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Selbstbestimmung und Selbstbefähigung des Subjekts

Zwischen Kompetenzorientierung und Bildungsanspruch

Titel: Selbstbestimmung und Selbstbefähigung des Subjekts

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: M. A. Simon Reimann (Autor:in)

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Verlauf der vorliegenden Arbeit soll auf die Problematik der Kompetenzorientierung in Bildungsdebatte und Schulreform eingegangen werden. Hierbei steht das Subjekt im Mittelpunkt: Wie steht es um Selbstbestimmung und Selbstbefähigung des Subjektes? Welchen neuen Forderungen und Anforderungen muss es sich stellen, was ist die Neuerung in der Sichtweise, mit der es während seiner Zeit im Bildungssystem betrachtet wird? Um dies zu klären, wird zunächst auf die Herkunft des Kompetenzbegriffs und seine Wurzeln in der PISA-Debatte eingegangen, um anschließend die ideellen Wurzeln des Bildungssystems im Bildungsgedanken aufzurufen. Darauf beruhend wird auf die Einwände gegen die Umorientierung zur Kompetenzorientierung eingegangen.
Weiterhin kann in beiden Fällen festgestellt werden, dass die Umsetzung der Grundidee in der praktischen Ausgestaltung oftmals ihre eigenen Ansprüche verfehlte. Im Fall des Bildungsgedankens wurde ein Bildungssystem geschaffen, welches sich auf einen Bildungskanon einigte, dessen umfassende Kenntnis dann mit Bildung verwechselt werden konnte. Im Fall der Kompetenzorientierung wich man vom Gedanken der Mindeststandards ab und erließ im Rahmen der Umsetzung viele Bestimmungen, welche nicht nur dem Klieme- Gutachten zuwider handeln, sondern auch die Grundidee zu konterkarieren drohen. Auf diese Abseiten und Probleme der Debatte soll ebenfalls eingegangen werden, um am Ende zu fragen, ob der Graben zwischen den Positionen notwendigerweise die heutige Tiefe erreicht hat, oder ob diese nicht auch durch Art und Weise der Diskussion und des bildungspolitischen Vorgehens geschaffen wurde. Deshalb soll im letzten Teil gefragt werden, ob sich dem Kompetenzbegriff nicht auch aus Sicht des Bildungsgedankens etwas abgewinnen lässt, zumal eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Kompetenzbegriff aufgrund geschaffener Fakten unvermeidlich ist.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der PISA-Schock: Wie kam der Kompetenzbegriff in die Bildungsdebatte, und was sind die zentralen Forderungen und Neuerungen?

Die Subjektwerdung als Ziel der Bildung und die Gegenstimmen zur Kompetenzorientierung

Kompetenzorientierung und Partizipation - wie der Kompetenzbegriff zur Subjektwerdung beitragen kann

Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Kompetenzorientierung in der Bildungsdebatte und der Schulreform. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit das Ziel der Subjektwerdung durch die zunehmende Ökonomisierung und Standardisierung des Bildungssystems gefährdet wird und ob dennoch Möglichkeiten bestehen, den Kompetenzbegriff sinnvoll mit einem bildungstheoretischen Anspruch zu verbinden.

  • Herkunft und Wurzeln des Kompetenzbegriffs im Kontext der PISA-Debatte
  • Kritische Analyse der ökonomischen Logik hinter Bildungsstandards (Humankapital-Diskurs)
  • Die Spannung zwischen Subjektwerdung und funktionalistischer Ausbildung
  • Möglichkeiten der Partizipation und die Bedeutung von Freiräumen für Bildungsprozesse

Auszug aus dem Buch

Die Subjektwerdung als Ziel der Bildung und die Gegenstimmen zur Kompetenzorientierung

Widerstand gegen den Richtungswechsel zur Kompetenzorientierung und die Einführung von Bildungsstandards begann sich vor allem auf der Grundlage eines sich, ob nun direkt oder unbewusst, auf humboldtsche Ideale berufenden Bildungsideals zu formieren. So hatte Humboldt schon 1792 formuliert:

„Der wahre Zweck des Menschen- nicht der, welchen die wechselnden Neigungen, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt- ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerlässliche Bedingung. Allein ausser der Freiheit erfordert die Entwicklung der menschlichen Kräfte noch etwas anderes, obgleich mit der Freiheit eng verbundenes, (nämlich eine) Mannigfaltigkeit der Situationen. Auch der freieste und unabhängigste Mensch, in einförmige Lagen versetzt, bildet sich minder aus.“

