dargestellt, wobei die handlungs- und produktions­orientierten Arbeitsweisen angewendet und eingebettet werden, um den zuvor ausgearbeiteten literaturwissenschaftlichen Aspekt herauszuarbeiten und Schülerinnen und Schülern die Personenverhältnisse verständlich werden zu lassen. In diesem Zusammenhang werden zunächst die didaktischen Impulse erläutert, um daraufhin die methodische Umsetzung der zu erstrebenden Ziele darzustellen. Abschließend werden die Chancen und Grenzen des Einsatzes von der handlungs- und produktionsorientierten Methode im Deutschunterricht gegen­übergestellt.

2. Figurenkonstellation als literarischer Aspekt in Büchners Woyzeck

Im Folgenden wird auf die Figurenkonstellation Georg Büchners Drama Woyzeck ein­gegangen.[1] Unter Figurenkonstellation werden die „dynamische(n) Inter­aktions­strukturen“[2] zwischen handelnden Personen in einem literarischen Werk ver­standen, die sowohl in Kontrast als auch in Korrespondenz zueinander stehen können. Dabei wird deren Zu- oder Abneigung, Verwandtschaft oder Ab­hängig­keiten beleuchtet, was sich im Laufe eines Werkes ändern kann.[3] Dabei lassen sich drei Aspekte voneinander unterschieden. Als erstes kann die Be­ziehung zwischen den Figuren des Werkes anhand ihrer Handlung und Interaktion be­trachtet werden. Als zweites können Figuren von ihren Eigenschaften und letzt­lich von ihrer Funktion innerhalb eines Werkes unterschieden werden.[4] Im wei­teren Verlauf soll die Figurenkonstellation in Büchners Woyzeck geprüft wer­den be­züglich ihres Agierens untereinander. Es soll die Rangordnung der Charaktere und ihre Funktionen aufgezeigt werden. Dabei wird sich auf Franz Woyzeck, Marie, den Hauptmann, den Doktor und den Tambourmajor be­schränkt, da diese Charaktere maßgeblich für die Handlung des zu untersuchenden Dramas sind. Woy­zeck bildet bei dem Zusammenwirken der Figuren den Mittel­punkt, um den sich alle ordnen.[5]

