Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwieweit der Anspruch, den die GfK an
sich selbst stellt, gerechtfertigt ist, und, daraus resultierend, inwieweit eine GfK-gestützte
Mediation Möglichkeiten zur Konfliktbehebung anbietet. Auf folgende Forschungsfrage soll innerhalb der vorliegenden Arbeit eine
Antwort gesucht werden:
Inwieweit ist aus sozialpsychologischer Sicht eine Mediation unter Anwendung der
GfK geeignet, um mit ihr neue und erfolgreiche Wege der Konfliktlösung zu
finden?
Kapitel zwei stellt zunächst eine Darstellung der für die Forschungsfrage relevanten
Grundlagen der Sozialpsychologie dar. Dies geschieht zum einen, weil diese
Grundlagen Ausgangspunkt der sozialpsychologischen Perspektive der Mediation sind,
aber auch insbesondere im Hinblick auf eine spätere Einordnung der GfK in einen
wissenschaftlichen Kontext. Kapitel drei befasst sich mit der Entstehung und dem
Verlauf von Konflikten. In Kapitel vier erfolgt eine Einführung in die Mediation und im
fünften Kapitel wird das Konzept der GfK vorgestellt.
Die GfK wurde aus der Praxis heraus entwickelt. Sie ist auf vorhandenem
wissenschafts-theoretischem Wissen aufgebaut, jedoch nicht explizit in einen
wissenschaftstheoretischen Kontext eingebettet. Daher wird in Kapitel sechs der
Versuch unternommen, die GfK in einen wissenschaftstheoretischen Kontext zu
integrieren.
Dazu werden die der GfK zugrunde liegende Humanistische Psychologie hinzugezogen
sowie die Erkenntnisse aus der Kommunikationspsychologie. Außerdem werden die
innerhalb der GfK im Vordergrund stehenden Begriffe „Empathie“, „Bedürfnis“ und
„Gefühl“ in ihrer Definition anhand bestehender psychologischer Ansätze überprüft.
Im Anschluss werden in Kapitel sieben die Prinzipien und Ziele der GfK mit denen der
klassischen Mediation verglichen. Es soll zudem geprüft werden, inwieweit sich die
GfK in klassische Mediationsverfahren integrieren lässt. Aus diesen Erkenntnissen
heraus erfolgt in Kapitel acht eine Reflexion darüber, welche Möglichkeiten sich aus
der Anwendung der GfK als Kommunikationsbasis innerhalb der Mediation ergeben,
um gewohnte Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster sowie Heuristiken zu
überdenken, aufzubrechen und anschließend neue Wege der Konfliktlösung zu öffnen,
aber auch, wo die Grenzen einer GfK-gestützten Mediation liegen. Denn die Kenntnis
über die Möglichkeiten und Grenzen ermöglicht erst die Bewertung einer GfK-gestützte
Mediation im unmittelbaren Konfliktfall als passende oder unpassende Methode.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialpsychologische Grundlagen
2.1. Menschenbild und Prinzipien der Humanistischen Psychologie
2.2. Der personzentrierte Ansatz
2.3. Die Motivationstheorie Maslows
2.4. Kommunikationspsychologische Grundlagen
3. Der Konflikt
3.1. Definition des Konfliktbegriffs
3.2. Konflikttypologien und Konfliktursachen
3.3. Der Konfliktverlauf
4. Mediation
4.1. Definition und Prinzipien der Mediation
4.1.1 Der Grundsatz der Vertraulichkeit
4.1.2. Die Strukturiertheit des Verfahrens
4.1.3. Das Prinzip der Freiwilligkeit
4.1.4. Die Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien
4.1.5. Das Bemühen um Einvernehmlichkeit bei der Konfliktlösung
4.1.6. Die Gewährleistung der Unabhängigkeit und Neutralität des Mediators
4.2. Die Phasen der Mediation
4.2.1. Vorphase
4.2.2. 1. Phase: Einleitung – den sicheren Rahmen schaffen
4.2.3. 2. Phase: Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien
4.2.4. 3. Phase: Konflikterhellung/Vertiefung
