Das Kanzlerduell 2002 - Politisches Programm oder Persönlichkeitstest


Hausarbeit, 2004
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historie der Fernsehduelle
1.1 TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten in den USA
1.2 „Vier Tage vor der Wahl“ / „Journalisten Fragen - Politiker antworten“ ..

2 Das Kanzlerduell 2002
2.1 Das „Print-Duell“
2.2 Allgemeines, Regeln, Moderatoren des TV-Duell
2.3 Modell der Theatralität von Meyer, et al
2.3.1 Aspekt I: Übergang von einer schriftgeprägten Kommunikation zu einer Kultur der Telepräsenz
2.3.2 Aspekt II: Entstehung hochprofessionalisierter Inszenierungsräume
2.3.3 Aspekt III: Transformation im Zeichengebrauch
2.3.4 Aspekt IV: Theatralisierung der Kommunikations- und Rezeptionshaltungen
2.4 Wie weit darf die politische Inszenierung gehen?
2.5 Stimmen Prominenter zum TV-Duell
2.6 Pressestimmen zum Kanzlerduell

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Historie der Fernsehduelle

Die Form des Fernsehduells, wie wir es im Jahre 2002 anhand des Kanzlerduells zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) gesehen haben, ist nicht neu in der Medienlandschaft. Vielmehr hat diese Form der Debatte als Wahlkampfinstrument bereits in einigen Ländern eine lange Tradition.

Im folgenden Kapitel soll deshalb zunächst die TV-Debatte der Präsidentschafts- kandidaten in den USA als Beispiel näher betrachtet werden. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass sich die politischen Systeme in den USA und in Deutsch- land stark unterscheiden. Hervorzuheben ist hier insbesondere, dass die amerika- nische Bevölkerung den Präsidenten direkt wählt, was in Deutschland nicht der Fall ist.

Abschließend für dieses Kapitel wird kurz die Entwicklung der politischen Fernsehduelle in Deutschland am Beispiel von „Vier Tage vor der Wahl“ (1972) und „Journalisten fragen - Politiker antworten“ (1972) behandelt.

1.1 TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten in den USA

Die erste TV-Debatte zwischen zwei amerikanischen Präsidentschaftskandidaten fand im Jahre 1960 statt. Dabei standen sich John F. Kennedy und Richard Ni-on als Teilnehmer gegenüber. Möglich wurde dieses durch einen Erlass des US- Kongresses (Artikel 315 - Federal Communications Act) im selben Jahr.1 Regle- mentiert wurden die Debatten durch die „Federal Election Commission“. Seit dem Jahre 1976 stellt diese Art der politischen Kommunikation ein fest verankertes Format im US-Fernsehen dar.2

Allerdings wurde nur die erste TV-Debatte von den TV-Anstalten als Organisatoren und Sponsoren durchgeführt. Alle folgenden TV-Debatten wurden bewusst von gemeinnützigen Institutionen als Organisatoren durchgeführt, da die Medien einen Interessenkonflikt in der Berichterstattung über den Wahlkampf einerseits und die Durchführung der Debatten andererseits sahen.

Seit 1987 werden die Wähler durch die „Commission on Presidential Debates“ über die Kandidaten und deren Schwerpunkte informiert. Ziel der Kommission ist es dabei durch eine unabhängige und objektive Debatte die Wähler zu informieren. Sämtliche Daten der TV-Debatten (Ort, Datum, etc.) werden dabei durch die Kommission, in enger Abstimmung mit den Kandidaten, festgelegt.

Schon weit vor den eigentlichen TV-Debatten werden sämtliche Details (Ablauf, Inhalt, etc.) sehr genau geplant. Sämtliche Themen, die in den Debatten diskutiert werden, beziehen sich auf Umfragen aus der Bevölkerung. Im Wahlkampf 2000 gab es erstmals die Möglichkeit für die Bürger ihre Fragen im Internet zu formulieren (dies wurde von fast 32.000 Amerikanern genutzt). Die Kandidaten haben somit die Möglichkeit, sich gründlich auf die verschieden Themenbereiche vorzubereiten. Die e-akten Fragen kennen sie dagegen nicht.3

Bei der Art der Fragestellung haben sich drei verschiedene Variationen entwickelt.4

1. ein Moderator im Gespräch mit den Kandidaten
2. ein Panel von Moderatoren befragt die Kandidaten
3. die sog. „Town Hall Meeting“ Debatte

Bei der der ersten Variante findet die Befragung durch einen Moderator statt und die Kandidaten haben jeweils zwei Minuten Zeit die entsprechende Frage zu beantworten. Am Ende der Debatte wird jedem Kandidaten Zeit für eine zweiminütige Schlussbemerkung gegeben.