Woyzeck, ein einfacher Soldat, ist partnerschaftlich mit Marie verbunden, die ei­nen unehelichen Jungen zusammen haben. Beide gehören zu den „arme(n) Leut(en)“[6], weswegen Woyzeck für den Hauptmann arbeitet und an dem Experi­ment des Doktors teilnimmt, um seine Familie zu versorgen. Er gibt Marie jedes Geld, das er verdient (vgl. W 14,21-22). Es zeigt sich, dass Marie finanziell ab­hängig von Woyzeck ist. Sie ist materialistisch veranlagt, was daran deutlich wird, dass sie ihr Kind rasch zum Schlafen bringen möchte, um ihr Geschenk vom Tambour­major in einem Teil von einem Spiegel begutachten zu können (vgl. W 13-14). Woyzeck macht alles für seine Familie und ist in gewisser Weise ebenso ab­hängig von Marie wegen seiner starken Gefühle zu ihr. Marie ist sich ihrer ver­führer­ischen Kraft durchaus bewusst (vgl. W 13,38-14,1). Als Woyzeck sie dabei er­wischt, wie sie ihre Ohrringe betrachtet, lügt sie ihn an und möchte das Ge­schenk verschweigen (vgl. W 14,20). Marie scheint es egal zu sein, dass Woyzeck so viel für seine Familie arbeitet, wenn sie sich mit einem anderen Mann einlässt, unter anderem wegen der Geschenke und des Geldes. In dem Moment achtet und an­erkennt sie Woyzeck nicht. Zwischen den beiden herrscht kein Vertrauen. Es bil­det sich ein Teufelskreis: Woyzeck muss viel arbeiten für seine finanziell schwache Familie, wodurch er wenig Zeit mit ihr verbringen kann und sich die bei­den Partner immer weiter voneinander entfernen und entfremden. Obwohl an die­ser Situation die soziale Ungerechtigkeit Schuld hat, sehen die beiden die Fehler bei sich selbst und es kommt zur „privaten [Spannung] zwischen Woyzeck und Marie“,[7] die sie nicht aussprechen, sondern umgehen, wie Woyzeck mit den Wor­ten „’s is gut, Marie“ (W 14,16), damit sie nicht streiten. Woyzecks Liebe und Zuneigung zu Marie bleibt im Drama durchgehend bestehen. Auch als er sie mit ihrem Geliebten beim Tanzen sieht, findet er sie immer noch „heiß“ (W 20,5). Schließ­lich bringt Woyzeck sie wegen seiner zunehmenden Eifersucht um (vgl. W 25, 11-18). Würde Woyzeck Marie nicht lieben, wäre er nicht eifersüchtig. Jedoch ändert sich sein Bild über sie. Anfangs sieht er Marie noch als seine „Frau“ (W 9,40) an und hält viel von ihr. Als er den Anspielungen des Hauptmanns und des Dok­tors über einen Betrug Maries nachgeht und mit ihr darüber redet, nennt er sie „Weib“ (W 18,21), was angesichts der damaligen Zeit zwar keine Beleidigung dar­stellt, aber sehr wohl zeigt, dass Woyzeck Marie mit anderen Augen sieht. Kurz vor dem Mord ist Marie für ihn eine Hure (vgl. W 25,2), wie sie auch andere und schließlich sie selbst sehen (Vgl. W 7,4-7). Er sieht sie nicht mehr als die Freun­din an, die er einst kannte. Sie ist für ihn gesellschaftlich ausgegrenzt wegen ihres unmoralischen Handels, woraufhin er den Entschluss fassen kann, sie zu tö­ten. Marie zeigt sich einerseits besorgt um ihren Freund, als er „so verstört“ (W 7,27) aussieht, aber andererseits betrügt sie ihn. Jedoch bereut sie ihre Affäre (vgl. W 14,24-26), was aufzeigt, dass ihr doch etwas an Woyzeck liegt, sie ihn liebt und schätzt. Allerdings lügt sie Woyzeck an, als er sie auf Betrug anspricht (vgl. W 17-18). Anhand dessen kann entweder ausgesagt werden, dass sie so agiert, um ihn nicht zu verletzen und weiterhin die Beziehung mit ihm zu führen oder dass sie ihn nicht achtet und anerkennt. Marie ist sich ihrer Treulosigkeit und verwerf­lichen Handlung bewusst und fühlt Reue und Scham und vergleicht sich mit Maria Magdalena (vgl. W 22,21-26). Das bedeutet, dass sie trotzdem Gefühle für Woy­zeck hat und um die gesellschaftlichen Normen und Werte weiß. Die An­ziehungs­kraft zum Tambourmajor und die materielle Gier scheinen jedoch stärker zu sein als die Liebe zu Woyzeck, wodurch ihre Liebe zum Ende hin schwächer wird als zu Beginn. Die Beziehung zwischen Marie und dem Tambourmajor ist hin­gegen linear zu betrachten. Beide finden sich sowohl am Anfang als auch zum Schluss hin gegenseitig sexuell anziehend (vgl. W 6,33; 10,36-37). Marie und der Tambour­major zeigen manche Korrespondenzen auf, wie die äußerliche An­ziehungs­kraft auf andere Menschen. Wie Marie wird der Tambourmajor als attraktiv beschrieben, „wie ein Löw“ (W 6,33). Er sieht sich selbst ebenfalls als schön an (vgl. W 20,34). Die sexuelle Zuneigung beider führt zu einer Affäre von Sei­ten Maries (vgl. W 12,17), die sie in der Öffentlichkeit nicht verheimlichen, da sie in einem Wirtshaus lasziv miteinander tanzen (vgl. W 19,34-35). Die An­ziehungs­kraft zwischen ihr und dem Tambourmajor liegt zudem daran, dass er mehr verdient als Woyzeck und Marie finanziell viel bieten und ihr Geschenke machen kann (vgl. W 13,28). Da Marie finanziell schlecht steht, bietet der Tambour­major für sie eine Möglichkeit der Flucht aus der Armut, die sie mit Woy­zeck als armer Soldat nicht begehen kann. Jedoch steht er im militärischen Rang nicht sehr viel höher als Woyzeck.