Welcher Ansatz ist heutzutage die angemessene Form der Unternehmensführung?
Einerseits finden sich Wissenschaftler, die der Überzeugung sind, dass ein Unternehmen im Sinne der Wertorientierung stets den Unternehmensgewinn sowie den Unternehmenswert maximieren muss.
Auf der anderen Seite sehen die Vertreter der Werteorientierung die Unternehmen als Bestandteil der Gesellschaft und fordern die Übernahme von gesellschaftlich-sozialen Pflichten.
In dieser Arbeit sollen die beiden stark differierenden Managementansätze der Wert- und der Werteorientierung sowie deren gedankliche Herkunft vorgestellt werden. Ferner soll beschrieben werden, wie die Werteorientierung in die Unternehmensstrategie implementiert werden kann und ob es möglich ist in der Folge das gesellschaftlich-soziale Engagement verlässlich zu quantifizieren und damit den Bezug zur Wertorientierung herzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit
2. Die wertorientierte Unternehmenssteuerung
2.1 Ursprünge und Überzeugungen der neoklassischen Lehre
2.2 Wertorientierung als Zielsystem der Unternehmenssteuerung
2.3 Kennzahlen als Steuerungsinstrument der Unternehmung
2.4 Die Begründung der Shareholder als betriebliche Anspruchsgruppe
2.5 Grundkonzeption des Shareholder Value-Ansatzes nach Rappaport
2.5.1 Herkunft und Verständnis des Shareholder Value
2.5.2 Bestimmung des Free Cashflow als notwendige Bedingung
2.5.3 Werttreiberdefinition im Shareholder Value-Konzept
2.6 Shareholder Value-Ansatz in der Praxis: Die Telekom AG
2.7 Kritische Würdigung der wertorientierten Unternehmenssteuerung
3. Die werteorientierte Unternehmensführung
3.1 Ursprünge und Überzeugungen der neo-institutionellen Lehre
3.2 Die Stakeholder als betriebliche Anspruchsgruppe
3.3 Soziale Verantwortung in Unternehmen
3.3.1 Corporate Social Responsibility (CSR)
3.3.2 Corporate Citizenship
3.4 Makropolitische Bestrebungen für Corporate Social Responsibility
3.5 CSR als Teil der globalen Unternehmensstrategie
3.5.1 Herausforderung für die CSR in multinationalen Konzernen
3.5.2 CSR als Wettbewerbsvorteil für Unternehmen
3.5.2.1 Vom Social Case zum Business Case
3.5.2.2 Integration der CSR in die Unternehmensstrategie
3.6. Messbarkeit von gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung
3.6.1 Messbare Wirkung von CSR auf den Shareholder Value?
3.6.2 Momentaufnahme und Einteilung der CSR-Rating-Institutionen
3.6.3 Verfügbare CSR-Ratings zur Messung der Wertmaximierung
3.6.4 Problematik und Kritik an der Erhebung von CSR-Informationen
3.7 Kritische Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen
4. Corporate Social Responsibility am Beispiel der Bayer AG
4.1 Der Bayer Konzern
4.1.1 Die Geschichte der Bayer AG
4.1.2 Momentaufnahme der heutigen Geschäftsfelder
4.1.3 Strategische Ausrichtung des Bayer-Konzerns
4.2 Kritik an der Bayer AG
4.3 Gesellschaftliches Engagement der Bayer AG
4.3.1 Positionierung und Ziele der Nachhaltigkeit
4.3.2 Die gesellschaftlich-sozialen „Leuchtturm-Projekte“ der Bayer AG
4.4 Wertmaximierung durch Werteorientierung bei Bayer?
4.5 Resümee der gesellschaftlichen Verantwortung im Bayer Konzern
5. Schlussbetrachtung
5.1 Thesenförmige Zusammenfassung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der wertorientierten Unternehmensführung, die primär auf die Maximierung des Shareholder Value ausgerichtet ist, und der werteorientierten Unternehmensführung, die soziale und ökologische Aspekte (CSR) integriert. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen beider Ansätze darzustellen und anhand des Beispiels der Bayer AG zu analysieren, ob ein positiver Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Engagement und monetärer Wertmaximierung empirisch nachweisbar ist.
- Gegenüberstellung von Shareholder-Value-Ansatz (Neoklassik) und Stakeholder-Ansatz (Neo-Institutionalismus).
- Analyse von Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizenship (CC) als Strategieelemente.
- Untersuchung der Messbarkeit von CSR-Aktivitäten und deren Einfluss auf den Unternehmenswert.
- Praxisnahe Fallstudie zur Bayer AG inklusive kritischer Würdigung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie.
- Diskussion über Zielkonflikte und Synergien zwischen Gewinnmaximierung und gesellschaftlicher Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
2.5.1 Herkunft und Verständnis des Shareholder Value
Alfred Rappaport erarbeitete mit dem Shareholder Value-Ansatz einen revolutionären Ansatz zur Wertmessung. Die bis dahin verwendeten traditionellen Kennzahlen konnten – nach Ansicht von Rappaport – kein realistisches Bild über die zukünftigen Ertragspotentiale einer Unternehmung liefern. Die Gründe dafür lagen in den Defiziten der gewinnorientierten Kennzahlen.
