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Im Bann der Antike. Mythologie und Idealismus in Bertoldo di Giovannis Reiterschlacht-Relief im Bargello

Titel: Im Bann der Antike. Mythologie und Idealismus in Bertoldo di Giovannis Reiterschlacht-Relief im Bargello

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 34 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Luise Schendel (Autor:in)

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die italienische Renaissance gilt als eine Zeit der künstlerischen Neuerungen, des politischen wie auch intellektuellen Umbruches. Dabei bildete sich jedoch früh ein künstlerisches Zentrum heraus: Florenz. Hier war es Donatello, der seine weltberühmten Werke auf der Grundlage von Naturbeobachtungen und Antikenrezeption schuf – geleitet von den bahnbrechenden Abhandlungen Leon Battista Albertis zur künstlerischen Arbeit. Er war es auch, an dem die Loslösung von mittelalterlichen und die Tendenz zu innovativen Darstellungsnormen zuerst so deutlich zum Vorschein kam, dass er noch heute als einer der bedeutendsten Wegbereiter der Kunst der Neuzeit anzusehen ist. Seine Ideen gab er nun an seine Schüler weiter, die sie ganz individuell umsetzten und entwickelten. Einer davon war Bertoldo di Giovanni, der zwischen 1435 und 1440 in Florenz geboren wurde und wahrscheinlich Donatellos bronzene Florentiner Kanzelreliefs in San Lorenzo vollendete. Später studierte jener eingehend antike Kunstwerke, wurde Aufseher der Mediceischen Antikensammlung und Lehrer Michelangelos, bis er im Jahre 1491 schließlich starb. Eines seiner qualität- und eindrucksvollsten Werke bleibt dabei das Reiterschlachtrelief im Museo Nazionale del Bargello in Florenz.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Florenz und seine Künstler

2. Das Relief Bertoldo di Giovannis

2.1. Der Relief-Mittelteil

2.2. Die Gestaltung der seitlichen Randleisten

2.3. Die figürliche Durchbildung

2.4. Antikenrezeption im kleinen Format

2.4.1. Die Herkules-Figur

2.4.2. Die Kämpferdarstellungen

2.5. Herkules und der italienische Humanismus

2.6. Sujet und Ambivalenz

2.6.1. Einheit und Entzweiung

2.6.2. Mythos und Historie

2.6.3. Das Relief und die Medici

2.7. Zur Datierung

3. Das Reiterschlacht-Relief im Bargello

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Bronzerelief von Bertoldo di Giovanni im Museo Nazionale del Bargello in Florenz, mit einem besonderen Fokus auf die ikonographische Bedeutung des zentralen Herkules-Motivs und dessen Einbettung in den humanistischen Kontext der Medici-Familie. Ziel ist es, die vielschichtige Symbolik zwischen klassischer Antikenrezeption, künstlerischem Idealismus und zeitgenössischer politischer Allegorie zu ergründen.

  • Analyse der stilistischen Merkmale und der Relieftechnik von Bertoldo di Giovanni.
  • Untersuchung der Herkules-Figur als Identifikationsfigur und Idealbild für die Medici.
  • Deutung der ambivalenten Schlachtdarstellung und deren Bezug zur antiken Gigantomachie.
  • Kontextualisierung des Werkes innerhalb der Florentiner Renaissance und der antiken Vorbilder.
  • Historische Verortung des Reliefs im Palazzo Medici und dessen politischer Anspruch.