[8] Dies versucht er aufgrund von seinem Aus­sehen und Auftreten zu kompensieren. Der Tambourmajor wird im Drama rein auf sein Äußerliches reduziert. Auf seine charakterlichen Eigenschaften wird nicht genauer eingegangen. Marie findet Woyzeck eher „vergeistert“ (W 7,37) und verrückt, als attraktiv und anziehend. Durch das Experiment erscheint Woy­zeck dürr und mit dünnen wenigem Haar (vgl. W 13,13-24). Nicht nur in seinem Äußeren, sondern auch körperlich ist Woyzeck dem Tambourmajor somit unter­le­gen, sodass Woyzeck beim Kampf der beiden als Verlierer herausgeht (vgl. W 21,5-6). Hier zeigt sich, dass unter den einzelnen gesellschaftlichen Schichten eben­so eine hierarchische soziale Ordnung herrscht, in der Woyzeck unten an­zu­ordnen ist. Die Menschen, die einer Schicht angehören, helfen sich nicht unter­einander, sondern wollen die „Unterdrückung, die man erfährt, weitergeben“,[9] um selbst zu überleben.[10] Innerlich scheint der Tambourmajor schwach zu sein. Er flüchtet sich in den Alkohol, denn er „wollt die Welt wär Schnaps“ (W 21,1) und er vergreift sich an körperlich Unterlegenden, was beides nicht von Stärke zeugt. Er versucht sich mit Gewalt über andere zu profilieren. Der Tambourmajor zeigt sich nach außen hin im Gegensatz zu Woyzeck selbstbewusst und so als wäre er mit seinem Leben zufrieden (vgl. W 16,22; 21,1). Der Tambourmajor tritt dem­nach als Gegenspieler Woyzecks auf, der unterschiedlicher nicht sein kann. Woy­zeck ist sich bewusst, dass er gesellschaftlich betrachtet ebenso unter dem Haupt­mann steht und von ihm und seinem Lohn abhängig ist, wodurch ein „feuda­lis­tisches Abhängigkeitsverhältnis“[11] zwischen ihnen besteht. Aus diesem Grund traut er sich nicht, dem Hauptmann zu widersprechen, obwohl er offensichtlich et­was Falsches sagt, woraufhin Woyzeck als „ganz abscheulich dumm“ (W 4,33) be­titelt wird und sich nicht dagegen wehrt (vgl. W 4,30-32). Die hierarchische Stellung des Woyzecks wird durch den anfangs reduzierten Redeanteil deutlich (vgl. W 4). Vom Hauptmann wird Woyzeck lediglich auf das „Jawohl“ (W 4,11)-Sa­gen reduziert, was zwischen einem Hauptmann und einem Soldaten so üblich ist. In der ersten Szene „Zimmer“ (W 4-5) redet er aber immer mehr mit dem Haupt­mann über seine Sorgen und Nöte, dass eine gewisse Vertrautheit voraus­setzt. Die Redeanteile des Woyzecks werden gegenüber seinem Vorgesetzten höher. Dadurch nähert sich Woyzeck zwischenmenschlich gesehen dem Haupt­mann an, obwohl dieser immer noch mehr sagt als Woyzeck, wodurch sich die ge­sell­schaftliche Hierarchie zwischen den beiden nicht ändert. Der Hauptmann gibt ihm sogar Ratschläge, wie er sich besser verhalten soll, indem er nicht so viel nach­denken soll (vgl. W 5,31). In dieser Situation hat der Hauptmann Woyzeck in der Hand, da er Woyzeck beleidigt wie er möchte und ihn doch wieder als einen „gute(n) Mensch(en)“ (W 5,30) bezeichnet. Er verwirrt Woyzeck mit seinen emo­tio­nalen Veränderungen mehrfach in dem Drama, die sich in seiner Sprache wider­spiegeln, die von Beschuldigungen, selbstmitleidigen Äußerungen bis zu po­sitiven Aussagen reichen (vgl. W 4,33; 4,20; 5,30). Hier zeigt sich die Unter­werfung Woyzecks, die vom Hauptmann auf die Probe gestellt wird (vgl. W 4,27-29). Nach der Meinung des Hauptmanns ist Woyzeck kein moralisch guter Mensch, da er „immer so verhetzt“ (W 4,22) aussieht, was er jedoch später wider­ruft. An dieser Stelle wird deutlich, dass der Hauptmann seine „sozial bedingten Ängste […] auf Woyzeck projiziert“[12], da er das Verhalten und Aussehen Woy­zecks auf Sittlichkeit hin analysiert. Denn nach seiner Ansicht ist Woyzeck nur ver­hetzt wegen seiner Selbstanschul-digungen, die er sich macht, da er denkt un­moralisch zu handeln.