Sachtextanalyse zu Max Brods ‚Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas‘


Hausarbeit, 2000

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Sachtext analyse zu Max Brods

‚Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas‘

„Es gibt mehr Leute die kapitulieren, als Solche die scheitern.“ – Henry Ford

Diesem Zitat Fords ist zu entnehmen, dass der Mensch sich selbst der größte Feind ist und sich seine eigenen Hürden stellt. Trotz des negativen Grundgedankens, den das Zitat auf den ersten Blick vermittelt, ist diesem aber auch ein Hoffnungsschimmer zu entnehmen. Denn ausgesagt wird, dass der Mensch sein Leben selbst in der Hand habe. Er könne sich selber Steine in den Weg legen, doch genauso könne er diese auch wieder aus dem Weg schaffen. Er entscheide sich in seiner Handlungsfreiheit für einen Lebensweg. Wenn er kapituliere, so kapituliere er nicht aus Zwang, sondern aus dem eigenen Fehler der Tatenlosigkeit. Denn „keinen Ausweg aus der Misere zu kennen bedeutet nicht, dass es keinen Ausweg gibt“ (Erhard Schümmelfeder). Auch in Kafkas Parabeln scheinen auf den ersten Blick die jeweiligen Erzählfiguren zu kapitulieren. Doch dass auch hier stets eine Auswegsmöglichkeit existiert, führt Max Brod über seinen Zeitgenossen und engen Vertrauten Franz Kafka in seinem Buch „Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas“ auf. Laut Brod gebe es in Kafkas Werken viel Skepsis, das an den Grundlagen des Glaubens rüttele, dennoch sei er kein Dichter des Unglaubens und der Verzweiflung, sondern viel mehr ein Dichter des Prüfens des Glaubens und der Prüfung im Glauben. Kafkas Parabeln sind somit mehr als nur reine Reflexionen von Kafkas Leben selbst. Sie sind Kunst, in der sich der Künstler in einem Spiel zwischen Trug und Sein befindet. Ziel dieses Spiels ist es, trotz dem Schein des unausweichlichen Scheiterns ein Hintertürchen zum Ausweg zu erreichen bzw. sich zumindest der Existenz dessen bewusst zu werden.

Franz Kafkas Werke werden von vielen Lesern oft auf eine nihilistische und pessimistische Deutung beschränkt. Max Brod aber versucht auf den Hoffnungsschimmer, welcher in Kafkas Prosa erst beim genaueren Hinsehen erkennbar wird, aufmerksam zu machen. Zwar sei das Pessimistische und scheinbar rein Schwarzseherische in Kafkas Texten nicht zu leugnen, doch gibt es auch stets einen Wendepunkt, welcher eine „entgegengesetzte Richtung einschlägt“ (Z.4). Diese Momente der Hoffnung und der gegebenen Möglichkeiten des Auswegs seien das entscheidende bei Kafka (Z.6), da sie dem Protagonisten „Rettungsmöglichkeiten“ bzw. Lösungsvorschläge gäben. Diese Rettungsmöglichkeiten seien allerdings für den Außenstehenden weniger ersichtlich als die scheinbar schicksalhaften und verhängnisvollen Situationen, in denen sich Kafkas Figuren befinden (Z.9). Dadurch, dass diese Lichtblicke so selten und gezielt eingesetzt werden, werden sie – so Brod – umso bedeutender (Z.35f). Kafka alleine als Pessimist zu bezeichnen, sei ein Trugschluss (Z.34), auch wenn die Situationen von Kafkas Protagonisten stets auf Angst und auf dem Gefühl der Gefangenschaft basieren (Z. 39-43). Es gäbe zwar viele Überschneidungen zwischen Kafka und den Existentialisten, doch könne Kafka trotz dessen nicht mit diesen gleichgesetzt werden, da er ein „religiöser Denker“ sei. Kafkas Ziel sei keine Zerstörung von Wertvorstellungen und auch habe er nicht den Drang danach gehabt (Z. 10-13). Dennoch ist dieses Negative und Zerstörerische bei ihm nicht abzustreiten. Aber es bildet nicht die Hauptaussage in Kafkas Prosa. Eher sei es das Positive, welches zwar nicht deutlich aus seinen Werken hervorkomme, aber dennoch präsent sei und trotz dieser Vernebelung den Kerninhalt bilde. Ausschlaggebend ist hierbei vorallem Kafkas Bestreben, diesen Qualen zu entkommen (Z. 43ff). Kafka strebe – so Brod – „Freiheit und Ordnung“ an (Z.48) und lasse sich von diesem Ziel durch keine Hindernisse ablenken (Z.50).

