Der Mensch im Christentum und Buddhismus


Hausarbeit, 2004
20 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist der Mensch? Betrachtung aus 3 verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven

2. Buddhismus und Christentum – Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Unterschiede

3. Der Mensch im Christentum
3.1 Die Würde des Menschen
3.2 Ist der Mensch Ebenbild Gottes?
3.3 Der Mensch und die Sünde

4. Der Mensch im Buddhismus
4.1 Der Buddhismus – ein kurzer Überblick über die Philosophie des Buddhas
4.1.1 Die Anfänge des Buddhismus
4.1.2 Das Leben des Buddha
4.1.3 Die Erschaffung bzw. Entstehung des Menschen
4.1.4 Die Formel vom Entstehen in Abhängigkeit
4.1.5 Der Mensch und die Erlösung
4.2 Die Würde des Menschen
4.3 Ist der Mensch Ebenbild Gottes?
4.4 Der Mensch und die Sünde

Fazit

Literatur

Einleitung:

In diesem Semester habe ich das Seminar „Was ist der Mensch? – Das christliche Menschenbild im Kontext der Weltreligionen“ belegt. Das Thema dieses Seminars hat mich sehr neugierig gemacht, da mich die Frage „Was ist der Mensch?“ gleich zum Nachdenken animiert hat. Vor allem aber der Bezug zu den anderen Weltreligionen hat mich sehr interessiert. Zu Beginn dieses Seminars wurde uns auch gleich die Frage gestellt, was denn unserer Meinung nach der Mensch ist. Es war erstaunlich, wie viele verschiedene Antworten und Meinungen geäußert wurden. Viele bezogen diese Frage auf Gott und antworteten unter anderem:

- „Mensch, Geschöpf des Herrn – die Liebe zu ihm zeigt Gott durch Jesus am Kreuz“
- „Mensch ist Mann und Frau, er besteht aus Fleisch und Blut, von Gott geschaffen.“
- „Geschaffen von Gott lebt der Mensch und denkt und fühlt – individuell.“
Andere betrachteten diese Frage eher philosophisch und allgemein gefasst:
- „Jeder Mensch ist ein einzigartiges , sich ständig entwickelndes Individuum“
- „Jeder Mensch ist einzigartig“
- „Der Mensch hat zwei Gesichter, er kann liebevoll sein, aber auch grausam“
- „Der Mensch ist das mächtigste Tier“

Anhand dieser vielen verschiedenen Aussagen wurde schnell deutlich, dass dies ein sehr weit gefächertes Thema ist, auch wenn man es nur auf das Christentum beschränkt. Eine exakte, allgemeinfähige Antwort auf diese Frage kann man also nicht geben, allein aus dem Grund, dass man aus verschiedenen Perspektiven an sie herangehen kann. Auf dieses Problem werde ich in dieser Hausarbeit als erstes ein wenig genauer eingehen. Danach werde ich versuchen, das Menschenbild im Christentum genauer zu beschreiben. Hierbei sollen besonders die folgenden Gesichtspunkte angesprochen werden:

-Was ist der Mensch allgemein?
-Die Würde des Menschen
-Ist der Mensch Ebenbild Gottes?
-Der Mensch und die Sünde

Die Frage „Was ist der Mensch“ wäre bis hierhin in der christlichen Anschauung schon präziser beantwortet. Aber welche Antworten geben die anderen Weltreligionen auf diese Fragen? Ich habe mich, um einen Vergleich anstellen zu können, für den Buddhismus entschieden, da ich diese Philosophie sehr interessant finde. Vorab werde ich einen kurzen Überblick über Entstehung, die Geschichte und eine kurze Einführung in die Glaubensart dieser Weltreligion gegeben habe. Am Ende dieser Hausarbeit werde ich in einer Zusammenfassung die Unterschiede dieser beiden Weltreligionen im Hinblick auf die Frage „Was ist der Mensch?“ herausarbeiten.

1. Was ist der Mensch? Betrachtung aus 3 verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven

Bereits seine Geburt, seine kulturelle Prägung, seine Biographie und spezifisch individuelle Herausforderungen machen jeden Menschen zu einem einzigartigem Wesen. Weiteren Einfluss auf die Entwicklung hat sicherlich der Umstand, ob man in einer christlich oder buddhistisch geprägten Kultur aufwächst. Das führt dazu, sich zu entscheiden, ob man die Fragestellung auf den Menschen oder die Menschheit bezieht. Denn geschichtlich betrachtet wurde der Mensch im Buddhismus anders geprägt, durch gemeinsames Leiden, Erleben und Gestalten als der Mensch im Christentum. Es ist jedoch die Frage nach dem Menschen gestellt, die von einer Reihe von Einzelwissenschaften bearbeitet wird :

Die Naturwissenschaftliche Perspektive beschäftigt sich mit der Humanmedizin, Psychologie, Verhaltensforschung und der Entwicklungsgeschichte des Menschen. So stellt sich der Humanmediziner zum Beispiel die Frage, wie der menschliche Körper funktioniert, und was zu tun ist, wenn er nicht mehr funktioniert. Die Psychologen beschäftigen sich mit der Hirnforschung, damit wie sich Bewusstsein und Selbstbewusstsein des Menschen aufbauen und gegenseitig regeln. Der Verhaltensforscher versucht vor allem zu klären, worin das praehominide Erbe des Menschen besteht. Der Entwicklungsforscher schließlich untersucht, woher der Mensch kommt und wohin ihn seine Entwicklung führen könnte.

In der Philosophie wird vor allem nach der „differentia specifica“ des Menschen, also was macht den Menschen so spezifisch und einzigartig macht geforscht. Ist es der aufrechte Gang, oder etwa die Fähigkeit zu kommunizieren? Die klassische philosophische Definition des Menschen stammt aus der Antike und lautet: „Er ist ein vernunftbegabtes Lebewesen“. Aber gehört auch die Religion zu den Faktoren, die die Besonderheit des Menschen ausmachen? Es ist sehr auffällig, dass die meisten Definitionsversuche auf eine Reihe von Menschen zutrifft, jedoch nie auf alle.[1]

Die christliche Theologie bezieht sich sowohl auf die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Anthropologie als auch auf die Thesen und Hypothesen der Philosophie, um die Frage „Was ist der Mensch?“ zu beantworten. Sie lässt sich jedoch keine feste Definition vorschreiben, sondern sie fragt vor allem nach der Stellung des Menschen vor Gott.

Da es ja nicht in jeder Religion einen Gott gibt, wird diese Frage auch in jeder Religion unterschiedlich gestellt.

Aus alledem wird deutlich, dass die Frage nach dem Menschen ein Projekt ist, das interdisziplinär alle Wissenschaften beschäftigt.[2] In dieser Hausarbeit geht es in erster Linie um die Theologische Sicht.

2. Buddhismus und Christentum – Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Unterschiede

Der größte Unterschied zwischen dem Buddhismus und dem Christentum ist wohl die Tatsache, dass das Christentum einen Gott hat und der Buddhismus einen Lehrer. Die Christen glauben daran, dass sie als Mensch, wie auch die Natur, von diesem Gott geschaffen wurden. Das Christentum hat also einen Schöpfergott. Die Buddhisten gehen davon aus, dass es das Leben, durch den Kreislauf der Wiedergeburt schon ewig gibt, für den jeder selbst durch sein individuelles Handeln, verantwortlich ist. Der Mensch im Christentum ist ein Sünder, das Ebenbild Gottes, eine Person, die eine Würde hat. Die Sünde im Christentum spielte und spielt auch heute noch, eine große Rolle. Der Buddhist ist für sein Leben und sein Schicksal selbstverantwortlich. Durch seine guten oder schlechten Taten kann er selbst beeinflussen, ob er ins Nirwana kommt bzw. als was er wiedergeboren wird. Auch im Buddhismus gibt es gewisse Regeln und Gebote, jedoch ist es jedem Menschen freigestellt, ob er sich an diese hält oder nicht, je nach dem, was er erreichen will. Im Buddhismus ist der Mensch lediglich eine Illusion, der durch das Leben bestraft wurde. Das schlimmste für einen Buddhisten ist die Lebensgier, die das Leiden hervorruft. Er geht davon aus, dass alles Leben Leid ist. Mit Hilfe der Lehre von Buddha versucht der Mensch, selbst dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entfliehen. Im Christentum dagegen wird der Mensch von Gott erlöst. Im Buddhismus ist jeder Mensch für seine Erlösung, das Erreichen des Nirwana selbst verantwortlich.

