Das übergreifende Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick darüber zu geben, welche Hürden sich für Bosnien und Herzegowina hinsichtlich eines EU-Beitritts ergeben. Dabei soll die vorliegende Arbeit folgende Fragen beantworten:
- Wie gelingt ein EU-Beitritt und was sind die Voraussetzungen dafür?
- Wie sieht die derzeitige Lage in Bosnien und Herzegowina aus?
- Gelten für Bosnien und Herzegowina andere Voraussetzungen?
- Welche Hürden hat Bosnien und Herzegowina schon genommen? Welche stehen noch aus?
- Warum fällt es Bosnien und Herzegowina schwer die Hürden zu überwinden?
Nach der Einleitung in die vorliegende Arbeit wird in Kapitel 2 ein Einblick in die Entwicklung der Europäischen Integration gewährt. Des Weiteren werden die Voraussetzungen und der Weg zu einem Beitritt in die EU betrachtet.
Daraufhin erfolgt in Kapitel 3 eine nähere Betrachtung des Landes Bosnien und Herzegowina. Dies bietet dem Leser die Möglichkeit, es von der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und vor allem politischen Seite näher kennenzulernen.
In Kapitel 4 werden die bisherigen Beziehungen des Landes mit der EU näher betrachtet. Dabei wird zunächst ein Überblick über die EU-Politik gegenüber dem Westbalkan gewährt. Dieser Überblick ist notwendig, um die Beziehungen zwischen Bosnien und Herzegowina und der EU erläutern zu können.
Die Darstellung der EU-Tauglichkeit von Bosnien und Herzegowina erfolgt in Kapitel 5. Dazu wird zunächst ein Vergleich zwischen Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien hinsichtlich der Erfüllung bestimmter Kriterien gezogen. Ferner wird der aktuelle Stand Bosnien und Herzegowinas dargelegt.
Den Abschluss bildet Kapitel 6 mit einem Fazit.
Der festgelegte Umfang dieser Arbeit und die Komplexität des bearbeiten Themas machen eine inhaltliche Abgrenzung notwendig. So werden in Bezug auf Bosnien und Herzegowina vor allem politische Faktoren in den Vordergrund gesetzt, während wirtschaftliche und andere auf das Wesentliche beschränkt sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Begriffsabgrenzung
2 EU-Integrationsprozess
2.1 Die Entwicklung der europäischen Integration
2.2 Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der EU
2.2.1 Kopenhagener Kriterien
2.2.2 Integrationsfähigkeit der EU
2.3 Weg zur Mitgliedschaft
3 Skizze von Bosnien und Herzegowina
3.1 Historischer und soziokultureller Abriss
3.1.1 Krieg und seine Folgen
3.1.2 Interethnische Beziehungen
3.2 Politischer und wirtschaftlicher Abriss
3.2.1 Das politische System und seine Probleme
3.2.2 Sozialökonomische Entwicklung
4 Bosnien und Herzegowina und die EU
4.1 EU-Politik gegenüber dem Westbalkan
4.1.1 Grundlegende Ziele und Prinzipien
4.1.2 Stabilitätspakt für Südosteuropa
4.1.3 Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess
4.2 Beziehungen zwischen Bosnien und Herzegowina und der EU
4.2.1 Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen zwischen Bosnien und Herzegowina und der EU
4.2.2 Europäische Partnerschaft
4.2.3 Zielsetzung der EU gegenüber Bosnien und Herzegowina
5 EU-Tauglichkeit Bosniens und Herzegowinas
5.1 Vergleichsanalyse der EU-Tauglichkeit von Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien
5.1.1 Einleitung zur Analyse
5.1.2 Vergleich hinsichtlich der Erfüllung der politischen Kriterien
5.1.3 Vergleich hinsichtlich der Erfüllung der wirtschaftlichen Kriterien
5.1.4 Vergleich hinsichtlich der Erfüllung der „kulturellen“ Kriterien
5.2 Aktueller Stand Bosniens
5.2.1 Politische Kriterien
5.2.1.1 Demokratie und Rechtstaatlichkeit
5.2.1.2 Menschenrechte/Minderheiten
5.2.1.3 Regionale Fragen und internationale Verpflichtungen
5.2.2 Wirtschaftliche Kriterien
5.2.2.1 Funktionierende Marktwirtschaft
5.2.2.2 Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck standzuhalten
5.2.3 Acquise-Kriterien
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, einen fundierten Überblick über die bestehenden Hürden für den EU-Beitritt von Bosnien und Herzegowina zu geben und die Forschungsfrage zu beantworten, warum dem Land die Überwindung dieser Beitrittshürden derzeit so schwerfällt.
- Analyse des EU-Integrationsprozesses und der Beitrittsvoraussetzungen (Kopenhagener Kriterien).
- Historische, politische und sozioökonomische Bestandsaufnahme von Bosnien und Herzegowina.
- Untersuchung der Beziehungen zwischen der EU und Bosnien sowie der EU-Politik auf dem Westbalkan.
- Vergleichsanalyse der EU-Tauglichkeit zwischen Bosnien, Kroatien und Serbien.
- Bewertung des aktuellen Stands der Erfüllung politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Kriterien.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Krieg und seine Folgen
Bosnien war bis Anfang der 1990er Jahre Teil der sozialistisch föderativen Republik Jugoslawiens (SFRJ), die nach dem 2. Weltkrieg von Josip Broz Tito gegründet wurde. Bereits zu Beginn der 1980er Jahre führten die wirtschaftliche und politische Situation sowie unterdrückte Konflikte den Zerfall des kommunistisch regierten Jugoslawiens herbei. Durch den Tod von Josip Broz Tito im Jahr 1980 war nicht nur der diktatorische Staatschef der SFRJ gestorben, sondern mit ihm das ehemalige sozialistische Jugoslawien. Er konnte aufkeimende Unzufriedenheit der Bevölkerung bis dahin unter Kontrolle halten bzw. unterdrücken.
Mit dem Ende von Titos Regierungszeit und dem damit einhergehenden Machtvakuum weichten die kommunistischen Ideale der „Brüderlichkeit und Einheit“ den des nationalistischen Bewusstseins. Im Laufe der Zeit übertrugen sich immer stärkere nationalistische Strömungen aus den Teilrepubliken Kroatien und Serbien auf die in Bosnien lebenden Kroaten und Serben. Durch die freien Wahlen 1990 wurden die nationalistischen Strömungen verfestigt. Ziel der kroatischen Partei (HDZ) unter der Führung von Franjo Tudjman war die Vereinigung aller Gebiete, in denen Kroaten lebten, zu einem unabhängigen Kroatien. Gleichzeitig war es Ziel der serbischen Partei (SDS) unter der Führung von Radovan Karadzic ein Großserbien zu gründen, das alle Gebiete umfassen sollte, in denen Serben lebten. Auch dem bosniakischen Politiker Alija Izetbegovic (SDA) wird vorgeworfen eine nationalistische Politik deklariert zu haben, die zur ethnischen Spaltung Bosniens beitrug.
Während die im Land lebenden Kroaten und Bosniaken sich gegen den Widerstand der bosnischen Serben für eine Eigenstaatlichkeit entschieden, entwickelten sich immer stärker werdende nationalistische Spannungen in der kleinen Vielvölkerrepublik Bosnien. Schließlich führte die Frage der Sezession endgültig zum Kriegsausbruch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, erläutert die Beweggründe der Arbeit und definiert die zentrale Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise.
2 EU-Integrationsprozess: Hier werden die theoretischen Grundlagen der europäischen Integration, die Beitrittskriterien (Kopenhagener Kriterien) und das formale Verfahren zur Erlangung einer Mitgliedschaft detailliert dargelegt.
3 Skizze von Bosnien und Herzegowina: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die historische, soziokulturelle, politische und wirtschaftliche Lage des Landes unter besonderer Berücksichtigung der Folgen des Krieges und des politischen Systems nach Dayton.
4 Bosnien und Herzegowina und die EU: Hier werden die Beziehungen zwischen Bosnien und der EU, die EU-Politik auf dem Westbalkan sowie die zentralen Instrumente der Annäherung, wie das SAA, betrachtet.
5 EU-Tauglichkeit Bosniens und Herzegowinas: In diesem Kapitel erfolgt eine Vergleichsanalyse mit Kroatien und Serbien sowie eine detaillierte Prüfung des aktuellen Stands der Erfüllung der politischen, wirtschaftlichen und Acquis-Kriterien.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die These, dass das aktuelle politische System Bosniens das größte Hindernis für einen erfolgreichen EU-Beitritt darstellt.
Schlüsselwörter
Europäische Union, EU-Beitritt, Bosnien und Herzegowina, Westbalkan, Kopenhagener Kriterien, Daytoner Friedensabkommen, Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess, politische Stabilität, Wirtschaftsentwicklung, Korruption, organisierte Kriminalität, Ethnonationalismus, Minderheitenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Demokratiedefizite.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die spezifischen Hürden und Herausforderungen, mit denen Bosnien und Herzegowina bei dem Bestreben nach einem Beitritt zur Europäischen Union konfrontiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen den EU-Integrationsprozess, die politische und wirtschaftliche Analyse Bosniens, die Beziehungen zur EU sowie einen Vergleich mit anderen Staaten des Westbalkans.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, warum Bosnien und Herzegowina Schwierigkeiten hat, die Beitrittshürden zur EU zu überwinden, und welche strukturellen Probleme hierbei eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Analyse sowie einen länderspezifischen Vergleich (Benchmarking) unter Nutzung von EU-Fortschrittsberichten und aktueller Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der EU-Erweiterung, die Bestandsaufnahme Bosniens, die Analyse der EU-Beziehungen und eine detaillierte Vergleichsanalyse der Kriterienerfüllung.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Kopenhagener Kriterien, das Daytoner Abkommen, der Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess sowie die Problematik des Ethnonationalismus.
Inwieweit spielt das Daytoner Friedensabkommen eine Rolle für den EU-Beitritt?
Das Abkommen bildet die derzeitige Verfassungsgrundlage Bosniens, ist jedoch aufgrund seiner Komplexität und der daraus resultierenden politischen Blockaden laut Autorin ein erhebliches Hindernis für die Annäherung an die EU.
Was sagt die Autorin über die Rolle des sogenannten „Fall Sejdic-Finci“ aus?
Der „Fall Sejdic-Finci“ wird als konkrete, gravierende Hürde bezeichnet, da er die ethnische Diskriminierung im bosnischen Wahlsystem offenlegt, die mit den demokratischen Standards der EU unvereinbar ist.
Wie bewertet die Autorin die wirtschaftliche Situation Bosniens im Hinblick auf die EU-Tauglichkeit?
Sie beschreibt die wirtschaftliche Situation als problematisch, gekennzeichnet durch hohe Arbeitslosigkeit und eine ineffiziente Verwaltung, was eine funktionierende Marktwirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU stark erschwert.
Gibt es eine zentrale These der Arbeit?
Ja, die zentrale These lautet, dass Bosnien mit dem aktuellen politischen System und der gegenwärtigen Verfassung kaum in der Lage sein wird, die EU-Beitrittshürden eigenständig zu überwinden, weshalb eine grundlegende politische Neuordnung notwendig erscheint.
- Arbeit zitieren
- Filiz Koca (Autor:in), 2013, Hürden für den Beitritt Bosnien und Herzegowinas zur Europäischen Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266154