[13] Für Woyzeck kann jemand nur sittlich agieren, wenn er in der Gesellschaft hoch steht und wohlhabend ist. So sieht auch er sich selbst als un­moralischen Menschen an, der auch von Gott seines Erachtens nicht geschätzt wird (vgl. W 5,8-29). Woyzeck ist ebenso abhängig von seinem anderen Arbeit­geber dem Doktor, was daran deutlich wird, dass er noch nicht mal urinieren darf, wann er möchte (vgl. W 8,5-7). Jedoch ist der Doktor gleichzeitig auch abhängig von Woyzeck, da durch ihn und sein Handeln sein Experiment gelingen oder fehl­schla­gen kann. Dies versucht der Doktor mit einem widerspruchsfreien „schrift­lich(en) […] Akkord“ (W 8,29) zu beschließen, den Woyzeck freiwillig unter­schrie­ben hat und dadurch mit dem Doktor in ein „Lohnverhältnis“[14] getreten ist. Bei­de sind demnach vertraglich miteinander verbunden, wodurch Woyzeck voll­kommen in der Hand des Doktors liegt. Woyzeck bricht allerdings diese Verbin­dung, indem er trotz des Verbots uriniert. Der Doktor demütigt Woyzeck durch sein Experiment, weil er damit die Nähe zwischen Menschen und Tieren aufzei­gen will. Woyzeck wird von dem Doktor wie ein wissenschaftliches Objekt vor­ge­führt und nicht wie ein ernstzunehmender Mensch behandelt (vgl. W 12,24-13,24). Dadurch wird Woyzeck für ihn zu einem interessanten Objekt. Der Doktor in­teressiert sich nur für Woyzeck und sein Befinden, wenn es etwas mit seinem Ex­periment zu tun hat. Für ihn zählt allein die Wissenschaft und keine zwischen­mensch­liche Beziehungen (vgl. W 8,12). Mit dem Hauptmann pflegt der Doktor ebenso keine gute Beziehung, sondern nennt ihn „Herr Exerzierzagel“ (W 14,32) und macht sich über ihn und seine Angst über eine Krankheit lustig (vgl. W 15,16-25). Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit, da der Hauptmann ihn eben­falls mit den Worten „Herr(n) Sargnagel“ (W 14,31) nicht zu schätzen scheint. Dagegen sind sie sich über Woyzeck einig, dass er kein richtiger Mann ist und beide sticheln ihn an, dass Marie ihn betrügt. Hier interessiert sich der Doktor wiederum nur für Woyzecks physischen und nicht psychischen Zustand. Der Haupt­mann dagegen zeigt sich eher schadenfroh (vgl. W 16-17). Ebenso wie Woy­zeck sieht der Hauptmann den Doktor als unmoralisch Handelnden an auf­grund seiner Gangart. Denn „ein guter Mensch, der ein gutes Gewissen hat, geht nicht so schnell“ (W 15,1-2). Sich selbst sieht er jedoch als einen „gute(n) Mensch(en)“ (W 15, 29) an. Im Gegensatz zum Hauptmann arbeitet der Doktor emsig und nutzt jede Zeit sinnvoll aus. Diese Tatsache repräsentiert den Klassen­unter­schied zwischen den beiden, der einerseits aus einer „müßiggehende(n) Klasse“[15] und andererseits aus einer „produktive(n) Klasse“[16] besteht. Daran zeigt sich. dass sowohl der Hauptmann als auch der Doktor einen bestimmten gesell­schaft­lichen Typen in dem Drama vertreten, von dem später noch zu hören sein wird.[17] Der Hauptmann und der Doktor unterscheiden sich in dem Verhältnis zu Woy­zeck voneinander, da sie verschiedene Abhängigkeiten und Verhältnisse mit­ein­ander verbindet, wie zuvor aufgezeigt. Das Verhältnis zwischen seinen Vorge­setzten und Woyzeck ist während des Dramas gleich bleibend. Beide haben we­gen seiner finanziellen Not über Woyzeck eine gewisse Macht, haben ihn in der Hand und sehen ihn nicht als vollwertige Persönlichkeit an. Von ihnen kann Woy­zeck keine Hilfe erlangen. Das Verhalten des Hauptmanns und des Doktors ist hin­gegen voneinander zu unterschieden. Der Hauptmann zeigt sich melan­cholisch und in seinen Aussagen und Handeln äußerst wechselhaft, was sich auch in den Re­gie­anweisungen widerspiegelt, da er einmal „pfiffig“ (W 4,29), dann wieder „ge­rührt“ (W 4,33) und schließlich „mit Würde“ (W 4,34) reagiert. Er zeigt sich im Gegensatz zum Doktor ängstlich und weinerlich (vgl. W 15,12-30). Der Dok­tor dagegen erscheint als eine starke Persönlichkeit, die sich von anderen Men­schen nicht beirren lässt. Denn er geht weiter, obwohl der Hauptmann ihn ver­sucht aufzuhalten. Zudem zeigt er sich sarkastisch und intelligent (vgl. W 15,16-25). Ebenso finden sich Unterschiede zwischen den beiden Figuren hin­sichtlich ihrer Sprache. Der Hauptmann wiederholt sich oft (vgl. W 4,32) und redet in Tau­to­logien (vgl. W 5,14-15), wodurch vieles was er sagt keinen Wert und Bestand er­hält. Der Doktor benutzt im Gegensatz dazu wissenschaftliche Be­griffe (vgl. W 8,14), das wiederum seinen Intellekt und seine Fixiertheit auf die Wissenschaft ver­deutlicht. Da der Hauptmann und der Doktor nur in der Szene „Straße“ (W 14-17) aufeinandertreffen, lässt sich in ihrem Verhältnis zueinander keine Ent­wick­lung erkennen.