4.2.5. 4. Phase: Problemlösung
4.2.6. 5. Phase: Übereinkunft
4.2.7. Umsetzungsphase
4.3. Mediationsmodelle
5. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
5.1. Die Grundannahmen der GfK
5.2. Die Formen lebensentfremdender Kommunikation
5.3. Das Modell der GfK
5.4. Die Bedeutung der Empathie in der GfK
6. Theoretische Einordnung der GfK
6.1. Die GfK unter humanistischen Aspekten
6.2. Der Ansatz Rogers als Grundlage für die Entwicklung der GfK
6.3. Vergleich der Bedürfnistheorien
6.4. Der Begriff des Gefühls im psychologischen Kontext
6.5. Der Begriff der Empathie im psychologischen Kontext
6.6. Die GfK im Kontext der Kommunikationspsychologie
7. Die Integration der GfK in die Mediation
7.1. Vergleich der jeweiligen Prinzipien
7.2. Die Sicht auf den Konflikt
7.3. Vergleich der GfK mit den fünf Phasen der Mediation
8. Möglichkeiten und Grenzen einer GfK-gestützten Mediation – ein Resümee
8.1. Der Nutzen der GfK für den Mediationsprozess
8.2. Die Grenzen einer GfK-gestützten Mediation
8.3. Persönliche Überlegungen/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, theoretisch zu fundieren und praktisch zu reflektieren, inwieweit die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall B. Rosenberg als geeignete Methode in einen klassischen Mediationsprozess integriert werden kann, um neue, erfolgreiche Wege der Konfliktlösung zu erschließen.
- Grundlagen der Sozialpsychologie und Konfliktforschung als Basis für Mediation.
- Struktur und Phasenmodell der klassischen Mediation.
- Konzeptualisierung und Einordnung der Gewaltfreien Kommunikation (GfK).
- Analyse der Synergien und methodischen Grenzen einer GfK-gestützten Mediation.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Vorphase
In der Vorphase findet eine erste Kontaktaufnahme zwischen dem Mediator und den Konfliktparteien statt. Wendet sich nur eine Konfliktpartei an den Mediator, kann es notwendig sein, die anderen Parteien zur Teilnahme am Mediationsverfahren zu motivieren. Grundlegend für die Bereitschaft zur Teilnahme an der Mediation ist dabei die Wahrnehmung des Mediators als vertrauenswürdige Person. Ist eine Gesprächsbereitschaft zwischen den Parteien im akuten Moment nicht gegeben, kann der Mediator zunächst mit Hilfe einer „Shuttle“-Mediation mit den Konfliktparteien in den Dialog kommen, woraus sich die Bereitschaft zum direkten Kontakt ergeben kann.
In der Vorphase können zudem grundsätzliche Fragen geklärt werden. Des Weiteren hat der Mediator in dieser Phase die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Problematik zu verschaffen, den Grad der Eskalation zu analysieren (Kessen & Troja, 2002, S. 396) und Informationen einzuholen, um auf dieser Basis das Vorgehen zu planen. Neben der eigenen Vorarbeit des Mediators, kann es sinnvoll sein, die Konfliktparteien auf die Mediation vorzubereiten. So können in Einzelgesprächen als Vorarbeit zur zweiten Phase Interessen herausgearbeitet werden, aber auch Kommunikationstechniken erläutert und geübt werden, die im Mediationsverfahren förderlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung der Mediation dar und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Eignung einer GfK-gestützten Mediation aus sozialpsychologischer Sicht.
2. Sozialpsychologische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die humanistische Psychologie, den personzentrierten Ansatz von Rogers und die Bedürfnistheorie von Maslow als theoretisches Fundament für die Mediation und die GfK.
