Das Brandenburger Tor als Spiegel preußischen Zeitgeists

Zwischen Antike und herrschaftlicher Politik.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Berliner Akzisemauer und das Stadttor

2. Das Brandenburger Tor
2.1. Das Erscheinungsbild
2.1.1. Architektonische Charakteristika
2.1.2. Das Bildprogramm
2.1.2.1. Die Quadriga
2.1.2.1.1. Entlehnungen und Vorlagen
2.1.2.1.2. Die Quadriga als „Triumph des Friedens“
2.1.2.1.3. Napoleon und die Quadriga
2.1.2.1.4. Die Quadriga und der Pariser Platz
2.1.2.2. Die Metopen
2.1.2.3. Das Attikarelief
2.1.2.4. Die Reliefs der Durchfahrten
2.1.2.5. Die Statuen von Mars und Minerva
2.2. Das Zolltor und die preußische Wirtschaft
2.3. Langhans und die Nachahmung
2.3.1. Englische und Französische Entwicklungen
2.3.2. Architektonische Anleihen
2.4. Ein neues Athen

3. Das Symbol preußischer und deutscher Nationalität

1. Die Berliner Akzisemauer und das Stadttor

Im Zuge einer groß angelegten Erweiterung Berlins im 18. Jahrhundert mussten viele Grenzen, die das Stadtgebiet bis dahin umgeben hatten, neu gesteckt werden. Dies unternahm der preußische König Friedrich Wilhelm der Zweite, nachdem sein Vorgänger, Friedrich der Große, im Jahre 1786 verstorben war. Er ließ daher die alte, meist aus eher provisorisch erscheinenden Holzpalisaden errichtete Berliner Akzisegrenze1 in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts neu setzen und befestigen und versah diese mit mehreren neuen Zoll- und Stadttoren unterschiedlicher Größe2. Dem Wunsch zahlreicher bürgerlicher Schriften und Anträge folgend waren darunter auch monumentale öffentliche Bauten zu finden, von denen das eindrucksvollste bis heute das Wahrzeichen der wechselhaften Geschichte Berlins und Deutschlands ist - das Brandenburger Tor. Es erscheint deshalb von geradezu essentieller Notwendigkeit, seine Hintergründe, Vorlagen und Aussagen näher zu beleuchten.

2. Das Brandenburger Tor

Im Jahre 1776 hieß es in den „Kritischen Anmerkungen, den Zustand der Baukunst in Berlin und Potsdam betreffend: „Besonders verdiente wohl das Brandenburger Thor, in Ansehung seiner vortrefflichen Lage, mehr Ansehen zu erhalten“. So wurde im Jahre 1788 das alte Brandenburger Tor abgerissen, welches bis dahin die Berliner Dorotheenstadt westlich zum Tiergarten hin begrenzt hatte, und der Bau eines neuen befohlen. Friedrich Wilhelm II. ließ darauf den Architekten C.G. Langhans3 für den anstehenden Torbau von Breslau nach Berlin berufen.4 Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Tor dann am 6. August 1791 ohne jede Feierlichkeit und in Abwesenheit des Königs dem Verkehr übergeben5.

2.1. Das Erscheinungsbild

Das Tor6 hat eine Gesamthöhe von etwa 26 Metern, in die die bekrönende Quadriga bereits einbezogen ist, eine Breite von 65 Metern und eine Tiefe von elf Metern.7 Heute ist die Architektur durch eine farblose Sandsteinfassung gekennzeichnet, doch ursprünglich hatte sie eine weiße Farbe8. Der Bau besteht daneben aus zwei Elementen, die im Anschluss nun näher erläutert werden sollen - der eigentlichen Torarchitektur in seinem groben Aufbau und dem spezielleren Bild- und Figurenprogramm.

