„Die Hölle, das sind die anderen“ – wie bei kaum einem anderen Autor ist die schriftstellerische Tätigkeit Jean-Paul Sartres unlösbar mit seiner Philosophie verknüpft, wie sich in seinen literarischen Werken deutlich zeigt.
Dieses Buch stellt in einem einführenden Beitrag Sartres Verständnis von Kunst und Literatur vor. Darüber hinaus ziehen die Autoren Verbindungslinien zwischen der Philosophie des Existenzialismus sowie Sartres Erstlingsroman „Der Ekel“ und dem Drama „Geschlossene Gesellschaft“.
Aus dem Inhalt: Zur Theorie des imaginären Kunstwerks; Sartres Theorie der Intersubjektivität; Unbehagen, Scham und Ekel in „Das Sein und das Nichts“ und „Der Ekel“; Elemente des Existenzialismus in „Geschlossene Gesellschaft“
Inhaltsverzeichnis
Silja Maehl (2003): Das Phänomen Kunst - Untersuchung zur Theorie des imaginären Kunstwerks bei Jean-Paul Sartre
Einleitung
Phänomenologie und Kunst
Das semiotische und materialistische Kunstverständnis
Sartres Kunstverständnis
Kritische Auseinandersetzung mit Sartre
Fazit
Paul Parszyk (2013): Unbehagen, Scham und Ekel in Sartres Theorie der Intersubjektivität. "Das Sein und das Nichts" und "Der Ekel"
Einleitung
Intersubjektivität als Phänomen bei Sartre
Ekel
Schlussteil
Claudia Kollschen (2003): Jean-Paul Sartre: "Der Andere" und weitere Elemente des Existenzialismus im Drama "Huis Clos"
Einleitung
Hauptteil
Rahmen
Personen
Elemente des Sartre'schen Existenzialismus in „Huis Clos“
Bedeutung des zentralen Satzes „Die Hölle, das sind die Andern.“
Schlussbemerkung
Ralf Beckendorf (2005): Über: Die Hölle, das sind die Anderen! Sartres Existenzialismus in "Geschlossene Gesellschaft"
Einleitung
Jean-Paul Sartre
Für-Andere-Sein, Sartres Existenzialismus
„Die Hölle, das sind die Andern“; Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das philosophische Werk von Jean-Paul Sartre mit einem Fokus auf die existenzialistische Phänomenologie, insbesondere im Kontext von Kunst, Intersubjektivität und zwischenmenschlichen Beziehungen in seinen literarischen Dramen wie "Huis Clos".
- Phänomenologische Analyse von Kunst und Imagination bei Sartre
- Untersuchung der Intersubjektivität und der Rolle des "Anderen"
- Analyse der emotionalen Phänomene Ekel, Scham und Unbehagen
- Interpretation von Sartres zentraler These "Die Hölle, das sind die Andern"
- Darstellung des Existenzialismus anhand von "Geschlossene Gesellschaft"
Auszug aus dem Buch
Phänomenologie und Kunst
In „Phänomene im Bild“ stellt Lambert Wiesing zunächst die These auf, dass Phänomenologie und Kunst methodisch verwandt seien. Das erläutert er im Zuge seiner Diskussion des phänomenologischen Bildbegriffs. Seine zweite These ist die, dass Bilder sowohl in den Neuen Medien als auch in der Kunst des 20. Jahrhunderts eine grundlegende gemeinsame Funktion haben: als Verstärker der Imagination. Dass sich letzteres als eine Funktion der Kunst im Allgemeinen in der Philosophie Jean-Paul Sartres wiederfindet, möchte ich im Laufe meiner Arbeit zeigen. Die Imagination spielt in der Ästhetik Sartres sogar die entscheidende Rolle. Hierauf komme ich jedoch später zu sprechen.