Die Zweifel, welche in Kafkas Werken nur scheinbar vordergründig sind, stehen im Gegensatz zu seiner durchdachten und dichterischen Ausdrucksweise (Z. 17-19). Diese sprachliche Gestaltung steht über allen „theoretischen Kontroversen“ (Z. 18f), also über allen Konflikten, in welche sich die Figuren in Kafkas Prosa hineindenken und dadurch an ihrem Zweifel scheitern. Diese dichterische Gestaltung sei von „absoluten Werten“ bestimmt (Z.21-28). Dahinter steht laut Brod also eine auf Moral basierende Intention. Kafkas Werke seien durch diese sprachliche Gestaltung in Verbindung mit dem komplexen Inhalt „Kunst höchster Ordnung“ (Z.26).

Anders als die Expressionisten (vgl. Z. 4 „heutige Strömung), verliere Kafka den Glauben an Gott nicht, wodurch die von Brod akzentuierte bestehende Hoffnung verständlich wird (Z.51ff.). Nur sei die Nähe dieses Gottes für Kafka eine scheinbar unerreichbare (Z. 52-53).

Bei der persuasiv beeinflussenden Stellungnahme Brods in dem Auszug aus „Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas“, welche 35 Jahre nach Kafkas Tod geschrieben wurde, geht es um den Überzeugungsversuch Brods bezüglich der hoffnungstragenden Kernaussage in Kafkas Werken.

Die zu Beginn des Auszuges formulierte These besagt, dass Kafkas Prosa stark von negativen Zügen geprägt sei (Z.1-4). Auf diese These folgt jedoch sofort eine Antithese, welche diese Pauschalisierung kritisiert. Ausgesagt wird, dass Kafkas Negativismus durch einen Wendepunkt durchbrochen werde. Dies bildet die Leitthese des Textauszuges. Durch diesen Bruch unterscheidet sich Kafka stark von den Autoren der damaligen Strömung – sprich von den Expressionisten, welche alleine den hoffnungslosen Zerfall thematisierten. Gestärkt wird diese These durch das normative Argument, dass diese Wendepunkte Lösungsvorschläge für Kafkas Figuren bieten. Brod spricht hier von „Rettungsmöglichkeiten der Menschheit“ (Z.7), womit er Kafkas Schreiben eine starke Aussagekraft zuschreibt, welche besagt, dass die Menschheit im Allgemeinen beeinflusst werden könnte. Er macht in seiner Argumentation aber auch deutlich, dass diese „Rettungsmöglichkeiten“ unauffällig und auf den ersten Blick zunächst nicht zu erkennen seien (Z. 9). Durch die Verwendung des Konzessivsatzes in Verbindung der Wiederholung mit der Komparation „weniger“ wird die Aussage, dass diese Rettungsmöglichkeiten nur schwer zum Vorschein kommen, geschwächt. Die Bedeutung der Existenz dieser Lösungsvorschläge wird so akzentuiert. Ebenfalls soll dadurch deutlich gemacht werden, dass diese gegebenen Lösungsvorschläge durchaus mehr Gehalt haben, als das Negative bei Kafka.

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Details

Titel
Sachtextanalyse zu Max Brods ‚Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas‘
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V266187
ISBN (eBook)
9783656568612
ISBN (Buch)
9783656568605
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sachtextanalyse, brods, erlösung, werk, franz, kafkas‘
Arbeit zitieren
Nika B. (Autor:in), 2000, Sachtextanalyse zu Max Brods ‚Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266187

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