2.1.1. Architektonische Charakteristika

Der Torbau besteht zu beiden Fronten aus einer Kolonnade mit fünf Durchfahrten, die mittels massiver Querwände voneinander getrennt sind. Während die vier äußeren Durchfahrten eine Breite von je 3,79 Metern haben und damit einzeln fast so breit wie die des alten Tores sind, misst die Mittelöffnung 5,50 Meter. Sie war für die höfischen Karossen vorgesehen. Die Stirnseiten der Scheidewände schmücken kannelierte und mit Basen versehene, sich leicht nach oben verjüngende Sandsteinsäulen nach dorischem Vorbild9, von denen sich sechs auf jeder Torseite finden. Der Säulendurchmesser beträgt fünf Fuß und acht Zoll. Die Säulenhöhe misst 44 Fuß. Detailliert findet sich im Säulenaufbau eine ausladende Plinthe auf dem Bodenpflaster. Darauf ist eine Basis aus einem breiten Wulst gelegt. Darüber zeigt sich ein Rundstab, der das Fundament für eine, zum kannelierten Schaft über leitenden Leiste darstellt. Die Zwischenwände und Säulen tragen ein dorisches Gebälk. Dem klassisch- dorischen Eckkonflikt, der durch die Anwendung des dorischen Systems entsteht, wird hier durch den Einsatz von Halbmetopen begegnet.10 Auf dem Gebälk wiederum ruht eine breit gelagerte, über dem mittleren Durchgang beiderseits vorgezogene Attika, zu deren Mitte von außen Stufen hinaufführen. Auf ihr findet sich, durch einen Sockel nochmals hervorgehoben, eine ungefähr vier Meter hohe Quadriga. Die zentrale Hauptlast der Quadriga wird von einer Längstonne über der mittleren Durchfahrt aufgefangen. Das Gewicht der benannten Längstonne wird nun über ein kleineres Wölbsystem und seitliche Stufen auf Scheidewände und Gebälk verteilt. Zusätzlich entlasten Abfangbögen hinter dem Triglyphen-Metopenfries die scheitrechten Bogen. Der Entstehung von seitlichem Schub wird nach Paschke mit der Verwendung von Ankern und mit einer Auflast begegnet, „welche der Konstruktion Stabilität verleihen“. Die Attika ist nach Paschke deshalb notwendig, um auf seitliche Stützsysteme verzichten zu können. An die äußeren Scheidewände stießen bis in das 19. Jahrhundert Remisen an, die mit leichtem Rückschwung in die Akzisemauer übergingen11. Der Hauptseite sind symmetrisch zum Quarree hin zwei doppelgeschossige, etwa halb so hohe, pavillonähnliche Flügelbauten angegliedert, die durch eine schmale Zone mit figurengeschmückten Nischenwänden mit dem Tor verbunden sind und das Brandenburger Tor von den Wohnhäusern in der Mauerflucht abgrenzen. Die Flügelbauten sind darüber hinaus - anders als der Mittelbau - mit Giebeln geschmückt. Die Giebelschrägen der Nebenbauten wiederholen dabei die Stufen, die zum Sockel von Schadows Quadriga hinaufführen. Die symmetrischen Gebäude sind von niedrigen, gleich proportionierten Säulen umstellt und zum Zwecke der Anfügung „an die nechsten Häuser des Quarrees“ leicht aus dem Zentrum ihrer vier- säuligen Giebelfassade nach außen verrückt. Sie vermitteln dadurch zwischen dem Bau des Stadttores und den angrenzenden Wohngebäuden. Außerdem verengen die Nebengebäude das Quarree „nach Art eines barocken Ehrenhofes“, wie er sich in der Versailler Schloßanlage findet. Der Grund einer Anfügung von Flügelbauten an das Brandenburger Tor erschließt sich aber hauptsächlich aus dessen Funktion als Stadt- und Zolltor: So befanden sich in den Nebenbauten links die Wachstube und rechts die Akzisestube für die, am Tor postierten preußischen Kontroll- Beamten12.13

2.1.2. Das Bildprogramm

Neben den allgemeinen Charakteristika des Tores findet sich hier auch ein umfangreiches ikonographisches Bild- und Figurenprogramm, welches einzigartig unter den drei monumentalen von insgesamt achtzehn ursprünglichen Berliner Stadttoren ist14.

2.1.2.1. Die Quadriga

Das monumentale, zweifach lebensgroße und in metallener Treibarbeit gefertigte Gespann mit der Wagenlenkerin ist wohl der bekannteste Bestandteil der figuralen Torsymbolik und geht wahrscheinlich auf eine Idee von Langhans zurück.15 Die Fertigung des Entwurfes für die zwölf Fuß hohen Pferde der Quadriga16 oblag Schadow17. Im Gegensatz zu dem ausführlichen Entwurf der Pferde, fertigte er nach eigenen Angaben jedoch nur eine heute unbekannte „kleine Skizze“ für die Wagenlenkerin an18. Die etwa vier Meter hohe Quadriga-Gruppe wurde nach ihrer Ausfertigung - im Jahr 1793 - in Abwesenheit des Königs auf der Quadriga aufgestellt.19 Sie besteht aus vier kräftigen Pferden mit jeweils einem erhobenen Vorderbein, die mit aufmerksamer, nach vorne gerichteter Ohrenstellung und wachem Blick gen Berlin zu streben scheinen. Sie ziehen einen zweirädrigen, antik- römisch anmutenden Streit-oder Triumphwagen mit einer Blumengirlande und Löwenkopfemblem im vorderen Bereich. In dem Wagen steht eine weibliche Figur mit ebenfalls stadteinwärts gerichtetem Kopf und im Nacken zu einem Knoten zusammengefassten Haaren. Der Körper erscheint jung, athletisch und nach dem antiken Vorbild römischer oder griechischer Figuren geformt. Dem Rücken der Wagenlenkerin entwachsen zwei große zusammengefaltete Flügel. Die Viktoria kleidet ein, in unsichtbarem Wind wehendes ärmelloses Gewand, dass in dianischer Kleidungsart nur über die linke Schulter geführt ist. Der linke Arm führt leicht nach vorne und endet in der, den oberen Rand des Streit- skizzenhaften Studien der Bewegungsabläufe der Tiere aus dem Königlichen Marstall, die G-D. Ulferts auch in der fertigen Quadriga auf dem Brandenburger Tor zu erkennen glaubt. So meint er, dass hier „klassizistisch- antike Bildvorstellungen unter dem Eindruck unmittelbarer Naturbeobachtung zu realistisch- überformten Darstellungen“ werden. Er offenbart in dieser Beobachtung nicht nur die Vergangenheit und die Gegenwart, die in der Gestalt der Pferde zu einer symbiotischen zeitlosen Einheit verschmelzen, sondern auch Fiktion und Realität, die sich fern von jeder Aporie in der Quadriga vereinen und ,weder wirklich real und lebendig, noch gestalt- und formlos, einer übergeordneten Aussage jenseits jeder Körperlichkeit dienen. Das Bewegungsmotiv des gesamten Gespanns zeigt dabei das so genannte ‚gesprengte Schema’ im Geschirr leicht auseinanderstrebender Pferde, welches vermutlich antiken Münzbildern nachempfunden ist und gemäß Ulferts vielleicht wegen ihrer ansprechenden Silhouette gewählt wurde. Vgl. Ulferts (1991), S.95-97. oder Triumphwagens umgreifenden linken Hand. Der rechte Arm ist angewinkelt und folgt der Panierstange, den die rechte Hand hält. Jener trägt am oberen Ende ein Eisernes Kreuz aus Kupferblech, das von einem Eichenkranz umschlossen ist, auf dem wiederum der preußische Adler sitzt20 und seine Flügel ausbreitet.

2.1.2.1.1. Entlehnungen und Vorlagen

Die gesamte Gruppe erscheint, wie Ulferts bereits konstatierte, als erste monumentale, nachantike Realisierung eines Triumphwagens, wie er sich auf den Darstellungen antiker Streitwagen auf Münzbildern und Gemmen in der kurfürstlichen Antikensammlung in Berlin, antiken Triumphbögen und in den Stichen von Stuart und Revett - denen wahrscheinlich auch der Löwenkopf auf der Wagendeichsel und die Flügel der Viktoria entlehnt sind- präsentiert, an denen sich Schadow bezüglich seiner Entwürfe orientieren mochte21.

2.1.2.1.2. Die Quadriga als „Triumph des Friedens“

Bereits 1788 hatte der Architekt K.G. Langhans die Quadriga in seinen ‚Pro Memoria’ als Symbol für den „Triumph des Friedens“ vorgesehen22. Diese aussagekräftige Formulierung verdeutlicht die tatsächliche und geistige Nähe von dem Sieg im und dem Frieden nach einem Krieg und damit die Abhängigkeit des Friedens von Auseinandersetzungen. Dies ist

- wie die weitere Analyse des Tores ergeben wird - vielfach in der Symbolik des Brandenburger Tores beinhaltet und preist dadurch das Vergangene Geschehen als Grundlage für eine angenehme Zukunft. Hier greift der Winckelmannsche Ansatz, der die Abhängigkeit der Eigenständigkeit und der Neuschöpfung von dem Ursprünglichen, dem Vergangenen - dem Altertum der Hellenen - wenige Jahrzehnte vor dem Torbau herausstellte und jenen mit großer Wahrscheinlichkeit in Gestalt und Aussagekraft zu prägen vermochte. Langhans’ Ausspruch lässt die Quadriga also zusammen mit einem eventuellen geistigen Vorgriff auf einen möglichen politischen Wandel, als Verdeutlichung des Aufbruchs zu neuen Architektur- und Kunstformen im Sinne Winckelmanns erscheinen.

