Marlen Haushofers "Die Wand". Das Motiv der Misanthropie


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definition Misanthropie
2.2 Die Entstehung der Misanthropie bei der Protagonistin
2.3 Misanthropische Grundzüge der Ich-Erzählerin
2.4 Die Tötung des Fremden aus misanthropischer Perspektive

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

Das Motiv der Misanthropie in Marlen Haushofers „Die Wand“

1. Einleitung

„Wo sind die Menschen hin?“ fuhr der kleine Prinz endlich fort. „ Man ist ein bisschen einsam in der Wüste.“Man ist auch bei den Menschen einsam“ ,sagte die Schlange. [1]

Dieses Zitat aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ beschreibt mit wenigen Worten das Leben der Protagonistin in dem 1963 erschienen Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer.

Einsamkeit zieht sich durch ihre gesamte Biografie. Dabei ist es noch nicht einmal so, dass sie in keinem Kontakt zu anderen Menschen steht. Zumindest anfangs nicht.

Sie hat 2 Töchter, einen Mann und trifft sich auch mit anderen Frauen zum Tee, doch ist auf keinerlei Weise zufrieden. Das Patriarchat der 1960er Jahre macht ihr das Leben schwer, doch in der Gesellschaft schweigt man nur über die frauenfeindlichen Einstellungen dieser Ordnung. Ihre Töchter machen sie schon lange nicht mehr glücklich.

Sie zieht sich zurück. Isolation.

Ihr Mann stirbt, ihre Töchter werden erwachsen. Einsamkeit.

Dann kommt die Wand. Isolation.

Ein Leben mit Tieren. Ein Leben ohne Menschen. Einsamkeit?

In dieser Hausarbeit geht es nicht direkt um Einsamkeit. Vielmehr geht es darum, was sie aus der Protagonistin macht: Sie wird zu einem Misanthrop, einem Menschenfeind.

Was die Philosophie über Misanthropie denkt, wie sie generell entsteht und wie sie sich bemerkbar macht, werde ich kurz im nächsten Punkt 2.1 erläutern.

Danach (2.2) werde ich auf das Werk „Die Wand“ eingehen und untersuchen, wie die Misanthropie bei der Ich-Erzählerin entsteht, welche Faktoren diese Lebenseinstellung beeinflussen.

In 2.3 geht es darum, an welchen Textstellen man erkennt, dass die Protagonistin ein Misanthrop ist. Ich wähle bewusst das Wort „Textstellen“, da es sich bei dem gesamten Text um einen Bericht der Protagonistin selbst handelt. In der Ich-Form werden alle Gedanken unverschönt aus erster Hand berichtet.

Im letzten Punkt des Hauptteils (2.4) werde ich mich auf die Tötungsszene des Fremden spezialisieren und analysieren, inwiefern man dort die Misanthropie erkennt und warum es aus misanthropischer Sicht zu diesem Delikt kommt.

Mit dem Schluss sollen die zuvor erlangten Ergebnisse nochmals gefestigt werden.

2. Hauptteil

2.1 Definition Misanthropie

Spricht man von „Misanthropie“, so übersetzt man schnell „Menschenhass“[2], doch es ist vielmehr eine „Einstellung des Menschen sich selbst und anderen gegenüber“[3].

„Misanthropie entsteht dann, wenn eine Verstimmung [in der Welt für jemanden] bleibend wird“[4], beispielsweise durch unerfreuliche Erfahrungen mit anderen Menschen.

Der Misanthrop ist daher weltabgewandt, er ekelt sich „vor Unaufrichtigkeit und geheuchelter Freundschaft“[5]. Dieser Hass auf alles Vorgetäuschte „treibt den [Menschenfeind] in die Isolation, da sich die Anderen im Spiel der Lügen und Schmeicheleien eingerichtet haben“[6].

Die Welt wird als „Karikaturenkabinett“, „Narrenhaus“ und „Gaunerherberge“[7] gesehen, was ihre ästhetische, intellektuelle und moralische Seite extrem abwertet. Der Mensch wird also sowohl ästhetisch abgelehnt, als auch sein Wirken auf der Erde negativ bewertet.

2.2 Die Entstehung der Misanthropie bei der Protagonistin

Die Misanthropie der Ich-Erzählerin ist nicht schon immer ein Teil von ihr gewesen. Vielmehr entwickelt sie sich im Laufe ihres Lebens; die Erzählerin wird sich dessen aber erst durch ihren Schreibprozess bewusst, während dem sie über ihr früheres Leben reflektiert. Diese Entwicklung äußert sich vor allem, wenn sie über ihre Zukunft hinter der Wand nachdenkt: Aus Hoffnung auf Befreiung („[…] blieb mir die Hoffnung, dass man mich in wenigen Tagen aus meinem Waldgefängnis erlösen würde“[8] ) wird im Laufe des Berichts Furcht vor einer Entdeckung durch die Menschen und sie kommt zum Entschluss, dass sie besser allein lebe: „Es wäre besser für mich, sie kämen nie“[9].

[...]


[1] Saint-Exupéry, 1954, S. 36

[2] http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?title=Misanthropie&tx_gbwbphilosophie_main[entry]=562&tx_gbwbphilosophie_main[action]=show&tx_gbwbphilosophie_main[controller]=Lexicon&cHash=c400cfaa8529ef5fe4b6da8ac4873c07 (12.09.12)

[3] ebenda

[4] ebenda

[5] ebenda

[6] ebenda

[7] ebenda

[8] Haushofer, 2005, S.22

[9] ebenda, S.104

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Marlen Haushofers "Die Wand". Das Motiv der Misanthropie
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V266215
ISBN (eBook)
9783656559740
ISBN (Buch)
9783656559757
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marlen Haushofer, Die Wand, Misanthropie, Marlen Haushofers Die Wand, Robinsonade
Arbeit zitieren
Natascha Weis (Autor), 2012, Marlen Haushofers "Die Wand". Das Motiv der Misanthropie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266215

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Marlen Haushofers "Die Wand". Das Motiv der Misanthropie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden