Landfrieden im Spätmittelalter. Mittel zur Herrschaftssicherung?


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Landfrieden?

3. Wer erlässt Landfrieden?

4. Landfrieden oder Städtebund

5. Landfrieden unter Ludwig IV

6. Landfrieden unter Karl IV
6.1. Landfrieden in der Goldenen Bulle

7. Fazit

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Ewige Landfriede von 1495 unter dem damaligen deutschen König und späteren römischen Kaiser Maximilian I. von Habsburg bildete den Abschluss einer langen Tradition mittelalterlicher Friedensbewegungen.

Diese reicht von den frühen Gottesfrieden[1], über verschiedenste Landfriedenseinungen bis hin, eben zu diesem „Ewigen Landfrieden“.

Das dieser in etwa in die Zeit fällt, von der aus heutiger, mitteleuropäischer Sicht die Epoche des Spätmittelalters und somit des Mittelalters generell ihren Abschluss findet, ist allenfalls eine interessante Randnotiz. Schlüsse für die in dieser Hausarbeit gestellte Frage lassen sich hieraus sicher nicht ableiten.

Doch was genau möchte ich überhaupt mit meiner Fragestellung klären?

Die Frage inwieweit Landfrieden als Herrschaftssicherung, oder „staatstragendes Element“[2] zu verstehen sind möchte ich anhand mehrerer Überlegungen veranschaulichen und mich hierbei, mit Hinblick auf das Proseminar zur Goldenen Bulle[3], auf das deutsche Spätmittelalter hauptsächlich zur Zeit Karls IV.[4] beschränken.

Doch was könnte man für Indikatoren nennen um diese Frage zu beantworten?

Zum einen ist wohl von Bedeutung welche Landfrieden direkt von Karl initiiert wurden, und vor allem wann er dies tat? Kann man anhand einer zeitlichen Betrachtung einen Hintergrund der Frieden erkennen? Welchen Stellenwert nehmen Landfrieden in der „Goldenen Bulle“ ein? Versucht Karl seine Landfrieden auf das gesamte Reichsgebiet auszudehnen oder sind diese lokal begrenzt? Doch zunächst einmal möchte ich dem Leser verdeutlichen was überhaupt unter dem Begriff „Landfrieden“ zu verstehen ist. Auch in der heutigen Rechtsprechung kennen wir noch den Tatbestand des Landfriedensbruches.[5] Dieser wird immer noch hart sanktioniert, doch ist er natürlich mit den mittelalterlichen Landfrieden nur noch marginal vergleichbar.

2. Was ist Landfrieden?

Schauen wir uns die Definition des wichtigsten Nachschlagewerks für mittelalterliche Themen und Begriffe das „Lexikon des Mittelalters“ an, so finden wir folgende Begriffserklärung:

„Inhaltlich geht es darum, bestimmte schutzlose Orte (insbes. die Kirchen) und einen schutzbedürftigen Personenkreis (insbes. Kleriker, Frauen, Kaufleute und Juden) unter einen durch Strafandrohung erhöhten Frieden zu stellen und zumindest teilweise die Fehde zurückzudrängen.“[6]

Ein anderes eher rechtshistorisch argumentierendes Nachschlagewerk definiert wie folgt:

„… idR. Befristete u. eidlich bekräftigte Rechtssatzung z. Friedenssicherung (Eindämmung d. Fehdewesens, Bekämpfung d. Straßenraubs, Verhinderung v. Aufruhr uä.) in e. Land.“[7]

Wir erkennen in beiden Beschreibungen, dass die Bekämpfung der Fehde ein wichtiger Bestanteil der Bemühungen war.

Sowohl die Gottes- als auch die Landfrieden zielten darauf ab das Gewohnheitsrecht der Fehde einzudämmen. Dieses hatte sich seit „germanischer“ Zeit gehalten und stellte mittelalterliche Gesellschaften vor doch ernstzunehmende Probleme, war eine Fehde doch oftmals erst beendet, wenn salopp gesagt, der letzte der gegnerischen Seite (oft mit dem Tode) gebüßt hatte.

Jedoch wurde erst im „Ewigen Landfrieden“ von 1495 die Fehde generell verboten.[8] Zuvor kann dieses Recht als komplementär angesehen werden. Es stand den Streitparteien also frei den traditionellen Weg des bewaffneten Konflikts zu wählen oder eben zu versuchen ihr Recht auf „gerichtlichem Wege“ durchzusetzen.[9]

Doch wer wurde überhaupt durch diesen Frieden geschützt? Vor was wurde man geschützt? Wie wurde der Verstoß bestraft? Wie konnte man unter den Schutz des Landfriedens gelangen? Und welche Bedeutung hatte dies für einen selbst?

Unter den Schutz fielen Gottesleute, kirchliche Güter; Kaufleute; Frauen und Kinder; Juden; Schwurgenossen; Städte, Burgen, Dörfer und Dinghöfe im Geltungsgebiet. Das dieser Personenkreis doch sehr umfassend erscheint ,bringt Matthias Fahrner auf den Punkt: „Letztendlich waren nur noch ansässige Waffen- und Wehrfähige, die den Eid nicht geleistet hatten vom Friedenschutz ausgenommen.“[10]

Eben dieser Eid war es der einen unter den besagten Schutz stellte. Jedoch wurde bei bestimmten Personengruppen auf diesen Schwur verzichtet. Dies hatte zum einen praktische als auch religiöse Gründe. So durften z.B. Priester wohl keine Eide leisten, ihnen wurde dies aufgrund ihrer „erberkeit“[11] erlassen. Bei den praktischen Gründen sind vor allem Händler zu nennen welche, oft nur auf der Durchreise, verständlicherweise überhaupt nicht in der Lage waren diesen Schwur zu leisten.[12]

Auch wurden bestimmte Tage, wie die „treuga dei“ der Gottesfrieden, unter Schutz gestellt. So war z.B. an Sonntagen oder in der Fastenzeit jeder Waffengang verboten.[13]

Jedoch war in den frühen Landfrieden nicht eindeutig wodurch der Frieden gebrochen wurde bzw. unterlag dies stetigen Veränderungen. Erst im Laufe der Zeit bildete sich ein „Deliktkanon“ heraus.[14] Unter Strafe gestellt waren Vergehen wie „roup“[15], „Mort“[16], „Brant[17] “, „Gevencnuisse“[18], sowie „Unrecht widersagen“[19]. Die Strafen für Verstöße waren hart. Wurden in den Gottesfrieden eher kirchliche Strafen verhängt, wobei eine Exkommunikation für einen mittelalterlichen Menschen sicherlich katastrophal war, setzten Landfrieden mehr und mehr auf körperliche Strafen. Drastische Strafen wie Rädern oder Enthaupten werden in den Quellen genannt. Die Umstände des 14. Jahrhunderts (welche noch näher erörtert werden) bewirkten eine Erweiterung bzw. Veränderung des Landfriedensschutzes. Man kann hierbei von einer Entwicklung von einem „personalen Rechtsfrieden hin zur öffentlichen Friedensordnung“[20] sprechen.

Die Durchsetzung solcher Strafen garantierten seit Friedrich II.[21] eigens eingesetzte Hofrichter.[22]

Des Weiteren möchte ich an dieser Stelle noch einen kurzen Überblick der Forschung nach 1950 liefern. Während Joachim Gernhuber, Viktor Achter, Hans Hattenhauer, Bernhard Töpfer sowie Hartmut Hoffmann sich in ihren Werken auf eine Unterscheidung von Gottes- und Landfrieden beschränken, versuchte Heinz Angermeier 1966 die „Potenz des Königtums“ auf Landsfriedenseinungen im deutschen Spätmittelalter näher zu durchleuchten.[23] Dieses und seine späteren Werke können durchaus als richtungweisend anerkannt werden, beziehen sich doch fast alle Abhandlungen, die ich bearbeitet habe, zumindest teilweise, immer wieder auf Angermeiers Untersuchungen. Auch Wadle erkennt trotz aller „Unschärfen“, die er zu erkennen glaubt an, dass „Angermeiers Studie das Verdienst, neuerlich auf die Komplexität des Landfriedensphänomens im Spätmittelalter hingewiesen zu haben,…“ sowie verdeutlicht zu haben, wie unzureichend doch unsere Kenntnisse der Quellen spätmittelalterlicher Landfrieden sei.[24]

[...]