Die Phänomenologie ist nach Wiesing im Wesentlichen aus drei Gründen dazu geeignet, dem Sinn und Zweck von Kunst näher zu kommen: Zuerst einmal habe Phänomenologie eine Strukturaffinität mit der Kunst – nämlich die Imaginarität. Der phänomenologischen Theorie liege als einer Philosophie der Korrelation – der Wechselwirkung zwischen Bewusstsein und Gegenständen und damit der reflektierten Wahrnehmung –‚ eine ähnliche Methode wie der Bildbetrachtung zugrunde. Der Bildbetrachter stilisiere, imaginiere und synthetisiere ebenso, wie es der Phänologe von alltäglichen Bewusstseinsakten auch annimmt. „Phänomen“ übersetzt man am besten mit „Erscheinung“. Ein Phänomen ist in der Phänomenologie das „Bild“, das sich ein Subjekt von einem Objekt macht so wie es ihm erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird das Ziel verfolgt, das Kunstverständnis Jean-Paul Sartres als phänomenologisches Phänomen zu untersuchen und in den Kontext existenzphilosophischer Überlegungen zu stellen.
Phänomenologie und Kunst: Das Kapitel beleuchtet die methodische Verwandtschaft von Phänomenologie und Kunst sowie die Rolle der Imagination als zentrales Element.
Das semiotische und materialistische Kunstverständnis: Hier erfolgt eine kritische Abgrenzung Sartres von materialistischen und zeichentheoretischen Ansätzen, die den Kunststatus auf die Materie oder Symbole reduzieren.
Sartres Kunstverständnis: Es werden die Bedingungen für den Kunststatus nach Sartre erläutert, wobei das Kunstwerk als imaginäres Objekt in Wechselbeziehung zum Künstler und Rezipienten verstanden wird.
Kritische Auseinandersetzung mit Sartre: Es wird kritisiert, dass Sartre eine zu strikte Trennung zwischen Wahrnehmung und Vorstellung vornimmt und die sinnliche Dimension des Schaffensprozesses unterbewertet.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Sartres Ästhetik trotz ihrer idealistischen Prägung einen wertvollen Beitrag zur Phänomenologie leistet, indem sie Kunst als Ausdruck von Freiheit und als existenzielle Praxis begreift.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Sartre, Existenzialismus, Phänomenologie, Kunstverständnis, Imagination, Intersubjektivität, Huis Clos, Geschlossene Gesellschaft, Ekel, Scham, Der Andere, Freiheit, Bewusstsein, Intentionalität, Existenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das philosophische Verständnis von Kunst und Intersubjektivität bei Jean-Paul Sartre und untersucht, wie diese Theorien in seinen literarischen Werken zur Anwendung kommen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Phänomenologie der Kunst, der existenziellen Bedeutung des Blicks durch den "Anderen", Scham, Ekel sowie der Frage nach der Freiheit und Authentizität des menschlichen Handelns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Sartres ästhetische und philosophische Positionen darzulegen und kritisch zu hinterfragen, ob seine strikte Trennung von Wahrnehmung und Vorstellung den komplexen Schaffensprozessen der Kunst gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine phänomenologische Analyse angewandt, die Sartres theoretische Schriften mit seinen literarischen Texten wie "Huis Clos" und "Der Ekel" in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung von Kunst als imaginäres Phänomen, die Auseinandersetzung mit anderen philosophischen Positionen sowie die detaillierte Analyse der zwischenmenschlichen Machtstrukturen in "Huis Clos".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das Für-sich und An-sich-Sein, der Blick, die Unaufrichtigkeit (mauvaise foi), die Kontingenz und das existenzielle Projekt.
Inwiefern spielt der "Blick" eine Rolle für die Intersubjektivität?
Der "Blick" des Anderen ist konstitutiv, da er das Subjekt zum Objekt degradiert und es zwingt, sich selbst in seiner Objektivität wahrzunehmen, was Scham und existenzielle Beklommenheit auslöst.
Warum wird in "Huis Clos" die Hölle als "die Anderen" bezeichnet?
Weil der Andere durch seine bloße Anwesenheit und den ständigen Blick die Freiheit des Individuums einschränkt, es festlegt und jede Möglichkeit zur Flucht in eine authentische Existenz durch ständige wechselseitige Verurteilung blockiert.
Welche Rolle spielt die "Unaufrichtigkeit" bei Sartre?
Unaufrichtigkeit ist der Versuch des Menschen, seine existenzielle Freiheit und Verantwortung zu leugnen, indem er sich als festes, determiniertes Objekt darstellt, um sich vor den Konsequenzen seiner Entscheidungen zu drücken.
- Quote paper
- Silja Maehl (Author), Paul Parszyk (Author), Claudia Kollschen (Author), Ralf Beckendorf (Author), 2013, Jean-Paul Sartre. Literatur des Existenzialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266232