In dieser Poseminararbeit werden Parallelen zwischen den beiden Texten gezogen, die zeitgeschichtlichen Hintergründe beleuchtet sowie eine sprachliche Analyse der Texte vorgenommen. Dabei werde ich, um den Rahmen der vorgegebenen Seitenzahl nicht zu sprengen, bei allen Punkten auf die ausgewählten Textpassagen genauer eingehen.
Ein sprachlicher Vergleich wird zeigen, welche Phrasen stellvertretend für den Geist der vorigen Jahrhundertwende eingebaut sind. Die Hintergründe zum Weltbild der Protagonisten aus dem Militärmilieu bei Schnitzler und bei Hofmannsthal werden offengelegt und die Intentionen der Hauptfiguren verdeutlicht.
Zudem werden in verkürzter Form Erzählzeit und Erzähltechniken der Autoren analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. WELCHE PARALLELEN GIBT ES ZWISCHEN BEIDEN GESCHICHTEN?
3. SCHNITZLER UND HOFMANNSTHAL IN IHRER ZEIT
3.1 Die Rolle der Armee als Identifikationsinstrument bei Hofmannsthal und Schnitzler
3.2 Der Tod als Thema des morbiden „fin de siécle“ Lebensgefühls
4. TEXTSTELLEN UND ANMERKUNGEN
5. ZEITEN, STIL UND TEXTMERKMALE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Parallelen zwischen Schnitzlers „Leutnant Gustl“ und Hofmannsthals „Die Reitergeschichte“, beleuchtet deren zeitgeschichtliche Hintergründe und analysiert die sprachliche Gestaltung sowie Erzähltechniken der Texte im Kontext der vorigen Jahrhundertwende.
- Vergleich der militärischen Milieus und ihrer Auswirkungen auf die Protagonisten.
- Analyse des Themenkomplexes Tod und Ehre im „fin de siècle“.
- Untersuchung des Frauenbildes und antisemitischer Strömungen der Zeit.
- Erzähltechnische Analyse von Bewusstseinsstrom und Erzählgeschwindigkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Armee als Identifikationsinstrument bei Hofmannsthal und Schnitzler
Beide Protagonisten sind jedenfalls von der militärischen Karriere abhängig. Sogar dem überheblichen Leutnant Gustl wird irgendwann klar, dass er „für was anderes doch zu blöd“ sei. Bei Lenz erübrigt sich die Frage, da er finanziell keine anderen Möglichkeiten hat, als das was er gelernt hat, nämlich beim Militär zu arbeiten, anzuwenden. So viele Jahre ist er jetzt schon dort – im Gegensatz zum jungen Gustl – und auch in einem echten Aufstand kämpft er – wovon der Gustl ja träumt.
Das Lebensgefühl des ausgehenden 19. Jahrhunderts war geprägt von der Faszination für das Unbekannte, vom Gefühl der Todessehnsucht und der Faszination des Mystischen. Man erforschte die Tiefen des Unterbewusstseins und beschäftigte sich mit Hypnose. Mord und Selbstmord wurden literarisch zum Thema.
Der Selbstmord von Thronfolger Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera 1889 in Mayerling war ein Skandal, der bis heute Anlass zu Spekulationen gibt. Die wahren Hintergründe sind nicht bekannt, allerdings wurde dem Thronfolger schon zuvor eine morbide Neigung zugeschrieben. So lagen auf seinem Schreibtisch stets ein Totenschädel und ein Revolver. (Anm.: diese Utensilien waren Sommer 2011 im Stadtmuseum Graz ausgestellt.)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsabsicht, die literarischen Parallelen zu untersuchen und eine sprachliche sowie erzähltechnische Analyse durchzuführen.
WELCHE PARALLELEN GIBT ES ZWISCHEN BEIDEN GESCHICHTEN?: Gegenüberstellung der strukturellen und inhaltlichen Gemeinsamkeiten beider Werke, wie z.B. der Zeitspanne, der männlichen Protagonisten und der Thematik der verletzten Ehre.
SCHNITZLER UND HOFMANNSTHAL IN IHRER ZEIT: Analyse des historischen Kontextes im Wien der Jahrhundertwende sowie der soziopolitischen Rolle der Armee und des morbiden Todesverständnisses.
TEXTSTELLEN UND ANMERKUNGEN: Detaillierte Untersuchung spezifischer Textpassagen, die das Frauenbild, den Antisemitismus und die Selbsterkenntnis der Protagonisten verdeutlichen.
ZEITEN, STIL UND TEXTMERKMALE: Untersuchung erzähltechnischer Aspekte, insbesondere der Fokalisierung, der Erzählgeschwindigkeit und der Funktion des inneren Monologs.
Schlüsselwörter
Literaturwissenschaft, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Leutnant Gustl, Reitergeschichte, fin de siècle, Militarismus, Antisemitismus, innerer Monolog, Wiener Moderne, Ehre, Psychoanalyse, Erzähltechnik, Bewusstseinsstrom, Todessehnsucht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die zwei literarischen Werke „Leutnant Gustl“ von Arthur Schnitzler und „Die Reitergeschichte“ von Hugo von Hofmannsthal im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse der Jahrhundertwende.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle des Militärs, das vorherrschende Frauenbild, Antisemitismus sowie das morbide Lebensgefühl und die Auseinandersetzung mit dem Tod.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die Parallelen zwischen den beiden Texten aufzuzeigen und durch eine Analyse der Sprache sowie der Erzähltechniken das Weltbild der Protagonisten freizulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die Aspekte der Erzähltheorie (Erzählzeit, Fokalisierung) mit historisch-biografischen Kontextualisierungen verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der zeitgeschichtlichen Hintergründe, die Untersuchung spezifischer Textstellen zur Charakterisierung der Figuren und die Untersuchung stilistischer Textmerkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wiener Moderne, Militarismus, Psychoanalyse, innerer Monolog und Literaturvergleich einordnen.
Welche Rolle spielt die Armee für die Protagonisten?
Die Armee fungiert für beide Protagonisten als existenzielles Identifikations- und Abhängigkeitsinstrument, wobei sie gleichzeitig den Rahmen für das Zerbrechen an gesellschaftlichen Normen liefert.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise der beiden Texte laut Analyse?
Während Schnitzler den inneren Monolog und Bewusstseinsstrom fokussiert, arbeitet Hofmannsthal stärker mit wechselnden Erzählgeschwindigkeiten und einer symbolisch aufgeladenen Bildsprache.
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- Luitgard Kastelliz (Author), 2012, Schnitzlers „Leutnant Gustl“ und Hofmannsthals „Die Reitergeschichte“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266659