Lippmann-Fotografie. Unkopierbare und einzigartige Bilder

Bedeutung und Funktion von nicht reproduzierbaren Fotografietechniken


Hausarbeit, 2013

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das Problem der Reproduzierbarkeit von Fotografien

3. Lippmanns Fotografien
3.1. Gabriel Lippmann
3.2. Verfahren
3.2.1. Theorie
3.2.2. Praktische Anwendung
3.3. Eigenschaften

4. Misserfolg des Verfahrens

5. Heutige Einsatzmöglichkeiten

6. Schluss

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Täglich begegnen sie uns. Im Bilderrahmen auf unserem Schreibtisch schaut uns der Lebenspartner an, auf Werbeplakaten in der Innenstadt posiert ein Model im neusten Sommertrend oder in digitalisierter Form auf unserem Computer befindet sich eine regelrechte Datenflut an Bildern. Fotografien sind für uns etwas ganz Alltägliches. Viele besitzen eine eigene Kamera und können so jederzeit leicht Fotografien anfertigen - und das, u.a. dank der Handykameras, auch noch überall. Diese Bilder können dann in verschiedensten Formaten und Qualitäten gedruckt oder weiterverarbeitet werden. Der Familie können die neusten Urlaubseindrücke visuell vermittelt, ein Fotobuch für den Geburtstag der Oma angefertigt oder eine

neue Kampagne für die neue Modekollektion erstellt werden. All dies ist den mit der Fotografie assoziierten Eigenschaften von der Fähigkeit der Moment-aufnahme, der benutzerfreundlichen Bedienung des Fotoapparats und der Möglichkeit der Vervielfältigung der Bilder zu verdanken. Doch was man bei all der Selbstverständlichkeit um Fotografien und ihrer Anfertigung vergisst ist die Tatsache, dass es noch andere Fotografieverfahren gibt, als die uns bekannten analogen Dreifarb-Fotografieverfahren oder die digitale Fotografie.

Vor über hundert Jahren[1] entwickelte Gabriel Lippmann ein Verfahren, mit dem auf eine vollkommen andere Art Farbfotografien erzeugt werden können. Doch obwohl die Qualität der Bilder hervorragend und die Haltbarkeit der Bilder deutlich höher als bei den heutzutage verbreiteten Verfahren ist, konnte sich sein Verfahren nicht durchsetzen. Doch warum, wenn es doch so gute und qualitativ hochwertige Bilder herstellen konnte?

Nach einem kurzen Überblick über die Probleme, die die Reproduktions-möglichkeit von Fotografien mit sich bringt, und einer genauen Darstellung von Lippmanns Verfahren, werden die daraus resultierenden besonderen Eigen-schaften erläutert. Anschließend wird darauf eingegangen, wo Lippmanns Verfahren heute dennoch angewandt wird. Dadurch soll schließlich die Frage geklärt werden, warum die Lippmann-Fotografie keinen kommerziellen Erfolg hatte, aber heute dennoch von Bedeutung ist.

2. Das Problem der Reproduzierbarkeit von Fotografien

Wie bereits erwähnt sind in unserem Alltag, und davon ausgehend auch in unserem Verständnis, Fotografien leicht zu vervielfältigen. Schon Walter Benjamin erklärte 1935 die Möglichkeit der Vervielfältigung in seinem Aufsatz mit dem in diesem Zusammenhang aussagekräftigen Titel „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“[2] als etwas Essentielles: „Das Kunstwerk ist grundsätzlich immer reproduzierbar gewesen. Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.“[3] Diese Fähigkeit des Menschen zur Reproduktion von allem, was menschengemacht ist, bringt, neben den legalen Kopien von Urlaubsfotos oder der Vervielfältigung von Flyern, Postern und Fotobüchern, auch Probleme mit sich. Bestimmte Medien, wie identitätsbezogene Ausweise (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein) oder Zahlungsmittel (Geld oder Kreditkarten), dürfen - aus Gründen der Ordnung und Sicherheit der Gesellschaft - nicht kopiert werden[4]. Verschiedene Kopier-schutzverfahren sollen, zusammen mit schweren Strafen, ein Zuwiderhandeln unterbinden. Dennoch finden immer wieder Schwarzkopien, Urheberrechts-verletzungen und Fälschungen statt, die die wichtige Unterscheidung von Original und Kopie erschweren[5], sodass immer wieder neue Möglichkeiten und Verfahren gesucht werden, die diese Unterscheidung gewährleisten können.

Vor diesem Hintergrund wird im Folgenden das Verfahren der Lippmann-Fotografie erläutert.