3. Der Konflikt: Hier werden Definitionen, Typologien und der Eskalationsverlauf von Konflikten beleuchtet, um die Dynamik sozialer Auseinandersetzungen besser zu verstehen.
4. Mediation: Dieses Kapitel definiert das Mediationsverfahren, erläutert dessen Prinzipien sowie das fünf-phasige Standardmodell und gibt einen Überblick über existierende Mediationsansätze.
5. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg: Die Grundlagen, die lebensentfremdenden Kommunikationsformen, das Vier-Schritte-Modell sowie die zentrale Bedeutung der Empathie in der GfK werden hier dargestellt.
6. Theoretische Einordnung der GfK: Hier wird versucht, das aus der Praxis stammende Konzept der GfK in einen wissenschaftstheoretischen Kontext der humanistischen Psychologie und Kommunikationspsychologie einzubetten.
7. Die Integration der GfK in die Mediation: Dieses Kapitel vergleicht die Prinzipien von GfK und Mediation, analysiert die Kompatibilität ihrer Sichtweisen auf Konflikte und erarbeitet die Integration der GfK-Methodik in den Mediationsablauf.
8. Möglichkeiten und Grenzen einer GfK-gestützten Mediation – ein Resümee: Hier werden der Nutzen und die Herausforderungen reflektiert, wobei die Grenzen der Methodik sowie das Potenzial für persönliches Wachstum der Beteiligten kritisch betrachtet werden.
Schlüsselwörter
Mediation, Gewaltfreie Kommunikation, GfK, Konfliktlösung, Humanistische Psychologie, Empathie, Bedürfnisse, Gefühle, Konflikteskalation, soziale Kompetenz, Kommunikation, Marshall B. Rosenberg, Carl Rogers, Abraham Maslow, Interessen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und praktische Anwendbarkeit der Integration von Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg in das klassische Mediationsverfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind sozialpsychologische Grundlagen, Konfliktdynamiken, das Mediationsverfahren, die Methodik der Gewaltfreien Kommunikation sowie deren synergetische Einbettung in professionelle Konfliktbearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus sozialpsychologischer Sicht zu ermitteln, ob eine Mediation unter Anwendung der GfK geeignet ist, um effektivere und nachhaltigere Wege der Konfliktlösung zu generieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die verschiedene psychologische Theorien (vor allem der humanistischen Psychologie) miteinander verknüpft, vergleicht und auf ihre Anwendbarkeit in der Mediationspraxis prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen der Mediation, der detaillierten Vorstellung der GfK, der wissenschaftstheoretischen Einordnung des Konzepts sowie der konkreten Integrationsmöglichkeiten der GfK-Techniken in die verschiedenen Phasen einer Mediation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediation, Gewaltfreie Kommunikation, Bedürfnisse, Empathie, Konfliktlösung und Eigenverantwortlichkeit.
Wie unterscheidet die GfK zwischen Gefühlen und Pseudo-Gefühlen?
Die GfK betrachtet echte Gefühle als Ausdruck der Erlebniskomponente, während sogenannte Pseudo-Gefühle eher kognitive Interpretationen oder Bewertungen des eigenen oder fremden Verhaltens darstellen.
Welche Rolle spielt die Trennung von Bedürfnis und Strategie in der Mediation?
Diese Trennung ist zentral, da die Fixierung auf eine bestimmte Strategie oft zu Konflikten führt, während die Ebene der Bedürfnisse universell ist und den Raum für kooperative, kreative Lösungsansätze öffnet.
Warum ist das Eskalationsmodell nach Glasl relevant für diese Arbeit?
Es dient dazu, den Grad der Konflikteskalation einzuschätzen und zu verstehen, an welchem Punkt der Mediation deeskalierende GfK-Techniken besonders notwendig sind.
- Arbeit zitieren
- Annika Splitek (Autor:in), 2013, Mediation unter Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266413