Bei der zweiten Variante werden die Kandidaten durch ein Panel von Moderatoren befragt. Ein Panel stellt dabei im eigentlich Sinne einen bestimmten, gleichblei- benden Kreis von Auskunftssubjekten dar, der über einen längeren Zeitraum hinweg über die gleiche Sache befragt wird.5

Bei der dritten Variante, der sog. „Town Hall Meeting“ Debatte, haben die Zu- schauer im Publikum die Möglichkeit, neben dem Moderator, eigene Fragen zu stellen. Dadurch fühlen sich die Zuschauer wesentlich stärker angesprochen bzw. eingebunden und begrüßen daher eher diese Art der Debatte. Vor jeder Debatte wird das Publikum durch ein Meinungsforschungsinstitut ausgewählt und im Vor- feld von der Kommission genau befragt. Ziel dieser Maßnahme ist es, Störenfriede schon im Vornherein auszuschließen und somit die Fairness gegenüber den Kandi- daten zu gewähren.

Auf eine genauere Analyse der inhaltlichen Aspekte (Erscheinungsbild der Kandi- daten, Wortwahl, etc.) zu den TV-Duellen im amerikanischen Fernsehen wird hier verzichtet. Vielmehr werden diese Aspekte im Vergleich zum „Kanzlerduell 2002“ berücksichtigt und an gegebener Stelle kurz analysiert und gegenübergestellt.

Abschließend sei noch das Interesse der Öffentlichkeit an den TV-Duellen im amerikanischen Fernsehen erwähnt. In den 70er und 80er Jahren konnten Einschaltquoten von über 65 Millionen Zuschauern beobachtet werden. Jedoch nahm diese Einschaltquote in den 90er Jahren ab und betrug nur noch ca. 46 Millionen Zuschauer (im TV-Duell 1996 zwischen Bill Clinton und Bob Dole). Dessen ungeachtet stuft die Mehrheit der Zuschauer (79 Prozent) die Debatten als wertvoll für ihre Wahlentscheidung ein.6

1.2 „Vier Tage vor der Wahl“ / „Journalisten Fragen - Politiker antworten“

Ein Fernsehduell im Deutschen Fernsehen zwischen den Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien ist ebenfalls nicht mehr ganz neu.

Am 15.11.1972 kam es zum Fernsehauftritt zwischen Brandt, Scheel, Barzel und Strauß in der Sendung „Vier Tage vor der Wahl“. Die Diskussionsrunde dauerte ungefähr zwei Stunden und war für die Spitzenkandidaten die letzte Möglichkeit, sich dem Publikum zu präsentieren. Die Sendung wurde live von der ARD und dem ZDF im Fernsehen übertragen. Die damalige Einschaltquote lag bei 58 %.7

Vor dieser Sendung wurde bereits eine andere Diskussionsrunde mit dem Titel „Journalisten Fragen - Politiker antworten“ (am 02.11.1972) und eine Auftaktdis- kussion in der ARD (am 18.10.1972) mit den gleichen vier Politikern übertragen.

Somit standen den Politikern insgesamt ungefähr 240 Sendeminuten zur Verfü- gung. Die damaligen Moderatoren der Sendungen hatten die Aufgabe, die Diskussion durch möglichst viele Themenbereiche zu führen und darauf zu achten, dass allen Teilnehmern etwa gleich viel Redezeit zur Verfügung stand. „Eine Kritik der Äuße- rungen und des Auftretens der Politiker durch die Moderatoren unterblieb fast gänzlich“.8

2 Das Kanzlerduell 2002

2.1 Das „Print-Duell“

Schon vor dem eigentlichen TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber kam es zum sog. „Print-Duell“ in vier der größten Zeitungen Deutschlands. Im Einzelnen waren dies die „Bild“ zusammen mit der „Bild am Sonntag“ (BamS) und die „Welt“ zusammen mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Bei diesen Duellen saßen den beiden Kanzlerkandidaten jeweils zwei Journalisten der betreffenden Zeitungsgruppe gegenüber und diskutierten die wichtigsten ak- tuellen politischen Fragen. Die Gruppe der Bild-Zeitung wurde vertreten durch Kai Diekmann und Claus Strunz. Für die „Welt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ leiteten die Chefredakteure Hans Werner Kilz („Süddeutsche Zeitung“) und Wolfram Wei- mer („Welt“) das Gespräch.

Den Anfang machte dabei die BamS am 07.07.2002, gefolgt von weiteren Abzügen des Interviews in der „Bild“ am darauf folgenden Tag. „Dass die ‚Bild’-Truppe in dem Gerangel am Ende die Nase vorn haben würde, war absehbar. Erstens geht es beiden Kandidaten um die Massenwirkung - und die bekommen sie nur da. Zweitens hat Schröder nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ‚Bild’, ‚BamS’ und ‚Glotze’ für die wahren Kanzlermacher hält.“9

Die Regeln dieses „Print-Duells“ in der „Bild“ bzw. „BamS“ ähnelten sehr stark den Regeln des TV-Duells. Im Einzelnen waren dies:

- es gilt das gesprochene Wort,
- dem Interviewte-t darf später nichts hinzugefügt oder weggelassen wer- den,
- die Redezeit wird pro Antwort auf 60 Sekunden begrenzt.10

Der zweite Teil des „Print-Duells“ fand in der „Welt“ und in der „Süddeutschen Zeitung“ statt. Die Gespräche wurden zeitgleich am 13.08.02 und am 14.08.02 in beiden Zeitungen veröffentlicht.