Auszug aus dem Buch

2.4. Antikenrezeption im kleinen Format

Dabei kommt die Grundidee für das dargestellte Kampfgeschehen des Bronzereliefs aus der Antike – die Vorlage bietet das Frontrelief eines Schlachtensarkophages aus dem späten zweiten Jahrhundert n.Chr. im Pisaner Campo Santo. Diesen beschädigten Sarkophag hatte Bertoldo zuvor, wie viele andere Antiken, eingehend studiert. Im Sarkophag fehlt das gesamte Mittelstück und die verbliebenen Figuren sind nicht nur bestoßen - es fehlen alle Köpfe. Die verbliebenen Darstellungen sind beinahe eins zu eins auf das Bronzereliefs übernommen, der fehlende Rest wurde durch Bertoldo neu ergänzt. Dabei ist Bertoldos Relief weit mehr als eine verkleinerte Kopie. Auf ihm wurden im unteren Abschnitt mehrere stark bewegte und kompliziert projizierte Figuren neu erfunden. Außerdem wurden die meist bekleideten Gestalten des Sarkophages weitgehend in Akte umgewandelt. So sind die meisten der Krieger ganz renaissancezeit-typisch grundlegend unbekleidet. Die Brustplatten der Römer oder die Beinschützer der Barbaren des Sarkophages sind zu dünnen Umhüllungen geworden. Diese Nacktheit sollte sehr wahrscheinlich antik wirken, ermöglicht das darstellen der Körperlichkeit in verschiedenen Posen und soll vielleicht auch das künstlerische Vermögen Bertoldos was Körpermodellierungen angeht, kundtun. Durch die Wahl des Hochreliefs waren zudem große Variations- und Plastizitätsmöglichkeiten der figürlichen Darstellung gegeben. Unabhängig davon sind nicht alle Figuren gleich proportioniert. Die Figuren am Rand sind, außer denen, auf denen die Viktorien stehen, deutlich größer dargestellt als die mittig Kämpfenden, was allerdings nicht auf die Perspektive zurückgeführt werden kann, wie Überschneidungen von Armen vor den Körpern der Viktorien zeigen. Es scheint, als wollte Bertoldo die Monumentalität des Sarkophages in das Relief einführen, konnte dies aber nicht an allen Stellen bis zur Vollendung durchsetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Florenz und seine Künstler: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Florenz als Zentrum der künstlerischen Renaissance, die Bedeutung Donatellos und die Einordnung von Bertoldo di Giovanni als dessen Schüler.

2. Das Relief Bertoldo di Giovannis: Das Kapitel bietet eine detaillierte formale und inhaltliche Analyse des bronzenen Reiterschlachtreliefs, inklusive der Gestaltung, der anatomischen Darstellung und der antiken Vorbilder.

2.1. Der Relief-Mittelteil: Fokus auf die figürliche Komposition, die Tiefenstaffelung der Reiter- und Kriegerszenen sowie den Kontrast zwischen den verschiedenen Reliefregistern.

2.2. Die Gestaltung der seitlichen Randleisten: Untersuchung der rahmenden Viktorien-Figuren und der knienden Barbarenfiguren hinsichtlich ihrer symbolischen Funktion und ihrer Verbindung zur Architektur des Palazzo Medici.

2.3. Die figürliche Durchbildung: Analyse der künstlerischen Modellierung, insbesondere der nackten Körperlichkeit, der muskulösen Struktur und der rhythmischen Bewegungsdarstellung in Donatellos Tradition.

2.4. Antikenrezeption im kleinen Format: Betrachtung der direkten Vorlagen, wie antike Sarkophage, und deren Transformation durch Bertoldo zu einem eigenständigen, humanistischen Werk.

2.4.1. Die Herkules-Figur: Untersuchung der Attribute des Herkules, wie der geflügelte Helm und die Keule, sowie dessen Rolle als zentrales, mythologisches Motiv.

2.4.2. Die Kämpferdarstellungen: Analyse der kompakten Darstellung der Kämpfer und der Pferde als Sinnbild ritterlicher Souveränität und Macht.

2.5. Herkules und der italienische Humanismus: Kontextualisierung des Herkules als Tugendheld, der in der humanistischen Literatur der Renaissance als Inbegriff der vita activa stilisiert wurde.

2.6. Sujet und Ambivalenz: Diskussion der inhaltlichen Vielschichtigkeit des Reliefs, insbesondere in Bezug auf die Spannung zwischen mythologischem Kampfgeschehen und zeitgenössischer Bedeutung.