[...]


[1] Das Werk Woyzeck von Georg Büchner ist erstmalig 1879 erschienen. Es handelt sich um ein Dramen­fragment, da der Autor es ein Jahr vor seinem Tod im Jahre 1836 verfasste. Das soziale Dra­ma besteht mit seiner offenen Form aus einer losen Reihenfolge von Szenen, welche sekundär an­gelegt sind (vgl. Hoorn: Woyzeck).

[2] Pfister: Das Drama, S. 232.

[3] Vgl. ebd..

[4] Vgl. Eder: Figurenkonstellation, S. 239.

[5] Vgl. Meier: Woyzeck, S. 34.

[6] Vgl. Büchner: Woyzeck, S. 5, Z. 8. Im weiteren Verlauf mit Sigle W Seiten-, Zeilenangabe an­ge­ge­ben.

[7] Meier: Woyzeck, S. 38.

[8] Vgl. ebd., S. 40.

[9] Ebd., S. 41.

[10] Vgl. ebd..

[11] Ebd., S. 56.

[12] Ebd., S. 44.

[13] Vgl. ebd..

[14] Ebd..

[15] Ebd., S. 52.

[16] Ebd..

[17] Vgl. ebd..

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht am Beispiel von Georg Büchners Woyzeck
Note
3,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V266093
ISBN (eBook)
9783656559528
ISBN (Buch)
9783656559511
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungsorientierung, Produktionsorientierung, handlungsorientierter Literaturunterricht, produktionsorientierter Literaturunterricht, Woyzeck, Büchner, Figurenkonstellation, Figuren, Kreatives Schreiben, Arbeit am Fragment, Unterricht, Unterrichtssequenz, Haas, Literaturdidaktik, Spinner, Produktiver Umgang, Literatur, Deutschunterricht, Waldmann
Arbeit zitieren
Elisabeth Esch (Autor), 2013, Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht am Beispiel von Georg Büchners Woyzeck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266093

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