2.1.2.1.3. Napoleon und die Quadriga

Das Brandenburger Tor mit der Quadriga als Denkmal von Wandel und Frieden nach kriegerischen Auseinandersetzungen zeigt sich einmal mehr in der zeitlichen und politischen Umgebung der preußischen Besetzung durch den Franzosen Napoleon Bonaparte. Dreizehn Tage nach Napoleons Sieg über Preußen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 zog der Franzose mit seinen Truppen feierlich- triumphal durch das Brandenburger Tor nach Berlin ein23. Nach kurzer Zeit befahl Napoleon nun, die Quadriga vom Tor herunterzunehmen und als Trophäe nach Paris bringen zu lassen24. Nach dieser, als Affront empfundenen Tat regte sich im Volk zunehmend Widerstand25. Die ‚entführte’ Quadriga avancierte zu diesem Zeitpunkt zum National- und Freiheitssymbol des preußischen Volkes26 - das leere Brandenburger Tor

[...]


1 Die Stadtmauer Berlins war die so genannte Zoll- und Akzisemauer, die ab dem 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die mittelalterliche Stadtmauer und die nachfolgende Festungsanlage ersetzte. Die Akzise ware die damalige direkte Verbrauchssteuer auf eingeführte Waren. Daher war die Aufgabe der Akzisemauer gewesen, die Steuereinnahmen zu sichern und die Desertation von Soldaten zu verhindern.

2 Die meisten soliden Stadttore bestanden zuvor aus Durchgängen, die von zwei Torpfosten gebildet und von kleinen Wachhäusern gerahmt wurden. In der Tradition dieser Bauten muss wohl auch das alte „Brandenburger Tor“, der Vorgänger des jetzigen Baus, gesehen werden. Dieses war 1734 unter der Leitung von Philipp Gerlach errichtet worden und in seiner Ausführung noch ganz dem ‚ancien regime’ verbunden. Das Tor bestand aus zwei barocken Torpfosten, die mit Pilastern und Trophäen versehen waren und um Ziervasen-geschmückte seitliche Durchgänge erweitert wurden. Beiderseits des Baus gruppierten sich kleinere schmucklose Gebäude, in denen sich links das Wachlokal und rechts die Wachstube und das Spritzenhaus befanden. Dieses Tor zeigt eine Radierung aus dem Jahr 1764. vgl. Laabs (1990), S.10, Bauch (1966), S.6, Wegner (2000), S.94.

3 Von Langhans stammen solche Bauten wie das Belvedere im Park des Schlosses Charlottenburg und das Potsdamer Marmorpalais. Vgl. Bolle (1991), S.72.

4 Vgl. Demps (1991), S.40. Der König gab dem Baumeister diesbezüglich klare Anweisungen. So betont die früheste, ausführliche Beschreibung des Tores im Akademiekatalog 1793, dass der Bau „auf Königlichen Befehl, nach der alleinigen ersten Idee Sr. Majestät des Königs […] aufgeführt“ wäre. „Das Projekt dazu“ sei allerdings von dem „Königlichen Geheimen Rath und Ober=Hof=Bau=Amts Director Herrn Langhans entworfen“. Vgl. Paschke (1991), S.16. Am 16. August 1789 wurde ein Gipsmodell des neuen Tores erstmals in der Akademie der Künste anlässlich der öffentlichen Versammlung zu Ehren der Schwester Friedrich Wilhelms II vorgestellt, bei der der Minister J. C. v. Woellner eine Abhandlung vorlas, „wie die Residenzstädte Berlin und Potsdam durch vortreffliche Gebäude verschönert“ werden könnten. Der breiten Öffentlichkeit präsentierte der Architekt das Modell wenig später auf der Ausstellung der Akademie der Künste am 25. September 1789. vgl. Demps (1991), S.42.

5 Vgl. Laabs (1990), S.11; Reiche (1991), S.274. Der, im Auftrag des Hofes von Minister v. Woellner überwachte Bau war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht mit allen Bestandteilen seiner Figural- und Bildprogrammatik versehen.