2.6.1. Einheit und Entzweiung: Analyse der Beziehung zwischen den Randfiguren und dem zentralen Schlachtgeschehen und deren interpretatorische Schwierigkeiten.

2.6.2. Mythos und Historie: Reflexion über die Deutungsmöglichkeiten als Gigantomachie oder politische Allegorie auf historische Ereignisse des 15. Jahrhunderts.

2.6.3. Das Relief und die Medici: Erörterung der engen Verbindung des Reliefs zur Selbstdarstellung und Kunstpolitik der Familie Medici in Florenz.

2.7. Zur Datierung: Diskussion über den möglichen Entstehungszeitraum des Werkes auf Basis von stilistischen Vergleichen und historischen Kontexten.

3. Das Reiterschlacht-Relief im Bargello: Ein zusammenfassendes Fazit über die künstlerische Bedeutung des Reliefs, seine Rezeption und die bleibende Faszination, die es auf den Betrachter ausübt.

Schlüsselwörter

Bertoldo di Giovanni, Reiterschlacht-Relief, Florenz, Renaissance, Herkules, Medici, Humanismus, Antikenrezeption, Bildhauerei, Gigantomachie, Ikonographie, Bronze, Kunstgeschichte, Donatello, politische Allegorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das berühmte Bronzerelief „Reiterschlacht“ von Bertoldo di Giovanni und untersucht dessen künstlerische Formensprache sowie die tieferen mythologischen und politischen Bedeutungsebenen im Florenz der Renaissance.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Antikenrezeption, die Interpretation des Herkules-Mythos im Humanismus, die künstlerische Verbindung zu Donatello und Michelangelo sowie die enge Beziehung der Kunstwerke zur Machtpolitik der Medici.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Ambivalenz des Reliefs aufzuschlüsseln und zu prüfen, inwieweit das zentrale Herkules-Motiv als moralisches Ideal oder politische Identifikationsfigur für die Medici-Familie fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische Werk- und Stilanalyse, die durch den Vergleich mit antiken Vorbildern, zeitgenössischen literarischen Traktaten und historischen Dokumenten untermauert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung der formalen Gestaltung, die Analyse der zentralen Figuren (insbesondere Herkules) und eine umfassende ikonographische Diskussion über die Deutung als Gigantomachie sowie die politische Relevanz für Lorenzo de Medici.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Bertoldo di Giovanni, Herkules-Mythos, Medici-Kunstpolitik, Humanismus und Renaissance-Skulptur.

Wie wichtig ist die Darstellung der Pferde in diesem Relief?

Die Pferde werden als ritterlich-höfische Sinnbilder der finanziellen Stärke und Macht interpretiert und verdeutlichen durch ihre anatomische Gestaltung Bertoldos intensive Auseinandersetzung mit der antiken und zeitgenössischen Reiterplastik.

Warum wird das Relief oft mit der „Gigantomachie“ in Verbindung gebracht?

Diese Deutung wird diskutiert, da der mythische Kampf der Götter gegen die Giganten ein moralisches Narrativ bietet, in dem das Gute (die Götter/Medici) über das Barbarische (die Giganten) siegt, was dem humanistischen Zeitgeist entspricht.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Im Bann der Antike. Mythologie und Idealismus in Bertoldo di Giovannis Reiterschlacht-Relief im Bargello
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kunsthistorisches Seminar und Kustodie)
Note
1,0
Autor
M.A. Luise Schendel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
34
Katalognummer
V266611
ISBN (eBook)
9783656569107
ISBN (Buch)
9783656569060
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bann antike mythologie idealismus bertoldo giovannis reiterschlacht-relief bargello
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Luise Schendel (Autor:in), 2010, Im Bann der Antike. Mythologie und Idealismus in Bertoldo di Giovannis Reiterschlacht-Relief im Bargello, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266611
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Leseprobe aus  34  Seiten
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