[1] Zur Unterscheidung Gottes- bzw. Landfrieden:

Gernhuber nennt in seiner Habitilationsschrift von 1950 sehr vereinfacht Gottesfrieden als Erlasse kirchlicher Gewalten, Landfrieden weltlicher Gewalten. Folglich sei der Friede Heinrichs IV. 1103 der erste Landfrieden und „Beginn der Reichsgesetzgebung“. (Wadle, S. 14-15).

Sicherlich sind die Unterscheidungskriterien vielschichtiger, bedürfen in dieser Arbeit aber keiner gesonderten Betrachtung.

[2] Angermeier 1980, S. 167

[3] Goldene Bulle v. 1356 (Bulla Aurea), Gesetzbuch in lat. Sprache, das v.a. die Wahl des röm.-dt. Kg.s und künftigen Ks.s durch die Kurfürsten bis zum Ende des alten Reiches (1806) regelte“, Wolf, LexMA, S. 1542-1543

[4] Karl geb. 14.05.1316 Prag, gest. 29.11.1378 ebenda, Haus der Luxemburger, 11.06.1346 Wahl zum römischen König in Rhens, 26.11.1346 Krönung in Bonn, seit 02.09.1347 König von Böhmen, Gegenkönig zu Ludwig dem Bayern, nach dessen Tod erneute Königswahl am 25.07.1349 in Aachen, 06.01.1355 König von Italien, 05.04.1355 Krönung zum Kaiser in Rom. (Moraw, Lexikon des Mittelalters, S. 972)

[5] StGB. §125 u. 125a Wer sich an 1. Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder Sachen oder 2. Bedrohungen von Menschen mit einer Gewalttätigkeit, die aus einer Menschenmenge in einer die öffentliche Sicherheit gefährdenden Weise mit vereinten Kräften begangen werden, als Täter oder Teilnehmer beteiligt oder wer auf die Menschenmenge einwirkt, um ihre Bereitschaft zu solchen Handlungen zu fördern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

[6] Becker, Lexikon des Mittelalters, S. 1658

[7] Deutsches Rechtswörterbuch, S. 383-387

[8] Wadle 2001, S. 103

[9] Ebenda, S. 114

[10] Fahrner 2007, S. 364

[11] Ebenda, S. 362

[12] Ebenda, S. 363

[13] Wadle 2001, S. 109

[14] Fahrner 2007, S. 367-374

[15] Raub

[16] Mord

[17] Brandstiftung

[18] Gefangennahme

[19] Verleumdung

[20] Fahrner 2007, S. 391

[21] Friedrich II. 26.12.1194-13.12.1250

[22] Distler 2006, S. 188

[23] Wadle 2001, S. 14-21

[24] Wadle 2001, S. 22

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Landfrieden im Spätmittelalter. Mittel zur Herrschaftssicherung?
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die Goldene Bulle
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V266356
ISBN (eBook)
9783656564348
ISBN (Buch)
9783656564331
Dateigröße
744 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goldene Bulle, Karl IV, Ludwig IV, Landfrieden, Städtebund, Gottesfrieden, Kurfürsten, Rhens, Fehde, Mittelalter, Spätmittelalter, Heiliges römisches Reich
Arbeit zitieren
Andreas Seibel (Autor), 2011, Landfrieden im Spätmittelalter. Mittel zur Herrschaftssicherung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266356

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Landfrieden im Spätmittelalter. Mittel zur Herrschaftssicherung?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden