"Ornament und Verbrechen" von Adolf Loos. Eine Analyse


Seminararbeit, 2012

17 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung
2. Die Kunst der Jahrhundertwende in Wien
2.1. Wiener Sezession, Wiener Werkstätte und Österreichischer Werkbund

3. Biografie und Werk
3.1. Schriften
3.2. Das Loos - Haus

4. Entstehung und Hintergründe des Texts „Ornament und Verbrechen“
4.1. Ein literarisches Beispiel für den vorherrschenden Geschmack der Zeit

5. Textausschnitte und Kommentare
5.1. Moralisch - ästhetische Argumente
5.2. Änderung des Bewusstseins
5.3.Ökonomisch - ästhetische Argumente
5.4. Gesellschaftsklassentypische Argumente
5.5. Die Sprache bei Loos

6. Weiterwirken der Arbeiten

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis und Quellenangaben

2. Einleitung

Ich werde mich in dieser Proseminararbeit mit dem Text „Ornament und Verbrechen“ von Loos beschäftigen und dabei auf verschiedene seiner Behauptungen näher eingehen. Schon der Titel des Texts wirkt durch die vordergründige Unvereinbarkeit der beiden Begriffe „Ornament“ und „Verbrechen“ vielversprechend. Das Ornament ist ein Ausdruck aus dem Bereich der Kunst, der Gestaltung und der Architektur, hingegen sind dem Verbrechen eindeutig kriminalistische Konnotationen zugeordnet. Als Leserin stellte sich mir zuerst die Frage, wie Loos diese beiden Themen unter einen Nenner bringen würde.

Auf der Kunstmesse „Ars Electronica“ in Linz war 2002 eine indische Riksha ausgestellt, mit deren Lenkerdrehungen man den auf einem Bildschirm sichtbaren Inhalt verändern konnte. Zu sehen waren Alltagsszenen aus indischen Städten und bemerkenswert in Erinnerung blieb mir die aufwändige Gestaltung der Rikscha: der metallene Fahrradanhänger war reich mit Ornamenten verziert, die von einer indischen Künstlerin gestaltet waren.

Es ist erwiesen, dass die Ornamentik auch heute noch besonders in Niedriglohngegenden weit verbreitet ist. Damit stimmt auch Loos´ Theorie überein, dass die Ornamentik ein Ausdruck der Volkskunst sei und diese wiederum stark von mythischen Elementen geprägt ist. Man sieht auch heute, aus sogenannten Schwellenländern importiert, bestickte Kleidungsstücke, Stoffe mit aufgenähten Pailletten und reichverzierte Gegenstände wie zum Beispiel Dosen. Kein mitteleuropäischer Durchschnittsmensch würde, außer gezwungenermaßen im Handarbeitsunterricht, sich diese Arbeit antun. Es ist allgemein bekannt, dass die herstellenden ArbeiterInnen für ihre Mühen einen zu geringen Lohn erhalten, und infolgedessen sind reichverzierte Gegenstände günstig zu kaufen.

Ich werde in der Proseminararbeit zunächst einen allgemeinen Überblick bezüglich der künstlerischen Strömungen der Jahrhundertwende geben, sodann auf Loos und seine Arbeit genauer eingehen sowie seinen Text analysieren

Abschließend möchte ich die wichtigsten Thesen aus dem Text zusammenfassen.

2. Die Kunst der Jahrhundertwende in Wien

Wien hatte um 1870 eine Million Einwohner und 1919 bereits zwei Millionen.

Die Zeit der Jahrhundertwende war politisch geprägt von nationalistischen Bewegungen in ganz Europa und vom Heraufdämmern des Ersten Weltkrieges. In Wien spielten die Bewegungen des Sozialismus, des Zionismus von Theodor Herzl als Reaktion auf den offenen Antisemitismus, der unter anderem durch den von 1898 bis 1919 amtierenden Wiener Bürgermeisters Karl Lueger proklamiert wurde, sowie der Austromarxismus unter Otto Bauer eine gesellschaftliche Rolle. Die Ambivalenz des Lebens zeigte sich zwischen der Dekadenz der Reichen und dem kärglichem Alltag der arbeitenden Bevölkerung, deren durchschnittliche Lebenserwartung bei 35 Jahren lag.

Demgegenüber stand eine Lebensführung, die auf verschwenderischem Luxus und Ausschweifungen beruhte und deren Protagonisten sich, angelehnt an das englische Vorbild Oscar Wilde, gerne als „Dandy“ sahen. Als weibliche Gegenfigur gilt die „femme fatale“, ein verführerisches Luxusgeschöpf. Diese Figuren spielen in der Kunst der Jahrhundertwende eine maßgebliche Rolle, sei es in der Literatur oder in der bildenden Kunst.

Der Text von Loos steht im Widerspruch zur zeitgenössischen Kunstauffassung, die geprägt war von den Künstlern der Wiener Sezession und der staatlich unterstützten Wiener Werkstätte.

Als Gründer der Jugendstilarchitektur in Österreich gilt Otto Wagner, der bis heute durch die von ihm entworfenen Wiener Stadtbahnstationen bekannt ist. Seine Schüler und Mitarbeiter waren unter anderem Josef Hoffman und Josef Maria Olbrich, der das Haus für Hermann Bahr gebaut hatte und an der Stadtbahn für Detailpläne verantwortlich zeichnete. Hoffmann war Loos gegenüber nicht freundlich gesinnt.