Entlang dieses Zitats lassen sich die gegen Kompetenzorientierung und Bildungsstandards erhobenen Einwände verfolgen, so sind zum Beispiel als „wechselnde Neigungen“ die zeitgeistig bedingten Tendenzen zur Verwirtschaftswissenschaftlichung vieler Diskurse zu bezeichnen. Dies ist auch so erkannt worden, und lässt sich als These zusammenfassen, dass Bildung zur „Aus- Bildung“ verkommt. Die wechselnden Neigungen des Zeitgeistes fordern momentan gerade, dass „Bildung“ dazu da sein sollte, dem Arbeitsmarkt potentielle Arbeitskräfte möglichst zeitnah zur Verfügung zu stellen, und die Bildungsinstitutionen sollen liefern. Dass eine derartige Ausbildung den wahren Zweck des Menschen verfehlt, weil sie ihn einseitig befähigt und nicht umfassend bildet ist naheliegend. Das oben bereits erwähnte Verständnis von „Humankapital“ als Bestand eines Unternehmens an qualifizierten Arbeitskräften und nicht als geistiges Kapital des Individuums an Wissen, Fähigkeiten oder Kompetenzen kann auch als treffende Beschreibung dieses Zustandes gesehen werden: ein Individuum, welches nur in diesem verengten Sinne „aus- gebildet“ wurde, „besitzt“ sein Wissen und die Fähigkeiten nicht selber, weil es nicht über sie verfügt oder sie einstufen und bewerten kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Problematik der Kompetenzorientierung in Bildungsdebatten und hinterfragt die Auswirkungen auf die Subjektwerdung des Lernenden.

Der PISA-Schock: Wie kam der Kompetenzbegriff in die Bildungsdebatte, und was sind die zentralen Forderungen und Neuerungen?: Dieses Kapitel analysiert die Einführung empirischer Leistungsmessungen durch PISA und die damit verbundene ökonomische Umdeutung von Bildung zu einer „Bildungsrendite“.

Die Subjektwerdung als Ziel der Bildung und die Gegenstimmen zur Kompetenzorientierung: Hier werden die kritischen Einwände gegen eine rein outputorientierte Schulreform unter Rückgriff auf das humboldtsche Bildungsideal dargelegt.

Kompetenzorientierung und Partizipation - wie der Kompetenzbegriff zur Subjektwerdung beitragen kann: Das Kapitel untersucht, ob eine sinnvolle Verschränkung von Kompetenzorientierung und Subjektorientierung möglich ist, um die Bildungsqualität trotz struktureller Zwänge zu wahren.

Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass Kompetenzorientierung und Mindeststandards bei kritischer Anwendung durchaus mit dem Bildungsgedanken vereinbar sein können, sofern Freiräume für die Entwicklung des Subjekts bestehen bleiben.

Schlüsselwörter

Kompetenzorientierung, Bildungsstandards, PISA-Studie, Subjektwerdung, Humankapital, Bildungsrendite, Bildungssystem, Reformpädagogik, Ökonomisierung, Schulleistung, Bildungsgedanke, Individualisierung, Unterrichtsmethoden, Partizipation, Pädagogik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kritische Einführung der Kompetenzorientierung in das deutsche Schulsystem und beleuchtet die Spannungsfelder zwischen ökonomischen Verwertungsinteressen und dem Bildungsanspruch des Subjekts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Feldern zählen die historische Einordnung des PISA-Schocks, die ökonomische Instrumentalisierung von Bildung, die humboldtsche Bildungstheorie sowie die methodische Ausgestaltung von Bildungsstandards.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu klären, ob der Kompetenzbegriff zwangsläufig zur "Aus-Bildung" für den Arbeitsmarkt führt oder ob er konstruktiv genutzt werden kann, um eine echte Subjektwerdung und Selbstbefähigung des Menschen zu unterstützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine bildungstheoretische und bildungspolitische Analyse, die mit Literaturdiskursen und kritischer Auswertung von Reformpapieren und Studien arbeitet.

Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation des Bildungsbegriffs durch PISA, den Widerständen gegen diese Entwicklung sowie der Frage nach der "lebensweltlichen Dienlichkeit" von Schule.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kompetenzorientierung, Subjektwerdung, Humankapital, Bildungsstandards und Ökonomisierung des Bildungssystems charakterisieren.

Inwieweit spielt die Religionspädagogik in dieser Analyse eine Rolle?

Die Autorin bezieht die Religionspädagogik punktuell ein, da sie dort besonders die Gefahr einer rein utilitaristischen Rechtfertigung von Inhalten sieht, die dem Wesen religiöser Bildung widersprechen könnte.

Welche Rolle spielt die Empirie für die Autorin?

Die Autorin erkennt den Nutzen empirischer Evaluation zur Qualitätsverbesserung an, warnt jedoch davor, dass die Messung von Schulleistung die tiefergehenden, informellen Bildungsprozesse aus dem Blick verliert.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Selbstbestimmung und Selbstbefähigung des Subjekts
Untertitel
Zwischen Kompetenzorientierung und Bildungsanspruch
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
HS Religionspädagogik
Note
1,3
Autor
M. A. Simon Reimann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V266506
ISBN (eBook)
9783656565390
ISBN (Buch)
9783656565383
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstbestimmung selbstbefähigung subjekts zwischen kompetenzorientierung bildungsanspruch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M. A. Simon Reimann (Autor:in), 2012, Selbstbestimmung und Selbstbefähigung des Subjekts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266506
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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