Ein großer Unterschied liegt auch in der Zeitempfindung. Die Christen gehen davon aus, dass alles ein Anfang und ein Ende hat. Der Anfang des Lebens ist die Geburt und das Ende der Tod. Die Buddhisten denken da anders. Sie fragen nicht, was vorher war, alles war schon immer da. Für sie ist die Zeit ein Kreis, es gab nie einen Anfang und es wird nie ein Ende geben.

Eine gewisse Ähnlichkeit weisen die beiden Religionen in Bezug auf die Gebote auf. Im Christentum gibt es allerdings zehn Gebote, während der Buddhismus nur die fünf ethischen Gebote kennt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aber um die Unterschiede besser verstehen zu können, werden im Fortlauf der Arbeit die in der Einleitung angesprochenen Gesichtspunkte genauer betrachtet.

3. Der Mensch im Christentum

3.1 Die Würde des Menschen

Der christliche Glaube stellt die Würde des Menschen, im Gegensatz zum Buddhismus, in den Mittelpunkt. Nicht nach dem Wesen wird gefragt, sondern nach der Würde des Menschen. Der Christ weiß, dass die Würde durch den Schöpfer begründet ist, aber er weiß auch, dass diese Würde durch die Sünde gefährdet ist. Dazu gibt es verschiedene Denkmodelle. In dem heilgeschichtlichem Ansatz wird zwischen vier Ständen unterschieden:

- dem der Integrität
- dem der Verdorbenheit
- dem der Gnade, und wenn die Gnade aufgenommen wurde
- dem der Herrlichkeit[3]

In diesem ersten Denkmodell sollte gezeigt werden, dass der Mensch auf Integrität ausgelegt ist. Das Problem ist jedoch, dass er sich in einem Zustand der Selbstzerstörung befindet, dem der Verdorbenheit. Die Gnade, die ihm begegnet, soll ihn dazu bringen, seine eigentliche Bestimmung zu ergreifen.

Dem zweiten Denkmodell liegt das Gesetz und das Evangelium zu Grunde. Der Mensch wird hier nicht in eine Heilsgeschichte eingeordnet, sondern nach steht von Anfang an unter dem Gesetz und dem Evangelium. Der Mensch gewinnt sein Leben, indem er vom Gesetz zum Evangelium flieht. Das Gesetz besagt, dass er von sich aus nichtswürdig ist. Das Evangelium dagegen sagt, dass der Mensch eine Würde hat, die ihm niemand nehmen kann. Das Problem bei diesem Denkansatz ist, dass die Nichtwürdigkeit des Menschen vor Gott zu sehr im Vordergrund steht. Die positive Seite, nämlich die unvergleichliche Würde des Menschen wird nicht gebührend zum Ausdruck gebracht.

Das dritte Denkmodell ist der trinitarische Ansatz, der in Luthers Kleinem Katechismus formuliert ist. Auch hier wird auf heilsgeschichtliche Kategorien verzichtet und es wird nur betrachtet, wie sich der Mensch vor Gott und von Gott her verstehen darf. Das Problem bei diesem Denkmodell ist die Überbewertung des Subjektiven. Wie kann zum Beispiel hier das Gespräch mit Nichtgläubigen geführt werden?[4]

Eine weitere wichtige Frage, mit der sich die Christen immer wieder befassen, ist die nach Ebenbildlichkeit Gottes. In dem nächsten Punkt wird diese Frage näher betrachtet.

[...]


[1] Vgl. Barth, Hans – Martin. Dogmatik, Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen. S.481f

[2] Vgl. Vgl. Barth, Hans – Martin. Dogmatik, Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen. S.482

[3] Vgl. Vgl. Barth, Hans – Martin. Dogmatik, Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen. S.483

[4] Vgl. Vgl. Barth, Hans – Martin. Dogmatik, Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen. S.484

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Mensch im Christentum und Buddhismus
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Fachbereich für Geistes- und Erziehungswissenschaften Seminar f. ev. Theologie und Religionspädagogik)
Veranstaltung
Was ist der Mensch im Kontext der Weltreligionen
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V26635
ISBN (eBook)
9783638289108
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie der Buddhismus zu drei Grundelementen christlicher Anthropologie - Würde des Menschen, Gottesebenbildlichkeit, Sünde - steht.
Schlagworte
Mensch, Christentum, Buddhismus, Kontext, Weltreligionen
Arbeit zitieren
Maren Göpffarth (Autor), 2004, Der Mensch im Christentum und Buddhismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26635

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