3. Lippmanns Farbfotografien

Bis heute wird das von Lippmann entwickelte Verfahren als einzigartig angesehen.[6] Der deutsche Arzt und Anthropologe Richard Neuhauss[7] geht sogar so weit zu sagen, dass das Verfahren zur Herstellung einer Lippmann-Fotografie die einzige Technik sei, die den Namen „Farbenphotographie“ überhaupt verdiene.[8] Hundertdreißig Fotografien von Lippmann, die im Zeitraum von 1891 bis 1899 entstanden, sind heute noch erhalten. Sie lagern im Musée de l'Élysee im Schweizer Ort Lausanne.[9] Die relativ kleinen Fotografien in Postkartengröße weisen trotz ihres Alters einen großen Detailreichtum und eine starke Farbtreue auf[10], wie man am Beispiel der - hier leider nicht originalgetreu wiedergebbaren - Lippmann-Fotografie des Palais du Luxembourg[11] sehen kann (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - "Gabriel Lippmanns Aufnahme des Palais du Luxembourg (frz. Senat)"[12]

3.1. Gabriel Lippmann

Gabriel Lippmann, der Erfinder der interferentiellen Fotografie bzw. Helio-chromie[13][14], auf die im weiteren Verlauf noch genau eingegangen wird, wurde 1845 als Sohn französischer Eltern in Luxembourg geboren. Nach seinem Studium an der École normale in Paris und einer abgebrochenen Lehrerausbildung bekam er 1872 ein Stipendium der französischen Regierung, woraufhin er zum Studieren für drei Jahre nach Berlin und Heidelberg ging. Acht Jahre nach seiner Rückkehr nach Paris bekam er eine Professur an der Sorbonne - zunächst für Mathematische, später für Allgemeine Physik.[15] Im Jahre 1908 erhielt Lippmann den Nobelpreis für Physik[16]. Mit sechsundsiebzig Jahren starb er schließlich im Jahre 1921.

3.2. Verfahren

Kurz nach seiner Rückkehr nach Paris begann Lippmann mit der Entwicklung seines Farbfotografie-Verfahrens. Doch erst nach einer zwölfjährigen Entwicklungsphase[17] stellte er es der Académie des Sciences im Februar 1891[18] vor. Trotz der Anerkennung in den Fachkreisen dauerte es folglich noch siebzehn Jahre, bis er für sein Verfahren den Nobelpreis für Physik erhielt[19].

Der Grund für die Anerkennung liegt in der Neuartigkeit der Technik seines Verfahrens, welches er entwickelte, auch wenn Wilhelm Zenker die Grundidee zu dieser Art der Fotografie bereits 1868 hatte - achtzehn Jahre vor Lippmann. Allerdings entwickelte Lippmann sein Verfahren unabhängig von Zenker und führte es als erster praktisch aus, weshalb er auch als Begründer dieser Fotografietechnik gehandelt wird.[20]

[...]


[1] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[2] Benjamin, Walter (1935): „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“.

[3] Benjamin, Walter (1935): „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 3.

[4] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 141.

[5] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 141.

[6] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[7] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[8] Vgl. Neuhauss, Richard (1898): „Die Farbenphotographie nach Lippmann's Verfahren“, Vorwort.

[9] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[10] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[11] Anmerkung: Die Erscheinung der echten Lippmann-Fotografie kann hier nicht dargestellt werden, da es sich bei der Abbildung 1 nur um eine Kopie des Originals handelt.

[12] Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16

[13] Worterklärung: Heliochromie = altgriech. helios "Sonne" und chroma "Farbe"

[14] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[15] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): „Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.“, S.16.

[16] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 137.

[17] Vgl. Kellerbauer, Alban (2010): "Interferentielle Fotografie. Farbbilder aus gefrorenem Licht.", S.16.

[18] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 135.

[19] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 135.

[20] Vgl. Schröter, Jens (2009): „3D. Zur Geschichte, Theorie und Medienästhetik des technisch-transplanen Bildes“, S. 133-135.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Lippmann-Fotografie. Unkopierbare und einzigartige Bilder
Untertitel
Bedeutung und Funktion von nicht reproduzierbaren Fotografietechniken
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Fotografie. Geschichte ihrer ideologischen Funktionen.
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V266292
ISBN (eBook)
9783656563907
ISBN (Buch)
9783656563891
Dateigröße
1587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lippmann-fotografie, unkopierbare, bilder, bedeutung, funktion, fotografietechniken
Arbeit zitieren
Stella Dommermühl (Autor), 2013, Lippmann-Fotografie. Unkopierbare und einzigartige Bilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266292

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