6 Das Brandenburger Tor ist der Ausgangspunkt der ehemaligen Berliner Prachtstraße ‚Unter den Linden’, über die der Passant zum königlichen Schloß hin geleitet wurde. Das Brandenburger Tor markiert zudem die Grenze zwischen der Stadt und den Tiergartenanlagen in Richtung des alten Brandenburgs und dominierte die zur Zeit der Torerrichtung noch zweigeschossige Platzbebauung. Vgl. Paschke (1991), S.16.

7 Vgl. Paschke (1991), S.16.

8 Vgl. Laabs (1990), S.15. Das Tor war ursprünglich mit einem weißen Kalkanstrich versehen, der den kaum gemaserten griechischen Marmor imitieren sollte. Für die jetzige Farbgebung gilt nach Arenhövel und Bothe das gleiche, was J. v. Voß 1811 in seiner Schrift „Neu- Berlin oder vaterländische Ideen über Wiedergedeihen und Emporblühen dieser Hauptstadt“ bezüglich der ersten Renovierung von 1804 schrieb : „wo sie, statt der weißen […] Farbe, die gegen das Baumgrün des Thiergartens so idealisch leuchtete, es mit einem ekelhaften Caffee au lait besudelten“. Die heutige, von allen Farbschichten befreite Sandsteinfassung des Tores entspricht daher weder der ursprünglichen Intention des 18., noch des 19. Jahrhunderts. vgl. und Zitat Arenhövel/Bothe (1991), S. 13.

9 Die Zwischenwände zeichnet, im Gegensatz zur leichten Verjüngung der Säulen, eine gleich bleibende Stärke aus. Vgl. Paschke (1991), S.21.

10 Vgl. Paschke (1991), S.24-27.

11 Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung wuchs die Bevölkerung Berlins in der Mitte des 19. Jahrhunderts weit über die Stadtgrenzen hinaus. Durch zahlreiche, zusätzliche Eingemeindungen vergrößerte sich das Stadtgebiet zusätzlich sehr stark. Gleichzeitig wurden die Stadtmauer und ihre alten Tore überflüssig, der zunehmende Verkehr und die Bautätigkeit durch diese Überbleibsel vergangener Tage behindert. Es folgten große Abbruchmaßnahmen, nach denen allerdings das Brandenburger Tor erhalten geblieben war, wenn es auch bauliche Veränderungen erfahren sollte: Die Remisengebäude und mittleren Anbauten, in welchen Ställe angebracht waren, wurden abgebrochen und die geschlossene Architektur im Rücken von Mars und Minerva durchbrochen. Vgl. Laabs (1990), S.20, Demps (1991) 48-55.

12 Dieser Kontroll- und Zollfunktion des Brandenburger Tores waren in der ersten Hälfte seines Bestehens nicht nur die Flügelbauten geschuldet, sondern auch die Durchgänge für die Wachpassagen, die zwischen Flügelbauten, Lager- und Stallgebäuden „an der Stadt=Mauer herumgingen“. Dieser Notwendigkeit schlossen sich Gitter an, mit denen das Tor verschlossen werden konnte. Hierzu meinte Langhans in seinen Pro Memoria: “Die Schlüsselung der Oefnungen kann im Tage mit eisernen Grillen, und bey der Nacht mit ordentlichen Thor=Flügeln geschehen“. Die Eisengitter wurden jedoch bereits 1840, die Holzflügel wegen häufiger Reparaturbedürftigkeit 1861 entfernt. Vgl. Paschke (1991), S.19-21. Tatsächlich zeigen diese baulichen Eigenschaften, wie überaus wichtig die wirtschaftliche Funktion des Brandenburger Tores für den Auftraggeber , den preußischen Herrscher Friedrich Wilhelm II., war.

13 Vgl. Paschke (1991), S.16- 22, 24-27.

14 Vgl. Reiche (1991), S.274. Hinsichtlich des bildnerischen Torschmuckes gab Langhans bereits in seinen ‚Pro Memoria’ des Jahres 1788 fest umrissene Vorgaben. Diese wurden später teilweise abgeändert und ausgeweitet. Die bildhauerischen Sandsteinarbeiten wurden von Berliner und Potsdamer Künstlern ausgeführt. Sie gehen zum großen Teil auf Entwürfe J. G. Schadows zurück. Die Gestaltung der Bildwerke durch Schadow, der seit Oktober 1788 Hofbildhauer in Berlin war, ist Sinnbild der neuen, zeitgenössischen Praxis zentral und unter Aufsicht der Akademie -und dem „Rector der Skulpturen“- gelenkter Bildhauerarbeit im Zusammenhang mit königlichen Bauten. Dies geschah nach einer Instruktion vom 16.Oktober 1787. vgl. Laabs (1990), S.11, Ulferts (1991), S.93.