2.2 Allgemeines, Regeln, Moderatoren des TV-Duell

Das nachfolgende Zitat gibt die zugrunde liegenden Regeln wieder: „Der Kanzler und sein Herausforderer hatten für jede Antwort ma-imal 90 Sekunden Zeit. Pro Antwort waren den Moderatoren zwei Nachfragen gestattet. Die darauf folgende Antwort durfte dann aber nicht länger als 60 Sekunden sein. Ein rotes Licht am Rednerpult signalisierte zehn Sekunden zuvor den Ablauf der Redezeit. Ein Notar überwachte die Gleichbehandlung.“11

Ferner überließen die Parteimanager nichts dem Zufall. Bis ins kleinste Detail wur- de der Ablauf des Duells festgelegt. Dabei wurden bspw. die Positionen der Kame- ras (keine Kamerabewegungen) und die Höhe der elektrisch verstellbaren Red- nerpulte hinter denen die Kandidaten stehen sollten geregelt. Und damit auch wirklich nichts schief laufen konnte, wurden die Duellanten mit jeweils zwei Mikrofonen verkabelt.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Moderatoren des ersten TV-Duells: Peter Kloeppel und Peter Limbourg

Die Moderatoren des ersten TV-Duells auf RTL und Sat1 am 25.08.2002 waren Peter Klöppel (RTL) und Peter Limburg (Sat1). Die Moderatorinnen des zwei- ten Duells in der ARD und dem ZDF am 08.09.2002 waren Sabine Christiansen (ARD) und Maybritt Illner (ZDF).

2.3 Modell der Theatralität von Meyer, et al.

In diesem Abschnitt soll das „Kanzlerduell 2002“ anhand des Modells der Theatrali- tät von Meyer, et al.13 untersucht und mit Presseartikeln belegt bzw. widerlegt werden.

2.3.1 Aspekt I: Übergang von einer schriftgeprägten Kommunikation zu einer Kultur der Telepräsenz

Meyer, et al. sprechen davon, dass sich die Realität besser in Bildern verdichten lässt als in Worten. Weiter wird davon ausgegangen, dass die Elektronik die Be- deutung des physikalischen Ortes schrumpfen lässt und das Fernsehen uns mit realitätsnahen Bildern versorgt, welche durch eine dichte Verknüpfung von opti- schen und akustischen Reizen, Einstellungen und Bewegungen die Distanz zum Geschehen reduzieren.14

[...]


1 Quelle: http://www.kasusa.org/publikationen/Praesidentschaftskandidaten.Debatte.pdf, Seite 1 (03.05.2003)

2 Quelle: http://www.politik-digital.de/wahlkampf/bundestagswahl2002/tv9.shtml (03.05.2003)

3 Quelle: http://www.kasusa.org/publikationen/Praesidentschaftskandidaten.Debatte.pdf, Seite 2 (03.05.2003)

4 Quelle: http://www.kasusa.org/publikationen/Praesidentschaftskandidaten.Debatte.pdf, Seite 2 (03.05.2003)

5 Vgl. Gabler Wirtschaftsle-ikon, P-SK, Seite 2533

6 Quelle: http://www.kasusa.org/publikationen/Praesidentschaftskandidaten.Debatte.pdf, Seite 9 (03.05.2003)

7 „Fernsehmagazine und Parteien“, Walter Ruhland, Verlag Volker Spiess, 1979, Seite 93

8 Vgl. „Fernsehmagazine und Parteien“, Walter Ruhland, Verlag Volker Spiess, 1979, Seite 94

9 Vgl. Flensburger Tageblatt, 08.07.2002, Seite 2, Autor: Thomas Schunck

10 Vgl. „Bild am Sonntag“, 07.07.2002, Seiten 1 - 6

11 http://www.welt.de/daten/2002/09/09/0909de355503.ht- (04.06.2003)

12 Vgl. http://mainz-online.de/on/02/08/21/topnews/tv-duell-optik.html?a (04.06.2003)

13 „Die Inszenierung des Politischen“, Meyer, Ontrup, Schicha, Westdeutscher Verlag, 2000, Seiten 14 ff.

14 Vgl. „Die Inszenierung des Politischen“, Meyer, Ontrup, Schicha, Westdeutscher Verlag, 2000, S. 14

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Kanzlerduell 2002 - Politisches Programm oder Persönlichkeitstest
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Medien in der Inszenierungsgesellschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V26663
ISBN (eBook)
9783638289320
ISBN (Buch)
9783638831239
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kanzlerduell, Politisches, Programm, Persönlichkeitstest, Medien, Inszenierungsgesellschaft
Arbeit zitieren
Marc Langenstein (Autor), 2004, Das Kanzlerduell 2002 - Politisches Programm oder Persönlichkeitstest, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26663

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