Wagner hingegen verteidigte Loos 1919 bei dessen Problemen mit dem Haus am Michaelerplatz, als er für ihn Partei ergriff. Die künstlerische Epoche der Jahrhundertwende wird oft als „Jugendstil“ bezeichnet, ausgehend von der Münchner Zeitschrift „Jugend“, worin moderne, zeitgenössische Künstler präsentiert wurden.

Der Jugendstil zeichnet sich durch eine reichhaltige Ornamentik aus, die aus Japan importierte Plakatdrucktechnik hatte ihren ersten großen Aufschwung, es wurden diverse Annoncen, Noten, Bücher, Zeitschriften, Initialen, Zigarettenpackungen, Firmenlogos und jegliche Druckerzeugnisse mit den typischen Jugendstilelementen versehen. Die Theater und Varietéplakate jener Zeit sind heute begehrte Sammlerobjekte und Entwürfe aus der Zeit des Jugendstils dienen noch immer als Vorlage.

2.1. Wiener Sezession, Wiener Werkstätte und Österreichischer Werkbund

Eigentlich war die Sezession als Gegenbewegung zum Klassizismus und Historismus entstanden, jedoch wurde auch im sich entwickelnden „Jugendstil“ auf Ornamentik nicht verzichtet, es entstand eine Wandlung der Formen in Richtung floraler Ästhetik. Als bestes Beispiel dient die aus goldenen Ranken bestehende Kuppel des Wiener Sezessionsgebäudes am Naschmarkt. Die Sezession gab seit 1897 die Zeitschrift „Ver Sacrum“ (heiliger Frühling) heraus, der Name sollte das Jugendliche, aufblühend Neue verdeutlichen, und auch Loos veröffentlichte zwei Artikel gegen den Historizismus der Ringstraßenarchitektur.

Loos erhoffte sich eine Mitarbeit bei der Gestaltung des Sezessionsgebäudes und als dies nicht passierte, war der Grundstein für das Zerwürfnis, besonders mit Josef Hoffmann, gelegt.

1903 wurde die Wiener Werkstätte von Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründet, die beiden traten aber 1908 aufgrund von „Gefälligkeitstendenzen“ aus der Künstlervereinigung wieder aus. Ziel war die Aufwertung des Handwerks als Teilbereich der künstlerischen Arbeit. Mitglieder waren auch Gustav Klimt und Oskar Kokoschka. Die Werkstättenbewegung war von John Ruskin und William Morris und der Glasgow School of Arts von 1897 sowie von japanischer Kunst, die auf dekorativen Flächen und vereinfachenden Umrissen ihre Geometrie aufbaut, beeinflusst. Zudem entsprach die Gleichrangigkeit von angewandter und freier Kunst bei den Japanern der Gesinnung der Wiener Werkstätte. 1932 wurde die Werkstätte, die in viele Bereiche der Innenarchitektur, von Möbelentwürfen bis hin zu Stoffmustern, gegliedert war, aufgelassen.

Seit 1996 gibt es in Graz eine Neue Wiener Werkstätte, die nicht nur die Gestaltung des Firmenlogos, sondern auch die Philosophie übernommen hat.

1912 entstand der Österreichische Werkbund (ÖWB), an dem wieder Hoffmann als Gründer beteiligt war. Diese Vereinigung hat die Wiener Werkbundsiedlung 1930-1932 unter der Leitung von Josef Frank (das Bindeglied zwischen Josef Hoffmann und Adolf Loos) erbaut.

Gebäude von Loos sind in ganz Europa erhalten, unter anderem in Paris, Montreux, Prag und vor allem in Wien.

3. Biografie und Werk

Adolf Loos wurde 1870 in Brünn geboren. Sein Vater war Steinmetz und Bildhauer und so lernte er die Welt der Kunstschaffenden schon als Kind kennen und entwickelte seine spätere Begeisterung für die Architektur.

Loos besuchte die Gewerbeschule und studierte danach in Dresden an der TU. Angeregt durch die Chicagoer Weltausstellung 1892 besuchte er von 1893 bis 96 Amerika, wo er bei einem Onkel wohnte und sich mit allerhand Gelegenheitsjobs über Wasser hielt.

Er arbeitete auch als Möbelzeichner und Architekt und die Werke des Gründers der Chicagoer Schule, des Architekten Louis Sullivan, des Vaters der modernen Hochhausstahlbaukonstruktion, begeisterten ihn. Theoriekonzepte zur Stahlbauarchitektur und Eindrücke beeinflussten den jungen Loos soweit, dass er bei seiner Rückkehr nach Europa den ihm antiquiert scheinenden europäischen Stil zu bekämpfen begann und seine Idee von Architektur mittels Schriften zu verbreiten begann.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Ornament und Verbrechen" von Adolf Loos. Eine Analyse
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V266658
ISBN (eBook)
9783656568247
ISBN (Buch)
9783656568230
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ornament, verbrechen, adolf, loos, eine, analyse
Arbeit zitieren
Luitgard Kastelliz (Autor), 2012, "Ornament und Verbrechen" von Adolf Loos. Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266658

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