15 Vgl. Ulferts (1991), S.93.

16 Da die genaue Vorlage heute nicht mehr auffindbar ist, wird gemutmaßt, dass sie unter anderem in einem Modell Schadows von 1789 Umsetzung fand, welches auf der Ausstellung der Akademie desselben Jahres „drei Pferde in Gyps“ zeigte. Hierbei wird vermutet, dass der Gipsabguss eines heute verschollenen Pferdes, welches sich offenbar bis Kriegsende in der Nationalgalerie Berlins befand und eine Höhe von 81 Zentimetern maß, eines jener „Drei Pferde“ darzustellen vermochte. Der, mit besonderem Augenmerk auf die Naturnähe ausgeführte Entwurf der Pferde, erfolgte dabei wahrscheinlich nach

17 Johann Gottfried Schadow war seit 1788 Leiter der preußischen Hofbildhauerwerkstatt. Damit verbunden war das angesehene Amt eines „Direktors aller Skulpturen“ beim von Langhans geleiteten Oberhofbauamt. Er war der bedeutendste deutsche Bildhauer um1800. Eines seiner bedeutendsten Werke sind die Stettiner Marmorstatue Friedrichs II und das Prinzessinnen- Doppelstandbild, das die Schwestern Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz zeigt. Schadow oblag vor allem der künstlerische Entwurf, nicht die handwerklich- technische Arbeit. Die ausführenden Personen standen jedoch unter der Aufsicht Schadows und der Kommissionen der Akademie. Vgl. Laabs (1990), S. 13.

18 Vgl. Laabs (1990), S. 13.

19 Vgl. Ulferts (1991), S.93.

20 Das, von Schadow entworfene und ursprünglich ausgeführte Siegeszeichen der Viktoria war zunächst ein, an einem Speer befestigter Helm gewesen, der auf die Betrachter wie eine „Laterne“ gewirkt hatte. Ihm waren ein Panzer und zwei Schilde zur Seite gestellt. Diese Attribute wurden jedoch relativ schnell zu dem, ebenfalls von Schadow entworfenen Speer mit Kranz und Adler. Vgl. Ulferts (1991), S.103.

21 Vgl. Ulferts (1991), S.95-97. Wegen der großen Ähnlichkeit erscheint es zudem wahrscheinlich, dass Schadow für die Berliner Quadriga die Gestalt und den Aufbau des Viergespanns auf dem antiken Mausoleum in Halikarnassos zur Vorlage nahm, das zu Schadows Zeiten weithin durch die Literatur Vitruvs bekannt war. Vgl. Ulferts (1991), S.93.

22 Vgl. Ulferts (1991), S.129-130, Laabs (1990), S. 13.

23 Dabei mussten Vertreter der Bürgerschaften Napoleon den Schlüssel zur Stadt

überreichen, was Reiche dazu veranlasst, hinter diesem symbolischen Akt eine bewusste Demonstration für die Massen zu vermuten. Vgl. Reiche (1991), S. 275.

24 Eine weitere Maßnahme der Demonstration französischer Überlegenheit und ‚Demütigung’ der preußischen Bevölkerung war, dass die Berliner zusätzlich den französischen Soldaten, Offizieren und Beamten unter der folgenden zweijährigen Besetzung Quartier gewähren mussten. Vgl. Laabs (1990), S. 16.

25 So forderte zum Beispiel J. G. Fichte in seinen berühmten „Reden an die deutsche Nation“ die „sittliche Erneuerung des Volkes, ein einiges, freies Vaterland und die Befreiung von der Fremdherrschaft“. Vgl. Laabs (1990), S.17.

26 Es war J. Reiche, der nachvollziehbar konstatierte, dass eine „Loslösung von einer personengebundenen Loyalität“ gegenüber dem preußischen König in der Zeit kurz nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon verzeichnet werden konnte. Dies förderte

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Details

Titel
Das Brandenburger Tor als Spiegel preußischen Zeitgeists
Untertitel
Zwischen Antike und herrschaftlicher Politik.
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kustodie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V266583
ISBN (eBook)
9783656565703
ISBN (Buch)
9783656565680
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brandenburger Tor, Berlin, Kunstmetropole, Kunst, Architektur, Propyläen, Antikenrezeption
Arbeit zitieren
Luise Schendel (Autor), 2007, Das Brandenburger Tor als Spiegel preußischen Zeitgeists, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266583

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