1. Die Renditekennzahlen verwenden in der Rechnung buchhalterische Größen wie Betriebsergebnis oder Jahresüberschuss und sind dadurch von einem rückwirkenden bzw. vergangenheitsorientierten Betrachtungswinkel geprägt. Die ökonomische Entwicklung wird nach dem Betrachtungszeitraum hierdurch tendenziell überschätzt.
2. Die gewinnorientierten Kennzahlen sind vielmehr in hohem Maße abhängig von der verfolgten Bilanzierungs- und Abschreibungspolitik und eignen sich aus diesem Grund nur bedingt für eine zukunftsorientierte Entscheidungsfindung.
3. Die Korrelation von Rentabilitätskennzahlen und Unternehmenswertentwicklung am Kapitalmarkt ist sehr schwach ausgeprägt, sodass beispielsweise ROI (Return on Investment) oder ROE (Return on Equity) nicht als Signalindikator gegen drohende Gefahren für den Unternehmenswert eingesetzt werden können.
4. Es findet keine adäquate Risikodifferenzierung zwischen den Investitionsopportunitäten statt. Anhand der traditionellen Steuerungsgrößen werden Risikoprämien nicht vergeben und können hierdurch zu Fehlallokationen der liquiden Mittel führen.
5. Die eingehende Erfassung der Investitionstätigkeiten ist für die Unternehmen von elementarer Bedeutung. Investitionen sind Stromgrößen und können in Folgeperioden beachtliche monetäre Ergebniseffekte auslösen. Die jahresabschlussorientierten Kennzahlen sind leider nicht in der Lage Aussagen über den Kapitalbedarf für Wachstumsfinanzierungen zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit: Einleitung in die kontroversen Ansätze der Wert- und Werteorientierung sowie Vorstellung des methodischen Aufbaus.
2. Die wertorientierte Unternehmenssteuerung: Analyse der neoklassischen Grundlagen, des Shareholder Value-Ansatzes nach Rappaport und seiner Anwendung in der Praxis am Beispiel der Telekom AG.
3. Die werteorientierte Unternehmensführung: Darlegung des neo-institutionellen Fundaments sowie der Rolle von Stakeholdern, CSR und Corporate Citizenship als strategische Werkzeuge.
4. Corporate Social Responsibility am Beispiel der Bayer AG: Detaillierte Fallstudie zur historischen und strategischen Entwicklung der Bayer AG im Hinblick auf Nachhaltigkeit und deren messbare Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Thesen und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des CSR-Verständnisses in der globalen Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Shareholder Value, Wertorientierte Unternehmenssteuerung, Neoklassik, Stakeholder-Ansatz, Corporate Social Responsibility, CSR, Corporate Citizenship, Nachhaltigkeit, Bayer AG, Triple-Bottom-Line, Unternehmenswert, Werttreiber, Rendite, Kapitalmarkt, Institutionalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Management-Wandel von der rein gewinnorientierten Unternehmenssteuerung hin zur Integration gesellschaftlicher Verantwortung, wobei die Bayer AG als zentrales Fallbeispiel dient.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themenfelder sind der Shareholder Value-Ansatz, der Stakeholder-Ansatz, das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) sowie die Herausforderungen der Messbarkeit von Nachhaltigkeitsbemühungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Hinterfragung der These, ob sich verantwortungsvolles gesellschaftliches Engagement (CSR) durch positive monetäre Effekte für das Unternehmen rechtfertigen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse neoklassischer und neo-institutioneller Lehren sowie eine empirisch gestützte Fallstudie am Beispiel der Bayer AG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Wert- und Werteorientierung, die methodische Erläuterung der entsprechenden Steuerungsinstrumente und eine detaillierte Analyse der Nachhaltigkeitsstrategie der Bayer AG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Shareholder Value, Stakeholder, CSR, Corporate Citizenship, Werttreiber, Kapitalmarkt, Bayer AG, Nachhaltigkeit und Triple-Bottom-Line.
Welche Rolle spielt die Bayer AG im Rahmen der Untersuchung?
Die Bayer AG fungiert als Referenzunternehmen, an dem die Diskrepanz zwischen strategischer CSR-Ausrichtung, öffentlicher Wahrnehmung und der quantitativen Messbarkeit durch Nachhaltigkeitsindizes wie den DJSI untersucht wird.
Ist ein positiver Zusammenhang zwischen CSR und Shareholder Value bei Bayer nachweisbar?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein direkter empirischer Nachweis einer Wertmaximierung durch CSR-Engagement bei Bayer nicht zweifelsfrei erbracht werden kann, da gegenläufige Effekte und externe Faktoren die Entwicklung beeinflussen.
- Quote paper
- Andreas Bösherz (Author), 2012, Wertmaximierung durch Werteorientierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266591